In dieser Arbeit erfolgt eine strukturalistische Untersuchung der angloamerikanischen Entlehnungen in das französische Sprachsystem auf phonologischer, graphematischer, morphologischer, syntagmatischer und semantischer Ebene. Die Untersuchung erfolgt unter Berücksichtigung von Transferenz und Integration.
„Transferenz“ stellt hierbei die Übernahme von Elementen, Merkmalen und Regeln einer Sprache A (englisches oder amerikanisches Englisch) in eine Sprache B (Französisch) dar. „Integration“ verweist auf die ausdrucksseitige Anpassung eines Elementes einer Sprache A an die Muster der Sprache B.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Die phonologische Ebene
2.1 Vokale
2.2 Konsonanten
2.3 Halbkonsonanten
2.4 Der Velarnasal [ŋ]
3 Die graphematische Ebene
4 Die morphologische Ebene
4.1 Integration in Kasus, Numerus, Genus
4.1.1 Kasus
4.1.2 Numerus
4.1.2.1 Numerus der Substantive
4.1.2.2 Numerus der Komposita
4.1.2.3 Numerus der Adjektive
4.1.3 Genus
4.1.3.1 Genus der Substantive
4.1.3.2 Genus der Adjektive
4.2 Wortbildung
4.2.1 Derivation
4.2.2 Komposition
4.2.3 Kürzung englischer Komposita und Mehrsilber
5 Die syntagmatische Ebene
6 Die semantische Ebene
7 Schlussbetrachtung
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht strukturalistisch den Einfluss des britischen und amerikanischen Englisch auf die französische Sprache, mit besonderem Fokus auf die Prozesse der Transferenz und Integration auf verschiedenen sprachlichen Ebenen.
- Phonologische und graphematische Integrationsmuster englischer Lehnwörter
- Morphologische Anpassung durch Derivation und Komposition
- Syntaktische Interferenzen und frequenzsteigernde Effekte
- Semantische Veränderungen, Bedeutungsverschiebung und -erweiterung
- Status von Anglizismen und Pseudoanglizismen im heutigen Französisch
Auszug aus dem Buch
2.1 Vokale
Im Gegensatz zur französischen Sprache besitzt die englische Sprache neben sieben Kurzvokalen [ʌ, æ, e, ə, ɪ, ɒ, ʊ] fünf Langvokale [aː, ɜː, iː, ɔː, uː] und acht Diphthonge [aɪ, aʊ, eə, eɪ, əʊ, ɪə, ɔɪ, ʊə].
Bei der Eingliederung der englischen bzw. amerikanischen Lehnwörter in die französische Sprache werden die Langvokale den französischen phonologischen Regeln nach gekürzt. Der Schließungsgrad bleibt erhalten. Den kombinatorischen französischen Längungsregeln entsprechend werden Vokale nur in betonter Silbe vor den „consonnes allongeantes“ [r, v, vr, z] gelängt, z. B. in „strip-tease“ [striːp-tiːz]. Die Vokale [a, ø, o] werden vor gesprochenem Konsonant gelängt. In allen anderen Positionen sind diese Vokale kurz. Des Weiteren werden Oralvokale vor Nasalkonsonanten nasaliert. Der Nasalkonsonant fällt weg, z.B. in „dancing“ [dãsɛ̃].
Schwierigkeiten bereiten bei der Integration insbesondere [ʌ], [æ] und [ɜ:], welche der französische Sprecher nicht kennt. Die Laute werden durch ähnliche französiche Laute realisiert, z.B.:
[ʌ] > [a, ɔ, œ, ø, y] engl. bus > frz. le bus [bys]; club > frz. le club [klœb]
[æ] > [a, ɛ] engl. plaid > frz. le plaid [plɛd]
[ɜ:] > [ɛ] engl. iceberg > frz. le iceberg [ajsbɛrg, isbɛrg].
Die Diphthonge werden im allgemeinen monophthongiert, z.B. eng. „clown“ > frz. le clown [klun]. Die Diphthonge [aɪ] und [ɔɪ] behalten häufig den ersten Lautteil. Der zweite Lautteil wird durch einen Halbkonsonanten realisiert: engl. cowboy > frz. le cow-boy [k(a)ɔboj].
Auch die Orthographie hat einen Einfluss auf die Aussprache, so realisiert der französische Sprecher engl. boy scout als [bɔjsut] oder engl. grapefruit als [grapfryi].
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Definition des Begriffs Anglizismus und Überblick über die historische Entwicklung der Aufnahme englischen Wortgutes in das Französische.
2 Die phonologische Ebene: Analyse der phonetischen Integration, insbesondere wie englische Vokale, Konsonanten und der Velarnasal in das französische System eingegliedert werden.
3 Die graphematische Ebene: Untersuchung der zeitversetzten Anpassung der englischen Schreibweise an französische Standards.
4 Die morphologische Ebene: Detaillierte Betrachtung der morphologischen Integration hinsichtlich Kasus, Numerus und Genus sowie der Wortbildung durch Derivation und Komposition.
5 Die syntagmatische Ebene: Erörterung möglicher grammatikalischer Interferenzen und des Einflusses der Anglizismen auf französische Satzstrukturen und stilistische Tendenzen.
6 Die semantische Ebene: Darstellung von Transferenzprozessen wie Bedürfnis- und Luxusentlehnungen sowie semantischer Differenzierung durch Doppelbesetzungen.
7 Schlussbetrachtung: Zusammenfassung der Ergebnisse: Englische Entlehnungen wirken primär stützend und frequenzsteigernd auf bestehende Tendenzen statt grundlegende Strukturen zu transferieren.
Schlüsselwörter
Anglizismen, französische Sprache, Transferenz, Integration, Phonologie, Morphologie, Wortbildung, Lehnwörter, Pseudoanglizismen, Sprachwandel, Sprachkontakt, Linguistik, Semantik, Syntax, Entlehnung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit?
Die Arbeit untersucht den Einfluss des Englischen (britisch/amerikanisch) auf das Französische, wobei die Prozesse der sprachlichen Übernahme und Anpassung im Mittelpunkt stehen.
Welche zentralen Themenfelder werden analysiert?
Die Untersuchung konzentriert sich auf die phonologischen, graphematischen, morphologischen, syntagmatischen und semantischen Ebenen des Sprachkontakts.
Was ist das primäre Ziel der Studie?
Das Ziel ist es, strukturalistisch zu belegen, in welchem Ausmaß die französische Sprache durch den Kontakt zum Englischen verändert wird, insbesondere im Hinblick auf Transferenz vs. Integration.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Es wird eine strukturalistische Untersuchung durchgeführt, die sprachwissenschaftliche Daten (Wörterbücher, Studien) auswertet, um Integrationsmuster aufzuzeigen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich nach den sprachlichen Ebenen: Lautliche Anpassung, schriftbildliche Integration, grammatikalische Einordnung (Genus/Numerus), Wortbildungsprozesse sowie Bedeutungswandel.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Untersuchung?
Die wichtigsten Begriffe sind Anglizismen, Sprachintegration, Transferenz, Entlehnung, Wortbildung und semantische Verschiebung.
Welche Rolle spielt der Velarnasal [ŋ] im Französischen?
Der Status des Velarnasals ist umstritten; die Arbeit diskutiert, ob er als fremder Laut oder als integriertes Phonem zu betrachten ist, insbesondere in Wörtern auf -ing.
Wie werden englische Komposita ins Französische übernommen?
Die Arbeit zeigt, dass die englische Reihenfolge Determinans + Determinatum zunehmend auch im Französischen verwendet wird, obwohl die klassische französische Wortbildung normalerweise umgekehrt funktioniert.
Was sind Pseudoanglizismen?
Dies sind Wörter, die zwar aus englischem Inventar gebildet wurden, in der englischen Sprache jedoch so nicht existieren, wie beispielsweise "le smoking" oder "le parking".
Welche Schlussfolgerung zieht der Autor?
Der Autor schließt, dass massive Transferenz primär im lexikalischen Bereich stattfindet, während das Englische auf anderen Ebenen vor allem stützend und frequenzsteigernd auf bereits vorhandene französische Strukturen wirkt.
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- Angelika Felser (Author), 1998, Transferenz und Integration. Der Einfluss von Anglizismen auf die französische Sprache, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/380814