Geschichtlich betrachtet hat die Erwerbsarbeit in den westlichen Industrieländern immer eine große Rolle gespielt und auch heute noch definieren sich Menschen über ihre Arbeit. Der schnelle technische und demographische Wandel sind gegenwärtig zwei der stärksten Einflussfaktoren auf die Arbeitswelt. Eine der größten Herausforderungen ist dabei die Zunahme pflegebedürftiger Menschen und damit einhergehend die Notwendigkeit von kompetenten Pflegekräften.
Die Autorin Laetitia Wittmann beschäftigt sich in ihrem Buch aus aktuellem Anlass mit dem Betrieblichen Gesundheitsmanagement (BGM), das die Mitarbeitergesundheit effektiv fördern soll. Sie geht dabei insbesondere auf die Situation der Pflegekräfte in stationären Pflegeeinrichtungen für Menschen mit Demenz ein, da dort die physischen und psychischen Belastungen für die Pfleger enorm hoch sind. Ergänzend zu ihrer Analyse führt sie ein Experteninterview, um mögliche praxisnahe Präventionsmaßnahmen zu entwickeln.
Wie wird die Veränderung der Altersstruktur die Arbeitswelt in Deutschland in den nächsten Jahren prägen und welche Konsequenzen wird diese Veränderung insbesondere für Pflegekräfte haben?
Aus dem Inhalt:
Pflegekraft;
Pflegebedürftige;
Altenpflege;
Gesundheitsmanagement;
Mitarbeitergesundheit;
Demographischer Wandel.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Methodik
2.1 Literaturrecherche
2.1.1 Suchstrategie
2.1.2 Auswahlkriterien und Stichwörter
2.1.3 Literaturauswahl
2.2 Experteninterview
2.2.1 Erhebungsinstrument
2.2.2 Interviewleitfaden
2.2.3 Expertenauswahl
2.2.4 Durchführung
2.2.5 Datenauswertung
3 Theoretischer Hintergrund
3.1 Relevante Begriffsdefinitionen
3.1.1 Gesundheit
3.1.2 Psychische Belastung und psychische Beanspruchung
3.1.3 Prävention
3.1.3.1 Primärprävention
3.1.3.2 Sekundärprävention
3.1.3.3 Tertiärprävention
3.2 Entwicklungen des Arbeitsschutzes in Deutschland
3.3 Die Gemeinsame Deutsche Arbeitsschutzstrategie
3.4 Betriebliches Gesundheitsmanagement
3.4.1 Theoretische und rechtliche Grundlagen für das BGM
3.4.1.1 Salutogenese von Antonovsky
3.4.1.2 P-S-O-Modell von Kastner
3.4.2 Ziele des Betrieblichen Gesundheitsmanagement
3.4.2.1 Ziele für die Beschäftigten
3.4.2.2 Ziele für den Unternehmer
3.4.3 Maßnahmen des Betrieblichen Gesundheitsmanagement
3.4.3.1 Verhaltensprävention
3.4.3.2 Verhältnisprävention
3.4.4 Akteure des Betrieblichen Gesundheitsmanagements
4 Betriebliches Gesundheitsmanagement in der stationären Pflege
4.1 Studie: BGM in der Altenpflege
4.1.1 Methodik
4.1.2 Instrumente
4.1.3 Datenauswertung
4.1.4 Ergebnisse
4.1.5 Diskussion
4.1.6 Kritik
4.2 Arbeitsbelastungen der Pflegekräfte in der stationären Pflege
4.3 Ressourcen der Pflegekräfte in stationären Pflegeeinrichtungen
4.4 Umsetzung des BGM in der stationären Pflege
5 Betriebliches Gesundheitsmanagement im Demenz Zentrum XY
5.1 Hintergründe zum Betrieb
5.2 Auswertung des Experteninterviews
6 Schlussbetrachtung
Anhang 1: Interviewleitfaden
Anhang 2: Darstellung des Ganzheitlichen Betrieblichen Gesundheitsmanagements
Anhang 3: Modell der Salutogenese von Antonovsky
Anhang 4: Soziodemographische Merkmale der Stichprobe
Anhang 5: Stichprobenzusammensetzung, Operationalisierung der Variablen
Anhang 6: Organigramm Pflegeeinrichtung XY
Anhang 7: Rechner Fehlzeiten Quote Pflege
Anhang 8: Experteninterview mit Einrichtungsleiter D. K. vom 08.08.2017
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die Rolle von Verhaltens- und Verhältnisprävention im Rahmen des Betrieblichen Gesundheitsmanagements (BGM) in stationären Pflegeeinrichtungen, um Strategien zur Mitarbeitergesundheit angesichts zunehmender Belastungen und des demografischen Wandels zu bewerten.
- Grundlagen des BGM und präventive Ansätze
- Analyse der Arbeitsbelastungen und Ressourcen in der stationären Altenpflege
- Empirische Untersuchung der BGM-Implementierung in einem spezifischen Demenz-Zentrum
- Vergleich zwischen theoretischen Konzepten und der praktischen Umsetzung im Pflegealltag
- Herausforderungen bei der Mitarbeitermotivation für gesundheitsfördernde Maßnahmen
Auszug aus dem Buch
3.4.1.1 Salutogenese von Antonovsky
In den 1970er-Jahren entwickelte der Medizinsoziologe Aaron Antonovsky das Modell der Salutogenese („salus“ lateinisch: „Unversehrtheit“ oder „Gesundheit“ und „genese“ lateinisch: „Entstehung“). Hauptmerkmal des Modells ist, dass Gesundheit kein Zustand ist, sondern als Lebensphasen überdauernder Prozess zu verstehen ist. Demnach befindet sich der Mensch zwischen den Punkten „Krankheit“ und „Gesundheit“ und die jeweilige Position ergibt sich aus den Wechselbeziehungen zwischen den belastenden Faktoren (Stressoren) und den schützenden Faktoren (Widerstandsressourcen). Antonovsky wollte herausfinden, warum manche Menschen trotz widriger Umstände gesund sind und fand Einflussgrößen, welche sich auf das Gesundheitsverhalten eines Menschen auswirken:
• der soziokulturelle und historische Hintergrund, aus dem sich Widerstandsreserven entwickeln,
• die psychosozialen, generalisierten Widerstandsfähigkeiten,
• Lebenserfahrung,
• das endo- und exogene Potential von Stressoren.
Grundannahme ist der Kohärenzsinn, welcher sich aus den Komponenten der Verstehbarkeit, Handhabbarkeit und Sinnhaftigkeit zusammensetzt. Die Verstehbarkeit bezeichnet die Fähigkeit, eine Situation auf ihre Ursache hin zu analysieren, während die Handhabbarkeit das Wissen um die eigenen Ressourcen bezeichnet. Unter Sinnhaftigkeit versteht Antonovsky die Sinnhaftigkeit/ den Sinn eines Bewältigungsversuches (Lorenz, 2016).
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Vorstellung des demografischen Wandels, des Fachkräftemangels in der Pflege und die Einführung in die Relevanz des BGM.
2 Methodik: Erläuterung der Literaturrecherche und der Durchführung eines Experteninterviews als qualitative Forschungsmethode.
3 Theoretischer Hintergrund: Definition zentraler Begriffe wie Gesundheit, Prävention und die wissenschaftliche Herleitung des BGM-Konzepts.
4 Betriebliches Gesundheitsmanagement in der stationären Pflege: Darstellung der Belastungen und Ressourcen von Pflegekräften sowie eine Analyse bestehender Studien zur BGM-Anwendung.
5 Betriebliches Gesundheitsmanagement im Demenz Zentrum XY: Praktische Fallstudie anhand eines Experteninterviews zur Implementierung des BGM in einer speziellen Pflegeeinrichtung.
6 Schlussbetrachtung: Synthese der Ergebnisse, Fazit zur praktischen Umsetzbarkeit und Identifikation von Handlungsbedarfen.
Schlüsselwörter
Betriebliches Gesundheitsmanagement, BGM, stationäre Pflege, Verhaltensprävention, Verhältnisprävention, Altenpflege, Demografie, Arbeitsbelastung, Pflegeressourcen, Salutogenese, Experteninterview, Mitarbeitergesundheit, Fehlzeiten, Arbeitsschutz, Gesundheitsförderung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die theoretische und praktische Bedeutung des Betrieblichen Gesundheitsmanagements (BGM) in stationären Pflegeeinrichtungen, insbesondere im Hinblick auf Präventionsstrategien für das Pflegepersonal.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Schwerpunkte liegen auf dem demografischen Wandel im Gesundheitssektor, der Differenzierung zwischen Verhaltens- und Verhältnisprävention sowie der Analyse der Arbeitsbedingungen in der stationären Altenpflege.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, den Nutzen des BGM für stationäre Einrichtungen zu evaluieren und aufzuzeigen, inwieweit theoretische Konzepte in der Praxis – am Beispiel eines Demenz-Zentrums – implementiert werden können.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Autorin kombiniert eine systematische Literaturrecherche mit einem qualitativen Experteninterview, das als explorative Methode dient, um Einblicke in die betriebliche Praxis zu gewinnen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Fundierung (Begriffsdefinitionen, BGM-Akteure, Präventionsmodelle) und eine Anwendungsanalyse, die den Ist-Zustand und die Belastungen in Pflegeeinrichtungen untersucht.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind BGM, Verhaltens- und Verhältnisprävention, Pflegewissenschaft, Arbeitsbelastung sowie Salutogenese nach Antonovsky.
Wie unterscheidet sich das BGM in der Praxis von der Theorie im Demenz Zentrum XY?
Die Praxis zeigt, dass trotz theoretischer Vorteile oft keine einheitlichen Richtlinien existieren und die Umsetzung stark vom Ermessen einzelner Einrichtungsleiter abhängt.
Welche Herausforderungen bei der Mitarbeitermotivation werden identifiziert?
Die Arbeit stellt fest, dass Schichtarbeit, hohe psychische Belastungen und mangelnde Zeitressourcen die Bereitschaft der Mitarbeiter zur Teilnahme an freiwilligen Gesundheitsangeboten wie Rückenschulungen erheblich erschweren.
- Arbeit zitieren
- Laetitia Wittmann (Autor:in), 2017, Betriebliches Gesundheitmanagement in stationären Pflegeeinrichtungen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/381109