Die Bundesrepublik Deutschland sowie viele andere westliche Industriestaaten erhalten oft das Attribut „Konsumgesellschaften“. Den Anlass dazu gibt die Tatsache, dass das Ausmaß des Konsums größer und die Art des Konsums in diesen Gesellschaften bedeutungsvoller ist als in anderen. Dem Konsumsektor kommt demnach eine wichtige Rolle zu. Er ist ein Eckpfeiler der Industriegesellschaft, da er Wachstum und Beschäftigung sichert und somit grundlegend für die Aufrechterhaltung des markwirtschaftlichen Systems ist. Diese Erkenntnisse lassen es sinnvoll erscheinen, die Gesellschaft anhand ihres Konsumverhaltens zu analysieren.
Eine grundlegende Voraussetzung für den Konsum ist über die notwendigen Mittel zu verfügen - sprich Geld zu haben. Die Bedeutung des Geldes wird deshalb in der Analyse der Sozialstruktur berücksichtigt. Außerdem wird erläutert, welche Analogien zwischen Geld und Konsumgüter existieren.
Für die einzelnen Gesellschaftsmitglieder erweist sich der Konsum als integraler Bestandteil der individuellen Lebensführung. Den einzelnen Lebenskonzepten, sprich Lebensstilen, wird in der vorliegenden Arbeit besondere Aufmerksamkeit zuteil. Es wird geklärt, welche Rolle dem Konsum im Lebensstilansatz zukommt und inwiefern über diesen Ansatz Rückschlüsse auf eine Sozialstruktur des Konsums gezogen werden können.
Inhaltsverzeichnis
1. Problemstellung und Aufbau der Arbeit
2. Forschungstradition
3. Geld und Konsum
3.1 Begriff und Funktionen des Konsums
3.2 Die Bedeutung des Geldes beim Konsum
4. Begriff und Funktion des Lebensstils
5. Beziehung zwischen Konsum und Lebensstilen
5.1 Subjektive Perspektive
5.2 Objektive Perspektive
5.3 Statisches Modell: Standortbestimmung von Konsum und Lebensstilen
5.4 Erkenntnisse aus den Modellen
6. Lebensstile in der empirischen Forschung
6.1 Studie: Entscheidungsprozess beim Gerätekauf
6.2.Studie: Zusammenhang zwischen Lebensstilen und sozialer Ungleichheit
6.2.1 Lebensstile, Konsum und Status
6.2.2 Einflussgrößen der Lebensstilwahl
7. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht, inwieweit das Konsumverhalten und die Konsummuster innerhalb der Gesellschaft als Indikatoren für deren Sozialstruktur dienen können. Dabei wird insbesondere das Konzept des Lebensstils als Bindeglied zwischen sozialen Bedingungen und individuellem Konsumverhalten analysiert.
- Soziologische Analyse der Funktion von Konsum als soziales Handeln.
- Die Rolle des Geldes als Voraussetzung und Symbolfaktor beim Konsum.
- Theoretische Modelle zur Beziehung zwischen Konsum und Lebensstil.
- Empirische Untersuchung von Lebensstilgruppen und deren Einflussfaktoren.
- Zusammenhang zwischen sozialer Ungleichheit und Konsumverhalten.
Auszug aus dem Buch
3.1 Begriff und Funktionen des Konsums
Der Begriff Konsum wird in der einschlägigen Literatur als eine Verhaltenweise verstanden, „die auf die Erlangung und private Nutzung wirtschaftlicher Güter und Dienstleistungen gerichtet ist“ (Wiswede, 2002, S. 289). Der Konsum umfasst einen dynamischen, mehrphasigen Prozess. Dieser beginnt mit der psychisch und sozial determinierten Entstehung der Bedürfnisse, umfasst weiterhin Aktivitäten der Informationsbeschaffung und Entscheidungsfindung und endet beim Erwerb. Da Konsum auf die Art und Weise der Güterverwendung vorgreift, können Freizeitaktivitäten häufig in das Konsumverhalten einbezogen werden. Hier ist meist der Gebrauch von extern erstandenen Gütern und Dienstleistungen Vorraussetzung (vgl. Lüdtke, 1989b; Wiswede, 2002).
Aufgrund des sich ausbreitenden Wohlstands der Industriestaaten weist Konsum nicht mehr bloß existenzsichernden Charakter auf. Stattdessen spielen bei der Kaufentscheidung andere Faktoren wie Prestige, Individualität, Erlebnisintensität und Kompensation innerer Defizite eine zentrale Rolle (vgl. Stihler, 2000). Konsum erfüllt folglich eine soziale bzw. psychologische Funktion. Der Erwerb von Gütern und Dienstleistungen ist somit auch durch die Aussicht auf einen symbolischen Zusatznutzen begründet (vgl. Reisch, 2002).
Symbolischer Konsum sichert einer Person eine Position innerhalb einer sozialen Gruppe oder Schicht. Die Zugehörigkeit wird hier durch Ähnlichkeiten im Konsum verkörpert. Andersherum können deutliche Unterschiede im Konsumverhalten nicht konsumkonforme Personen ausgrenzen. Konsum dient daher zur Distinktion nach außen und erzeugt Stabilität nach innen. Da diese Art des Konsums der Gruppe als Ganzes und dem Einzelnen einen Status sichert, wird er als „Statuskonsum“ bezeichnet und gezielt der sozialen Umwelt präsentiert. Knappe Positionsgüter, welche nur einer begrenzten Anzahl von Personen, sei es aus finanziellen oder Gründen der sozialen Kontakte, zugänglich sind, eignen sich besonders gut als Positionssymbole (vgl. ebd., 2002).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Problemstellung und Aufbau der Arbeit: Einführung in die Relevanz des Konsums in westlichen Gesellschaften und Definition der methodischen Herangehensweise über das Lebensstilkonzept.
2. Forschungstradition: Historischer Rückblick auf die Entwicklung der Konsumsoziologie und die zunehmende Bedeutung der Lebensstilforschung.
3. Geld und Konsum: Definition von Konsum und Analyse der sozialpsychologischen Funktionen des Geldes im Kontext von Konsumgütern.
4. Begriff und Funktion des Lebensstils: Erläuterung des Lebensstilkonzepts als System zur Orientierung und Identitätsstiftung in modernen Gesellschaften.
5. Beziehung zwischen Konsum und Lebensstilen: Darstellung dreier theoretischer Modelle, die die dynamische Interaktion zwischen Konsumentscheidungen und Lebensstilen verdeutlichen.
6. Lebensstile in der empirischen Forschung: Anwendung theoretischer Ansätze auf empirische Studien, um den Einfluss von Lebensstilen auf den Kaufakt und soziale Ungleichheit zu prüfen.
7. Fazit: Zusammenfassende Bewertung der Ergebnisse hinsichtlich der Eignung des Lebensstilansatzes für eine soziologische Analyse der Sozialstruktur des Konsums.
Schlüsselwörter
Konsumgesellschaft, Sozialstruktur, Konsumsoziologie, Lebensstil, Statuskonsum, Soziale Ungleichheit, Symbolischer Konsum, Kaufentscheidung, Empirische Forschung, Konsumverhalten, Identität, Soziale Lage, Clusteranalyse, Positionssymbole, Konsumforschung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht, wie Konsumverhalten innerhalb der Gesellschaft eingebettet ist und inwiefern über die Art und das Ausmaß des Konsums Rückschlüsse auf die Sozialstruktur möglich sind.
Welche zentralen Themenfelder behandelt die Studie?
Die zentralen Themen umfassen die Definition von Konsum, die symbolische Bedeutung von Geld, das Konzept des Lebensstils und dessen Rolle bei der Bestimmung von Konsummustern.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Ziel ist es zu erörtern, ob und wie der Lebensstilansatz genutzt werden kann, um Konsumverhalten als integralen Bestandteil der Sozialstruktur einer Gesellschaft zu analysieren.
Welche wissenschaftliche Methode verwendet die Arbeit?
Die Arbeit basiert auf einer theoretischen Fundierung durch Literaturanalyse sowie einer Sekundäranalyse empirischer Daten (u.a. Clusteranalysen aus bestehenden Studien).
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Im Hauptteil werden zunächst die Begriffe Konsum und Lebensstil definiert, anschließend werden verschiedene Modelle zur Beziehung zwischen beiden erläutert und schließlich durch empirische Beispiele auf ihre Erklärungskraft hin geprüft.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit am besten?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Lebensstil, Sozialstruktur, Statuskonsum, soziale Ungleichheit und Konsumgesellschaft definiert.
Wie unterscheidet sich die „subjektive“ von der „objektiven“ Perspektive der Lebensstilgenese?
Die subjektive Perspektive betrachtet den Akteur als Moderator, der Konsumentscheidungen basierend auf Wunsch und Realität trifft, während die objektive Perspektive den Lebensstil als Ergebnis externer Faktoren und Verhaltensweisen innerhalb einer „Blackbox“ analysiert.
Welche Rolle spielt das Einkommen bei der Wahl des Lebensstils laut den untersuchten Studien?
Obwohl das Einkommen für den tatsächlichen Umfang des Konsums entscheidend ist, zeigen die empirischen Analysen, dass es nur einen vergleichsweise geringen Einfluss auf die grundsätzliche Wahl des Lebensstils hat.
Warum ist laut der Arbeit eine Prognose von konkreten Kaufakten schwierig?
Der Lebensstilansatz ist zwar für die Interpretation allgemeiner Konsumtrends nützlich, bietet jedoch aufgrund der Unschärfen in der Clusterbildung keine ausreichende Prognosekraft für individuelle Kaufentscheidungen.
- Quote paper
- Ina Berninger (Author), 2006, Die Sozialstruktur des Konsums, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/381443