Die Maori in Neuseeland. Geschichte, Konflikte, Diskriminierung


Forschungsarbeit, 2004
27 Seiten, Note: 1,7

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einführung

2. Traditionelle Lebensweise der Māori
2.1. Religiöse Vorstellung
2.1.1. Das Wesen des tapu und mana
2.1.2. Ta moko – Tatauierung
2.2. Traditionelle Sozialstruktur der Maori
2.2.1. Whare runanga und Marae – Mittelpunkt der Gesellschaft
2.2.2. Ackerbau

3. Historische Übersicht
3.1. Die Besiedlung Neuseelands
3.2. Der erste Austausch mit den pākehā
3.3. Kolonisation Neuseelands durch Europäer
3.4. Der Vertrag von Waitangi
3.5. Land Wars - Die Neuseeländischen Kriege
3.6. Revival der Māori - Kultur und Tradition
3.6.1. Die Ratana – Bewegung
3.6.2. Proteste
3.7. Das Waitangi Tribunal

4. Gegenwärtige Situation der Māori
4.1. Demographie und Populationsstruktur
4.2. Wirtschaftliche und soziale Situation
4.3. Te reo Māori - Sprache der Māori
4.4. Auswahl gegenwärtiger Interessenorganisationen zum Schutze
der Kultur und traditionellen Lebensweise der Māori

5. Ausblick

6. Quellenverzeichnis

1. Einführung

Neuseeland liegt im südwestlichen Pazifik, 1.600 Kilometer östlich von Australien. Die Nordinsel und die Südinsel mit einigen kleinerer Inseln umfassen eine Gesamtfläche von 268.021 km2. Die Hauptstadt ist Wellington. Neuseeland ist eine parlamentarische Monarchie innerhalb des Commonwealth of Nations. Das Staatsoberhaupt ist die britische Monarchin, die durch einen Generalgouverneur vertreten wird. Das politische System und das Rechtssystem sind stark am britischen Vorbild orientiert.

Das Bevölkerungswachstum Neuseelands ist ein positives und beträgt heute knapp über 4 Millionen Menschen (NZ Official Yearbook, 2004). Großen Anteil daran haben die Māori, die autochthone Bevölkerung Neuseelands. Die Demographie verzeichnet seit Jahren eine hohe Geburtenrate bei den Māori.

Sie lebten lange Zeit isoliert, bis die Europäer in ihren Entdeckungsreisen Neuseeland fanden und für sich nutzbar machten. Es kam zu weit reichenden Auseinandersetzungen, in deren Verlauf das Volk der Māori über Jahrzehnte hinweg sichtlich benachteiligt und dezimiert wurde.

In der Ausarbeitung sollen unter anderem Fragen geklärt werden, wie es zum Konflikt mit den Weißen europäischer Abstammung (pākehā) gekommen ist und warum die Māoris vom „Cheaty of Waitangi“ reden, wenn sie über den am weitest reichenden Vertrag in ihrer Historie sprechen. Hierzu ist es wichtig, die geschichtlichen Umstände zu beleuchten und die heutige Situation der Maori im Kontext dazu zu sehen. Weiterhin soll geklärt werden, inwieweit sich die Regierung bemüht, das entstandene Unrecht am Volk der Māori aufzuarbeiten und ob sich gegenwärtig die Lage, beispielsweise hinsichtlich der Diskriminierung oder der Bildungsdefizite, entspannt hat.

2. Traditionelle Lebensweise der Maori

Das Volk der Māori hatte und hat heute noch ihre ganz eigene Vorstellung vom Leben und ihrer Stellung in der von Göttern gegebenen Natur. Diese unterscheidet sich weitgehend von unseren europäischen Traditionen und unserer Lebensweise, so dass im Folgenden ein Überblick über einige ausgewählte Bereiche der Māori - Traditionen gegeben werden soll.

2.1. Religiöse Vorstellungen

Das Brauchtum der Māori in Aotearoa (Māori für Neuseeland: Land der langen, weißen Wolke) ist nicht vergleichbar mit unserer christlichen Welt des Okzidents. Die Māori glauben an die Ahnen, sie verehren ihre Vorfahren (Genealogie = Whakapapa) und sie haben nicht einen Gott, sondern 70 (z.B.: Tumatauenga – Gott des Krieges; Tane – Gott der Männlichkeit und der Wälder; Tawhiri Matea – Gott des Windes, Tangaroa - Gott des Meeres, usw.). Ihre Vorfahren lebten in Hawaiiki, dem mythischen Ahnenland der Māori. Im Folgenden soll ein Überblick über die Mythologie und die traditionelle Lebensweise der Māori verschafft werden.

2.1.1. Das Wesen des tapu und mana

Im Glauben der Māori spielt tapu die wesentliche Rolle. tapu ist die stärkste Kraft im Leben eines Māori. Der Begriff ist schlecht in einen abstrakten Terminus zu übersetzen aber man kann ihn umschreiben: „Tapu“ kann als „heilig“ interpretiert oder als „spirituelle Restriktion“ beziehungsweise „stillschweigendes Verbot“ definiert werden. Eine Person, ein Gegenstand oder ein Gebiet, welches unter „tapu“ steht, darf nicht berührt beziehungsweise betreten werden. Manchmal darf man sich nicht einmal nähern. Wird die Regel des „tapu“ gebrochen, zieht derjenige den Zorn der Götter auf sich. In Europa stammt das Wort Tabu von tapu ab und es hat in etwa die gleiche Bedeutung. Ausgenommen von Priestern (tohunga) durfte niemand Gegenstände mit „tapu“ berühren.

1772 kreuzte der französische Entdecker und Kommandant zweier Schiffe – Marc-Joseph Marion du Fresne – die Gewässer um Neuseeland und freundete sich mit den Māori an. Du Fresne kam in einen schweren Sturm infolgedessen seine beiden Schiffe beschädigt wurden. Um Reparaturen durchzuführen und um Trinkwasser aufzunehmen, ankerten die Franzosen in der Bay of Islands. Bei den Arbeiten wurden sie von den Māoris großzügig unterstützt. Während dieser Zeit unternahm du Fresne einige Ausflüge auf die Insel und etablierte eine herzliche Freundschaft mit den Māori.

Offensichtlich verstanden die Franzosen das Wesen des „tapu“ nicht vollständig. Bei einem ihrer Ausflüge gingen dreizehn von ihnen, trotz Warnungen der Māori, in der Manawaora Bay fischen. Wochen vorher ertranken an dieser Stelle einige Mitglieder des Māori Stammes und seitdem war diese Bucht „tapu“ und es war extrem verboten, dieses Gebiet zu betreten. Der lokale Māori Stamm erfuhr von diesem schwerwiegenden Bruch der spirituellen Regeln und durch den Zorn der Götter gelenkt griffen einige Hundert Māori Krieger den Kommandanten du Fresne und seine Männer an und töteten sie.

Die Māori glauben, dass der Gott Tane - Repräsentant der Sonne und des Lichts und der männlichen Fruchtbarkeit, Gott des Waldes und der (Holz-) Handwerker - der Menschheit zu Beginn drei Körbe mit Wissen anbot ("Nga Kete-o-te-Wananga). Die Körbe beinhalteten Erzählungen über die Schöpfungsgeschichte, Spiritualität usw. Alle lebenden Wesen stammen demnach von den Göttern ab und verkörpern bestimmte Dinge in der Natur wie beispielsweise Berge, Flüsse oder Seen. Jeder Berg, jeder Bach und jeder Baum hat den Māori zufolge eine Seele – die wairua. Aufgrund dessen haben die Māori eine äußerst feste Bindung zum Land und zur Natur. Diese Verbindung zum Land ist auch entscheidend für die Konflikte im 19. und 20. Jahrhundert mit den Kolonisten gewesen und darauf soll unten noch näher eingegangen werden.

Die meisten Dinge beinhalten spirituelle Essenz – das mana. Mana ist in den Menschen selbst, in von ihnen hergestellten Objekten, in der Natur und im Land. Für die Māori hat das Konzept des Mana eine zentrale Bedeutung: Mana erhält man, wenn man außergewöhnliche Dinge vollbringt. Der Erfolg verleiht einem Māori mehr Mana und somit auch Ansehen, Respekt und Einfluss. Abhängig von der Geschicklichkeit der Person kann es wachsen aber auch verkümmern. Mana wird im Allgemeinen vererbt aber es kann auch durch bestimmte Rituale verliehen werden. Mana ist der Treibstoff des Lebens (Kreisel 2004; S. 51 – 55).

2.1.2. Ta moko – Tatauierung

Ta moko ist ein Verfahren des Hautschmucks und eine höchst heilige Zeremonie des Tätowierens. Die Empfänger waren alle wichtigen oder höherrangigen Personen eines Stammes, wie z.B. der Stammesführer oder die Krieger sowie Frauen, welche allerdings lediglich die Lippe, das Kinn und manchmal die Nasenflügel verziert bekommen durften.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 2: Das traditionelle moko

Das ursprüngliche Verfahren des Tätowierens

war äußerst schmerzhaft

Quelle: http://www.nzedge.com (Zugriff am 10.06.2004)

Ta moko erzählt die Geschichte des Menschen und wichtige Passagen seines Lebens und ist ein Unikat. Außerdem sollte es die männlichen Stammesmitglieder attraktiver für Frauen machen. Am heiligsten eines Körpers wurde bei den Māori der Kopf angesehen, deshalb wird traditionell dort tätowiert und der Tätowierer (tohunga-ta-oko) war dadurch, dass der Vorgang Blut forderte, tapu. Ursprünglich wurde mit einem spitzen Meißel aus Knochen gearbeitet. Ein guter Tätowierer berücksichtigte die Knochenstruktur des Schädels und passte das Bild der Kopfform an. Im Laufe der Prozedur, welche mitunter Jahre dauerte, ritzte der Tätowierer die Haut des Empfängers an und träufelte eine aus Pflanzen gewonnene Flüssigkeit in die Wunde. Die Zeremonie wurde durch Flötenspiel begleitet und die geschwollene Haut mit dem einheimischen Karaka Baum bedeckt, um den Heilungsprozess zu beschleunigen.

2.2. Traditionelle Sozialstruktur und Siedlungen der Māori

Die Māori trennten die Gebäude ihrer Siedlung nach Funktion: Es gab Schlafhäuser, das Versammlungshaus (whare runanga; s.u.), einige Vorratshäuser (patakas; s. links) und Kochstellen. Zusätzlich spielt die Genealogie eine zentrale Rolle, denn die Ahnenreihe wird innerhalb eines Stammes

Die Māori identifizieren sich in erster Linie mit ihrem jeweiligen Stamm und erst danach mit der Gesamtgruppe der Māori. Die Māori-Siedlungen (kainga) hatten unterschiedliche Größen – meist handelte es sich dabei um einen 20 bis 1000 Einwohner zählenden Sippenverband, welcher durch einen Häuptling geführt wurde (Kreisel 1992, S.195). Die Māori legten feste Siedlungen an, welche sich vorwiegend auf der Nordinsel Neuseelands befanden (Bay of Plenty, Waikato Tiefland, Taranaki Küste) (Kreisel 1992, S. 196). Ansehen, Erfolg, Einfluss und Autorität wurden durch das Prinzip des „mana“ geregelt. Die Mitglied des Stammes mit dem meisten mana standen in der sozialen Schichtung höher (arii) als Mitglieder mit wenig mana (iatoai).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 3: Reich verziertes Vorratshaus, „pataka“

Quelle: Kreisel, W. (2004); Die pazifische Inselwelt – Eine Länderkunde, S. 123

über viele Generationen hinweg überliefert, was zum Beispiel auch in der Architektur des Versammlungshauses eingang findet (Kreisel 1992, S. 196). Im folgenden Abschnitt soll diese einzigartige Bauweise des Versammlungshauses erläutert werden.

2.2.1. Whare runanga mit Marae – Mittelpunkt der Gesellschaft

Die traditionellen Versammlungshäuser (whare runanga) mit dem angeschlossenen Versammlungsplatz (marae) davor zeugen mit ihrer Architektur von Verehrungen der Vorfahren. Das whare runanga hat traditionell ein reich verziertes Dach und einen Giebelfirst, in welchen der Name des Stammes eingraviert ist. Der First soll hierbei den Rücken der Ahnen symbolisieren und die Seitenteile des verzierten Daches die beiden Arme. Im Falle einer Versammlung sollen sich die Stammesmitglieder im Schoß der Ahnen geborgen fühlen. Das Versammlungshaus ist gleichzeitig der Ort mit der größten Spiritualität, dem größten mana. Die Abbildung zeigt das whare runanga in Waitangi. Es wurde 1940 anlässlich der Unterzeichnung des Vertrages von Waitangi vor 100 Jahren erbaut.

Abb. 4: Traditionelles Versammlungshaus der Māori (hier: in Waitangi)

Quelle: University of Delaware

(URL: http://www.ud- el.edu/communication/new_zealand/Home.html)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Der marae ist ebenso ein heiliger Ort und Treffpunkt der Māori. Hier spielt sich das traditionelle Leben der Gemeinschaft ab, hier werden Wiedersehensfeiern, Feste, Hochzeiten und Beerdigungen abgehalten. Man kann den marae als Siedlungszentrum des Stammes betrachten.

[...]

Ende der Leseprobe aus 27 Seiten

Details

Titel
Die Maori in Neuseeland. Geschichte, Konflikte, Diskriminierung
Hochschule
Georg-August-Universität Göttingen  (Geographisches Institut)
Veranstaltung
Forschungsseminar Minderheiten
Note
1,7
Autor
Jahr
2004
Seiten
27
Katalognummer
V38266
ISBN (eBook)
9783638373821
ISBN (Buch)
9783638654371
Dateigröße
1517 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Neuseeland, Forschungsseminar, Minderheiten, pazifische Inselwelt, pazifische Völker, Forschungsarbeit
Arbeit zitieren
David Franz Erich Krzysanowski (Autor), 2004, Die Maori in Neuseeland. Geschichte, Konflikte, Diskriminierung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/38266

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