Mit dem Begriff "China" wird zumeist die Volksrepublik China angesprochen, die sich seit der marktwirtschaftlichen Öffnung Ende der 1970er Jahre zu einer Regionalmacht in Asien entwickelte und heute als unabdingbarer Akteur der Weltwirtschaft gilt. Jedoch überschatten innenpolitische Krisen die außenwirtschaftlichen Erfolge Chinas. Insbesondere abtrünnige Provinzen wie Tibet oder Xinjiang, die sich um eine Unabhängigkeit von der Volksrepublik bemühen, sind oftmals Fokus der westlichen Berichterstattung. Neben diesen zwei Provinzen existiert im ostchinesischen Meer die Insel Taiwan. Nach dem chinesischen Bürgerkrieg floh die chinesische Nationalpartei Guomindang 1949 nach Taiwan und etablierte dort die Republik China, welche bereits 1912 auf Festlandchina gegründet wurde. Seit 1949 kämpft die Republik China auf Taiwan für ihre Unabhängigkeit von der Volksrepublik China, welche dies jedoch zu unterbinden weiß.
Diese Arbeit befasst sich mit dem Ein-China-Prinzip, nach dem es heißt, dass nur eines der beiden Chinas eine rechtmäßige Existenzberechtigung vorzuweisen hat. Während die Volksrepublik Taiwan als abtrünnige Provinz betrachtet und in der Vergangenheit mehrfach versuchte, Taiwan durch militärische Mittel Festlandchina einzuverbleiben, gehen die Meinungen in Taiwan auseinander, ob eine Wiedervereinigung mit Festlandchina angestrebt werden soll, oder eine Unabhängigkeit fokussiert wird. Dahingehend hat die Republik China auf Taiwan mit einigen internationalen Problemen zu kämpfen, da sie von einem Großteil der internationalen Staatengemeinschaft diplomatisch nicht als eigenständiger Staat anerkannt sowie auch nicht Mitglied der Vereinten Nationen ist.
Allein durch der Ersatz der Außenpolitik durch eine aktive Außenwirtschaft, kann sich die Republik China auf Taiwan als geschätzten Partner etablieren.
Ist die Republik China ein eigenständiger Staat, oder wird weiterhin am Status-quo der Verhandlungen mit der Volksrepublik festgehalten, um eine Entscheidung über den Status der Republik China bewusst hinauszuzögern?
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
1. 1 Fragestellung
1. 2 Forschungsstand
2. Chinas Gesamtstrategie
2. 1 Definition der Gesamtstrategie
2. 2 Die chinesischen Kerninteressen
2. 3 Definition des Ein-China-Prinzips
3. Geschichte des sino-taiwanesischen Konflikts
3. 1 Auf dem chinesischen Festland – Bis zur Flucht auf Taiwan 1949
3. 2 Zwei chinesische Staaten – Das taiwanesische China bis 1987
3. 3 Das sino-taiwanesische Verhältnis bis 2000
4. Aktuelle Entwicklung seit 2000
4. 1 Unabhängigkeitsbestrebungen unter der Präsidentschaft Chen Shui-bians bis 2008
4. 2 Entspannung des sino-taiwanesischen Verhältnisses unter Präsident Ma Ying-jeou
5. Identitätsdilemma der taiwanesischen Bevölkerung
6. Heutiger Rechtsstatus der Republik Taiwan
6. 1 Internationale Anerkennung
6. 2 Ersatz der Außenpolitik durch Außenwirtschaft
7. Ausblick – Zwei Länder, zwei Systeme?
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht den aktuellen Status-quo des Ein-China-Prinzips angesichts der faktischen Unabhängigkeit der Republik China (Taiwan) und der historischen sowie politischen Entwicklungen in den sino-taiwanesischen Beziehungen. Die zentrale Forschungsfrage fokussiert dabei auf die Frage, ob der Status-quo nach über 65 Jahren der Trennung Taiwans vom chinesischen Festland überhaupt noch existent ist und inwieweit die wirtschaftliche Verflechtung die politische Unabhängigkeit beeinflusst.
- Analyse der chinesischen Gesamtstrategie und Kerninteressen
- Historische Aufarbeitung des sino-taiwanesischen Konflikts
- Identitätsdilemma und nationale Identitätsbildung in Taiwan
- Rechtsstatus der Republik Taiwan und internationale Anerkennung
- Ökonomische Verflechtung als Instrument der Außenpolitik
Auszug aus dem Buch
1. 1 Fragestellung
Die Volksrepublik China ist ein Staat im Osten des asiatischen Kontinents. Er ist mit 1,36 Milliarden Einwohner der bevölkerungsreichste Staat der Erde. In Europa werden mit China meist exotisches Essen, freundliche Menschen und eine einzigartige Kultur verbunden. Die wenigsten Menschen wissen, dass die Volksrepublik China ein Staat unter der Ein-Parteien-Herrschaft der „Kommunistischen Partei Chinas“ (im Folgenden KPCh) ist und somit eine kommunistische Diktatur. Im Jahr 1949 ereignete sich das Ende eines Bürgerkrieges in China, der zwischen der chinesischen Nationalpartei „Guomindang“ (im Folgenden GMD) und der KPCh tobte. Gegenstand dieses Bürgerkrieges war der Kampf um eine Führungsrolle in der seit 1945 von den Japanern befreiten Republik China, welche 1912 gegründet wurde und deren Territorium sich auf Festlandchina, die Insel Taiwan und einige kleinere Inseln an der Ostküste Chinas erstreckte. Die GMD unterlag in diesem Bürgerkrieg und flüchtete auf die etwa 200 Kilometer östlich von Festlandchina gelegene Insel Taiwan. Die KPCh rief 1949 die Volksrepublik China (im Folgenden VR China) aus und Taiwan blieb als letzte Provinz der Republik China bestehen. Aus diesem Konflikt heraus erhebt die VR China seit Ende des Bürgerkrieges den territorialen Anspruch auf die Insel Taiwan, welchem sich die Führung der Republik China auf Taiwan bis heute verweigert.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Einführung in die historische Genese des Konflikts und die aktuelle Problemstellung sowie Zielsetzung der Arbeit.
2. Chinas Gesamtstrategie: Definition zentraler Begriffe wie Gesamtstrategie und Kerninteressen der VR China mit besonderem Fokus auf das Ein-China-Prinzip.
3. Geschichte des sino-taiwanesischen Konflikts: Darstellung der historischen Entwicklung des Konflikts von der Teilung 1949 bis zur politischen Situation im Jahr 2000.
4. Aktuelle Entwicklung seit 2000: Analyse der divergenten politischen Ansätze unter den Präsidenten Chen Shui-bian und Ma Ying-jeou.
5. Identitätsdilemma der taiwanesischen Bevölkerung: Untersuchung der Entwicklung einer eigenständigen taiwanesischen Identität und deren Bedeutung für den Souveränitätsanspruch.
6. Heutiger Rechtsstatus der Republik Taiwan: Erörterung der internationalen Anerkennung sowie der Verschiebung von einer klassischen Außenpolitik hin zur Außenwirtschaftspolitik.
7. Ausblick – Zwei Länder, zwei Systeme?: Resümee über die Zukunft des Status-quo und die Möglichkeiten einer friedlichen Koexistenz oder Wiedervereinigung.
Schlüsselwörter
Ein-China-Prinzip, Republik China, Volksrepublik China, Taiwan, GMD, KPCh, Status-quo, Identität, Souveränität, Unabhängigkeit, Außenwirtschaft, sino-taiwanesischer Konflikt, internationale Anerkennung, Demokratisierung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Bachelorarbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert das Verhältnis zwischen der Volksrepublik China und der Republik China (Taiwan) vor dem Hintergrund des Ein-China-Prinzips.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Die Arbeit behandelt die chinesische Gesamtstrategie, die historische Entwicklung des Konflikts, die nationale Identitätsbildung auf Taiwan sowie den völkerrechtlichen und wirtschaftlichen Status Taiwans.
Welches primäre Ziel verfolgt die Arbeit?
Das Ziel ist die Untersuchung, ob der bestehende Status-quo zwischen Festlandchina und Taiwan nach über 65 Jahren Trennung noch realistisch ist und wie die wirtschaftliche Abhängigkeit die politische Situation beeinflusst.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Die Arbeit nutzt eine politikwissenschaftliche Analyse von Monographien, offiziellen Dokumenten, Verfassungen, Wirtschaftsverträgen und empirischen Umfragedaten.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Darstellung der chinesischen Gesamtstrategie, die historische Konfliktaufarbeitung, die Analyse der Regierungszeiten von Chen Shui-bian und Ma Ying-jeou sowie die Untersuchung des taiwanesischen Identitätswandels.
Welche Keywords charakterisieren die Arbeit am besten?
Ein-China-Prinzip, Taiwan, politische Unabhängigkeit, nationale Identität, Wirtschaftsverflechtung und Status-quo.
Wie hat sich die Identität der taiwanesischen Bevölkerung laut Arbeit verändert?
Die Arbeit zeigt einen klaren Trend hin zu einer eigenständigen taiwanesischen Identität, wobei sich die Bevölkerung zunehmend als Taiwanesen und weniger als Chinesen identifiziert.
Welche Rolle spielt die Wirtschaft für das Verhältnis der beiden Staaten?
Die wirtschaftliche Verflechtung dient laut Arbeit als Instrument und notwendige Basis für Entspannung, schafft jedoch gleichzeitig eine tiefe ökonomische Abhängigkeit Taiwans vom Festland.
- Arbeit zitieren
- Jacob Bobzin (Autor:in), 2015, Das Ein-China-Prinzip. Hat der Status-quo noch Bestand?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/381207