Die 13 Tage der Kubakrise im Spielfilm


Hausarbeit, 2002
13 Seiten, Note: 2

Leseprobe

Gliederung

1. Einleitung

2. Die Darstellung des Militärs

3. Die neuere Forschung zum Militär während der Kubakrise

4. Fazit

5. Literaturverzeichnis

1.Einleitung

Dieser Teil der vorliegenden Arbeit legt sich den Film „Thirteen Days“ von Roger Donaldson als Basis zugrunde. Er ist nicht bemüht einen groben Überblick über die Geschehnisse der Kubakrise zu geben. Diesen Anspruch hat er nicht und würde er auch nicht gerecht werden. Vielmehr soll versucht werden, einen ganz bestimmten Aspekt des Filmes herauszuarbeiten und zu hinterleuchten. Dieser Aspekt soll das Verhältnis zwischen den Stabschefs respektive dem Militär im allgemeinen und der politischen Führung der USA, sprich im besonderen John F. Kennedy, Robert Kennedy und Kenneth O`Donnell, sein. Die Fragen, denen die Arbeit versucht ist nachzugehen, sind „Wie werden die Beziehungen und Befehlsstrukturen zwischen den beiden Parteiungen dargestellt?“ und „Wie nah kommt das Gezeigte der historischen Wirklichkeit überhaupt?“ Dabei gilt ständig zu beachten, was die neuere Forschung als erwiesen ansieht beziehungsweise was der Dramaturgie, also der filmischen Darstellung geschuldet ist. Hierfür sollen sowohl wissenschaftliche Monographien zur Kubakrise als auch Biographien zu einzelnen Personen verwandt werden.

Doch vor allem auch die Erfahrungen der beiden direkt involvierten Zeitgenossen Theodere Sorensen und Robert Kennedy wurden für eine genauere Beleuchtung zu Rate gezogen. Im weiteren soll also gezeigt werden, wie die Parteiungen dargestellt wurden, ob, welche und vor allem warum es Spannungen gegeben hat. Ziel soll es schlussendlich sein, eine Bewertung hinsichtlich der Realitätsnähe des Films in Bezug auf den zentralen Aspekt in Betracht ziehen und ermöglichen zu können.

Dass die Literatur zu diesem Thema eher dünn gesät ist und man auf recht allgemeine Darstellungen zur Kubakrise zurückgreifen muss, ist bei der Betrachtung stets zu beachten.

2. Die Darstellung des Militärs

In dem der Analyse zugrundeliegenden Film „Thirteen Days“ wird ein recht deutliches Bild der führenden Militärs gezeichnet. Nähern wir uns einer Charakterisierung dieser Männer, müssen wir feststellen, dass sie von Beginn an eine sehr eindeutige Stellung beziehen und sich im großen und ganzen einig sind über die Richtung der möglichen Optionen. Bereits zu Beginn des Filmes wird ihr Unmut erstmals deutlich, nachdem sich John F. Kennedy (im weiteren JFK) nicht entscheidungsfreudig-übereilt für ein sofortiges militärisches Vorgehen entschieden hatte[1]. Dass er sich nicht Hals über Kopf zu einem Militärschlag entschloss,

ist angesichts des von Ex-Außenminister Dean Acheson gezeichneten Szenarios nur zu verständlich. Dieser hatte im Zuge der Diskussion die mögliche Entwicklung nach einem Angriff auf Kuba „weitergesponnen“, was ihn zu dem Ausblick brachte, dass man weder die Sicherheit West-Berlins garantieren- noch den Gebrauch von Atomwaffen ausschließen könne[2]. Acheson bezeichnet die Kennedys daraufhin im Zuge seiner Unmutsäußerungen als schwach und hofft dass „Appeasement nicht erblich [sei].“[3] Damit verweist er auf die Tatsache, dass der Vater der Kennedys am Zustandekommen des Münchener Abkommens 1938 als „Appeaser“ beteiligt war und zieht somit zugleich eine Parallele zwischen Hitler und Chruschtschow, bzw. Hitler und Castro.

Im weiteren Verlauf wird mehr als einmal deutlich gezeigt wie sehr die Stabschef der amerikanischen Streitkräfte Druck auf den Präsidenten ausüben. Dabei wird im Film beinahe ein Bild der Bedrängung Kennedys gezeichnet. Den führenden Generälen werden harte, zumeist unreflektierte Äußerungen in den Mund gelegt, welche vor politischer Naivität teilweise sprühen.[4] Allen voran General Curtis LeMay, der als Stabschef der Luftwaffe die in Betracht gezogenen Luftangriffe befehligen würde und der Meinung ist, dass „diese verdammten Kennedys [...]noch unser Land zerstören [werden].“[5] Er wird also als typischer, recht einfach gestrickter, patriotischer Mann des Militärs gezeichnet (man muss fast unweigerlich an den Begriff des „harten Hundes“ denken, der sich zwar um das Wohl der Amerikaner sorgt, jedoch keinerlei Weitblick in Hinsicht auf die politische Situation besitzt. Diesen scheinen aber die Stabschef auch Kennedy nicht zuzubilligen, äußern die doch mehrfach die Bedenken die Kennedys wären zu schwach und würden Amerika in den Ruin führen.

Um diesen Eindruck beim Zuschauer noch zu verstärken werden ihm die Worte:

„Sie stecken ganz schön in der Klemme, Mr. Präsident.“ in den Mund gelegt, welche nachweislich nicht von ihm, sondern von General Shoup stammen.[6]

Zudem kommt, dass die Situation während dieses Ausspruches entgegen den Erinnerungen R. Kennedys[7] im Film als wenig entspannt und spaßig dargestellt wird und es vielmehr den Anschein hat, dass John F. Kennedy sich bemüht, nicht die Fassung zu verlieren.[8]

In allen Sitzungen, unabhängig davon ob in denen des Excomm (Exekutivkomitee) oder in Anwesenheit des Präsidenten, sind es also die Militärs, welche zum einen natürlich die militärischen Optionen aufzeigen, zum anderen aber auch keine andere Lösung in Erwägung ziehen und ein Vorgehen „auf ihre Art und Weise“ meist abseits jeglicher politischer Abwägung der Konsequenzen allem anderen vorziehen. Ausnahmen sind hier sicherlich Dean Acheson ebenso wie John McCone – Chef des CIA, welche trotz ihrer Positionen beziehungsweise gemachten Erfahrungen ihrer harten politischen Linie stur treu bleiben.[9] Somit ist die Rolle der Militärs im Film klar definiert und sie wirken erst oder gerade durch den starken Kontrast zu den Kennedys und Sonderberater Kenneth O´Donnell.

Der Druck, der seitens der Militärs auf JFK ausgeübt wird, scheint sogar mehr als ein eindringlich vorgebrachter Rat an den Präsidenten zu werden. Nämlich genau dann, als die Militärs versuchen JFK in eine Position zu bringen, in der ein Militärschlag unausweichlich wird. Es hat also den Anschein als würden die Stabschef versuchen, ihre ganz eigene Kubapolitik durchzusetzen und den Präsidenten in der Sache nicht nur hinsichtlich ihrer Zwecke/Überzeugungen zu benutzen, sondern ihn wenn nötig sogar zu umgehen.

Es wird ihm kein Vertrauen in dieser Hinsicht geschenkt und es hat den Anschein als würden die militärischen Berater ihn bevormunden, wenn sie nur könnten.

Der im Film übertrieben stark beschriebene und im Verhältnis zur Realität überpräsentierte Sonderberater des Präsidenten Kenneth O´Donnell spricht in diesem Zusammenhang von einem Komplott der Militärs: „Sie wollen diesen Krieg Jack, und sie setzen alles daran ihn zu bekommen.“[10] Er befürchtet hierbei Komplikationen in zweierlei Hinsicht.

Die angesetzten Tiefflüge über Kuba sowie die Blockade der russischen Schiffe auf dem Weg nach Kuba könnten unter Umständen zu Konflikten militärischer Art mit den Russen führen, welche die Stabschef auf der Basis ihrer Einsatzvorschriften versuchen würden zu „lösen“.

Wenn O`Donnell mit seinem geäußerten Verdacht als Recht hätte, würden sie diese möglichen Auseinandersetzungen benutzen, um einen Angriff auf Kuba zu provozieren und somit ihre Variante der Kubapolitik durchsetzen. In diesem Fall wäre der Präsident nicht mehr als eine Marionette, welche mit ansehen müsste, wie ihre Politik und Überzeugungen den Machtkampf gegen die Militärs verlören und den Interessen des Pentagons weichen müsste. Diese Gefahr scheint John F. Kennedy ähnlich zu sehen, beschließt er doch der Navy das Recht des Warnschusses zu entziehen. „Es fällt kein Schuss ohne meinen ausdrücklichen Befehl“[11] Ebenso beauftragt John F. Kennedy O´Donnell, dafür zu sorgen, dass die Tiefflugaufklärer über Kuba eine mögliche Konfrontation mit russischen Bodenstellungen leugnen würden.[12]

Um es einmal salopp zu sagen, zeichnet der Film ein Bild, das zu zeigen versucht, wie die amerikanische Administration bemüht ist, sich selbst „auszutricksen“.

Während die militärische Seite den Präsidenten zwar nicht direkt in Frage stellt, so wird seine Politik doch als schwach und falsch bezeichnet und versucht zu umgehen. Auf der Gegenseite sieht man sich genötigt die bestehenden Befehlsstrukturen zu ändern, oder aber zumindest zu umgehen, um die Kontrolle über die Geschehnisse zu behalten und die Politik machen zu können, von welcher der Präsident überzeugt ist.

[...]


[1] Donaldson, Roger: „Thirteen Days“, 1999, Minute 23

[2] Minute 19

[3] Minute 23

[4] Minute 27

[5] Minute 31

[6] vgl. Kennedy, Robert: Dreizehn Tage – wie die Welt beinahe unterging, 5. Aufl. Darmstadt 1987, S. 30

[7] vgl. ebd.

[8] Minute 29-31

[9] Minute 26

[10] Minute 53-56

[11] Minute 52

[12] Minute 56 und 62

Ende der Leseprobe aus 13 Seiten

Details

Titel
Die 13 Tage der Kubakrise im Spielfilm
Hochschule
Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg  (Politik)
Veranstaltung
Filmtheoretisches Forum – Politik im Spiegel des Spielfilms
Note
2
Autor
Jahr
2002
Seiten
13
Katalognummer
V38206
ISBN (eBook)
9783638373463
ISBN (Buch)
9783656562016
Dateigröße
512 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Tage, Kubakrise, Spielfilm, Filmtheoretisches, Forum, Politik, Spiegel, Spielfilms
Arbeit zitieren
Martin Röw (Autor), 2002, Die 13 Tage der Kubakrise im Spielfilm, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/38206

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