Die Bourdieu Habitualisierung von Beger und Luckmann. Die soziale Konstruktion der gesellschaftlichen Wirklichkeit

Ein Theorienvergleich


Hausarbeit, 2017

15 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Methodisches Konzept

3. Berger und Luckmann
3.1 Wissen
3.2 Institutionalisierungsprozess

4. Bourdieu
4.1 Sozialer Raum
4.2 Habitus Konzept

5. Parallelen der beiden Ansätze

6. Unterschiede der beiden Ansätze

7. Fazit

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

In einer Wachstumsgesellschaft, welche stets auf der Suche nach größerer Effizienz ist, müssen Handlungen immer weiter routiniert werden um höhere Leistung an anderer Stelle zu gewährleisten. Viele Dinge in der alltäglichen Welt sind so geschmückt von institutionalisiertem Verhalten, als auch mit Prozessen, die man tut, weil sie als normal und vernünftig gelten. So wird nach und nach unsere direkte Umwelt zu einem System von sozial Konstruierter Wirklichkeit die uns als ein bestehendes Netz von Objektivität erscheint.

Die Frage und Analyse dieses Prozesses soll in Form eines Vergleiches das Thema dieser Arbeit bilden. Peter L. Berger und Thomas Luckmann analysieren in ihrem 1969 erschienen Werk „Die gesellschaftliche Konstruktion der Wirklichkeit“ das die Grundprozesse einer sozialen Wirklichkeit beleuchtet soll. Der Prozess der Institutionalisierung bildet einen Teil ihres Werkes, welcher Gesellschaft als eine objektive Wirklichkeit beschreibt. Auch Pierre Bourdieu der als einer der renommiertesten Soziologen des 20. Jahrhunderts gilt beschäftigte sich mit der Frage nach dem Einfluss von sozialen Faktoren für eine gesellschaftliche Ordnung. Aus diesem Grunde entwickelte er anhand des sozialen Feldes und der Dimension des Habitus, ein Konzept, welches die unsichtbaren Beziehungen der einzelnen Akteure in einem dialektischen Prozess aufzeigen sollte. Es geht Bourdieu unteranderem darum Praktiken zu Analysieren welche als vernünftig gelten ohne durch eine bestimmte von von vernünftigen Kalkül geleitet zu sein.

In der folgenden Arbeit soll nun untersucht werden, inwiefern man das Habituskonzept nach Bourdieu mit dem Institutionalisierungsprozess von Berger und Luckmann vergleichen kann. Insbesondere geht es darum, Parallelen und Unterschiede herauszuarbeiten um eine Mögliche Kombination der Theorien aufzuzeigen oder die Grenzen der Vereinbarkeit klar zu machen. Zunächst soll die Methodik, um einen sozialwissenschaftlichen Vergleich durchzuführen erörtert werden. Anschließend wird die Theorie von Berger und Luckmann skizziert wobei, es vor allem um den Prozess der Institutionalisierung gehen soll. Im Weiteren soll auf Bourdieus Theorie eingegangen werden, bei dem die Begrifflichkeiten des sozialen Raumes sowie das Habitus Konzept im Vordergrund stehen. Die jeweiligen Begrifflichkeiten werden in den Kontext der jeweiligen Theorie eingegliedert, wobei es sich nur um eine kurze Darstellungen handelt, da es primär dem Verständnis dient, um eine Vergleichbarkeit der Begrifflichkeiten zu schaffen. Abschließend soll im Fazit eine Antwort auf die Frage gefunden werden, inwiefern man die Ansätze der Theoretiker Vergleichen kann und ob es eine Möglichkeit gibt diese miteinander zu kombinieren.

2. Methodisches Konzept

Der hier angestrebte Theorienvergleich soll primär der „Präzisierung und Modifikation“ (Opp 1978, s.214) beider Theorien dienen. Zu diesem Zwecke soll eine Konfrontation in Form des Herausarbeitens von Parallelen sowie Differenzen der beiden Theorien angestrebt werden. Die Vergleichbarkeit der beiden Theorien wird durch das gleiche Ziel der Theoretiker gewährleistet, Prozesse sozialer Ordnung zu untersuchen (vgl. ebd.). Insbesondere muss an dieser Stelle erwähnt werden, dass es sich nicht um eine Konkurrenzanalyse dreht, die das Ziel verfolgt, eine von beiden Theorien zu negieren oder als schlechter herauszuarbeiten. Ziel ist es vielmehr durch den Vergleich der Theorien Parallelen aufzuzeigen, die zu einer eventuellen Erweiterung führen könnten und gleichzeitig die Grenzen der Vereinbarkeit abzugrenzen. Bevor der Vergleich von statten geht, wird eine Präzisierung der beiden Ansätze, sowie die Klärung von Termini stattfinden, durch die eine Konfrontation erst möglich gemacht wird (vgl. ebd., s.215). So geht es insbesondere darum, die beiden Theorien in einen theoretischen Kontext einzuordnen und die verwendeten Begrifflichkeiten nach Unterschieden und Parallelen zu untersuchen, da sich diese oft erst im verwendeten Zusammenhang zeigen (vgl. Lindenberg, Wippler 1978).

3. Berger und Luckmann

In dem 1969 in deutsch veröffentlichte Werk „Die soziale Konstruktion der Wirklichkeit“ befassen sich Peter L. Berger und Thomas Luckmann mit einer neuen Interpretation der Wissenssoziologie, um eine allgemeine Theorie der sozialen Wirklichkeit zu schaffen (vgl. Endress 2012, s.121). Zu diesem Zwecke untersuchen die Autoren den Prozess der Institutionalisierung als einen Faktor, welcher die Konstruktion der sozialen Wirklichkeit mitbestimmt (vgl. Berger; Luckmann 1969, s.55). Das Verhältnis des Akteurs, mit der ihn umgebenen sozialen Wirklichkeit wird von Berger und Lukmann als ein dialektisches Verhältnis beschrieben, was in einer Wechselwirkung resultiert (vgl. Endress 2012, s. 123). Der Ansatz ihrer Analyse geht also von dieser Wechselseitigkeit aus und versucht so eine einseitige Betrachtung durch subjektivistische oder objektivistische Ansätze aufzulösen (vgl. ebd.)

3.1 Wissen

Das grundlegende Instrument, welches zu einer Objektivierung der institutionalisierten Prozesse führt, ist die Sprache und vor allem das Wissen über diese (vgl. Berger; Luckmann, s.34). Die gesellschaftliche Distribution des Wissens bestimmt so die Position der einzelnen Akteure und sorgt in Form von Rezeptwissen dafür, dass jeder Mensch ein Sammelsurium von Wissen über Prozesse und Handlungen besitzt, welches er in seinem Umfeld benötigt (vgl. ebd., s.44). Das erlangte Wissen wird durch die eigene Logik des Akteurs und die seines Umfeld sinnhaft (vgl. ebd., s. 45). Wissen stellt somit die tradierte und etablierte Vorstellungen von Prozessen, Handlungen und Eigenschaften der sozialen Welt dar und bildet somit die Grundlage für Prozesse der Institutionalisierung.

3.2 Institutionalisierungsprozess

Berger und Luckmann beschreiben die Gesellschaft als eine objektive Wirklichkeit, die sich durch ihre „objektive Faktizität“ (Berger; Luckmann 1969, s.20) auszeichnet. Dabei steht die objektive Faktizität für eine soziale Welt, die konstruiert wird und trotz dessen als eine unabhängige Gegebenheit erscheint (vgl. ebd.). Es geht somit um die Frage, wie ein subjektiv gemeinter Sinn eine objektive Faktizität erreicht und wie diese eine gesellschaftliche Ordnung konstituiert (vgl. ebd, s.55). Zunächst legen Berger und Luckmann dar, dass die gesellschaftliche Ordnung nicht von Natur aus, als gegeben anzunehmen ist, sondern durch soziokulturelle Faktoren bestimmt wird (vgl. ebd., s.52). Der Prozess der Institutionalisierung wird somit als Antwort nach der Möglichkeit für Stabilität innerhalb gesellschaftlicher Strukturen untersucht (vgl. Endress 2012, s.126).

Der Institutionalisierungsprozess beginnt bei Berger und Luckmann mit der Habitualisierung (vgl. Miebach 2013, s.366). Jede Handlung birgt das Potenzial der Gewöhnung, welches zu einer Einsparung von Kraft und einer immer stärker werdenden Routine führt (vgl. Berger; Luckmann 1969, s.56). Die so entstehenden Routinehandlungen betreffen Denk- und Handlungsmuster und werden als Habitualisierung von Handlungen erfasst (vgl. Endress 2012, s.133). Die Ausführung solcher Handlungen geschehen somit nach einer gewissen Zeit unbewusst (vgl. Berger; Luckmann 1969, s.57). Habitualisierung fungiert außerdem als das Bindeglied zwischen der Externalisierung, welche die Entäußerung des Menschen in die Welt beschreibt, und der Institutionalisierung, welche als Resultat die Institution aufweist und so ein Teil der sozialen Wirklichkeit darstellt (vgl. Endress 2012, s.126). Der nächste Schritt, welcher entscheidend für den Prozess der Institutionalisierung ist, stellt die Typisierung von Handlungen dar (vgl. Miebach 2013, s.366). Der Begriff der Typisierung beschreibt die Verfestigung und Generalisierung von habitualisierten Handlungen und die Subsumierung derer, unter einer bestimmten Begrifflichkeit (vgl. Endress 2012, s.134). Um eine habitualisierte Handlung zu typisieren, müssen somit immer mindestens zwei Akteure in das Handeln involviert sein (vgl. ebd.).

[...]

Ende der Leseprobe aus 15 Seiten

Details

Titel
Die Bourdieu Habitualisierung von Beger und Luckmann. Die soziale Konstruktion der gesellschaftlichen Wirklichkeit
Untertitel
Ein Theorienvergleich
Hochschule
Universität Hamburg
Note
1,3
Autor
Jahr
2017
Seiten
15
Katalognummer
V381067
ISBN (eBook)
9783668577244
ISBN (Buch)
9783668577251
Dateigröße
436 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Bourdieu, Habitualisierung, Berger und Luckmann, Internalisierung
Arbeit zitieren
Paul Weinheimer (Autor), 2017, Die Bourdieu Habitualisierung von Beger und Luckmann. Die soziale Konstruktion der gesellschaftlichen Wirklichkeit, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/381067

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Die Bourdieu Habitualisierung von Beger und Luckmann. Die soziale Konstruktion der gesellschaftlichen Wirklichkeit



Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden