Madame Bovary - Emmas Traum von der Flucht mit Rodolphe als ein Beispiel ihrer Realitätsferne und Naivität


Seminararbeit, 2001

14 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

01. Einleitung

02. Traum von der Flucht mit Rodolphe

03. Der „style indirect libre“ – die erlebte Rede

04. Reisevorbereitungen und die Bedeutung Lheureuxs

05. Die Abwesenheit des Erzählers

06. Der Abschiedsbrief und Emmas Reaktion

07. Emma - eine Feministin?

08. Schlussbetrachtung

09. Bibliographie

01. Einleitung

Emma Bovary - das Opfer einer von Männern dominierten Gesellschaft oder das Opfer ihrer realitätsfernen Träume? Zwei sehr unterschiedliche Theorien, die sich meiner Ansicht nach jedoch nicht ausschließen müssen. Emmas Traum von der Flucht mit Rodolphe in eine in ihrer Vorstellung sorgenfreie und unbeschwerte Welt liefert Interpretations-möglichkeiten für beide Theorien.

Er ist nur ein Beispiel ihrer unzähligen Illusionen und doch verdeutlicht er die Verwechslung von Realität und Traum und zeigt ebenfalls Emmas Naivität auf, mit der sie zum wiederholten Mal auf einen Mann hereinfällt, weil sie diesen nicht einschätzen kann.

Weiterhin steht dieser Fluchtplan für Emmas Wunsch, aus ihrer Situation zu flüchten. Im engeren Sinn, vor Charles zu flüchten, im weiteren Sinn aus ihrer Situation als Frau mit einer in der damaligen Zeit eingeschränkten Freiheit zu entkommen. Man kann also sagen, dass Emma versucht, auf ihre eigene Weise gegen die von Männern dominierte Gesellschaft zu kämpfen. Kann man sie deshalb als Feministin betrachten?

Als Emma mit der Realität konfrontiert wir und erfährt, dass sie von Rodolphe ausgenutzt wurde, bricht ihre Illusion wieder einmal zusammen und erste konkrete Anzeichen eines Selbstmordes deuten sich an.

Im Zusammenhang mit der Flucht und der daraus resultierenden Enttäuschung Emmas stehen auch andere Personen, wie zum Beispiel Lheureux oder Felicité. Welche Rolle spielen sie für das unabwendbare Schicksal der Mme Bovary? Beide profitieren ebenfalls wie Charles und auch Rodolphe auf ihre Weise von Emma, ohne dass sie sich dessen bewusst ist. Also wird Emma zwar hauptsächlich, aber nicht ausschließlich von Männern ausgenutzt.

Welche Bedeutung hat diese erneute Desillusionierung für den weiteren Verlauf des Romangeschehens und wäre Emma mit Rodolphe letztendlich glücklich geworden? Kann eine Frau wie Emma Bovary, die ihre ganze Jugend in romantischen Illusionen verbracht hat überhaupt glücklich und zufrieden werden?

Solche und andere Fragen sollen in dieser Hausarbeit beantwortet werden. Hauptsächlich habe ich für die Interpretation folgende Stellen aus Mme Bovary – Textes et Contextes ausgewählt: S. 472, Z. 8 – S. 494, Z. 15 S. 502, Z. 20 – S. 508, Z. 34

Allerdings ist es für das vollständige Verständnis notwendig, sich auch auf andere Stellen zu beziehen, um bestimmte Thesen belegen zu können.

02. Traum von der Flucht

Emma glaubt, in Rodolphe endlich jemanden gefunden zu haben, der sie aus ihrer Situation befreien kann und sie setzt so alle ihrer Hoffnungen in ihn. Sie fleht ihn an, sie zu retten. Sie so in Leidenschaft zu sehen, ist anziehend für Rodolphe, so dass er sie fragt, wie er ihr denn helfen kann. “Enlève-moi!...“ (p.472, l.16) antwortet sie ihm. Die Bitte, sie zu „entführen“ beruht mit Sicherheit auf ihrer Lektüre, die sie im Kloster gelesen hat, und ist Teil ihrer romantischen Ideen geworden. Rodolphe reagiert irritiert, er hat ganz und gar nicht die Absicht, sich an eine Frau und ein Kind zu binden. Doch Emma erwartet gar nicht erst seine Antwort, da sie bereits so vertieft in ihren Traum ist, dass sie nicht einmal in Erwägung zieht, Rodolphe könnte ihren Wunsch nicht teilen. Emma versteift sich dermaßen in diesen Fluchtplan, dass sie kein anderes Gesprächsthema mehr finden kann und drängt Rodolphe so in eine Ecke. Er geht den Weg des geringsten Widerstandes und sagt Emma immer genau das, was sie hören möchte.

Es ist geschickt von Flaubert, einen kühlen, skrupellosen Rodolphe jene gefühlvolle Worte heucheln zu lassen, die sich Emma von ihrem idealen Liebhaber erträumt hat und damit gleichzeitig ihre Verblendung und Einfältigkeit aufzudecken.

Es wird deutlich, wie sehr sie diese Flucht idealisiert. „Il me semble qu’au moment où je sentirai la voiture s’élancer, ce sera comme si nous montions en ballon, comme si nous partions vers les nuages.“(p. 472, l. 38-40)

Die Zeit der Vorbereitungen ist für Emma merklich eine Zeit des Glücks. Sie befindet sich in ihrer eigenen kleinen Welt ohne auf Reaktionen, Gefühle und Gedanken der tatsächlich um sie herum existierenden Personen zu achten. Aufgrund dieses Glücks, das Emma erlebt, wird sie ausgeglichener, umgänglicher und entfaltet eine natürliche Schönheit, welche von Flaubert aus der Sicht Charles beschrieben wird. „Ses paupières semblaient taillées tout exprès pour ses longs regards amoureux où la prunelle se perdait, tandisqu’un souffle fort écartait ses narines minces et relevait le coin charnu de ses lèvres[...]“ (p. 474, l.7-11) Diese Erzähltechnik, eine Person aus Sicht einer zweiten zu beschreiben ist bei Flaubert sehr beliebt, da er sich als Erzähler aus der Geschichte heraushalten kann und so den Eindruck vermittelt, eine andere Person aus dem Roman beschreiben zu lassen. Der Vorteil ist außerdem, dass durch diese Technik nicht nur eine bestimmte Person beschrieben wird, sondern der Leser auch etwas über die Einstellung und Gefühle der beschreibenden Person erfährt. Indem also Charles Emma in einer so positiven, liebenswerten Art beschreibt, weiß der Leser gleichzeitig um die Wirkung, die sie auf ihn hat. Flaubert ordnet mit dieser Technik, die objektiven Werte einer Beschreibung den subjektiven unter.

[...]

Ende der Leseprobe aus 14 Seiten

Details

Titel
Madame Bovary - Emmas Traum von der Flucht mit Rodolphe als ein Beispiel ihrer Realitätsferne und Naivität
Hochschule
Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf  (Philologische Fakultät)
Veranstaltung
Proseminar: Mme Bovarys Lehrjahre des Herzens
Note
1,3
Autor
Jahr
2001
Seiten
14
Katalognummer
V3808
ISBN (eBook)
9783638123549
ISBN (Buch)
9783638756310
Dateigröße
474 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Madame, Bovary, Emmas, Traum, Flucht, Rodolphe, Beispiel, Realitätsferne, Naivität, Proseminar, Bovarys, Lehrjahre, Herzens
Arbeit zitieren
Vanessa Schweppe (Autor), 2001, Madame Bovary - Emmas Traum von der Flucht mit Rodolphe als ein Beispiel ihrer Realitätsferne und Naivität, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/3808

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