Die Darstellung von Armut und Reichtum im Lukas-Evangelium


Hausarbeit (Hauptseminar), 2016

10 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

Lukasevangelium

1. Einleitung

„Das große Thema des Lukas scheint es zu sein, sich zu interessieren für den Menschen aus der Perspektive Gottes, statt auf sein eigenes Wohlbefinden oder Vermögen fixiert zu sein.“1

Häufig werden in der heutigen Zeit die Frage nach gesellschaftlichen Randgruppen gestellt und wie diese in die Gesellschaft integriert werden können.

Im Lukas Evangelium wird beschrieben, dass sich Jesus besonders den Armen und Randgruppen der Gesellschaft zuwendet. Es wird zudem eine Kritik an der reichen Bevölkerungsschicht geübt. Es entsteht ein starker Kontrast zwischen beiden Personengruppen, der durch die Zusprechung des Reich Gottes, nur für die Armen, noch stärker betont wird.

In dieser Hausarbeit wird die Frage gestellt, wie die Armutstheologie bei Lukas präsentiert wird, was dieser für eine Sicht auf die arme und reiche Bevölkerungsschicht hat und welche Schlüsse daraus auch heute noch für unser christliches Menschenbild gezogen werden können.

Dazu wird zunächst die Entstehung des Lukasevangeliums kurz erläutert, um die Quelle in ihren historischen Kontext einordnen zu können und den Verfasser skizzieren zu können. Anschließend wird ein Überblick über die Armutstheologie im Lukasevangelium gegeben. Diese wird im nächsten Schritt anhand drei zentraler Texte beispielhaft veranschaulicht, um wichtige Punkte herauszustellen. Abschießend wird ein Fazit gezogen.

2. Entstehung des Lukasevangeliums

Ab der Mitte des zweiten Jahrhunderts wurden mehrere Schriften gefunden. Unter diesen wurde auch das heutige Lukasevangelium und die Apostelgeschichte entdeckt, welchen Lukas, ein Grieche und Begleiter des Paulus, als Verfasser zugeordnet wurde.2 Das Evangelium nach Lukas behandelt das Leben Jesu von dessen Geburt bis zur Auferstehung. Das Lukas Evangelium wird in 24 Kapitel unterteilt. Die anderen

kanonischen Evangelien stellen in sich abgeschlossene Schriften dar. Das Lukas

Evangelium ist allerdings nur der erste Teil des so genannten „lukanischen Doppelwerkes“. Das Evangelium und die Apostelgeschichte bilden formal und inhaltlich eine Einheit, welche durch den Sendungsaspekt verbunden werden: Im Lukasevangelium werden Johannes und die Jünger gesandt, um Jesus den Weg zum Kreuz zu bereiten. In der Apostelgeschichte werden die Apostel und andere gesandt, um das Evangelium zu verkünden.3 Da das Lukas-, das Matthäus- und das Markusevangelium viele Übereinstimmungen aufweisen, werden diese drei Evangelien als „synoptische Evangelien“ bezeichnet.

Lukas orientiert sich eng am Markus Evangelium, nimmt aber auch einige Umstellungen und Streichungen vor. Neben diesem Gut integriert Lukas weitere Erzählstoffe, davon einige aus dem sogenannten „Sondergut“. Die Präsentation des Lukasevangeliums ähnelt dabei der Quellenarbeit eines Historikers. Lukas geht den Dingen von Beginn an nach und fühlt sich der „griechisch-römischen Geschichtsschreibung verpflichtet.“4 Lukas übersetzt semitische Begriffe ins Griechische und auch seine Zuwendung zu den Samaritern zeigt, dass das Evangelium bereits auf die Heidenmission hindeutet.5

Als Abfassungszeitraum wird die Zeit zwischen 60-90 n. Chr. angesehen. In Lukas 21,20-24 soll die Tempelzerstörung in Jerusalem um 70 n. Chr. als Rückblick dargestellt worden sein, daher dient dieser Zeitpunkt der Spätdatierung.6

Lukas wendet sich mit seinem Evangelium an Theophilus. Dabei ist unklar, ob Theophilus (übersetzt der „Gott Liebende“) nur eine allgemeine Anrede ist oder es sich tatsächlich um eine historische Person handelt.7

Wenn Theophilus eine historische Person war, hat er Lukas womöglich beim Schreiben finanziell unterstützt. Widmungen an die finanziellen Unterstützer einer Schrift waren damals üblich, von daher ist es wahrscheinlich, dass Theophilus eine wohlhabende Person war.8 Dabei ist festzuhalten, dass sich die Ermahnungen in den Evangelien meist auch an reiche Personen wenden.9

Es finden sich mehrere Stellen im Lukas Evangelium, an denen Wohlhabende kritisiert

werden, wie zum Beispiel in Lk 6, 24-25: „Wehe euch, die ihr reich seid; denn ihr habt keinen Trost mehr zu erwarten. Wehe euch, die ihr jetzt satt seid; denn ihr werdet hungern[…].“10

Auf der anderen Seite wendet sich Lukas besonders den gesellschaftlichen Randgruppen zu und das Evangelium weist einen Appellcharakter der christlichen Nächstenliebe und Fürsorge auf.11 „Lukas schrieb insofern ein Evangelium an die Reichen für die Armen.“12

3. Die Armutstheologie im Lukasevangelium

Lukas beschäftigt sich in seinem Evangelium hauptsächlich mit den Randgruppen der Gesellschaft. Alle die sozial benachteiligt sind, werden in den Fokus gestellt.13 In Lk 4,18-21 charakterisiert Jesus seine Botschaft als ein Evangelium für die Armen, jedoch ist dies nach ROST keine Abwendung von den Reichen.14 Dies findet sich später bei den Seligpreisungen in Lk 6,20-22 wieder: „Als er eines Tages im Tempel das Volk lehrte, kamen die Hohenpriester und die Schriftgelehrten mit den Ältesten hinzu […].15 Die Mission Jesu gilt den Kranken, Inhaftierten und Armen der Bevölkerung.16 Kontrastierend dazu sind die schon erwähnten „Weherufe“ an die reichen Personen der israelischen Gesellschaft ( Lk 6,24-26).

Lukas greift öfter als andere Evangelien die „Armut und Reichtum“ Thematik auf und viele Stellen in seinem Sondergut berichten über diese Thematik.17 ROST sieht die Kapitel 14 bis 16 des Lukasevangeliums als dessen „Herzstück“18 an. Hier nehmen Armut und Reichtum eine zentrale Rolle ein. In Kapitel 14 wird verdeutlicht, dass die Armen der Gemeinschaft würdig sind, denn zu dem großen Gastmahl werden die Randgruppen von der Straße eingeladen.19 In Kapitel 15 zeigt die Erzählung vom verlorenen Sohn, dass Armut auch gesellschaftliche Ausgrenzung bedeuten kann.20 Im

[...]


1 Rost 2003, 59.

2 Vgl. Schnelle 2007, 283.

3 Vgl. Carson 2010, 242f.

4 Vgl. Schnelle2007, 287.

5 Vgl. Ebd., 288.

6 Vgl. Kümmel 1980, 119f.

7 Vgl. Carson 2010, 250.

8 Vgl. Eckey, Band 1, 63.

9 Vgl. Schnelle 2007, 289.

10 Die Bibel, Lk 6, 24-25.

11 Vgl. Klein 2006, 58.

12 Rost 2003, 43.

13 Vgl. Klein 2006, 58.

14 Vgl. Rost 2003, 43.

15 Die Bibel, Lk 6, 20-22.

16 Rost 2003, 40.

17 Vgl. Stettberger 2005, 49.

18 Rost 2003, 14.

19 Vgl. ebd.

20 Ebd.

Ende der Leseprobe aus 10 Seiten

Details

Titel
Die Darstellung von Armut und Reichtum im Lukas-Evangelium
Hochschule
Justus-Liebig-Universität Gießen
Note
2,0
Autor
Jahr
2016
Seiten
10
Katalognummer
V381144
ISBN (eBook)
9783668583948
ISBN (Buch)
9783668583955
Dateigröße
1413 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Lukasevangelium, armut, Theologie, theologische Ethik
Arbeit zitieren
Johanna Lauer (Autor), 2016, Die Darstellung von Armut und Reichtum im Lukas-Evangelium, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/381144

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