Neuseeland liegt im südwestlichen Pazifik, 1.600 Kilometer östlich von Australien. Die Nordinsel und die Südinsel mit einigen kleinerer Inseln umfassen eine Gesamtfläche von 268.021 qkm. Die Hauptstadt ist Wellington. Neuseeland ist eine parlamentarische Monarchie innerhalb des Commonwealth of Nations. Das Staatsoberhaupt ist die britische Monarchin, die durch einen Generalgouverneur vertreten wird. Das politische System und das Rechtssystem sind stark am britischen Vorbild orientiert. Das Bevölkerungswachstum Neuseelands ist positiv und die Einwohnerzahl beträgt heute knapp über 4 Millionen Menschen.
Großen Anteil daran haben die Māori, die autochthone Bevölkerung Neuseelands. Die Demographie verzeichnet seit Jahren eine hohe Geburtenrate bei den Māori. Sie lebten lange Zeit isoliert, bis die Europäer während ihrer Entdeckungsreisen Neuseeland aufspürten und für sich nutzbar machten. Es kam zu weit reichenden Auseinandersetzungen, in deren Verlauf das Volk der Māori über Jahrzehnte hinweg sichtlich benachteiligt und dezimiert wurde.
In der Ausarbeitung sollen unter anderem Fragen geklärt werden, wie es zum Konflikt mit den Weißen europäischer Abstammung (pākehā) gekommen ist und warum die Māoris vom „Cheaty of Waitangi“ reden, wenn sie über den am weitest reichenden Vertrag in ihrer Historie sprechen. Hierzu ist es wichtig, die geschichtlichen Umstände zu beleuchten und die heutige Situation der Māori im Kontext dazu zu sehen. Weiterhin soll geklärt werden, inwieweit sich die Regierung bemüht, das entstandene Unrecht am Volk der Māori aufzuarbeiten und ob sich gegenwärtig die Lage, beispielsweise hinsichtlich der Diskriminierung oder der Bildungsdefizite, entspannt hat.
Inhaltsverzeichnis
1. Einführung
2. Traditionelle Lebensweise der Maori
2.1. Religiöse Vorstellung
2.1.1. Das Wesen des tapu und mana
2.1.2. Ta moko – Tatauierung
2.2. Traditionelle Sozialstruktur der Maori
2.2.1. Whare runanga und Marae – Mittelpunkt der Gesellschaft
2.2.2. Ackerbau
3. Historische Übersicht
3.1. Die Besiedlung Neuseelands
3.2. Der erste Austausch mit den pakeha
3.3. Kolonisation Neuseelands durch Europäer
3.4. Der Vertrag von Waitangi
3.5. Land Wars - Die Neuseeländischen Kriege
3.6. Revival der Maori - Kultur und Tradition
3.6.1. Die Ratana – Bewegung
3.6.2. Proteste
3.7. Das Waitangi Tribunal
4. Gegenwärtige Situation der Maori
4.1. Demographie und Populationsstruktur
4.2. Wirtschaftliche und soziale Situation
4.3. Te reo Maori - Sprache der Maori
4.4. Auswahl gegenwärtiger Interessenorganisationen zum Schutze der Kultur und traditionellen Lebensweise der Maori
5. Ausblick
Zielsetzung und Themen der Arbeit
Die vorliegende Arbeit untersucht die historische und gegenwärtige Situation der Maori als autochthone Bevölkerung Neuseelands. Das Ziel besteht darin, die Ursprünge der Konflikte mit den europäischen Einwanderern (pakeha) zu analysieren, den Einfluss kolonialer Prozesse auf die Lebensweise der Maori zu beleuchten und die aktuellen Bemühungen zur Wiedererlangung sozio-kultureller Selbstbestimmung und Gleichberechtigung kritisch zu bewerten.
- Traditionelle religiöse Vorstellungen und Sozialstrukturen der Maori
- Historische Entwicklung der Kolonisation und der Vertrag von Waitangi
- Sozio-ökonomische Lage und demographische Entwicklung in der Moderne
- Sprachrevitalisierung und aktuelle Interessenorganisationen
Auszug aus dem Buch
2.1.1. Das Wesen des tapu und mana
Im Glauben der Maori spielt tapu die wesentliche Rolle. tapu ist die stärkste Kraft im Leben eines Maori. Der Begriff ist schlecht in einen abstrakten Terminus zu übersetzen aber man kann ihn umschreiben: „Tapu“ kann als „heilig“ interpretiert oder als „spirituelle Restriktion“ beziehungsweise „stillschweigendes Verbot“ definiert werden. Eine Person, ein Gegenstand oder ein Gebiet, welches unter „tapu“ steht, darf nicht berührt beziehungsweise betreten werden. Manchmal darf man sich nicht einmal nähern. Wird die Regel des „tapu“ gebrochen, zieht derjenige den Zorn der Götter auf sich. In Europa stammt das Wort Tabu von tapu ab und es hat in etwa die gleiche Bedeutung. Ausgenommen von Priestern (tohunga) durfte niemand Gegenstände mit „tapu“ berühren.
1772 kreuzte der französische Entdecker und Kommandant zweier Schiffe – Marc-Joseph Marion du Fresne – die Gewässer um Neuseeland und freundete sich mit den Maori an. Du Fresne kam in einen schweren Sturm infolgedessen seine beiden Schiffe beschädigt wurden. Um Reparaturen durchzuführen und um Trinkwasser aufzunehmen, ankerten die Franzosen in der Bay of Islands. Bei den Arbeiten wurden sie von den Maoris großzügig unterstützt. Während dieser Zeit unternahm du Fresne einige Ausflüge auf die Insel und etablierte eine herzliche Freundschaft mit den Maori.
Offensichtlich verstanden die Franzosen das Wesen des „tapu“ nicht vollständig. Bei einem ihrer Ausflüge gingen dreizehn von ihnen, trotz Warnungen der Maori, in der Manawaora Bay fischen. Wochen vorher ertranken an dieser Stelle einige Mitglieder des Maori Stammes und seitdem war diese Bucht „tapu“ und es war extrem verboten, dieses Gebiet zu betreten.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einführung: Diese Einleitung skizziert den geografischen Kontext Neuseelands, die demografische Bedeutung der Maori sowie die grundlegenden Problemstellungen der Arbeit bezüglich der kolonialen Geschichte und sozialen Diskriminierung.
2. Traditionelle Lebensweise der Maori: Dieses Kapitel erläutert die spirituellen Konzepte von tapu und mana sowie die Bedeutung der Ahnen und die klassische Sozialstruktur, einschließlich der Funktion der Versammlungshäuser.
3. Historische Übersicht: Dieser Teil beleuchtet die Besiedlungsgeschichte, den problematischen Erstkontakt mit Europäern, die Auswirkungen des Vertrags von Waitangi und die daraus resultierenden Neuseeländischen Kriege.
4. Gegenwärtige Situation der Maori: Hier werden aktuelle demografische, wirtschaftliche und soziale Daten analysiert sowie die Rolle der Maori-Sprachförderung und wichtiger Interessenorganisationen untersucht.
5. Ausblick: Der Ausblick thematisiert die Möglichkeiten einer friedlichen interethnischen Gesellschaft und betont die Bedeutung der Aufarbeitung der kolonialen Vergangenheit für eine gemeinsame Basis.
Schlüsselwörter
Maori, Neuseeland, Waitangi, Kolonisation, tapu, mana, pakeha, indigene Völker, Land Wars, Sozialstruktur, Sprachrevitalisierung, Identität, Diskriminierung, Kultur, Geschichte.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Geschichte und der heutigen Lebenssituation der Maori in Neuseeland im Spannungsfeld zwischen traditioneller Kultur und der Integration in die westlich geprägte moderne Gesellschaft.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Zentrale Themen sind die traditionellen Werte und sozialen Strukturen der Maori, die historische Konfrontation mit europäischen Einwanderern, die Auswirkungen des Vertrags von Waitangi sowie die heutige wirtschaftliche und soziokulturelle Lage.
Was ist das primäre Ziel dieser Untersuchung?
Das Ziel ist es, die historischen Hintergründe der heutigen Diskriminierung und sozialen Problemlagen der Maori aufzuarbeiten und die Wirksamkeit staatlicher Maßnahmen und eigener Organisationen zur Verbesserung ihrer Situation zu bewerten.
Welche wissenschaftliche Methode findet Anwendung?
Die Arbeit stützt sich auf eine Literatur- und Quellenanalyse, die aktuelle statistische Daten, historische Aufzeichnungen und einschlägige geographische sowie sozialwissenschaftliche Fachliteratur auswertet.
Was bildet den Schwerpunkt des Hauptteils?
Der Hauptteil gliedert sich in die Darstellung der traditionellen Lebensweise, eine detaillierte historische Abrisschronik und eine Analyse der aktuellen Situation hinsichtlich Demografie, Ökonomie und Sprache.
Welche Schlagworte charakterisieren diese Publikation am besten?
Die wichtigsten Begriffe sind Maori, Waitangi, Kolonisation, kulturelle Identität, soziale Gerechtigkeit und indigene Rechte.
Welche Rolle spielt der Begriff "tapu" im Kontext der Maori-Kultur?
Tapu fungiert als spirituelle Kraft und fundamentales Regelwerk, das als "heilig" oder "spirituelle Restriktion" definiert wird und gesellschaftliches Handeln sowie den Schutz von natürlichen Ressourcen maßgeblich beeinflusste.
Was genau ist das "Waitangi Tribunal"?
Das Waitangi Tribunal wurde 1975 als permanentes Gremium eingerichtet, um Ansprüche der Maori hinsichtlich der Einhaltung des Vertrags von Waitangi zu prüfen und zur Überbrückung der Differenzen zwischen Maori und der Krone beizutragen.
- Quote paper
- David Franz Erich Krzysanowski (Author), 2004, Die Maori in Neuseeland. Geschichte, Konflikte, Diskriminierung, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/38266