Die Commedia, Dante Alighieris größtes Werk, ist in italienischer Sprache gedichtet, obwohl es die rhetorische Tradition im Trecento verlangt hätte, es in Latein zu schreiben. Dies bestätigen auch Zeugen, u.a. Giovanni Boccaccio, die behaupten, Dante Alighieri habe sein Meisterwerk in lateinischen Hexametern begonnen. Es lässt sich nur mutmaßen, weshalb Dante die lateinische Version verwarf und stattdessen die Commedia in italienischer Sprache dichtete.
Ob, wie Boccaccio behauptet, die caritas idiotarum einer der Gründe war, oder die höhere Ausdrucksfähigkeit, die Dante in seinem Heimatidiom besaß: Dass sich ein Dichter wie Dante Alighieri dazu entscheidet, sein größtes Werk in der Volkssprache zu verfassen, ist von außerordentlicher Bedeutung.
Es stellt sich nun die Frage, inwiefern sich die italienische Volkssprache zur Zeit Dantes vom Lateinischen als antike Dichtersprache unterschied? Wodurch zeichnete sich das Italienische des Trecento aus? Unter dem Gesichtspunkt der Eigenheiten des Altitalienischen soll diese Hausarbeit als eine Art historische Kurzgrammatik verstanden werden. Zur Erläuterung dienen ausgewählte Textstellen aus Dantes Commedia, Inferno, canto I.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Metrum und Reim
3. Lexik und Semantik
4. Morphologie und Syntax
5. Phonologie
6. Etymologie
7. Interpretation
8. Schluss
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht die sprachhistorischen Merkmale des Altitalienischen zur Zeit Dantes und analysiert, wie Dante Alighieri durch die Verwendung der Volkssprache in seinem Werk "Commedia" zur Etablierung des Italienischen als Nationalsprache beitrug.
- Sprachwandel vom Lateinischen zum Altitalienischen
- Metrische Strukturen und Reimformen im "Inferno"
- Lexikalische Besonderheiten und semantische Verschiebungen
- Morphologische und syntaktische Entwicklungen des Trecento
- Phonologische Analysen und palatalisierende Einflüsse
Auszug aus dem Buch
3. Lexik und Semantik
Sowohl Dantes Wanderleben als auch seine Zeit im Exil, die er in verschiedenen Städten Norditaliens verbringt, tragen zu einer außerordentlichen Spannbreite lexikalischer Vielfältigkeit bei. Diese Mehrsprachigkeit spiegelt sich besonders in der Commedia wider, die er während seines Exils zu schreiben beginnt.
Rispuosemi: „Non omo, omo già fui, Er erwiderte mir: “Nicht Mensch, Mensch war ich einst, e li parenti miei furon lombardi, und meine Eltern waren Lombarden, mantovani per patrïa ambedui. Mantuaner von Herkunft beide.
Interessant ist die Verwendung der Form omo. Statt der üblichen Diphtongierung des heute gebrauchten uomo wird in der Toskana im Trecento die monophtongierte Form omo bevorzugt. Dieser sogenannte toscanismo taucht 1921 Mal in der Commedia auf, darunter im Inferno, canto I, v.67, als sich der aus Mantua stammende Vergil dem Protagonisten Dante vorstellt. Die italienische Form uomo bzw. die toskanische Form omo geht auf lat. HOMO, m. zurück. Der Thesaurus Linguae Latinae gibt als Synonym für homo das griechische Wort ἄνϑϱωπος an. Er definiert homo als ein von der Natur hervorgebrachtes Wesen, das Körper und Seele besitzt. In Verbindung mit dem Devoto-Oli, der uomo als ein Individuum menschlicher Art, vor allem des männlichen Geschlechts, angibt, kann ein semantischer Wandel ausgeschlossen werden, was die noch heute ähnliche Orthographie unterstreicht.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Einführung in die Bedeutung von Dantes Wahl der Volkssprache anstelle des Lateinischen für sein Hauptwerk.
2. Metrum und Reim: Analyse der metrischen Besonderheiten wie der Silbenzählung und des Kettenreims im Inferno.
3. Lexik und Semantik: Untersuchung der lexikalischen Vielfalt und der Etymologie ausgewählter Begriffe wie omo.
4. Morphologie und Syntax: Erläuterung der grammatikalischen Entwicklung, insbesondere des Verlusts des Neutrums und der Reduzierung der Verbalkonjugationen.
5. Phonologie: Untersuchung der lautlichen Charakteristika, insbesondere der Palatalisierung im Italienischen.
6. Etymologie: Detaillierte sprachgeschichtliche Herleitung der Begriffe figliuol, Inferno und parente.
7. Interpretation: Analyse der inhaltlichen Struktur des ersten Cantos und der symbolischen Bedeutung des Waldes und des Weges.
8. Schluss: Zusammenfassende Betrachtung der Rolle Dantes bei der Formung einer italienischen Nationalsprache.
Schlüsselwörter
Dante Alighieri, Commedia, Altitalienisch, Trecento, Sprachwandel, Metrum, Morphologie, Syntax, Phonologie, Etymologie, Toskanisch, Volkssprache, Semantik, Inferno, Sprachgeschichte
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert sprachliche Merkmale des Altitalienischen im 14. Jahrhundert anhand von Dantes "Commedia".
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Schwerpunkte liegen auf Metrik, Lexik, Morphologie, Syntax, Phonologie und Etymologie im Kontext des ersten Cantos des Inferno.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie Dante durch sein Werk die Entwicklung der italienischen Nationalsprache maßgeblich beeinflusst hat.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Autorin verwendet eine historisch-grammatische Analyse unter Einbeziehung etymologischer Wörterbücher und Fachliteratur.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in verschiedene sprachwissenschaftliche Disziplinen, die Dantes Text auf grammatikalische und stilistische Eigenheiten hin untersuchen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind insbesondere Altitalienisch, Trecento, Sprachwandel, Metrum und Etymologie.
Warum ist die Wahl der Volkssprache durch Dante so bedeutend?
Dante brach mit der Tradition, wissenschaftliche und literarische Meisterwerke auf Latein zu verfassen, um ein breiteres Publikum zu erreichen.
Welche Rolle spielt Vergil im ersten Canto?
Vergil fungiert als literarische Figur und Führer, dessen Vorstellung Dantes Weg durch das Inferno einleitet.
Was besagt die Theorie zum "toscanismo"?
Die Arbeit zeigt, dass Dante durch die Bevorzugung toskanischer Formen im Vergleich zum heutigen Standarditalien zur Prägung der Schriftsprache beitrug.
Wie erklärt die Arbeit den Begriff "sinaléfe"?
Es handelt sich um eine metrische Besonderheit, bei der aufeinandertreffende Vokale zu einer Silbe verschmelzen, um den Rhythmus des Verses zu wahren.
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- Anuschka Wanner (Author), 2014, Eigenheiten des Altitalienischen. Dantes "Divina Commedia", Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/381999