Analyse eines Zeitungskommentars mit Karrikatur


Hausarbeit, 2017

17 Seiten, Note: 1


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Textualitätskriterien

Kohäsion

Kohärenz

Intertextualität und Textsorte

Textaufbau

Kontext des Textes und Informationsfluss

Textevaluation und Verbesserungsvorschläge

Rhetorische Stilmittel und Effektivität

Literaturverzeichnis

Textualitätskriterien

Anfangs soll geklärt werden, was einen Text zu einem Text werden lässt und welche Kriterien dabei erfüllt werden müssen.

Als Text wird eine sprachliche oder kommunikative Einheit bezeichnet, die in der Regel aus vollständigen Sätzen besteht und strukturell – grammatisch und inhaltlich – thematisch verknüpft ist. Diese werden auch Kohäsion und Kohärenz genannt. Außerdem weisen Texte auch spezifische kommunikative Funktionen auf, die im sortentypischen und intertextuellen Zusammenhang miteinander stehen. Der Begriff des Textes kann also anhand der folgenden Merkmale erläutert werden: Sprachlichkeit, Schriftlichkeit, Kohäsion, Kohärenz, Funktionalität und Sortenhaftigkeit. (vgl. Busch/Stenschke 2014, S. 235)

In Bezug auf die Fragestellung, wie ein Text verknüpft ist, geht der Fokus in erster Linie in Richtung der grammatischen Verknüpfungen von benachbarten Sätzen und somit auf die sprachlichen Mittel, die über die Satzgrenzen hinausgehen. Die Beziehung der Sätze lässt sich dabei häufig an sprachlichen Elementen festlegen, die untereinander in einem syntaktischen und semantischen Bezug stehen. Diese Art von Zusammenhang wird in der Textlinguistik als Kohäsion bezeichnet, die unterschiedliche Formen aufweist. (vgl. Linke/Nussbaumer/Portmann 1991, S. 215)

Kohäsion

Die Kohäsion ist ein Teil der Textualitätskriterien, die dazu beitragen, dass ein Text als Text wahrgenommen wird.

Aufgrund der Vielfältigkeit der Kohäsionsmittel sollen nur einige wenige aufgezählt werden und anhand von Beispielen aus dem Zeitungskommentar „Kreml kämpft um vergangene Größe“, aus dem Standard, erläutert werden.

Rekurrenz

Als erstes soll die Rekurrenz erklärt werden. In diesem Fall wird ein und dasselbe Lexem in einem Text immer wieder aufgenommen. In Bezug auf das Sprachliche beziehungsweise auf das Stilistische ist diese Form der Kohäsion nicht optimal, sorgt aber für Präzision und Eindeutigkeit. Dies ist auch der Grund dafür, dass sie besonders in Fachtexten sehr beliebt ist. (vgl. Busch/Stenschke 2014, S. 238)

Am Beispiel des Kommentars war interessant zu sehen, dass die Rekurrenz eher selten verwendet wurde. Dies könnte dem geschuldet sein, dass, wie bereits vorher erwähnt, die Rekurrenz eher in Fachtexten verwendet wird. Anzumerken ist aber auch, dass speziell im Mittelteil der Name Trump immer wieder aufgegriffen wird, was wiederum auch Zusammenhänge im Text herstellt. Folgende Passagen des Kommentars wären Beispiele dafür:

Russland will sich als Gegenpol zur westlichen Welt und globale Macht etablieren

Platz da, jetzt komme ich! Mit reichlich Ellenbogeneinsatz hat die russische Führung in den vergangenen Jahren um den ihr vermeintlich zustehenden Platz an der Sonne gekämpft. In der Außenpolitik-Doktrin artikulierte Moskau im Dezember erstmals seit Jahren auch öffentlich wieder seinen Anspruch darauf, eines der "wichtigsten Einflusszentren der Welt" – und konservativer Gegenpol zum westlichen Liberalismus – zu sein. Per se ist dieser Anspruch sogar durchaus nachvollziehbar: Russland ist der flächenmäßig größte Staat der Welt, [ ].

(Ballin 2017, S. 32)

Die hier angeführte erste Zeile ist im originalen Text die Subline, an die auch später im Kommentar angeknüpft wird. Das zeigt auch, dass ein Teil der wichtigen Passagen des Kommentars bereits in der Subline verankert sind und bereits in den ersten Zeilen des Haupttextes wieder aufgegriffen werden.

Im Fall der Rekurrenz handelt es sich um eine explizite Wiederaufnahme, da ein bestimmter Ausdruck (z. B. Wort oder Wortgruppe) durch einen oder mehrere Ausdrücke in den folgenden Sätzen des Textes wieder aufgenommen werden. Die Referenzidentität besagt, dass sich der wieder aufgenommene Ausdruck auf ein außersprachliches Objekt bezieht, dass eine Person, ein Sachverhalt oder ein Ereignis sein kann. (vgl. Brinker 2010, S. 26)

Substitution

Ein weiteres Kohäsionsmittel, das auch im als Analysebeispiel genommenen Kommentar vorkommt, ist die Substitution.

Von Substitution kann gesprochen werden, wenn ein Textelement, ein Wort oder eine ganze Wortgruppe, im Verlauf des Textes durch ein inhaltlich verbundenes Textelement wieder aufgegriffen wird. Dies kann auf verschieden Arten geschehen wie mit Synonymen, Hyponymen, Hyperonymen, Metaphern und auch mit Lexemen, die der selben Wortgruppe angehören. Anzumerken ist noch, dass es sich im Gegensatz zur Rekurrenz hierbei nicht um eine einfache Koreferenz handelt, sondern um einen in vielen Fällen neuen Bedeutungsaspekt, der in Bezug auf das betroffene Refernezwort eingebracht wird. (vgl. Linke/Nussbaumer/Portmann 1991, S. 216f)

Auch im ausgewählten Analysebeispiel sind Formen der Substitution (im Text rot markiert) auszumachen. Gleich am Anfang können mehrere unterschiedliche Ausdrücke für die Führungspositionen in Russland gefunden werden, die bewirken, dass der Text zu einem Text wird. Die Anhäufung an Ausdrücken für die russische Regierungsspitze stehen zum Teil auch in Kombination mit Metaphern (im Textbeispiel blau markiert), welche die rücksichtslose Vorgehensweise des russischen Präsidenten verstärkt darstellen aber auch ein Stück ins Lächerliche ziehen beziehungsweise wieder abschwächen, wie es unten beim zweiten Zitat aus dem Kommentar der Fall ist. Speziell die Fülle an Kohäsionsmitteln am Anfang des Kommentars ist sehr auffällig, da sie im Laufe des Textes stark abnehmen.

„Platz da, jetzt komme ich! Mit reichlich Ellenbogeneinsatz hat die russische Führung in den vergangenen Jahren um den ihr vermeintlich zustehenden Platz an der Sonne gekämpft. In der Außenpolitik-Doktrin artikulierte Moskau im Dezember erstmals seit Jahren auch öffentlich wieder seinen Anspruch darauf, eines der "wichtigsten Einflusszentren der Welt" – und konservativer Gegenpol zum westlichen Liberalismus – zu sein.“

Wenn hinter allem nur die lange Hand des Kremls gesehen wird, dann schreibt man ihr mehr Kraft zu, als sie hat.

(Ballin 2017, S. 32)

Bei der Substitution handelt es sich um eine implizite Wiederaufnahme, die dadurch charakterisiert ist, dass zwischen dem wiederaufnehmenden Ausdruck und dem wiederaufgenommenen Ausdruck keine Referenzidentität besteht. (vgl. Brinker 2010, S. 33)

Pro - Formen

In erster Linie werden inhaltsleere Sprachelemente, die sich auf ein Bezugselement des sprachlichen Umfeldes beziehen, als Pro – Formen bezeichnet. Hauptsächlich sind dies Pronomina (Busch/Stenschke 2014, S. 237f) aber auch Adverbien wie „dort“ oder „da“. Weiters lässt sich die Gruppe der Pronominaladverbien, wie zum Beispiel „wobei“ oder „womit“, und auch Demonstrativpronomina, wie „diese“ und „der“, den Pro – Formen zuordnen. Ist klar, auf welches Textelement eine Pro – Form Bezug nimmt, kann man eine Unterscheidung zwischen dem anaphorischen Verweis (Rückverweis) und dem kataphorischen Verweis (Vorverweis) treffen. (Linke/Nussbaumer/Portmann 1991, S. 217)

Bezieht man sich hier wieder auf das Analysebeispiel, kann man erkennen, dass diese Art der Kohäsion eine sehr häufig verwendete ist, da sie sich einfach in den Text einbauen lässt. Des Weiteren wird die These bewahrheitet, dass der anaphorische Verweis der häufigere ist. Verwiesen wird dabei aber nicht immer nur auf einzelne Worte, sondern auf ganze Wortgruppen und Phrasen, wie an der folgenden Passage des Kommentars zu erkennen ist.

Kleiner Exkurs: Vorurteile und Ängste im Westen verhalfen Putin dabei zu fast übermenschlicher – wenn auch schwarzer – Größe. Ob politische Intrigen auf dem Balkan, der Brexit, Trumps Wahlsieg in den USA oder allgemein der Aufstieg der Populisten in Europa: Wenn hinter allem nur die lange Hand des Kremls gesehen wird, dann schreibt man ihr mehr Kraft zu, als sie hat.

Schnelle Resultate sind nicht zu verzeichnen. Das war aber auch nicht zu erwarten.

(Ballin 2017, S. 32)

Im zweiten Zitat tritt der Fall auf, dass sich eine Pro – Form auf eine ganze Wortgruppe beziehen kann. Mit dem „Das“, das an den Anfang des zweiten Satzes gestellt wird, wird nicht nur der anknüpfende Satz erheblich verkürzt, sondern bildet auch eine deutlich zu erkennende Verbindung zwischen den beiden Sätzen.

Auch im Fall der Pro – Formen handelt es sich um eine explizite Form der Wiederaufnahme. Besonders relevant ist dabei, dass die Bezugsausdrücke von unterschiedlicher Ausdehnung sein können. Es können Wortgruppen, aber auch Sätze oder Satzfolgen sein. (vgl. Brinker 2010, S. 31)

An dieser Stelle wird die Analyse der Kohäsionsmittel beendet, da die Vielzahl an verschiedenen Formen und deren vollständige Analyse den Rahmen der Arbeit sprengen würde.

[...]

Ende der Leseprobe aus 17 Seiten

Details

Titel
Analyse eines Zeitungskommentars mit Karrikatur
Hochschule
Karl-Franzens-Universität Graz  (Institut für Germanistik)
Veranstaltung
Textlinguistik
Note
1
Autor
Jahr
2017
Seiten
17
Katalognummer
V381054
ISBN (eBook)
9783668600133
ISBN (Buch)
9783668600140
Dateigröße
923 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Analyse, Textlinguistik, Zeitungskommentar, Textualitätskriterien, Kohäsion, Kohärenz, Textaufbau, rhetorische Stilmittel
Arbeit zitieren
Janine Kermec (Autor), 2017, Analyse eines Zeitungskommentars mit Karrikatur, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/381054

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