Das Leben an der Heimatfront im Ersten Weltkrieg

Welche Rolle spielten die Zurückgebliebenen für die Front?


Seminararbeit, 2011
16 Seiten, Note: 2,3

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

Die Versorgung mit Lebensmitteln

Das Leben der Frauen

Die Jugend am Beispiel Dresden

Fazit

Anhang

Quellenverzeichnis

Einleitung

Mit dem Ersten Weltkrieg verbinden viele Generationen die materiellen Zerstörungen durch den Krieg und die vielen Menschenopfer, die er forderte. Aber mich hat schon immer sehr das Schicksal der Daheimgeblieben berührt. Sie hatten eine sehr große Last zu tragen, die kaum vergleichbar ist mit dem, was den Männern an der Kriegsfront widerfuhr. Ich habe mir die Themen „Versorgung mit Lebensmitteln“, „Das Leben der Frauen“ und „Die Jugend am Beispiel von Dresden“ ausgewählt, weil sie für mich exemplarischen Wert für das Leben an der Heimatfront haben. Besonders wichtig war es mir auch im Zuge meiner Seminararbeit viel über das alltägliche Leben der Menschen zu Hause zu erfahren - welche Schwierigkeiten sie hatten, wie ihr Alltag ablief und wie sich die Geschlechterrollen aufgrund der Kriegssituation neu verteilten. Folgende Aspekte sollten dabei Bedeutung finden, nachdem ich meine Quellen gesichtet und die Seminararbeit fertiggestellt hatte: Wie wichtig war die Heimatfront und die Arbeit der Daheimgebliebenen tatsächlich für die Kriegsfront? Welchen Anteil leisteten besonders die Frauen und Jugendlichen an der Heimatfront?

Ich hoffe, dass ich diese Fragen mit meiner Seminararbeit so umfangreich, wie mir in dem geschaffenen Rahmen möglich, beantworten kann.

Die Menge an Quellen, die zu dieser Thematik bereitstehen, ist sehr weitfassend. Deshalb habe ich mir einige wenige ausgewählt, die meiner Meinung nach am kompaktesten, die von mir behandelten Themen untersuchen, ohne dabei wichtige Details auszulassen. Bei Carsten Schmidt fand ich die Dokumente und Tabellen im Buchanhang besonders hilfreich. Bei Karen Hagemann und Stefanie Schüler waren die unterschiedlichen Aufsätze sehr aufschlussreich und durch eine logische Abfolge gut nachvollziehbar. Die darin enthaltenen Informationen waren gut auswertbar und fanden in meiner Seminararbeit zum größten Teil Anwendung. In Sabine Herings Buch habe ich hauptsächlich mit den Tagebucheinträgen gearbeitet, weil diese einen sehr privaten Einblick in das alltägliche Leben einer Frau zu dieser Zeit geben und damit einen großen Umfang an Informationen beinhalten. Generell ist der Forschungsstand in diesem Themenbereich sehr weit, da zur Auswertung auch Tageszeitungen, Feldbriefe und andere alltägliche Kommunikationsmittel herangezogen werden können.

Die Versorgung mit Lebensmitteln

Obwohl schon vor dem Krieg hinsichtlich der Versorgung der Zivilbevölkerung vorbereitende Maßnahmen getroffen wurden, reichten diese bei weitem nicht aus, um im Kriegsfalle die Bevölkerung damit hinreichend zu ernähren. Trotz der Einlagerung von Kohle und Lebensmitteln bzw. der Vorbereitung der Lebensmittelversorgung durch die Regelung von gezieltem Anbau, gab es schon kurz nach Kriegsausbruch lange Menschenschlangen vor den Lebensmittelläden.1 Man hatte die Kriegsdauer erheblich unterschätzt und sich deshalb zu wenig auf den bevorstehenden Krieg vorbereitet. Dazu kam, dass Deutschland ein Drittel seiner Lebensmittel über Importe bezog. Der Streitpunkt zwischen Regierung und Bevölkerung wurde immer größer nachdem Großbritannien seine Exporte nach Deutschland einstellte. Auch die Düngemittel, die die Landwirte benötigten um ihre Erträge zu steigern, wurden über Importe bezogen. Die Ernten und Lebensmittel wurden immer knapper, was die Versorgungsschwierigkeiten verstärkte. In der Literatur heißt es, dass unter anderem die unzureichende Versorgung der Bevölkerung dazu beigetragen hat, das Regime zusammenbrechen zu lassen.2 Aufgrund der Lebensmittelknappheit gingen vor allem die Frauen auf die Straße, um ihre Forderungen, nach einer besseren Versorgung und mehr Unterstützung durch die Regierung, zu äußern. Durch den Kriegseinzug der Männer wurde die Bevölkerung zunehmend weiblich. Außerdem wurden den Frauen weitaus mehr Aufgaben zuteil als nur die der Ehefrauen- und Mutterrolle, die sie bis zu dem Zeitpunkt inne hatten. So reagierten die Autoritäten verhältnismäßig schnell auf die Forderungen der Bevölkerung.3 Diese Reaktion bestand zum einen in einer festgelegten oberen Preisgrenze für Butter und die Rationierung von Fleisch. Es wurden auch Großschlachtungen von Schweinen angeordnet, was die Preise von anderen Fleischsorten unglaublich in die Höhe klettern ließ.4 Die Rationen wurden über Lebensmittelkarten kontrolliert und zugeteilt. Das allerdings führte dazu, dass Lebensmittelhändler ihre Waren zurückhielten wodurch die Preise stark ansteigen, was wiederum zu einer Verschärfung des Mangels führte.5 Außerdem war es für die Lebensmittelproduzenten weitaus ertragreicher, die Produkte auf dem Schwarzmarkt zu verkaufen.6 Hinzu kam, dass natürlich zuerst die Kriegsfront versorgt werden musste, bevor man die Waren an der Heimatfront verteilen konnte. Somit konnten die Menschen zum Teil nicht einmal die Rationen abholen, die ihnen laut Lebensmittelkarte zustanden. Später wurden sogar Kleidungsstücke und Nähbedarf rationiert.7 Dies führte auch zu verstärkten Spannungen zwischen den unterschiedlichen Klassen.8

1917/18 suchte der bekannte „Kohlrübenwinter“ die Bevölkerung heim. Da die Kartoffel- und Getreideernte im besagten Winter nur bei 50% der durchschnittlichen Ernte lag, wurden Kohl- und Steckrüben als Ersatzlebensmittel verteilt. Die Rüben wurden dann als Mehlstreckungsmittel verwandt. Zum Teil lagen die geringen Erträge an den fehlenden Arbeitskräften. Man versuchte zwar die Arbeitskraft, der an die Front gegangenen Männer, durch Wanderarbeiter und Kriegsgefangene zu ersetzen. Allerdings reichten die Ersatzarbeiter nicht aus um die fehlenden Arbeitskräfte aufzuwiegen. Man versuchte durch Naturprodukte wie Löwenzahn, Brennnessel oder Scharfgarbe, Abhilfe zu schaffen. Diese konnte man in der freien Natur sammeln und musste sie nicht über die Lebensmittelkarten abrechnen. Oft wurden daraus Salate gemacht. Andere Lebensmittel, wie zum Beispiel Getreide, wurden mit einem 30%igen Kartoffelanteil gestreckt, um dadurch Getreide einzusparen. Das Brot, das daraus gebacken wurde, nannte man K-Brot. Diese Maßnahmen setzten bereits wenige Wochen nach Kriegsbeginn ein. Man fing sogar an „Sparrezepte“ in ein Kochbuch zu schreiben, um beim Kochen Zutaten zu sparen und trotzdem so gut wie es in der Situation möglich war satt zu werden.9 Auch Kohle wurde knapp und so mussten Universitäten ihre Lehrveranstaltungen absagen, weil die Temperaturen in den Hörsälen so niedrig waren, dass es für die Studenten eine unzumutbare Situation darstellte.10

Doch auch der Schwarzmarkt boomte, oder wie es damals hieß der „Schleichhandel“, und so konnten sich die Leute, die über ausreichend finanzielle Mittel verfügten, die begehrten Lebensmittel beschaffen. Die Leute fingen an sich Vorräte anzulegen und ihre Lebensmittel zu strecken, solange es nur ging. Teilweise sank der Energiegehalt der täglichen Essensration sogar auf 1000 kcal pro Person, weil für die vielen Menschen zu wenig Nahrungsmittel vorhanden waren.

Allerdings kann man in einigen Fällen auch von einer Verschwendung von Lebensmitteln sprechen. So wurden beispielsweise Zucker, Getreide und Kartoffeln der Branntwein- und Kornherstellung zur Verfügung gestellt, obwohl sie zur Versorgung der Bevölkerung als Grundnahrungsmittel viel nötiger gewesen wären.

Allgemein ist zu sagen, dass die Lebensmittelsituation besonders das Verhältnis zwischen Lebensmittelproduzenten und Verbrauchern stark strapazierte.11

Das Leben der Frauen

Durch die Situation des Krieges konnten Männer wie Frauen nicht mehr ihren sonst zugewiesenen Tätigkeiten nachgehen. Die Männer waren durch den Kriegsdienst nicht mehr die Ernährer und Beschützer der Familie. Somit musste die Frau in der Kriegswirtschaft arbeiten, die Familie ernähren und auch Aufgaben im öffentlichen Raum übernehmen. Sie mussten die Ernährerpositon einnehmen, die Kinder erziehen und sich um alle anderen Dinge kümmern, die sonst die Männer erledigt hätten. Ein weiterer Grund für die Tätigkeitsverlagerung war, dass durch Übernahme der sonst von Männern ausgeführten Arbeiten durch die Frauen, Soldaten für die Front frei wurden. Damit hatten die Frauen eine größere Handlungskompetenz und verfügten über mehr Verantwortung als vor

[...]


1 Vgl. Karen Hagemann „Heimat-Front“ S.129

2 Ebd. S.130

3 Ebd. S.132

4 Ohne Autor, siehe Quellenverzeichnis

5 Vgl. Karen Hagemann „Heimat-Front“ S.133

6 Ohne Autor, siehe Quellenverzeichnis

7 Vgl. Sabine Hering „Die Kriegsgewinnlerinnen“ S.40, siehe nhang 1

8 Ebd. S.37

9 Vgl. Dr. Karl August Seel

10 Vgl. Volker Ullrich, Die Zeit

11 Ohne Autor, siehe Quellenverzeichnis

Ende der Leseprobe aus 16 Seiten

Details

Titel
Das Leben an der Heimatfront im Ersten Weltkrieg
Untertitel
Welche Rolle spielten die Zurückgebliebenen für die Front?
Hochschule
Technische Universität Dresden
Note
2,3
Autor
Jahr
2011
Seiten
16
Katalognummer
V381367
ISBN (eBook)
9783668577442
ISBN (Buch)
9783668577459
Dateigröße
816 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Erster Weltkrieg, WW1, Dresden, Heimatfront, Krieg, Leben
Arbeit zitieren
Doreen Miersch (Autor), 2011, Das Leben an der Heimatfront im Ersten Weltkrieg, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/381367

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