Wohlbefinden und Raumgestaltung an der Universität

Einstellung der Studierenden gegenüber der Raumgestaltung an der Universität mit Blick auf das individuelle Wohlbefinden


Hausarbeit, 2017
27 Seiten, Note: 1,3

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Theoretischer Hintergrund
2.1. Thematische Einführung
2.2. Raum (-gestaltung) als Begrifflichkeit
2.3. Wohlbefinden

3. Fragestellung und Hypothesen

4. Methodisches Vorgehen
4.1. Merkmale von quantitativer Forschung
4.2. Befragungsinstrument
4.3. Befragungsprozess
4.4. Auswertungsverfahren (SPSS)

5. Ergebnisse
5.1. Prüfung Hypothese 1
5.2. Prüfung Hypothese 2
5.3. Prüfung Hypothese 3
5.4. Prüfung Hypothese 4

6. Diskussion
6.1. Beurteilung der Hypothesen
6.2. Reflexion

Literaturverzeichnis

Anhang

1. Einleitung

Nachdem Deutschland im Jahr 2000 in der ersten Pisa-Studie im Bereich der Lesekompetenz weit unter dem OECD-Durchschnitt lag (Artelt, C. 2000, S.15), wurden die vielen leistungsbezogenen Probleme in deutschen Schulen ersichtlich. Zufall, dass eine Kommilitonin berichtete, dass Universitäten und Schulen in Schweden sehr viel studien- beziehungsweise schülerfreundlicher eingerichtet seien – und Schweden in derselben Pisa-Studie weit über dem OECD-Durchschnitt lag? Es würde den Rahmen sprengen das deutsche Schulsystem in seiner Gänze mit seinen Fehlern zu analysieren, weshalb sich in der vorliegenden Hausarbeit auf die Frage, inwiefern die Raumgestaltung an deutschen Universitäten das Wohlbefinden der dortigen Studierenden beeinflusst, beschränkt wird.

Unter anderem angeregt durch Pisa untersuchen Forscher schon länger die unterschiedliche Effektivität von Lehr- und Lernmethoden und eben auch die Einflüsse von Raumgestaltung auf die Leistungsbereitschaft der Lernenden. Da es uns im Rahmen des Seminares nicht möglich war, die tatsächliche Leistung der Studierenden zu überprüfen, beschränken wir uns in dieser Studie daher auf den Einfluss auf das individuelle Wohlbefinden der Befragten. Nicht nur der klassische Frontalunterricht hat an Popularität verloren, wie in einer Studie von Goetz aus dem Jahr 2005 zu erkennen ist, auch das klassisch graue Schulgebäude verliert an Anhängern. Hiermit rückt die Raumgestaltung an Grund- sowie weiterführenden Schulen, an Kindergärten und auch an Universitäten in den Vordergrund. Aus diesen Gründen haben wir dieses Thema ausgewählt, was zudem für Studierende hochaktuell ist – schon wieder ist in der Bibliothek kein Platz frei und das achtstündige Blockseminar findet in einem Kellerraum statt. Wie viele Auswirkungen hat dies tatsächlich auf unser Wohlbefinden und welche Faktoren fließen konkret dabei mit ein?

2. Theoretischer Hintergrund

2.1. Thematische Einführung

Die allgemeine Annahme, dass die Gestaltung von Räumen unterschiedliche Einflüsse auf Handlungen und Emotionen von Menschen haben, wurde bereits vielfach untersucht, wie beispielsweise in einer Studie von Andrade, Devlin, Pereira und Lima von 2017. Andrade et al. haben dabei analysiert, inwiefern die Gestaltung der Räumlichkeiten in Krankenhauszimmern die Gefühle und mögliche Ängste der Patienten beeinflussen mit besonderem Blick auf soziale Unterstützung, positive Ablenkung und vermeintliche Kontrolle, die die Patienten zu haben glauben. Auf das methodische Vorgehen und die exakten Ergebnisse wird hier allerdings nicht im Detail eingegangen werden, sondern nur die Darstellung der maßgeblichen Ergebnisse erfolgen. Zwar scheint die Kontrolle über den eigenen Krankenhausaufenthalt keinen signifikanten Einfluss zu haben, allerdings ist es nicht verwunderlich, dass Personen in einem Raum, der beispielsweise mit einem Telefon, einem Fernseher oder Bildern, also ablenkenden Maßnahmen, ausgestattet war weniger Stress zeigten und sich wohler fühlten als Patienten in einem weniger vielfältig ausgestattetem Raum. Im Folgenden soll der Einfluss der räumlichen Gestaltung auf Personen zunächst in seinem theoretischen Hintergrund und anschließend durch weitere empirische Belege betrachtet werden (Andrade, 2017)

2.2. Raum (-gestaltung) als Begrifflichkeit

Im Duden ist das Substantiv Raumgestaltung nicht sehr weitreichend als „Gestaltung und Ausgestaltung von Räumen“ (Dudenreaktion, O.J.) definiert. Daher werde ich im Folgenden versuchen, diesen Begriff im Hinblick auf das Thema näher zu erläutern. Zum einen impliziert die Definition des Dudens eine rein physikalische Betrachtung des Raumes, obwohl dahinter doch mehr steckt. Jürgen Hasse unterteilt den Raum als Begrifflichkeit in verschiedene Bereiche, wie beispielsweise den mathematischen Raum, den leiblichen und, hier bedeutsam, den sozialen und symbolischen Raum (Hasse, J. 2007). Dies bedeutet, dass Räume auch mental erschließbar sein und als Symbol durchaus eine Botschaft tragen können, was spätestens seitdem der Raum auch als sogenannter „dritter Pädagoge“ bezeichnet wird, unter anderem im pädagogischen Alltag relevant geworden ist. So vielfältig die Bedeutung des Raumes sein kann, so vielfältig sind auch die Möglichkeiten seiner Gestaltung, die von der Möblierung, der farblichen und lichtbezogenen Gestaltung über die Form und Aufteilung des Raumes reicht.

Die Bedeutung von Farben und deren Einfluss auf unsere kognitive Leistung wurde in einer Studie von Mehta und Zhu (2009) empirisch untersucht, welche sich dabei jedoch auf die Primärfarben Rot und Blau beschränkten. Die grundlegende Annahme der Studie war dabei, dass Rot und Blau verschiedene Bedeutungen an einen Menschen übertragen und daher ein roter Hintergrund die Leistung bei einer detail-orientierten Aufgabe steigert, ein blauer Hintergrund dagegen die Kreativität fördert. Als abhängige Variable gemessen wurde dabei die kognitive Leistung der Probanden (n=69) abhängig von der Bedingung, in die die Versuchspersonen eingeteilt wurden. Dabei wurden auf einem Computer zwölf Anagramme gezeigt, die entweder vermeidend, wie zum Beispiel „vorbeugen“, handlungsimplizierend, wie „Abenteuer“, oder neutrale Wörter waren, die kein Verhalten implizieren; manipuliert wurde jeweils die Hintergrundfarbe des Desktops, die entweder blau, rot oder als Kontrollbedingung weiß war. Als Hypothese sollte in dieser ersten Studie untersucht werden, ob die Farbe Rot ein eher vermeidendes Verhalten und die Farbe Blau ein eher handlungsorientiertes Verhalten aktiviert. Als Ergebnis hielten die Forscher fest, dass die Probanden in der roten Bedingung bei den handlungsvermeidenden Anagrammen sehr viel schneller waren als die der blauen Bedingung, was sie auf die unterschiedlichen Farben zurückführten. Diese Ergebnisse wurden in einer Vielzahl von Experimenten repliziert, um ihre externe Validität zu belegen, wobei den Probanden unter anderem auch entweder eine detailorientierte oder eine kreative Aufgabe zufällig zugeteilt wurde, vor der sie gefragt wurden, von welcher Farbe sie glauben, dass sie ihre Leistung positiv beeinflusse, um auszuschließen, dass den Probanden die Beeinflussung durch die Hintergrundfarbe bewusst war. Natürlich könnte man argumentieren, dass die Bedeutsamkeit von Farben erlernt sein könnte – Rot impliziert im Alltag, beispielsweise im Straßenverkehr durch das Stoppschild oder eine rote Ampel eine eher handlungsvermeidende Tendenz, im Beispiel das Anhalten. Da Blau im Allgemeinen eher mit Weite assoziiert wird, zum Beispiel durch die Farbe des Meeres oder des Himmels, könnte dies die Kreativität anregen. Letztendlich ist es für das Thema dieser Hausarbeit irrelevant, ob die Bedeutsamkeit der Farben gelernt ist oder nicht – wichtig ist, dass sie einen statistisch relevanten Einfluss auf das Verhalten und die kognitive Leistung Menschen haben. Diese ist in pädagogischer Hinsicht eine wertvolle Erkenntnis und sollte daher im pädagogischen Alltag aktiv eingesetzt werden. Interessant ist auch die Überlegung, inwiefern kulturelle Differenzen eine andere Beeinflussung durch Farben zu Folge haben. Dies konnte innerhalb der vorliegenden Studie jedoch nicht hinreichend untersucht werden.

Nachdem hinreichende empirische Belege für eine Beeinflussung des menschlichen Verhaltens und der Leistung dargestellt wurden, interessieren uns auch eventuelle geschlechtliche Differenzen in Bezug auf Farbe, die Joe Hallock (2003) unter anderem untersuchte. Er befragte in einem Onlinefragebogen 232 Teilnehmer, welche Farbe sie verschiedenen Werten, wie beispielsweise Vertrauen zuordnen würden und auch nach ihrer Lieblingsfarbe. Dabei gaben vierzehn Prozent aller Männer an Schwarz, Weiß und Grau zu ihren Lieblingsfarben zu zählen, bei den Frauen antworteten jedoch nur sieben Prozent so. Aus diesen beiden Studien lässt sich schlussfolgern, dass die farbliche Gestaltung ein wichtiger Faktor der Gestaltung von Räumen im Allgemeinen ist, aber vor allem im schulischen beziehungsweise pädagogischen Kontext besonders beachtet werden sollte und daher auch in unserem Fragebogen, der anschließend erläutert wird, einen Platz findet.

Ein wichtiger Punkt ist die architektonische Konzeption von Räumen. Dies erstreckt sich von der Form und Art der Räume über die Möblierung und soll so eine gesunde Art des Lernens und Lehrens fördern. Kommunikationsfördernde Räume und ihre Möbel dürften nach daher nicht erdrückend und schwer, sondern flexibel und weitläufig sein, mit hohen Decken, die ein Gefühl von freiem Denken implizieren. Auch die Art der Bestuhlung hat einen besonderen Einfluss auf das physische und damit auch automatisch psychische Wohlbefinden, denn wer unter Rückenschmerzen leidet, kann sich schlechter konzentrieren und ist weniger leistungsfähig. Wolfgang Hain machte die Gestaltung des Lernumfeldes und etwaige Störungen von folgenden Bereichen abhängig: Akustik, inklusive einer möglicherweise störenden Geräuschkulisse; Optik, unter Einbezug der Licht- und Farbgestaltung; Olfaktorik, also Geruchsbelästigung; Ergonomie, der Art der Möblierung und Architektur, also der Schnitt des Raumes oder zum Beispiel die Höhe der Decke (Hain, W. 2008).

Eine ähnliche Unterteilung, allerdings angelehnt an das eingangs genannte Prinzip der Beeinflussung der Patienten beschreibt auch Mark Schneider in „Do school facilities affect academic outcome?“ (2002) und unterteilt die wichtigen Faktoren in Bezug auf räumliche Gestaltung in die Luftqualität, die Luftzirkulation, die Temperatur, Beleuchtung, Akustik, das Alter des Gebäudes, die Größe des Gebäudes und die Klassengröße, um dann zu untersuchen, welcher der maßgebliche Faktor bezüglich der Beeinflussung der schulischen Leistung ist. Erwähnenswert sind dabei vor allem die Folgen, die beispielsweise eine miserable Luftqualität für die Gesundheit hat, was das sogenannte sick-building-Syndrom mit an sich relativ unspezifischen Krankheitssymptomen zur Folge haben kann. Es würde an dieser Stelle den Rahmen sprengen, den genauen Verlauf dieser Untersuchungen zu erläutern, daher reicht es hier festzuhalten, dass all diese Faktoren die (schulische) Leistung maßgeblich beeinflussen, was genauer am Beispiel des Lichts erläutert werden soll, wobei in der vorgestellten Untersuchung nicht der Einfluss des Lichtes allgemein erläutert wird, denn offensichtlich beeinflusst Licht maßgeblich den menschlichen Tagesrhythmus und ist zum Lernen unabdingbar, sondern der Unterschied zwischen Schülern, die unter künstlichem oder unter natürlichem Lichteinfluss lernten. Schüler, die in ihrem Klassenzimmer am meisten natürliches Licht zur Verfügung hatten, verbesserten ihre Leistung im Fach Mathematik um 20 und ihre Lesekompetenz um 26 Prozent schneller als Schüler, die im Unterricht vermehrt künstlichem Licht ausgesetzt waren. Beachtet werden sollte jedoch, dass eine unterschiedliche Unterrichtsqualität das Ergebnis mit beeinflusst haben könnte, sodass die genauen Folgen von unterschiedlichen Einflüssen durch das Licht nicht ganz geklärt sind, es jedoch als Beleg dafür gesehen werden kann, dass natürliches Licht einen positiven Einfluss besitzt.

Zur Unterstützung der präsentierten Ansätze und empirischen Belege wird im Folgenden eine Studie der Firma steelcase vorgestellt, die genau dieses Thema untersucht hat. Dazu ist anzumerken, dass steelcase sich als Hersteller für Büroeinrichtungen und Raumlösungen etabliert hat und diese Studie daher nur als Bekräftigung der oben genannten Punkte und nicht als unabhängige, wissenschaftliche Quelle zu betrachten ist. Konkret wurde diese Studie an der FH Rosenheim in Angriff genommen, wobei als Ziel im Mittelpunkt stand, durch eine kommunikations- und demokratiefördernde räumliche Gestaltung die Lern- und Leistungsfähigkeit der Studierenden zu fördern. Wie eingangs erwähnt geht der Trend sowohl in Schulen als auch in Universitäten weg vom Fokus des Lehrens hin zum eigenständigen Lernen. Konkret bedeutet dies, eine Atmosphäre zu schaffen, die Teamarbeiten unkompliziert möglich macht, aber auch individuelles Lernen innerhalb eines Raumes fördert. Der Fokus liegt dabei auch der Reflexion und Diskussion zur aktiven Einbeziehung in den Lernprozess. Geschaffen wird dies durch Förderungen von Diskussionsmöglichkeiten, also weg von der klassischen Reihenbestuhlung in einem Klassenzimmer und Kreativität. Diese Flexibilität sei für die Studierenden aufgrund der fehlenden Gradlinigkeit und dem lange gewohnten Frontalunterricht zuerst ungewohnt gewesen, habe aber schlussendlich zu großen Erfolgen geführt. So haben beispielsweise Studierende durch Arbeit im Stehen eine höhere Leistung und mehr Kreativität gezeigt als Kommilitonen, die im Sitzen tätig waren. Eine weitere Studie der dortigen Steelcase Education, in der Effekte in vier amerikanischen Universitäten untersucht wurden, zeigt ähnliche Ergebnisse, bezieht dabei aber auch noch die Perspektive der Lehrenden ein, die ähnlich wie Studierende durch eine klassische schulische Raumgestaltung einer eher begrenzten Flexibilität ausgesetzt sind. Zwölf Bewertungsfaktoren wurden dabei gemessen, wie beispielsweise die aktive Einbeziehung, ob Inhalte praxisbezogen vermittelt wurden oder die Förderung von körperlicher Bewegung. Auch hier berichteten Lernende und Lehrende an allen Universitäten von optimierter Leistungsfähigkeit auch in Form von besseren Noten sowie von erhöhter Motivation und Kreativität.

2.3. Wohlbefinden

Nach der Weltgesundheitsorganisation ist Gesundheit „ein Zustand vollständigen körperlichen, seelischen und sozialen Wohlbefindens und nicht nur das Freisein von Krankheit oder Gebrechen“ (WHO, eigene Übersetzung) – dies impliziert, dass Wohlbefinden ein maßgeblicher Faktor für die Gewährleistung von physischer und psychischer Gesundheit ist, weshalb wir das Wohlbefinden in unserer Studie als abhängige Variable gewählt haben. So ist sie in dem Sinne messbar, dass die Studierenden in dem nachfolgend dargestellten Fragebogen ihr Wohlbefinden angeben können.

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Ende der Leseprobe aus 27 Seiten

Details

Titel
Wohlbefinden und Raumgestaltung an der Universität
Untertitel
Einstellung der Studierenden gegenüber der Raumgestaltung an der Universität mit Blick auf das individuelle Wohlbefinden
Hochschule
Universität zu Köln
Note
1,3
Autor
Jahr
2017
Seiten
27
Katalognummer
V380824
ISBN (eBook)
9783668573567
ISBN (Buch)
9783668573574
Dateigröße
637 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
wohlbefinden, raumgestaltung, universität, einstellung, studierende, studie, quantitative, uni, räumliche Gestaltung, SPSS, PISA, auswirkung, zusammenhang
Arbeit zitieren
Katja Maus (Autor), 2017, Wohlbefinden und Raumgestaltung an der Universität, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/380824

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