UEFA-U21-Europameisterschaft 2017. Analyse der erzielten Tore und die daraus resultierenden Empfehlungen für Training und Wettkampf


Bachelorarbeit, 2017

55 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Tabellenverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Abstract

1 Einleitung
1.1 Ziel und Fragestellung der Arbeit
1.2 Aufbau der Arbeit

2 Theoretische Grundlagen
2.1 Begriffsklärung
2.2 Aktueller Forschungsstand
2.2.1 Allgemeine Torquoten
2.2.2 Zeitliche Verteilung der Tore
2.2.3 Art der erzielten Tore
2.2.4 Ort der erzielten Tore
2.2.5 Kontaktanzahl beim Torabschluss
2.2.6 Ort und Art der Torvorlage
2.2.7 Zeit vom Ballgewinn bis zum Torerfolg
2.3 Forschungsdefizit

3 UEFA-U21-Europameisterschaft 2017 in Polen

4 Methodik
4.1 Untersuchungsobjekt und Untersuchungsgang
4.2 Untersuchungskriterien
4.2.1 Zeitliche Verteilung der erzielten Tore
4.2.2 Art der erzielten Tore
4.2.3 Ort der erzielten Tore
4.2.4 Kontaktanzahl beim Torabschluss
4.2.5 Ort und Art der Torvorlage
4.2.6 Zeit vom Ballgewinn bis zum Torerfolg
4.3 Gütekriterien der Spielanalyse
4.3.1 Hauptgütekriterien
4.3.2 Nebengütekriterien
4.4 Methodenkritik

5 Ergebnisse
5.1 Zeitliche Verteilung der Tore
5.1.1 Differenziert nach Halbzeiten
5.1.2 Differenziert nach 15 Minuten Perioden
5.2 Art der erzielten Tore
5.2.1 Tore durch Standardsituationen oder aus dem Spiel heraus ...
5.2.2 Technik des Torabschlusses
5.3 Ort der erzielten Tore
5.4 Kontaktanzahl beim Torabschluss
5.5 Ort und Art der Torvorlage
5.6 Zeit vom Ballgewinn bis zum Torerfolg

6 Diskussion

7 Empfehlungen für das Training und den Wettkampf

8 Fazit und Ausblick

9 Literaturverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Durchschnittlich erzielte Tore pro Spiel bei Turnieren von 1990 bis 2016 (FIFA, 2016)

Abbildung 2: Die ‚Gold Zone‘ definiert von John Bilton and Dr.Peter Usher (Sports Path, 2014)

Abbildung 3: Verteilung der Häufigkeiten der Kontakte beim Torabschluss nach Gekeler (2015, S. 35)

Abbildung 4: Art der Vorlagen der Torabschlüsse nach Masen (2016, S. 33)

Abbildung 5: Häufigkeitsverteilung der Dauer von Ballgewinn bis zum Torerfolg, eingeteilt in fünf Sekunden Abschnitte

Abbildung 6: Die Mannschaft des Turniers (UEFA, 2017)

Abbildung 7: Spielfeld, aufgeteilt in Zonen mit Spielrichtung von rechts nach links (modifiziert nach Lohne, 2010; Sports Path, 2014)

Abbildung 8: Spielfeld, aufgeteilt in äußere und zentrale Spielfeldzonen...

Abbildung 9: Prozentuelle Verteilung der Tore, in Halbzeiten geteilt

Abbildung 10: Prozentuelle Verteilung der Tore, in 15min Perioden geteilt

Abbildung 11: Art der erzielten Tore

Abbildung 12: Art der erzielten Tore durch Standardsituationen

Abbildung 13: Verteilung der Art der erzielten Tore, anhand der Technik des Torabschlusses

Abbildung 14: Anzahl der in einer Zone erzielten Tore, dargestellt anhand einer ‚Heatmap‘, auf Grundlage der Abbildung 7

Abbildung 15: Häufigkeitsverteilung der Kontakte beim Torabschluss

Abbildung 16: Anzahl der in einer Zone gespielten Torvorlagen, dargestellt anhand einer ‚Heatmap‘, auf Grundlage von Abbildung 7

Abbildung 17: Häufigkeitsverteilung der Zeit vom Ballgewinn bis zum Torerfolg, eingeteilt in fünf Sekunden Perioden

Abbildung 18: Prozentuelle Verteilung der Tore bei Turnieren seit 2006 in Halbzeiten geteilt

Abbildung 19: Aufbau der Übungsform zum Torschuss

Abbildung 20: Aufbau des Torschusstrainings in Spielform

Abbildung 21: Aufbau der Übung zur Verbesserung des Flankenspiels

Abbildung 22: Aufbau der Spielform zur Verbesserung des Umschaltspiels 44

Tabellenverzeichnis

Tabelle 1: Verteilung der Tore bei Turnieren, in Perioden geteilt (FIFA, 2016; Leite, 2013)

Tabelle 2: Turnierergebnisse der U21-Europameisterschaft 2017 in Polen (UEFA, 2017)

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abstract

The aim of the present study was to identify the key elements of a successful goal scoring and to implement them in training and competition recommendations. 65 goals analyzed from 21 games from the UEFA- Under21-European Football Championship in Poland in 2017. For the analysis of the goals, the games were recorded on free-to-air television and in addition to that the German Sport University made some matches available. It shows in which periods and times of the matches goals happened; how they scored a goal, if its during open play or after a set play; the area from which the goal was scored; the number of contacts leading to the goal; the area and the pass from the assist of the goal and the duration from winning the ball until scoring a goal. All data is shown in absolute and percentage terms.

65 goals in 21 matches make an average goal score from 3.10 goals per match. It was presented that 57 % of the goals were scored in the second half and 43 % in the last half hour. Most goals were scored during open play (75 %) but 25 % scored after a set play, mainly following corner kick and second ball after corner kick. Most of the goals (38 %) were scored with the inner part of the foot and then with shot (31 %) and with the header (21 %). Regarding goal scoring area, 77 % of goals were scored inside the penalty area and specifically in the Gold Zone, which was defined as the area that consists of the length of the six-yard box and is from goal line to the line of the penalty area (67 %). Almost two-thirds of the goals were scored with one touch. 51 % of the goals were prepared from the zones beside the Gold Zone especially from the left side. The average duration from winning the ball until scoring a goal was 15.90 seconds. Overall more than three quarters (76 %) of the goals were scored under 21 seconds after winning the ball.

The present study presented guidelines to coaches in order to design trainings similar to the actual competition and adapt the game style with regard to match status. Moreover, coaches can use this information to establish objectives for players and teams with a special reference to the offensive play.

1 Einleitung

Bereits zum 21. Mal wurde 2017 die Fußball U21-Europameisterschaft ausgetragen. Viele zukünftige Stars haben an diesem Turnier teilgenommen und hatten die Chance sich international präsentieren zu können. Dass so ein Turnier Aufmerksamkeit erregt, braucht man eigentlich nicht hervorzuheben, denn im Durchschnitt haben 5,62 Millionen Zuschauer die Übertragungen der ARD und dem ZDF verfolgt, bei einem Marktanteil von stolzen 23,7 Prozent. Den besten Wert hatte das Finale mit 8,71 Millionen ZDF-Zuschauern, in dem Deutschland als U21-Europameister hervorging (Nachrichten heute, 2017).

Immer wieder werden durch Nachwuchsturniere von Verbänden und Trainern neue Trends und Methoden ausprobiert. Auch das DFB-Nachwuchsteam versucht Trends und vorgelebte Taktiken der A-Nationalmannschaft umzusetzen. Jedoch muss genauso wie die Spielidee auch die Taktik im Fußball immer zielgerichtet sein und den Zweck verfolgen, das Spiel gewinnen zu wollen. Genauer gesagt: Mit der Taktik im Fußball wird versucht, die Spielidee - Tore zu erzielen und Tore zu verhindern - optimal umzusetzen. Anhand von Videoanalysen kann man derzeit viele Sequenzen eines Spiels analysieren und ausarbeiten. Jedes Tor und auch Gegentor kann detailliert betrachtet und mit der Mannschaft auf Fehler oder positive Dinge untersucht werden (Jankowski, 2015).

Heutzutage haben alle Profimannschaften ein Team aus Spielanalysten um sich herum, die sich ständig um sie kümmern und das eigene Spiel sowie das der Gegner analysieren. Damit ein Spieler es möglichst leicht hat sich weiterzuentwickeln, können für ihn persönlich, Szenen und Analysen aufbereitet werden. Um den Anforderungen jedoch gerecht zu werden und sich stetig weiterzuentwickeln, ist ein optimales Training notwendig. Hier liegt die Herausforderung des Trainers. Das Spiel wird immer variabler, immer variantenreicher und immer undurchschaubarer für den Gegner. Spielsysteme werden neu überarbeitet, Taktiken werden ausgetüftelt und es wird auf jedes kleine Detail eingegangen, so auch auf das Herausspielen und Verwerten von Torabschlüssen.

1.1 Ziel und Fragestellung der Arbeit

In dieser Arbeit werden im Sinne einer systematischen Spielanalyse alle Tore der UEFA-U21-Europameisterschaft 2017 quantitativ untersucht. Dabei soll unter anderem herausgefunden werden, wo und wie die Angriffe entstanden sind; wie lange es von der Balleroberung bis zum Tor gedauert hat; aus welchen Positionen die Tore mitsamt der Vorlagen gemacht wurden sowie wie viele Ballkontakte der Torschütze für den Torabschluss gebraucht hat. All diese Daten können einen erheblichen Einfluss auf die Trainingspraxis nach sich ziehen und vor allem Rückschlüsse auf das Training des Torabschlusses geben.

Von Interesse kann das für Trainer, Sportwissenschaftler und Journalisten sein, die sich mit Fußball beschäftigen und neue Erkenntnisse, im Hinblick auf den Torabschluss, gewinnen wollen. Diese Erkenntnisse wiederum sollen vor allem Trainer nutzen, um sie mit ihrer Mannschaft in Abhängigkeit der eigenen Leistungsvoraussetzungen trainieren zu können. Anhand einiger gegebener Trainingsempfehlungen, können die errungenen Erkenntnisse in die Trainingspraxis umgesetzt werden.

Ziel dieser Arbeit soll es sein, mit den wissenschaftlichen Erkenntnissen eines internationalen Turniers Hilfestellungen für Interessenten zu geben und einen weiteren Beitrag zur Information des Torabschlusses zu leisten. Die zentrale Fragestellung lautet also:

- ÄWie werden heutzutage Tore erzielt?“ Daraus leiten sich Einzelfragen ab:
- ÄFallen mehr Tore in der zweiten Halbzeit als in der ersten Halbzeit?“
- ÄWerden mehr Tore innerhalb des Strafraums erzielt als außerhalb?“  ÄWerden mehr Tore direkt, das heißt mit nur einem Ballkontakt erzielt?“
- ÄWerden mehr Tore aus den rechten und linken Spielfeldlängszonen vorbereitet als durch das Zentrum?“

1.2 Aufbau der Arbeit

Alle Tore der UEFA-U21-EM 2017 in Polen werden in einer systematischen Videoanalyse quantitativ untersucht. Dies wird mit Hilfe von Videomaterialien der Partien und dem Spielbeobachtungsbogen durchgeführt. Der Spielbeobachtungsbogen wird dabei ohne technische Hilfsmittel, das heißt, alleine mit den Videomaterialien und dem Augenmaß ausgefüllt. Die analysierten Daten werden mithilfe der Programme ÄMicrosoft Office Word 2007“ und ÄMicrosoft Office Excel 2007“ erfasst, statistisch ausgewertet und graphisch dargestellt. Insgesamt werden dabei 21 Spiele analysiert, bei denen 65 Tore erzielt wurden.

Zu Beginn wird der aktuelle Forschungsstand anhand verschiedener Studien internationaler Turniere zum Thema ÄAnalyse der Tore“ aufgearbeitet. Nachdem die UEFA-U21-Europameisterschaft 2017 in Polen, der Gegenstand der Analyse, in Kapitel 3 dargestellt wurde, wird im nächsten Kapitel die Methodik der Arbeit mit den genutzten Analysemerkmalen vorgestellt. Die Auswertung und Darstellung sowie die Interpretation und Diskussion der Ergebnisse folgen in Kapitel 5 und 6. Abschließend werden im letzten Kapitel aus der Diskussion die wichtigsten Erkenntnisse gezogen und anhand einiger Empfehlungen und Beispiele Trainingsinhalte dargestellt.

2 Theoretische Grundlagen

Im diesem Kapitel wird zunächst die systematische Spielanalyse erläutert. Darauf folgend wird der aktuelle Forschungsstand über die Torerzielung in internationalen Wettbewerben dargestellt. Zuletzt werden die Forschungsdefizite genannt, die sich aus der Aufbereitung des Forschungsstandes ergeben haben.

2.1 Begriffsklärung

Die systematische Spielanalyse ist ein wichtiger Bestandteil der trainingswissenschaftlichen Leistungsdiagnostik und bietet die Möglichkeit einer Analyse der gesamten Mannschaft sowie auch einzelner Spieler. Die Spielanalyse kann in verschiedenen Bereichen genutzt werden. Wie oben schon genannt für die eigene Mannschaft, aber ebenso auch für eine Analyse der gegnerischen Mannschaft. Bisanz und Gerisch (2013) erwähnen zusätzlich noch das Scouting sowie die Datengewinnung für statistische Zwecke.

Um eine Begriffsdefinition durchführen zu können, werden vorher die Begriffe ÄSpielanalyse“ und ÄSpielbeobachtung“ als unterschiedlich dargestellt. Da die Spielbeobachtung im Vergleich zur Spielanalyse keine Interpretation der Daten und keine Erkenntnisgewinnung beinhaltet, werden sie nicht als Synonyme verwendet. Beide jedoch beinhalten die Erhebung und Eingabe der Daten sowie eine Auswertung dieser und unterscheiden sich nur in dem letzten Prozess.

Nach Lames (1994) geht es bei der systematischen Spielbeobachtung, wie er es damals noch bezeichnet hat, um die möglichst genaue Abbildung des Sportspielgeschehens. Jedoch ergibt sich der Nutzen erst in den Erkenntnissen über das Spiel und den Folgerungen für das Training, die man im Anschluss daran abgeleitet hat (Lames, 1994).

2.2 Aktueller Forschungsstand

Im Folgenden soll ein Überblick über den aktuellen Forschungsstand gegeben werden. Dabei konnte sich auf mehrere Studienarbeiten der DSHS Köln bezogen werden, sowie auf internationale Fachzeitschriften, die mit Blick auf die Toranalyse ähnliche Kriterien vorweist.

2.2.1 Allgemeine Torquoten

Vor den Halbfinalspielen der U21-Europameisterschaft 2015 in Tschechien lag die Torquote bei 2,25 Toren pro Spiel, die zweitschlechteste Torquote des Jahrtausends. 12 Spiele und nur 27 erzielte Tore waren die genauen Daten. Die torreichen Halbfinalbegegnungen, mit zusammen zehn Toren, haben den Schnitt der erzielten Tore auf 2,47 Tore pro Spiel angehoben. Was jedoch immer noch einen Rückgang von 17,8 % im Vergleich zur Endrunde 2013 in Israel macht (UEFA, 2015).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Durchschnittlich erzielte Tore pro Spiel bei Turnieren von 1990 bis 2016 (FIFA, 2016).

Dass Tore ein rares Gut sind, zeigt ein weiteres Beispiel der Europameisterschaft 2016 in Frankreich. In der ersten Endrunde mit 24 Teams kam in der Gruppenphase der Tiefststand von nur 1,92 Toren pro Spiel zustande. In 36 Partien erzielten die Teams 69 Treffer. Die technischen Beobachter der UEFA (2016, S. 51) begründeten dies so:

„Wo es darum ging, nicht als Gruppenletzter zu enden, lag der Fokus häufig auf einer starken, gut organisierten Verteidigung. Für die Angreifer war das nicht leicht.“

Bundestrainer Joachim Löw erklärte dies in den ÄAbnutzungskämpfen“ der Gruppenphase, prophezeite jedoch eine bessere Quote in den K.-o.-Spielen. In den 15 verbliebenen K.-o.-Begegnungen kamen noch 39 Tore hinzu, was die Torquote letztlich auf 2,12 Tore pro Spiel anhob. Ungeachtet dessen, blieben im Vergleich zur letzten EM-Endrunde 2012 ein Rückgang von 13,8 % und sogar ein Rückgang von 20,6 % zum letzten großen Turnier der WM 2014 (siehe Abbildung 1).

2.2.2 Zeitliche Verteilung der Tore

Armatas und Yiannikos (2006) fanden bei der Europameisterschaft 2004 heraus, dass 57,4 % aller Tore in der zweiten Halbzeit erzielt wurden. Auch andere Studien finden Hinweise auf eine vermehrte Anzahl erzielter Treffer in der zweiten Halbzeit. Unter anderem auch Michailidis et al. (2013) kamen bei der EM 2012 zu einem ähnlichen Ergebnis (57,9 %).

Eine gute Übersicht über die Entwicklung des Zeitpunktes der erzielten Tore bei großen Turnieren lieferte Werlayne (2013), ergänzt durch aktuelle große Turniere und die UEFA-U21-Europameisterschaften (siehe Tabelle 1).

Tabelle 1: Verteilung der Tore bei Turnieren, in Perioden geteilt (FIFA, 2016; Leite, 2013).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Die Analyse von Lohne (2011), zu den vier Halbfinalisten der WM 2010, führte ebenfalls zu dem Ergebnis, dass nur 37,8 % der Tore in der 1. Halbzeit erzielt wurden. Anhand dieser Tabelle lässt sich auch die letzte Viertelstunde eines Spiels (76. - 90. Minute zzgl. Nachspielzeit) als entscheidende Spielphase identifizieren. Nach der 76. Spielminute sind ein Viertel aller Tore gefallen. Auch bei der EM 2012 fanden Buschmann et al. (2013) heraus, dass in der letzten Viertelstunde ebenso knapp 20 % aller Tore erzielt wurden.

Ein weiteres Indiz für die hohe Torquote in der letzten Viertelstunde lieferte die EM 2016. Nach der 80. Minute wurden 19 der 69 Tore der Gruppenphase erzielt - 15 gar erst nach der 85. Minute und 7 in der Nachspielzeit. Noch nie in der Geschichte des Turniers waren so viele Treffer so spät gefallen. Ein weiterer interessanter Wert, durch die vielen späten Tore, ist die Torausbeute der Einwechselspieler (19 Tore / 17,6 %), darunter auch der Siegtreffer im Finale für Portugal (UEFA, 2016).

2.2.3 Art der erzielten Tore

Michailidis et al. (2013) untersuchten bei der Europameisterschaft 2012 wie - mit welcher Technik - die Tore erzielt wurden. Sie kamen zu dem Ergebnis, dass 40,8 % der Tore durch einen Spannschuss erzielt wurden, 27,6 % mit der Innenseite des Fußes, 21,1 % waren Kopfballtore, 5,3 % mit einem anderen Körperteil, 1,3 % durch ein Eigentor und 3,9 % waren Elfmetertore. Wendel (2016) analysierte anhand ähnlicher Kategorien die EM 2016. Auch dort wurden die meisten Tore durch einen Spannschuss erzielt (26,9 %), jedoch 13,9 % weniger wie 2012. Tore mit der Innenseite des Fußes wurden zu 25 % erzielt, gefolgt von 21,3 % Kopfballtoren. 13,9 % der Tore wurden einem anderen Körperteil zugeteilt. Elfmeter und direkt verwandelte Freistöße nehmen 7,4 % und 3,7 % der Tore in Anspruch. Eigentore wurden nur zu 1,9 % erzielt.

Beim letzten großen Turnier der EM 2016 wurden 32 Treffer und damit knapp 30 % aller Tore nach einem ruhenden Ball erzielt. In vielen Fällen war es der erste wichtige Führungstreffer gegen eine kompakte und tiefstehende Mannschaft (UEFA, 2016).

Ebenso bei der letzten U21-EM 2015 in Tschechien. Insgesamt wurden 37 Tore erzielt, davon fielen 27 % (10 Tore) durch eine Standardsituation. Bei beiden Turnieren waren Eckbälle die erfolgreichste Methode. Nach Gekeler (2015) waren von den restlichen 27 Toren, die aus dem Spiel heraus erzielt wurden, 12 Treffer im Anschluss an eine abgewehrte Standardsituation, also einen Einwurf, Eckball, Freistoß oder Abstoß. Im Vergleich dazu sind 31 % der Tore in Israel 2013 und 19,4 % in Dänemark 2011 nach einem Standard erzielt worden.

2.2.4 Ort der erzielten Tore

Nachfolgende Studien bestätigen alle, dass der 16-Meter-Raum die mit Abstand aussichtsreichste Zone für einen Torerfolg ist. Von manchen Autoren wird auch die sogenannte ‚Gold Zone‘ erwähnt. Diese begrenzt den 16-Meter-Raum nochmal in der Breite und wurde in den USA von John Bilton und Dr. Peter Usher (Sports Path, 2014) definiert. Anhand einer Langzeitstudie, bei der tausende von Spielen aller Klassen analysiert wurden, kamen sie zu dem Ergebnis, dass über 80 % aller Tore aus dieser besagten Spielfeldzone erzielt wurden (Abbildung 2).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2: Die ‚Gold Zone‘ definiert von John Bilton and Dr.Peter Usher (Sports Path, 2014).

Buschmann, Krüger & Otto (2013) konnten bei ihrer Analyse der WM 2010 ebenso beobachten, dass 82,1 % der Tore aus dem 16-Meter-Raum fielen. Bei der EM 2012, wurden von denselben Autoren sogar 91 % der erfolgreichen Abschlüsse diesem Bereich zugeordnet. Armatas und Mitrotasios (2014) fanden heraus, dass von diesen 91 % außerdem 42,1 % aus dem Raum zwischen Elfmeterpunkt und Tor erzielt wurden.

Zu ähnlichen Ergebnissen kommt auch Lohne (2011) bei der WM-Analyse 2010 durch die Erhebung der Daten der vier Halbfinalisten. Er hat ebenso herausgefunden, dass 75,7 % (25 Tore) innerhalb des Strafraums erzielt wurden und weitere 18,7 % direkt vor dem Strafraum.

Die Analyse von Masen (2016) der WM 2014 ab dem Viertelfinale ergab, dass alle 10 Tore die aus dem Spiel heraus erzielt wurden, innerhalb des 16- Meter-Raums abgeschlossen wurden. Hiervon wurden nochmal 9 Tore aus der zentralen Zone (Gold Zone) vor dem Tor erzielt.

Förster (2015) veranschaulichte alle Tore (171) der WM 2014 graphisch in einer Heatmap und deckte auf, dass 83 % der Treffer innerhalb des Strafraums erzielt wurden. Weitere 9 % der Tore wurden aus den Zonen direkt vor dem Strafraum erzielt.

Der technische Bericht der FIFA zur WM 2014 (2014) fand ebenso heraus, dass von den 171 erzielten Toren, 140 (82 %) im Strafraum erzielt wurden, dazu noch 12 Elfmetertreffer (7 %) und 19 (11 %) außerhalb des Strafraums. Gekeler (2015) analysierte alle Tore die aus dem Spiel heraus gefallen sind bei der U21-EM 2015 in Tschechien und kam zu dem Ergebnis, dass nur 14,8 % der Tore außerhalb des Strafraums erzielt wurden, diese jedoch alle zentral vor dem Strafraum. Sehr markant ist eine weitere Analyse: In der Gold Zone fand er heraus, dass fast dreiviertel aller erzielten Tore in diesem Bereich gefallen sind.

2.2.5 Kontaktanzahl beim Torabschluss

Nach Masen (2016) der die WM 2014 ab den Viertelfinal-Spielen beobachtet hat, wurden 7 der 10 Tore direkt erzielt, was 70 % der Tore ausmacht. Bei der kompletten WM 2014 fielen, nach Förster (2015), über die Hälfte der Tore durch einen Torschuss direkt nach einer Vorlage (53 %). Nach vorheriger Ballkontrolle, gefolgt vom Torschuss, wurden 20 % der Tore erzielt. Tore durch ein vorausgegangenes Dribbling waren zu 15 % vertreten. Förster (2015) verglich seine Daten der WM 2014 mit denen von Krüger und Otto (2012) zur WM 2010. Auch hier wurden die meisten Tore direkt erzielt (55 %). Der größte Unterschied lag bei dem Torerfolg nach einem Dribbling. Hier wurden hingegen nur 10 % der Tore erzielt.

Mit nur einem Ballkontakt und damit direkt ein Tor erzielt, wurden 59,3 % (16 Tore) aller analysierten Tore der U21-EM 2015 in Tschechien (Gekeler, 2015). Insgesamt wurden sogar 92,6 % mit drei oder weniger Kontakten erzielt, was deutlich macht, wie wichtig die ersten drei Kontakte und vor allem der erste Kontakt bei der zum Torabschluss führenden Aktion ist. Auf die Kontakte beim Torabschluss bezogen, kann festgehalten werden, dass die meisten Tore direkt, das heißt mit nur einem Ballkontakt, erzielt werden (siehe Abbildung 3).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 3: Verteilung der Häufigkeiten der Kontakte beim Torabschluss nach Gekeler (2015, S. 35).

2.2.6 Ort und Art der Torvorlage

Buschmann, Krüger und Otto (2013) konnten bei der EM 2012 ca. 62 % der Torvorlagen aus der zentralen Spielfeldzone analysieren und lediglich 35 % aus den äußeren Zonen. Eine ähnliche Tendenz wurde auch von Lohne (2011) aufgezeigt, der ca. 60 % der Vorlagen aus den zentralen Zonen erfassen konnte. Außerdem wurden hiervon noch 14,2 % der Abschlüsse aus dem 16-Meter-Raum vorbereitet.

Auch die Analyse von Masen (2016) zeigte, dass 33 der 58 Vorlagen (56,7 %) bei Torabschlüssen durchs Zentrum eingeleitet wurden. Insbesondere die Zonen direkt vor dem 16-Meter-Raum waren Ausgangspunkt der meisten Vorlagen für Torabschlüsse (27,6 %).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 4: Art der Vorlagen der Torabschlüsse nach Masen (2016, S. 33).

Förster (2015) ging detaillierter zu Werke und verglich die äußeren Spielfeldzonen bei der Torvorlage miteinander. Er fand heraus, dass 47,91 % der Flanken von der rechten Seite und 43,75 % von der linken Seite zu einem Torerfolg führten. Weiterhin stellte sich heraus, dass ca. 64 % der Flanken zwischen Grundlinie und verlängerter 16-Meter Linie gespielt wurden. Was dazu führt, dass Flanken aus dem Halbfeld nur zu einem Drittel zum Torerfolg führten.

Gekeler (2015) analysierte die letzte U21-EM 2015 und kam zu der Erkenntnis, dass 68 % der Vorlagen durch einen horizontal, also quer zum Spielfeld, gespielten Pass vorbereitet wurden. Er untersuchte auch den Pass zur Vorlage, und kam zu dem Ergebnis, dass ca. 50 % aller erzielter Tore, bei denen es sowohl eine Vorlage wie auch einen Pass zur Vorlage gab, durch einen vertikal nach vorne gespielten Pass und zur Torvorlage, ein horizontaler Pass gespielt wurden. Weiter hat er bei dem Ort der Torvorlage aufgezeigt, dass 40,1 % der Torvorlagen aus dem 16-Meter-Raum gespielt wurden und davon nochmal 36,4 % aus den beiden Zonen seitlich des 16- Meter-Raumes. Nur 11,1 % der Tore wurden aus den äußeren Spielfeldzonen vorbereitet.

[...]

Ende der Leseprobe aus 55 Seiten

Details

Titel
UEFA-U21-Europameisterschaft 2017. Analyse der erzielten Tore und die daraus resultierenden Empfehlungen für Training und Wettkampf
Hochschule
Deutsche Sporthochschule Köln
Note
2,0
Autor
Jahr
2017
Seiten
55
Katalognummer
V381231
ISBN (eBook)
9783668581395
ISBN (Buch)
9783668581401
Dateigröße
1947 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Spielanalyse, Toranalyse, Analyse, U21-EM, Fußball
Arbeit zitieren
Daniel Fredel (Autor), 2017, UEFA-U21-Europameisterschaft 2017. Analyse der erzielten Tore und die daraus resultierenden Empfehlungen für Training und Wettkampf, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/381231

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