Aufgehobene Grenzen zwischen Juden und Christen in der mittelalterlichen Gesellschaft?


Hausarbeit, 2012
14 Seiten, Note: 1,3

Leseprobe

Inhaltsverzeichis

1. Einleitung

2. BeziehungenzwischenChristenundJuden
2.1 Streitpunkte und Konfliktpotenzial im taglichen Zusammenleben von Juden und Christen
2.2 Alltagliche Interaktionen zwischen Christen und Juden

3. Quellezujudisch-christlichenBeziehungen

4. Zusammenfassung

5. Quellen-undLiteraturverzeichnis

5.1 Quellenverzeichnis
5.2 Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Schon in der Antike entwickele sich ein unglaubliches Konfliktpotenzial zwischen Menschen christlichem und judischem Glaubens. Das ruhrt vor allem von dem Streit um das erwahlte Volk Gottes. Diesen Titel beanspruchten namlich Juden wie Christen gleichermaBen. Besonders die Christen versuchten diese Tatsache aus dem Alten Testament abzuleiten, wie beispielsweise Tertullian, der sagt, dass „[i]n der Prophezeihung des Alten Testamentes [...] die Ankunft Christi zur Erlosung der Heidenvolker angekundigt [ist], aber auch die Verwerfung der Juden.“ (Pfisterer, S. 11 f.). Durch die Beschuldigung des Gottesmordes verscharfte sich die Lage nur noch umso mehr, obwohl sogar Zeugnisse belegen, dass der Mord an Jesus eine Gemeinschaftstat von Juden und Heiden gewesen ist. Doch trotzdem wurde den Juden die Alleinschuld an dieser Handlung angelastet.[1]

Allerdings gibt es noch mehr Reibungspunkte zwischen Juden und Christen, die zum Teil zu immensen Ausschreitungen gegen die Juden fuhrten, wie die Kreuzzuge am wohl eindrucksvollsten beweisen. Doch wie verhielt sich die christliche Bevolkerung gegenuber der judischen im Alltag und wie sahVerhaltnis umgekehrt aus? Welchen Auseinandersetzungen hatten sich beide Personengruppen im taglichen Miteinander zu stellen? Welche Art von Interaktion gab es zwischen Juden und Christen? Um diesen Fragen nachzugehen, habe ich mir neben zahlreicher Fachliteratur eine Quelle von Gilbert Crispin zur Hilfe genommen, die ein Religionsgesprach zwischen ihm (einem Christen) und einem Juden schildert. Sie ist besonders geeignet, da sie die Interaktion der beiden Religionen gut darstellt, zeitgenossisch ist und zudem den religiosen Gedankenaustausch trefflich darlegt. Weiterhin wurde Gilbert in der Forschungsliteratur haufig zitiert, sodass er mir sehr glaubwurdig und wahrheitsgetreu erschien und deshalb eine gute Grundlage fur meine Arbeit bildete.

Im Folgenden werde ich mit Erlauterungen zu Beziehungen zwischen Juden und Christen und beginnen um anschlieBend anhand der Quelle die Interaktion der beiden Religionen zu skizzieren. AbschlieBend werde ich die Erkenntnisse aus dieser Arbeit knapp formulieren und darlegen.

Der Forschungsstand bezuglich der Probleme zwischen Christen und Juden ist sehr gut. Allerdings ist die Literatur bezuglich der Interaktion zwischen den beiden Personengruppen noch recht dunn, ganz besonders was die Wechselbeziehungen unter Frauen beider Religionen angeht. Insgesamt jedoch lasst sich viel Material zu diesem Thema finden. Weiterhin ist es sehr schwierig innerhalb der Arbeit nicht in die Religionsdiskussionen abzuschweifen, sondem bei den eigentlichen Aspekten des christlich-judischen Zusammenlebens zu bleiben.

2. Beziehungen zwischen Christen und Juden

Aufgrund des papstlichen und kaiserlichen Machtkampfes kam es im Laufe des Mittelalters immer wieder zu Uberschneidungen und dem gegenseitigen Ausloschen von weltlichen und kirchlichen Gesetzen. Das bekamen besonders die Juden zu spuren, denn sie mussten sich der Oberhoheit der Fursten unterwerfen. Hier kann man von einer s.g. Knechtschaft der Juden sprechen, was sie zu einer Bevolkerungsschicht mit niedereren Rechten machte.[2] Bezieht man sich auBerdem noch auf die von Noel Gist und Roy Dean Wright weiterentwickelte marginality theory kann bei der judischen Bevolkerung sogar von einer marginalen, also einer sich am Rande der Bevolkerung befindlichen, Gesellschaftsgruppe gesprochen werden. Das lasst sich durch pragnante Merkmale charakterisieren: (1) die marginale Gruppe ist zwar mit der zentralen Gruppe eng verbunden, qualifiziert sich jedoch nicht um auch fur diese zugelassen zu werden. (2) Beide Gruppen weisen Unterschiede sowohl im ethnischen als auch kulturellen Erbe auf. (3) Zwischen den beiden Gruppen findet nur begrenzt ein kultureller Austausch als auch eine gesellschaftliche Interaktion statt.[3] Demnach passt die mittelalterlichen Judengemeinschaft genau auf diese Definition.

Obwohl die Juden als Zeugen des christlichen Glaubens erhalten bleiben mussten, gab es doch und vor allem im Mittelalter immer wieder Unstimmigkeiten zwischen Juden und Christen. Genau dieser Status macht sie jedoch auch gleichzeitig zu Sklaven der katholischen Kirche unter dessen Einfluss sie stehen sollten.[4] Deshalb ist es interessant zu betrachten, auf welche Art und Weise sich das alltagliche Zusammenleben von Christen und Juden gestaltete und auf welche Probleme beide Gruppen stieBen.

2.1. Streitpunkte und Konfliktpotenzial im taglichen Zusammenleben zwischen Juden und Christen

Einer der wohl groBten Streitpunkte zwischen Juden und Christen im Mittelalter war der Geldverleih. Da es den Christen aufgrund des gottlichen Gesetzes verboten war mit Geld zu handeln und die Juden uber Jahrhunderte hinweg in ihren moglichen Tatigkeitsfeldern immer mehr eingeengt wurden, blieb den Juden nichts anderes ubrig, als sich dem Geldhandel zu widmen und sich so ihr Brot zu verdienen. Dieser war ihnen namlich laut Talmud in Notsituationen, in denen andere Erwerbstatigkeiten nicht zuganglich fur sie sind, erlaubt.[5] Deshalb lastete den Juden bald das Schimpfwort der Wucherer an, was hauptsachlich von den Franziskanern gepragt wurde.[6] In der Zeit des Pessachfestes kam es immer wieder zu Blutbeschuldigungen gegen die Juden, bei denen man ihnen vorwarf, Christenkinder zu toten um deren Blut fur rituelle Zwecke zu verwenden.[7] Es ist namlich Brauch zum Pessach 4 Glaser Rotwein zu trinken. Um derartige Verwechslungen und damit verbundene Anschuldigungen zu vermeiden, wurde der Rotwein spater gegen WeiBwein ausgetauscht.[8] Anzumerken ist hier, dass sich sogar die Papste und Kaiser gegen solche Anschuldigungen gegen Juden wehrten, weil diese zur Verfolgung und Vertreibung von solchen fuhren wurden. Doch blieben solche Verlautbarungen meist ohne Erfolg.[9] Durch den fulminanten religiosen Austausch kam es in einigen Fallen auch zur Bekehrung von Juden zum Christentum. Doch verbarg sich hier ein weiterer Reibungspunkt. In erster Linie war es moglich, dass die Bekehrung unter Zwang stattgefunden hat und damit keine wirkliche Bekehrung vorlag. Das resultierte naturlich in groBem Misstrauen von seitens der Altchristen und somit konnte keine Einheit zwischen Neu- und Altchristen geformt werden. Weitere Konflikte diesbezuglich waren vorprogrammiert.[10] Haufig war ein Ubertritt zum Christentum auch nur eine Chance um einer moglichen Ausweisung aus dem Kirchenstaat zu entgehen. Das fuhrte oft zu bosen Beschimpfungen und verhangnisvollen Spruchen und Legenden, die den Neuchristen und Juden sehr schadeten und mehrfach nicht ohne langzeitige Wirkung blieben. Besonders im Spatmittelalter fuhrte das vermehrt zu Judenfeindschaft. Dies wiederum erforderte s.g. Schutzbullen von Seiten des Papstes, die der Furst zu respektieren hatte. Hier standen die Juden unter einen gewissen Schutz solange sie nichts gegen den christlichen Glauben untemehmen wurden. Die Durchsetzung dieser Schutzbullen war jedoch haufig sehr schwierig, da es kein kontrollierendes Organ diesbezuglich gab und die Auslegung des Gesetzes sehrwillkurlich stattfinden konnte.[11]

Die Behauptung, die Juden hatten sich verschworen um die Weltherrschaft an sich zu reiBen und sich alle Volker Untertan zu machen., schuttete nur noch mehr 01 in die Flamme. Da ist es nicht verwunderlich, dass es ab einem gewissen Punkt zu Ausschreitungen gegen die Juden kam.[12] Auch Kleidervorschriften wurden erhoben, was zu Diskriminierung und Diskrepanzen zwischen Christen und Juden fuhrte. Das geschah einerseits um den ubermaBigen Luxus einzudammen, was auch die christliche Bevolkerung betraf und andererseits, um eine Verwechslung mit dem Klerus.

[...]


[1] Vgl. Pfisterer, Juden-Christen, S. Ilf.

[2] Vgl. Rengstorf/Kortzfleisch, Kirche und Synagoge, S. 210

[3] Vgl. Cohen, Unter Kreuz und Halbmond, S. 110

[4] Vgl. Rengstorf/Kortzfleisch, Kirche und Synagoge, S.221

[5] Vgl. Pfisterer, Juden-Christen, S.19

[6] Vgl. Rengstorf/Kortzfleisch, Kirche und Synagoge, S. 214

[7] Vgl. Pfisterer, Juden-Christen, S. 25

[8] Vgl. Gamm, Judische Feste und Brauche, S. 67

[9] Vgl. Rengstorf/Kortzfleisch, Kirche und Synagoge, S.213

[10] Vgl. Pfisterer, Juden-Christen, S. 28

[11] Vgl. Rengstorf/Kortzfleisch, Kirche und Synagoge, S.214ff.

[12] Vgl. Pfisterer, Juden-Christen, S. 30 f.

Ende der Leseprobe aus 14 Seiten

Details

Titel
Aufgehobene Grenzen zwischen Juden und Christen in der mittelalterlichen Gesellschaft?
Hochschule
Technische Universität Dresden
Note
1,3
Autor
Jahr
2012
Seiten
14
Katalognummer
V381370
ISBN (eBook)
9783668579149
Dateigröße
564 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
aufgehobene, grenzen, juden, christen, gesellschaft
Arbeit zitieren
Doreen Miersch (Autor), 2012, Aufgehobene Grenzen zwischen Juden und Christen in der mittelalterlichen Gesellschaft?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/381370

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