Die Frau als Objekt und Subjekt in der Medizin des 19. und 20. Jahrhunderts


Seminararbeit, 2011
38 Seiten, Note: 1,3

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung (DM)

2. Die Frau als Objekt (DM)
2.1. Das Bild von der Frau
2.2. Schwangerschaft und Abtreibung
2.3. Menstruation

3. Die Frau als Subjekt (ND)
3.1. Ärztinnenausbildung an der Universität
3.2. Die Hebamme

4. Fazit (ND)

Bibliographie

Anlagenverzeichnis

1. Einleitung

Frauen standen in der Geschichte der Medizin sowohl als Subjekt, als auch als Objekt häufig außen vor. Lange Zeit waren Frauen, insbesondere was Fragen der Gynäkologie betrifft, auf sich gestellt, womit die Medizingeschichte bezüglich der Frauen eine gesonderte Betrachtung erfordert. Mit diesen Unterschieden zwischen männlichen und weiblichen Heilenden und den Patientinnen beschäftigt sich die Genderforschung der heutigen Zeit. So werden die Geschlechterverhältnisse in den verschiedenen Epochen betrachtet und welche Ereignisse zur Veränderung dieser geführt haben. Wie und aus welchen Gründen entwickelten sich zum Beispiel für die Frauen Möglichkeiten, ungewollte Kinder abzutreiben? An welcher Stelle waren erstmalig männliche Ärzte in die Behandlung von Frauen involviert und wie sah die Versorgung in der Zeit zuvor aus?

Aufgrund der Komplexität des Themas Frauenmedizin unterteilt sich die vorliegende Arbeit somit in zwei Segmente: Der erste Teil beschätigt sich mit der Frau als Objekt in der Medizingeschichte. Hierbei geht es vorallem um die verschiedenen Betrachtungsweisen auf das weibliche Geschlecht, den Umgang mit Schwangerschaft und Abtreibung und das Phänomen der Menstruation. Dabei liegt der Schwerpunkt zwar auf der heilkundigen Perspektive, die gesellschaftlichen Aspekte sind jedoch keinesfalls zu vernachlässigen.

Im zweiten Teil wird die Frau als Akteurin in der ärztlichen Wissenschaft und Versorgung betrachtet. In diesem Zusammenhang wird die Ärztinnenausbildung und das Berufsbild der Hebamme näher erläutert. Dazu soll unter anderem die Verwissenschaftlichung der weiblichen Medizin untersucht werden.

Die Reihenfolge der bearbeiteten Themen begründet sich auf der Tatsache, dass es wichtig ist, zuerst die Patientin und deren Leiden genauer zu betrachten bevor man das Berufsbild der Heilerinnen und Heiler in den näheren Fokus nehmen kann.

Zur wissenschaftlichen Untersuchung wurden unter anderem Aufsätze von Monica Azzolini und Barbara Duden, sowie Monographien von Marlene Faro und Jeanne Achterberg und Aufsatzsammlungen von Robert Jütte, Volker Klimpel und Christoph Meinel verwendet. Dabei konnten anhand der Literatur nicht nur Überblickswissen sondern auch detailreichere Informationen zu den ausgewählten Themengebieten gewonnen werden. Allgemein ist zu sagen, dass umfassende Literatur zur Frauenmedizin vorhanden und die Thematik im Rahmen der Genderforschung gut erschlossen ist.

Zweck dieser Arbeit ist nun einerseits eine explizite Betrachtung der frauenärztlichen Versorgung im 19. und des beginnenden 20. Jahrhunderts, andererseits die Untersuchung von Hindernissen, welche es zu überwinden galt wenn eine Frau selbst einen gynäkologischen Beruf ergreifen wollte.

2. Die Frau als Objekt

2.1. Das Bild von der Frau

Im Verlaufe der Jahrhunderte haben die Menschen verschiedenste Vorstellungen vom weiblichen Körper und dem Dasein der Frau gehabt. Wenn man einige dieser Ansichten heute hört, sind sie zum Teil fast unbegreiflich oder zumindest schwer vorstellbar. In den einzelnen Epochen gab es Fortschritte zu verzeichnen, die zur Verbesserung der weiblichen Stellung geführt haben, aber auch Rückschritte die wiederum das Dasein der Frauen erschwerten. Deshalb geht es in dem folgenden Abschnitt um das Bild der Frau im 19. Jahrhundert, wobei die Eindrücke hauptsächlich aus der Sicht des Mannes wiedergegeben werden.

So formuliert Johann Christian Gottfried Jörg, ein angesehener Frauenarzt seiner Zeit, in seinem Handbuch der Krankheiten des Weibes von 1832 folgendes:

„Geschlechtlich ist das Weib als sehr abhängig vom Manne eingerichtet. In der Begattung erfolgt von Seiten des Stärkeren, des Mannes, eine dynamische Einwirkung auf das schwächere Weib. Schwanger zu werden, zu gebären und zu säugen ist es ohne die Unterstützung des Mannes gänzlich unfähig. Ganz anders verhält sich der Mann, dessen Geschlechtsorgane zum Theil über die Aussenfläche des Körpers hervorragend einen Überfluß andeuten und geschlossener, vollkommener und vollendeter gebaut sind. Der Mann bereitet sein Sperma ohne Zuthun des Weibes, und steht deswegen auch weniger abhängig von demselben in der Welt.“ (Vgl. Marlene Faro An heymlichen orten, S. 30 ff.)

Anhand dieses Zitates lassen sich gleich mehrere Aspekte kenntlich machen. Zum Einen wird hier die Stellung des Mannes als stärkeres und somit besseres Geschlecht deutlich. Er hat die Oberhand über alles, so auch über die Frau und ohne ihn ist die Frau nichts. Zum Anderen erkennt man die Herabstufung der weiblichen Existenz und ihrer körperlichen Arbeit bezüglich des Mutterdaseins und die damit verbundenen Aufgaben. Welches Opfer die Frauen brachten, indem sie Mutter wurden, schien keiner Würdigung wert zu sein.1 Und das obwohl nicht einmal die Geburtsschmerzen gelindert werden durften, denn sie waren ein Zeichen der Sünden Evas und es wäre deshalb schändlich gewesen die Frauen von diesen zu befreien.2

Drittens werden männlicher und weiblicher Körper miteinander verglichen, wobei die Frau als unvollkommen und der Mann aufgrund der Anatomie seiner Geschlechtsorgane als vollendet bewertet wird.3 Diese Annahme begründet sich auf der Vorstellung, dass die weiblichen Ovarien den Hoden der Männer gleichen, aber aufgrund des niederen Wertes nach innen gestülpt sind und geringere Funktionen als die Hoden der Männer inne haben. Damit verbunden kursierte beipielsweise auch die Vermutung, dass die Gebärmutterkröte in den weiblichen Organen wohne. Sie verursache Schmerzen bei Krankheiten und der Geburt. Deshalb wurden bei Unfruchtbarkeit und anderen Frauenleiden Kröten aus Wachs, Eisen oder Silber gegossen und als Opfergabe überreicht.4 Weiterhin ist zu bemerken, mit welchem Umfang eine solche Aussage eines Arztes das gesamte Gedankengut einer Gesellschaft erfasst. Viele Kollegen Jörgs waren der gleichen Meinung und so wurde sie als allgemeingültig verbreitet. Da ist es nicht wirklich verwunderlich, dass man als Frau kaum eine Chance hatte, sich solcher Vorstellungen zu erwehren. Zumal auch die frauenärztliche Kunde zu großen Teil durch männliche Mediziner besetzt war. Teilweise kam es sogar soweit, dass die Frauen selbst an diese Auffassungen glaubten.

Doch darüber hinaus beschäftigten sich auch Künstler mit dem Aussehen der weiblichen Geschlechtsorgane. Bereits Leonardo Da Vinci stellt in einer seiner Zeichnungen den anatomischen Schnitt einer Frau dar.5 Auch im Mittelalter waren Zeichnungen des weiblichen Körpers üblich. Sie wurden in Badehäusern aufgehängt und zeigten sowohl vollkommen entblößte wie auch bekleidete Frauen. Gegen ein kleinen Obolus war es außerdem möglich, Abbildungen von Frauenkörpern auf dem Markt zu kaufen.6

Nun könnte man meinen, dass sich diese Vorstellungen nicht lange gehalten haben, vorallem wenn man die medizinischen Fortschritte und gesellschaftlichen Veränderung in Betracht zieht. Doch die Frau sollte noch lange als das schwächere Glied wahrgenommen werden. So galt beispielsweise die Geburt eines Mädchens noch lange als Missgeburt, die eines Jungen allerdings - selbstverständlich ausschließlich durch den Samen des Mannes ermöglicht - als große Leistung. An Mädchengeburten war - wie nicht ander zu vermuten ist - die Frau schuld. Generell:

wurden Frauen für Fehlbildungen oder sehr gebrechliche Kinder verantwortlich gemacht.7 Somit war auch der Akt der Zeugung eine alleinige Leistung der „befruchtenden Kraft des männlichen Spermas“ und gleichzeitig eine „Erhöhung des weiblichen Organismus“ (Vgl. Marlene Faro An heymlichen orten, S. 34). Man könnte den Eindruck gewinnen, dass es den Männern unheimlich viel abverlangt hat, sich zwecks des Geschlechtsaktes mit einem niederen Wesen abzugeben. Weiterhin war der Orgasmus nur beim Manne für den befruchtenden Vorgang von Bedeutung. Bei der Frau war dieser eher Nebensache, denn er war zur Befruchtung nicht notwendig und somit für den Mann nicht Ziel des Geschlechtsverkehrs. Hauptsache war, dass er zum Coitus gelangte, denn das reichte aus um ein Kind zu zeugen.8

Allerdings kann man sagen, dass trotz der großen Einigkeit darüber, dass die Frau das schwächere und schlechtere Glied verkörpere, doch gewisse unterschiedliche Meinungen über die Frau vorzufinden waren. Generell wurde auf die Untescheidung zwischen der verführerischen Eva und Hure und der heiligen Mutter Maria, die auch Männer gebärt, seitens der männlichen Bevölkerung großen Wert gelegt. Hier lässt sich die Doppelmoral jener Zeit gut erkennen. Auf der einen Seite ist die Frau alles Schlechte doch auf der anderen versinnbildlicht sie das Gute durch die Mutter Jesu. Hinsichtlich der biblischen Denkweise liegt auch der Fakt begründet, dass der Klerus die Kontrolle über die Frauenmedizin hatte. Das kann man der Antike etwa gegenüber als rückschrittlich betrachten.9

Hält man sich nun das zu dieser Zeit übliche Frauenbild vor Augen, ist es auch nicht weiter verwunderlich, mit welchen Methoden Frauenleiden gelindert wurden. So hat man Unterleibsentzündungen mit in Öl getränkten Tampons diagnostiziert und therapiert.10 Man fügte auch einige Instrumente zur gynäkologischen Untersuchungsausstattung hinzu. Das Spekulum wurde beispielsweise benutzt um sich den Muttermund und die Scheide genauer anschauen zu können.11 Ein weiteres Instrument ist die Uterussonde, mit der die Gebärmutter ausgemessen werden kann.12 Einige Geräte, die zur gynäkologischen Untersuchung verwendet wurden, sind nach männlichen Medizinern benannt worden. So zum Beispiel das Steinsche Messer, der Friedsche Perforator oder die Osiandersche Zange. Diese Instrumente, die für die frauenmedizinliche Untersuchung zwar sicherlich von Hilfe waren, kamen den Frauen wohl eher wie Folterinstrumente vor.13

Allgemein lässt sich nun zusammenfassend sagen, dass Frauen nicht als vollwertiges Mitglied der Gesellschaft angesehen wurden, was sich im Mitbestimmungsrecht bezüglich ihres eigenen Körpers sowie auch in anderen gesellschaftlichen Aspekten widerspiegelt. Ebenfalls wurde den großen Leistungen der Frauen nur wenig bis gar keine Beachtung geschenkt. Geburtsschmerz, Stillzeit, die Erziehung der Kinder und andere wichtige Tätigkeiten, die der Frau zukamen, wurden im Vergleich zu den männlichen Arbeiten als nichtig betrachtet. Selten wurde die Wichtigkeit des weiblichen Parts bezüglich der Kindeszeugung und -austragung, welche mit großen körperlichen und psychischen Kraftaufwendungen verbunden war, positiv in Augenschein genommen.

2.2. Schwangerschaft und Abtreibung

Sowohl Schwangerschaft als auch Abtreibung waren im 19. und 20. Jahrhundert Themen, die viele Schwierigkeiten für die Frauen mit sich trugen. Im Gegensatz zu heute stellte eine Schwangerschaft eine große gesellschaftliche Last dar. Häufig bestand diese darin, dass die Kinder unehelich waren oder aus wirtschaftlichen Gründe ein weiteres Kind in der Familie nich möglich war.

Nicht nur die Tatsache der Schwangerschaft an sich war für die Frauen schwierig zu händeln, denn viele von ihnen mussten trotzdem, zum Teil auch sehr schwer, arbeiten, sondern auch die Geburt war zumeist ein Kraftakt. So wurde bei der Entbindung mit Zangen, Haken und Kopfbohrern gearbeitet. Aufgrund dieser doch recht brutalen Methoden, kamen viele Kinder noch im Mutterleib ums Leben. Beispielsweise wurde den Kindern die Schädeldecke entfernt, um sie so zu verkleinern und den Frauen mit einem zu kleinen Becken die Geburt zu erleichtern. Dadurch war das Gehirn vollkommen ungeschützt und durch heftiges Ziehen und derbe Handgriffe hatte das kleine Geschöpf kaum noch eine Überlebenschance.14 Die Geburtshaken verursachten oft schwerwiegende Verletzungen der mütterlichen Organe. So kam es häufig vor, dass die Harnblase zerstochen oder eine große Wunde in der Scheide verursacht wurde.15

Doch nicht nur die Geburt an sich gefährdet das Leben von Mutter und Kind. Das sich im 19. Jahrhundert schnell ausbreitende Kindbettfieber hatte meist tödliche Folgen für die Frauen. Hervorgerufen wurde es vorallem durch Medizinstudenten, die zuerst Unterricht an Leichen erteilt bekommen hatten um danach bei einer Geburt zu assestieren. Ohne Desinfektion schritten sie zur Arbeit und so war es dem Errreger möglich, sich schnell auszubreiten und verheerende Folgen hervorzurufen.16 Semmelweiß, ein ungarischer Arzt, erkannte als erster diesen Zusammenhang und forderte Ärzte und Studenten dazu auf ihre Hände mit Chlorwasser zu waschen. Dadurch konnte die Todesrate auf 1% gesenkt werden.17 Anfang des 20. Jahrhunderts wurde die Hygiene im Operationssaal überholt und so wurden Gummischutz, Schleier und Kopfkappe zum alltäglichen Equipment hinzugefügt, was die Überlebenschance von Mutter und Kind steigerte.18

1876 erlangte der italienische Chirurg Edoardo Porro mit seiner operativen Geburtsmethode einen richtungsweisenden Fortschritt.19 Mit dem sogenannten Kaiserschnitt konnten nun auch schwierige Geburten, wie zum Beispiel solche falsch gedrehter Kinder und Frauen mit einem zu kleinem Becken, durchgeführt werden. Allerdings barg diese Methode ein großes Risiko, denn es gab für die Frauen kaum eine Chance diesen Eingriff zu überleben, was der hohen Infektionsgefahr geschuldet war. Deshalb wurde der Kaiserschnitt hauptsächlich den Adligen geraten, um den männlichen Nachfolger zu retten - auch wenn das den Tod der Mutter bedeutete.20

Mit der Entwicklung des Chloroforms durch James Simpson im Jahre 1847, war es edrstmals möglich den Geburtsschmerz zu lindern. Jedoch stieß diese Weiterentwicklung vorallem bei den Geistlichen auf heftigen Widerstand. Sie vertraten die Meinung, das es sündig sei, die Frauen von den Schmerzen der Geburt zu entlasten, da diese von Gott gewollt seien.21

Doch was, wenn die Schwangerschaft ein Unfall war oder man kein weiteres Kind mehr ernähren konnte? Den meisten Frauen blieb da nur ein einziger Ausweg: Abtreibung. Um eine solche durchzuführen, hatte man drei Möglichkeiten: Die Frauen konnten selbst abtreiben, zu einem Arzt gehen oder sich das Kind bei einem so genannten Kurpfuscher wegmachen lassen.22 Wurde sie allein durchgeführt, griff man zu allerlei Hausmitteln, die über Generationen hinweg unter den Frauen weitergegeben wurden. Einiger dieser Mittel waren beispielsweise heiße Umschläge, schweres Arbeiten oder Heben, Dampfkastenbäder, heiße Fußbäder, gar Abführpillen, abgekochter Wermuth mit Nelken, Chinin, die Bearbeitung mit Stricknadeln oder die Bedienung einer Mutterdusche, die mit Seifenlauge gefüllt wurde.23 Die meisten dieser Methoden riefen Wehen hervor, die dann eine Fehlgeburt einleiteten.24 Der Sadebaum war ein weiteres Abtreibemittel. Man gewann das Gift aus frischen Zweigtrieben und trank es. Wurde es jedoch falsch dosiert, konnte es sogar tödlich wirken. Seit 1898 ist das Gift rezeptpflichtig.25 Wählte man den Weg zum Arzt, musste man sich der Ausschabung stellen, die ohne jegliche Betäubung durchgeführt wurde. Generell war der Gang zum Arzt ein schwieriger. Hatte man an sich selbst eine Abtreibung vorgenommen und traten Komplikationen, wie starke Blutungen oder Schmerzen auf, wurde der Arztbesuch so weit wie möglich hinausgezögert. Dieses Verhalten endete oft tödlich oder zumindest mit schwerwiegenden Folgen, wie Wundfieber oder chronischen Erkrankungen.26

Im 19.Jahrhundert sowie besonders zur Zeit der Weimarer Republik wurde die Abtreibung zu einem zunehmenden gesellschaftlichen Problem. Aus diesem Grund trat 1871 der Abtreibungsparagraph §218 in Kraft.27 Er lautete wie folgt:

„(1) Eine Schwangere, welche ihre Frucht vorsätzlich abtreibt oder im Mutterleibe tödtet, wird mit Zuchthaus bis zu fünf Jahren bestraft.
(2) Sind mildernde Umstände vorhanden, so tritt Gefängnißstrafe nicht unter sechs Monaten ein.
(3) Dieselben Strafvorschriften finden auf denjenigen Anwendung, welcher mit Einwilligung der Schwangeren die Mittel zu der Abtreibung oder Tödtung bei ihr angewendet oder ihr beigebracht hat.“ (Vgl. http://lexetius.com/StGB/218#text- sign309)

Legal war die Abtreibung allerdings dann, wenn sie von einem Arzt durchgeführt wurde, der das Leben der Mutter zu retten versuchte oder feststellte, dass das Kind aufgrund von Erkrankung im Mutterleib sterben würde.

Jedoch bestand bezüglich der zeitlichen Abgrenzung, ab wann das Kind im Mutterleib als menschliches Wesen gilt und demnach eine Tötung vorliegt, keine Einigung. Zwar konnte man durch mikroskopische Untersuchungen feststellen, dass das Kind bereits vor der 40. Schwangerschaftswoche Menschenähnlichkeit besaß, doch kursierten zu viele verschiedene Meinungen darüber, als dass man sich hätte genau festlegen können.28 Allerdings ist zu sagen, dass es trotz des Abtreibungsgesetzes nur selten zu einer Anklage und noch seltener zu einer Verurteilung kam. Das hing vorallem mit der schwierigen Beweiselage zusammen, da es der Frau nachzuweisen galt, dass sie das Kind vorsätzlich versucht hatte abzutreiben. Denn aufgrund dessen, dass viele Frauen ungebildet waren, konnte es vorkommen, dass sie Medikamente zu sich nahmen, die abtreibende Wirkungen hervorriefen.29

Doch der Staat befand sich in einem Dilemma. Auf der einen Seite gab es zu viele Abtreibungen, die durch das Abtreibungsgesetz unterbunden werden sollten. Auf der anderen Seite wurden zu viele uneheliche Kinder geboren. Dementsprechend war es schwierig sich bezüglich der Maßnahmen die einzuleiten waren, zu einigen. Sollte man die Abtreibung unterstützen oder sie verbieten?30

Um ein Mittelmaß zu finden, gründeten sich Anfang des 20. Jahrhunderts, besonders während der Zeit der Weimarer Republik, verschiedene Beratungsstellen, um den Frauen in Fragen Verhütung und Abtreibung zur Seite zu stehen. Bei diesen Beratungsstellen konnten sich die Frauen Hilfe holen und teilweise sogar einen Termin bei einem Arzt erwirken, der dann die Abtreibung durchführte. Da sich einen solchen Eingriff die meisten jedoch nicht leisten konnten, wurden auch Abtreibungen unter der Hand durchgeführt.31

[...]


1 Faro, Marlene, S. 30

2 Ebd., S. 50

3 Faro, Marlene, S. 30

4 Ebd., S. 36

5 Ebd., S. 37

6 Ebd., S. 36

7 Faro, Marlene, S. 32

8 Ebd., S. 34

9 Ebd., S. 41

10 Ebd., S. 43

11 Siehe Anlage 1

12 Siehe Anlage 2

13 Faro, Marlene, S. 47

14 Ebd., S. 48

15 Faro, Marlene, S. 57

16 Ebd., S. 52

17 Ebd., S. 53; http://www.whoswho.de/templ/te_bio.php?PID=572&RID=1

18 Ebd., S. 56

19 http://www.wissenschaft-online.de/artikel/616209&_z=

20 Faro, Marlene, S. 46

21 Ebd., S. 50

22 Jütte, Robert, S. 144

23 Siehe Anlage 4

24 Jütte, Robert, S. 145

25 Staupe, Giesela, S. 14

26 Jütte, Robert, S. 147

27 Staupe, Giesela, S.12

28 Jütte, Robert, S. 123

29 Ebd., S. 129

30 Ebd., S. 128

31 Ebd., S. 149

Ende der Leseprobe aus 38 Seiten

Details

Titel
Die Frau als Objekt und Subjekt in der Medizin des 19. und 20. Jahrhunderts
Hochschule
Technische Universität Dresden
Note
1,3
Autoren
Jahr
2011
Seiten
38
Katalognummer
V381369
ISBN (eBook)
9783668607644
ISBN (Buch)
9783668607651
Dateigröße
732 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
frau, objekt, subjekt, medizin, jahrhunderts
Arbeit zitieren
Doreen Miersch (Autor)Niels Dammer (Autor), 2011, Die Frau als Objekt und Subjekt in der Medizin des 19. und 20. Jahrhunderts, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/381369

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