Soziale Differenzierung und Individualisierung


Seminararbeit, 1999
19 Seiten, Note: 1,3

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

I. Einleitung

II. Modernisierung und ihre Folgen
1. Definition Modernisierung
2. Definition soziale Differenzierung
3. Definition Individualisierung

III. Georg Simmel
1. Grundüberlegungen
2. Individualisierung
3. Kreuzung sozialer Kreise
4. Koordination Individuum - Gesellschaft

IV. Ulrich Beck
1. Grundüberlegungen
2. Individualisierung

V. Altruistischer Individualismus

VI. Stellungnahme

VII. Literaturverzeichnis

I. Einleitung

Die Behandlung des Themas „Soziale Differenzierung und Individualisierung“ eröffnet ein großes und komplexes Feld, da man rasch mit einer Vielzahl von Autoren, Informationen und Schriften konfrontiert wird.

Aus Ordnungsgedanken soll die Hausarbeit nach folgendem Raster aufgebaut werden:

Zunächst sollen in Kapitel II Individualisierung und soziale Differenzierung als Produkte des historischen Prozesses der Modernisierung beschrieben und definiert werden.

In den folgenden Teilen sollen exemplarisch zwei für dieses Thema relevante Wissenschaftler behandelt werden, nämlich Georg Simmel und Ulrich Beck.

Simmel soll in Kapitel III mit Hilfe verschiedener Aufsätze, nämlich Die Ausdehnung der Gruppe und die Ausbildung der Individualität, Die Differenzierung und das Prinzip der Kraftersparnis, Individualismus, Über Kollektivverantwortlichkeit,Wie ist Gesellschaft möglich und Über die Kreuzung socialer Kreise , stellvertretend stehen für die soziologischen Überlegungen am Anfang dieses Jahrhunderts.

In Kapitel IV steht Beck mit seinem Werk Risikogesellschaft für die heutige Forschungsarbeit.

Kapitel V soll sich näher mit der Frage der „Sitte“ und der „Werte“ heutzutage behandeln. Insbesondere soll anhand Becks Buch Kinder der Freiheit untersucht werden, wie und ob Simmels Überlegungen über die sittliche Wirkung von Individualisierung und Differenzierung in unseren Tagen

sich manifestieren.

Abschließend möchte ich in Kapitel VI noch selbst Stellung zu dem Thema und den Autoren nehmen.

II. Modernisierung und ihre Folgen

Um die Phänomene von Individualisierung und sozialer Differenzierung hinreichend beschreiben zu können, ist es notwendig, sich mit dem Begriff der Modernisierung zu beschäftigen, denn genannte Phänomene entstanden im Laufe der Modernisierung.

1. Definition Modernisierung

„ Modernisierung verweist auf einen Komplex miteinander zusammenhängender struktureller, kultureller, psychischer und physischer Veränderungen, der sich in den vergangenen Jahrhunderten herauskristallisiert und damit die Welt, in der wir augenblicklich leben, geformt hat und noch immer in eine bestimmte Richtung lenkt.“

(van der Loo/van Reijen 1997 : 11).

Diese allumfassenden Veränderungen begannen im Spätmittelalter und wirken mit zunehmender Geschwindigkeit bis heute weiter. Die gesellschaftlichen Veränderungen lassen sich an einer Vielzahl von Merkmalen festmachen:

Die Schichtungsstruktur gemäß Ständen wurde aufgelöst, politische Ideologien werden entwickelt, demokratische Prozesse entstehen. Kapitalistisch orientierte Märkte entstehen im Laufe von Industrialisierung, Urbanisierung und Rationalisierung. Wissenschaft und Technik verdrängen den Stellenwert der Religion. Soziale Differenzierung und Individualisierung sind als Phänomene zu beobachten. (van der Loo/van Reijen 1997: 12).

Eine Vielzahl von Autoren und Wissenschaftlern haben sich mit der Modernisierung beschäftigt und wichtige Gedanken zum besseren Verständnis dieses Komplexes erarbeitet.

Beispielhaft seien folgende kurz genannt (van der Loo/van Reijen 1997: 14 ff.):

Ferdinand Tönnies (1855-1936) beschrieb die Unterschiedlichkeit von „Gemeinschaft und Gesellschaft“. Emile Durkheim (1858-1917) untersuchte ebenfalls Zusammenhänge zwischen Individuum und Gemeinschaft .Er unterschied zwischen „mechanischer und organischer Solidarität“. Max Weber (1864-1920) befaßte sich mit dem Prozeß der Rationalisierung und der dadurch bewirkten „Entzauberung der Welt“. Karl Marx (1818-1883) untersuchte die Auswirkungen der kapitalistischen Wirtschaftsordnung und des sich herausbildenden „Klassenantagonismus“.

Als großer Soziologe sei letztlich auch Georg Simmel (1858-1918) genannt, der sich mit sozialer Differenzierung und Individualisierung beschäftigte. Darauf soll nun näher eingegangen werden:

2. Definition soziale Differenzierung

„ Soziale Differenzierung ist der Prozeß gesellschaftlichen Teilung und daraus resultierenden Entwicklung von komplexen Strukturen wie z.B. von spezifischen sozialen Rollen und Verhaltenserwartungen , in denen Arbeitsteilung und Spezialisierung wirksam und als Verhaltenserwartungen institutionalisiert werden.“ (Reinhold 1992:108)

Soziale Differenzierung beschreibt also die Aufgliederung eines einheitlichen Ganzen, sprich der Gesellschaft, in Einzelteile, die dann das Ganze konstituieren. Im Laufe dieser Ausfächerung bilden sich Machtpositionen, Asymmetrien, wechselsetige Abhängigkeiten und Normierungen heraus, die Einfluß auf die Sozialisation des Einzelnen haben. Die Differenzierung bewirkt, daß die Menschen nicht mehr zu (mehr oder weniger) uniformen Identitäten gelangen, so wie es noch im Ständestaat mit seinen festen Hierarchien war. Dort bestand die Diffenzierung lediglich zwischen Adel und Untertanen. Innerhalb dieser Hauptgruppen gab es natürlich zwar auch Unterschiede, z.B. beruflicher Natur, doch läßt sich kaum soziale Mobilität konstatieren, wie der Begriff der sozialen Differenzierung impliziert. Im Gegenteil, es läßt sich eher von einer sozialen Prädetermination sprechen, die dem Einzelnen die Möglichkeit verwehrte, aus seinem sozialen Rollengefüge auszubrechen.

Die im Laufe der Modernisierung zunehmende Differenzierung bewirkte allerdings auch Unsicherheit bei der Identitätsfindung, denn es gibt zunehmend weniger Fixpunkte, an denen man sich orientieren kann. Stattdessen ist man nun auf individuelle Selbstfindung angewiesen. Dies beschreibt die Individualisierung:

3. Definition Individualisierung

„Indivdualisierung bezeichnet den Prozeß, in dem ein Individuum autonom, eigenverantwortlich, persönlich gefärbt und bewußt handelt, eventuell auch gegen die soziale Norm.“ (Reinhold 1992: 256)

Individualisierung ist also ein Teil der Sozialisation, der sich vor allem dadurch auszeichnet, daß der Mensch gesellschaftliche Normen erkennt, verarbeitet und selbständig für sich Prinzipien aufstellt. Individualisierung ist somit das Gegenteil einer Kollektivisierung, d.h. einer Sozialisation, in der die Menschen sich in Ihren Identitäten gleichen oder nur in Nuancen abweichen. Sie betont die Einzigartigkeit der Identität.

Theoretische Hintergründe zur sozialen Differenzierung und Individualisierung sollen nun anhand Georg Simmels Schriften gezeigt werden.

III. Georg Simmel

1.Grundüberlegungen

Simmels Werke beschäftigen sich hauptsächlich mit dem Entstehen von Individualisierung und sozialer Differenzierung, der Beschreibung des

durch Individualisierung entstandenen Menschentyps und dem Bezug bzw. der Koordination zwischen Gesellschaft und Individuum. Als Grundthese kann gelten: „Zunehmende Vergesellschaftung schafft einerseits Individualität, um sie in einem zweiten Schritt wieder aufzuheben.“ (Simmel 1992:18)

2. Individualisierung

Das Entstehen von Individualität erklärt Simmel mit Hilfe eines Modells:

(Simmel 1992: 53 ff.)

Er geht davon aus, daß es zwei soziale Gruppen gibt, die in sich homogen sind, aber gegeneinander gerichtet sind. Mit der Zeit steigt der kulturelle Fortschritt innerhalb jeder Gruppe, Differenzierungsprozesse beginnen und somit auch Konkurrenz unter den Menschen. Ein erstes Differenzierungsergebnis ist die Bildung von Hierarchien, welche nicht mehr die ursprünglich engen und solidarischen Zusammenhänge vertreten. Da dieser Prozeß in jeder der beiden Gruppen stattfindet, werden Verbindungen zu gleichgesinnten bzw. gleichgestellten innerhalb der anderen Gruppe gesucht. Als Beispiel nennt Simmel die Verbindungen zwischen den Adelshäusern oder zunehmende wirtschaftliche Verflechtungen.(Simmel 1992: 53ff.). Es läßt sich festhalten:

„Individualisierung lockert das Band mit dem Nächsten , um dafür ein neues - reales und ideales- zu den Entfrenteren zu spinnen.“ (Simmel 1992: 55)

In ursprünglichen Kulturen gilt also „das Vererbungsprinzip, das auf Zusammenhang und Gleichheit der Individuen geht“ (Simmel 1999:139), mit seinen wenigen Bindungen (Familie, Arbeit). Steigende Kultur bedingt die Neigung des Menschen des Sich-Heraushebens, zur Individualität.(Simmel 1992: 269) Durch Differenzierung nimmt die Zahl der Bindungen zu, wobei der Zusammenhalt an das Ganze geschwächt wird.

Wie der neue durch Individualisierung entstandene Menschentyp zu charakterisieren ist, beschreibt Simmel wie folgt:

[...]

Ende der Leseprobe aus 19 Seiten

Details

Titel
Soziale Differenzierung und Individualisierung
Hochschule
Justus-Liebig-Universität Gießen  (Institut für Soziologie)
Veranstaltung
Proseminar Sozialisationstheorien und Sozialisationsanalysen
Note
1,3
Autor
Jahr
1999
Seiten
19
Katalognummer
V38158
ISBN (eBook)
9783638373135
ISBN (Buch)
9783656526148
Dateigröße
476 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
In der Arbeit werden soziale Differenzierung und Individualisierung als Phänomene des gesellschaftlichen Prozesses der Modernisierung anhand von Überlegungen Georg Simmels und Ulrich Becks untersucht.
Schlagworte
Soziale, Differenzierung, Individualisierung, Proseminar, Sozialisationstheorien, Sozialisationsanalysen
Arbeit zitieren
Tomas Jerkovic (Autor), 1999, Soziale Differenzierung und Individualisierung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/38158

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