Wertorientierte Ansätze und wertsteigende Unternehmensbewertung erlangen immer mehr Bedeutung. Wertorientierte Kennzahlen können die Grundlage für wesentliche Entscheidungen innerhalb des Unternehmens darstellen. Neben ihrer Funktion als Steuerungs- und Bewertungsinstrument, werden ebenfalls die Zinsansprüche der Eigenkapitalgeber berücksichtigt. Umsatzwachstum, hohe Marktanteile und Technologieführerschaft sind nur wenige von vielen Bestreben heutiger Unternehmen. Diese Zielsetzungen spiegeln allerdings nicht wider, ob das Unternehmen für die Aktionäre wertsteigernd oder wertmindernd ist.
Aufgrund der Globalisierung von Wettbewerb und Kapitalmärkten sollte sich die Unternehmensbewertung vermehrt auf ihre Investoren ausrichten. Diese Orientierung nennt man den Shareholder Value (SHV) Ansatz. Dabei steht eher die Marktwertmaximierung der Aktien als die Maximierung der Gewinne im Fokus der Betrachtung. Die Wichtigkeit der Shareholder-Value-Orientierung wird dabei nicht nur für große Kapitalgesellschaften betont. Insbesondere nicht-börsennotierte Unternehmen sollten auch die eigenen Shareholder vermehrt im Blickwinkel behalten.
Dies folgt der Tatsache, dass private Unternehmen vermehrt Schwierigkeiten bei der Kapitalbeschaffung haben. Die Unternehmen, die ihr Führungs- und Kontrollsystem auf nachhaltige Wertsteigerung und effiziente Kapitalnutzung ausrichten, werden zukünftig erfolgreicher bei der Beschaffung von Kapital sein. Zur Berechnung von repräsentativen Unternehmenswerten existieren heute bereits mehrere wertorientierte Ansätze.
Das hauptsächliche Problem der Jahresabschlüsse stellt im Wesentlichen die beschränkte Aussagekraft dar. Diese entsteht durch die Nutzung verschiedener Bilanzierungswahlrechte und Bewertungsmethoden. Außerdem wird der Jahresabschluss, abhängig vom jeweiligen Land, nach verschieden Rechnungslegungsvorschriften aufgestellt. Darunter fallen beispielsweise die IFRS (International Financial Reporting Standard) und HGB (Handelsgesetzesbuch) Rechnungslegungsvorschriften. Zwischen diesen Rechnungslegungsvorschriften bestehen allerdings erhebliche Differenzen, die zu verzerrten Ergebnissen führen können. Durch die Wahl verschiedener Rechnungslegungsstandards sind folglich unterschiedliche Anpassungen des Jahresabschlusses an die wertorientierten Kennzahlen erforderlich.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
1.1 Problemstellung
1.2 Zielsetzung und Aufbau der Arbeit
2 Grundlagen des Economic Value Added
2.1 Wesen des Economic Value Added
2.2 Berechnung des Economic Value Added
3 Die Unterschiede der buchhalterischen Anpassungen im EVA- Konzept zwischen HGB und IFRS
3.1 Operating Conversions
3.1.1 Unterschiede zwischen HGB und IFRS bei den Operating Conversions
3.2 Funding Conversions
3.2.1 Unterschiede zwischen HGB und IFRS bei den Funding Conversions
3.3 Shareholder Conversions
3.3.1 Unterschiede zwischen HGB und IFRS bei den Shareholder Conversions
3.4 Tax Conversions
3.4.1 Unterschiede zwischen HGB und IFRS bei den Tax Conversions
4 Zusammenfassung
4.1 Kritische Reflexion der eigenen Ergebnisse
4.2 Fazit
4.3 Ausblick
Zielsetzung & Themen der Arbeit
Die vorliegende Arbeit setzt sich mit der wertorientierten Kennzahl „Economic Value Added“ (EVA) auseinander. Das primäre Ziel besteht darin, die für die Ermittlung des EVA notwendigen buchhalterischen Anpassungen zwischen den Rechnungslegungsstandards nach HGB und IFRS zu vergleichen, um eine realistischere Unternehmensbewertung und eine verbesserte Vergleichbarkeit zu ermöglichen.
- Grundlagen und Berechnungsmethodik des EVA-Konzepts
- Analyse notwendiger Adjustierungen zur Transformation des Accounting Models in das Economic Model
- Vergleich der operativen, finanzierungsbezogenen, anteilseignerorientierten und steuerlichen Anpassungen (Conversions)
- Kritische Reflexion über die Aussagekraft und den Implementierungsaufwand von EVA unter verschiedenen Rechnungslegungsvorschriften
Auszug aus dem Buch
3.1 Operating Conversions
Bei den operativen Konversionen werden nicht-betriebsnotwendige Komponenten des investierten Kapitals sowie damit einhergehende zugehörige Erträge und Aufwendungen aus der Bilanz und der GuV (Gewinn- und Verlustrechnung) ausgeschieden. Analog werden die nicht aktivierten, doch betriebsnotwendigen Vermögensbestandteile dem Geschäftsvermögen hinzugefügt. Dies betrifft demnach die Gewinngröße NOPAT und die Vermögensgröße NOA.
3.1.1 Unterschiede zwischen HGB und IFRS bei den Operating Conversions
Einen Unterschied zwischen den zwei Rechnungslegungsvorschriften bildet einerseits die Aufstellung der Rückstellungen. IAS 37.10 definiert Rückstellungen als „eine Schuld, deren Höhe oder Fälligkeit ungewiss ist“. Durch das Bilanzrechtsmodernisierungsgesetz (BilMoG) haben sich die Vorschriften des HGB hinsichtlich der Passivierung von Rückstellungen an den Regelungen der IFRS in gewissem Maße angepasst. Seitdem ist es nach dem HGB nicht mehr erlaubt, Aufwandsrückstellungen, sowie Rückstellungen für unterlassene Instandhaltungen, die ab dem vierten bis zum zwölften Monat des folgenden Geschäftsjahres erfolgen, zu passivieren. Dagegen ist die Bildung der Rückstellungen für unterlassene Instandhaltungen, die im ersten Quartal des Folgejahres nachgeholt werden, sowie für Abraumbeseitigungen, die im Folgejahr erfolgen, nach §249 (1) Nr. 1 HGB weiterhin passivierungspflichtig. Diese Rückstellungen müssen aus dem investierten Kapital entfernt werden, da sie nicht Teil des operativen Geschäfts sind. Es handelt sich hierbei vielmehr um eine Innenverpflichtung mit Rücklagecharakter. Diese Anpassung kann zu Problemen führen, denn im HGB wird nur zwischen Pensionsrückstellungen, Steuerrückstellungen und sonstigen Rückstellungen differenziert. Ferner müssen kleine Kapitalgesellschaften keine weiteren Angaben zu den verschiedenen Rückstellungen leisten.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die steigende Bedeutung wertorientierter Unternehmensführung und identifiziert die eingeschränkte Aussagekraft unterschiedlicher Rechnungslegungsstandards als Kernproblem für die Berechnung wertorientierter Kennzahlen.
2 Grundlagen des Economic Value Added: Dieses Kapitel erläutert das Konzept des EVA als Performance-Maßstab und stellt die mathematischen Formeln zur Berechnung sowie die notwendige Transformation des Accounting Models in das Economic Model dar.
3 Die Unterschiede der buchhalterischen Anpassungen im EVA- Konzept zwischen HGB und IFRS: Der Hauptteil analysiert detailliert die verschiedenen Anpassungskategorien (Operating, Funding, Shareholder, Tax Conversions) und arbeitet die Unterschiede bei der Anwendung unter HGB- und IFRS-Richtlinien heraus.
4 Zusammenfassung: Das letzte Kapitel reflektiert die Ergebnisse kritisch, zieht ein Fazit hinsichtlich des hohen Aufwandes bei der EVA-Ermittlung und gibt einen Ausblick auf die zukünftige Entwicklung der Rechnungslegung.
Schlüsselwörter
Economic Value Added, EVA, Unternehmensbewertung, HGB, IFRS, Rechnungslegung, NOPAT, Net Operating Assets, Accounting Model, Economic Model, Kapitalkosten, BilMoG, Wertorientierte Unternehmensführung, Residualgewinn, Conversions.
Häufig gestellte Fragen
Was ist das grundlegende Thema der Arbeit?
Die Arbeit befasst sich mit der wertorientierten Unternehmensbewertung, speziell mit dem Economic Value Added (EVA) Konzept und dessen Anpassung an unterschiedliche Rechnungslegungsstandards.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Zentrale Themen sind die Transformation des Accounting Models in ein ökonomisches Modell sowie der detaillierte Vergleich zwischen HGB und IFRS bei der Durchführung notwendiger buchhalterischer Anpassungen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie buchhalterische Unterschiede zwischen HGB und IFRS die Berechnung des EVA beeinflussen und welche „Conversions“ notwendig sind, um vergleichbare Unternehmenswerte zu erhalten.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Es handelt sich um eine deskriptive und vergleichende Analyse, die auf der Gegenüberstellung von Rechnungslegungsvorschriften und der Anwendung der EVA-Methodik auf Basis existierender Fachliteratur basiert.
Was umfasst der Hauptteil der Arbeit?
Der Hauptteil gliedert sich in vier spezifische Anpassungsbereiche: Operating Conversions, Funding Conversions, Shareholder Conversions und Tax Conversions, deren Unterschiede unter HGB und IFRS jeweils untersucht werden.
Wodurch lässt sich die Arbeit charakterisieren?
Sie zeichnet sich durch eine fachspezifische Auseinandersetzung mit der Bilanzierungs- und Bewertungssystematik aus, unter besonderer Berücksichtigung der Auswirkungen des BilMoG.
Wie unterscheiden sich HGB und IFRS bei der Behandlung von Rückstellungen laut dieser Arbeit?
Während das HGB nach dem BilMoG eine gewisse Annäherung an die IFRS vollzogen hat, gibt es weiterhin Unterschiede bei der Passivierungspflicht für bestimmte Rückstellungen, was die Anpassung des investierten Kapitals erschwert.
Welche Rolle spielen immaterielle Vermögenswerte bei den Shareholder Conversions?
Die Arbeit verdeutlicht, dass die unterschiedlichen Aktivierungsvorschriften für selbstgeschaffene immaterielle Vermögenswerte zwischen HGB und IFRS erheblichen Einfluss auf die Höhe des NOPAT und damit auf den EVA haben.
- Quote paper
- Anna-Lena Wagner (Author), 2017, Unterschiede bei der buchhalterischen Anpassungen an das EVA Konzept zwischen dem Handelsgesetzesbuch und dem International Financial Reporting Standard, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/382688