Ob in Filmen, Musikvideos oder der Mode – "Sex sells" ist ein allgegenwärtiges Motto. Damit geht oft ein sexualisiertes Frauenbild einher, dem auch Jugendliche und Kinder ständig ausgesetzt sind.
Joy Baruna geht in dieser Publikation der Frage nach, wie sich die medial vorgelebten, sexualisierten Verhaltensweisen auf das Selbstbild von Mädchen auswirken. Dabei untersucht die Autorin auch, welche Folgen dieser mediale Einfluss auf die Präventionsarbeit gegen sexuelle Gewalt an Kindern und Jugendlichen hat.
Aus dem Inhalt:
- sexuelle Gewalt an Kindern und Jugendlichen;
- Gewaltprävention;
- Sexualisierung;
- Medieneinfluss;
- sexuelle Selbstbestimmung
- sexueller Missbrauch.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitende Bemerkungen
2 Sexuelle Gewalt an Kindern und Jugendlichen
2.1 Kritische Betrachtung der Bezeichnung ‚Sexueller Missbrauch‘
2.2 Definitionen, Häufigkeit und Auswirkungen sexueller Gewalt an Kindern
2.3 Täterprofile und Täterstrategien
2.4 Kindzentrierte Präventionsansätze als Antwort auf Täterstrategien
3 Mediatisierung und Sexualisierung der Kindheit
3.1 Begriffsbestimmungen und Beschreibung der Wechselwirkung zwischen Mediatisierung und Sexualisierung
3.2 Zur Verbreitung und Bedeutung von Medien im kindlichen Lebenslauf
3.3 Der Sexualisierungsdiskurs unter besonderer Berücksichtigung der medialen Repräsentation von Frauen und Symbolik der Mädchenfigur
4 „Das Recht auf körperliche und sexuelle Selbstbestimmung“ – Diskussion einer Präventionsbotschaft bezüglich sexueller Gewalt im Kontext der Selbstsexualisierung frühadoleszenter Mädchen
5 Fazit und Implikationen für die Prävention sexueller Gewalt von Kindern und Jugendlichen
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit setzt sich kritisch mit den ambivalenten medialen Botschaften auseinander, denen Kinder und Jugendliche in der heutigen Gesellschaft ausgesetzt sind, und untersucht deren Relevanz für die Prävention sexueller Gewalt. Im Fokus steht dabei insbesondere, wie die mediale Sexualisierung und die daraus resultierende Selbstsexualisierung frühadoleszenter Mädchen das Verständnis und die Umsetzung des Rechts auf körperliche und sexuelle Selbstbestimmung beeinflussen können.
- Analyse aktueller Mediatisierungs- und Sexualisierungsprozesse in kindlichen Lebenswelten.
- Untersuchung von Täterstrategien und entsprechenden präventiven Antwortmöglichkeiten.
- Diskussion der medialen Repräsentation von Frauen und der Mädchenfigur als Unschuldsemblem.
- Auseinandersetzung mit der Wirksamkeit kindzentrierter Präventionsbotschaften im Kontext von Selbstsexualisierung.
Auszug aus dem Buch
3.1 Begriffsbestimmungen und Beschreibung der Wechselwirkung zwischen Mediatisierung und Sexualisierung
Es bestehe weithin ein Konsens bezüglich einer medialen Beteiligung an der „Gestaltung von Lebenswelten und an der Schaffung von Wirklichkeiten“ (Aigner, Hug, Schuegraf & Tillmann, 2015, S.7). Medieninhalte prägen die Diskurse innerhalb der jeweiligen Kultur, werden wiederum durch sie geprägt beziehungsweise spiegeln sie wieder (American Psychological Association, 2007, S.4). Medien, im Sinne „technische[r] Institutionen, über die bzw. mit denen Menschen kommunizieren“ (Krotz, 2007, S.37), formen demzufolge „Bedürfnisse, Gewohnheiten, Handlungsweisen und Vorstellungen [von Menschen] […] Darüber sind sie ferner daran beteiligt, den Menschen in seiner Persönlichkeit und in seiner für eine Gesellschaft typischen Struktur zu gestalten“ (Krotz, 2007, S.101).
Der „dramatische Wandel“ (Krotz, 2007, S.11) unserer heutigen Zeit würde unter anderem durch die Veränderung von Medien-und Kommunikationsstrukturen beeinflusst werden, welche Krotz (2007) mit dem Begriff Mediatisierung bezeichnet. Hierbei handele es sich um einen Metaprozess, der „lang andauernde und Kultur übergreifende Veränderungen“ (Krotz, 2007, S.27) umfasse und die Menschheitsentwicklung maßgeblich beeinflusse. Mediatisierung stehe heute in enger Verbindung zur Digitalisierung, die sich mittels der Entwicklung einer neuen Grundlagentechnologie „auf die Freizeit der Menschen ebenso wie auf Arbeit und Reproduktionstätigkeiten auswirkt, die Identität, Formen des Zusammenlebens und der Selbstdefinition der Menschen beeinflusst“ (Krotz, 2007, S.31).
Auch sei das Zusammenwachsen einzelner Medien auf Angebots- sowie Nutzerseite für die moderne Mediatisierung charakteristisch (Krotz, 2007, S.44). Diesbezüglich ist von Medienkonvergenz die Rede, worunter „das systemische Zusammenwachsen kultureller Artefakte mit Repräsentationsfunktion“ (Bachmair, Pachler und Cook, 2014, S.137) verstanden werden kann. Einzelmedien nähern sich somit „in Bezug auf technische, ökonomische/organisatorische, inhaltliche und nutzungsorientierte Aspekte“ einander an (Schuegraf, 2014, S.139). Das Smartphone mit seinen vielfältigen Möglichkeiten sei ein erfolgreiches Beispiel für Konvergenz auf der technischen Ebene (Schuegraf, 2014, S.139).
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitende Bemerkungen: Das Kapitel führt in das Spannungsfeld zwischen der Prävention sexueller Gewalt und einer zunehmend sexualisierten Medienkultur ein, die Kinder und Jugendliche beeinflusst.
2 Sexuelle Gewalt an Kindern und Jugendlichen: Hier werden Begrifflichkeiten, Täterprofile, Grooming-Strategien und zentrale kindzentrierte Präventionsansätze theoretisch aufgearbeitet.
3 Mediatisierung und Sexualisierung der Kindheit: Dieses Kapitel analysiert, wie Medien Lebenswelten formen und wie Diskurse um Sexualisierung sowie die mediale Repräsentation von Mädchen deren Selbstbild beeinflussen.
4 „Das Recht auf körperliche und sexuelle Selbstbestimmung“ – Diskussion einer Präventionsbotschaft bezüglich sexueller Gewalt im Kontext der Selbstsexualisierung frühadoleszenter Mädchen: Es wird diskutiert, wie Präventionsbotschaften im Kontext von Selbstsexualisierung auf Mädchen wirken und welche Herausforderungen dabei entstehen.
5 Fazit und Implikationen für die Prävention sexueller Gewalt von Kindern und Jugendlichen: Das Fazit betont die Notwendigkeit einer ökologischen Metastrategie in der Prävention, die mediale Einflüsse und die Stärkung der Selbstbestimmung von Kindern integriert.
Schlüsselwörter
Sexuelle Gewalt, Kindheit, Jugendliche, Prävention, Mediatisierung, Sexualisierung, Selbstsexualisierung, Grooming, Selbstbestimmung, Medienumgang, Körperbild, Empowerment, Kindheitsforschung, Täterstrategien, Geschlechterkonstruktion
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die Herausforderungen, die sich für die Prävention sexueller Gewalt durch eine zunehmend medialisierte und sexualisierte Gesellschaft für Kinder und Jugendliche ergeben.
Was sind die zentralen Themenfelder der Publikation?
Die zentralen Themen sind sexuelle Gewalt an Kindern, die Rolle von Medien bei der Gestaltung kindlicher Lebenswelten, der Sexualisierungsdiskurs sowie Strategien zur Stärkung der Selbstbestimmung von Mädchen.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist die Auseinandersetzung mit ambivalenten medialen Botschaften und deren Einfluss auf die Prävention, insbesondere vor dem Hintergrund, wie Mädchen ihr Recht auf körperliche und sexuelle Selbstbestimmung navigieren.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer theoretischen Aufarbeitung und Analyse aktueller Forschungsliteratur, Studien und gesellschaftlicher Diskurse zur Mediatisierung und Sexualisierung.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil umfasst eine Definition sexueller Gewalt, eine detaillierte Analyse von Täterstrategien, eine Erörterung der Wechselwirkung zwischen Mediatisierung und Sexualisierung sowie eine spezifische Diskussion über die Selbstsexualisierung frühadoleszenter Mädchen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wesentliche Begriffe sind unter anderem Sexuelle Gewalt, Prävention, Mediatisierung, Sexualisierung, Selbstsexualisierung, Grooming und körperliche Selbstbestimmung.
Welche Rolle spielen „Grooming-Strategien“ im Text?
Grooming wird als strategisches, geplantes Vorgehen von Tätern beschrieben, um Zugang zu Kindern zu erlangen, deren Vertrauen zu gewinnen und diese für den sexuellen Missbrauch vorzubereiten.
Warum ist das Thema der Selbstsexualisierung für die Prävention so kritisch?
Die Selbstsexualisierung wird als ein mögliches Resultat medialer Einflüsse diskutiert, das Vulnerabilitäten schaffen kann und es Tätern unter Umständen erleichtern könnte, Schutzbotschaften zu unterlaufen oder emotionale Defizite der Mädchen für ihre Zwecke zu nutzen.
- Arbeit zitieren
- Joy Baruna (Autor:in), 2017, Sexualisierung der Kindheit. Herausforderungen für die Präventionsarbeit gegen sexuelle Gewalt an Kindern und Jugendlichen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/381216