Juden im Kaiserreich. Eine didaktische Ausarbeitung


Unterrichtsentwurf, 2013
17 Seiten, Note: 1

Leseprobe

1.Einleitung

2. Juden im Kaiserreich – Eine Darstellung des historischen Kontextes

2.1. Die jüdische Emanzipation – Entwicklung einer integrativen gesellschaftlichen Stellung

2.2. Die Juden im Kaiserreich und ihre gesellschaftliche Stellung

2.3. Antisemitismus im Kaiserreich

3. Methodisch- didaktische Aufbereitung des Themas

3.1. Verortung des Themas im Lehrplan

3.2. Lernziele und Lerninhalte

3.3. Das methodische Vorgehen

3.4. Die Ergebnissicherung

4. Schlussbetrachtung

5. Anhang

6. Literaturverzeichnis


1.Einleitung

 

So alt wie die Geschichte der Religionen, sind auch die Überlieferungen von religionsbedingten Verfolgungen, Ausgrenzungen und Verboten. Jedes Zeitalter brachte neue religiöse Strömungen und Gegenströmungen mit sich. Eine der in der Geschichte bis heute prägnantesten religionsbedingten Rassendiskriminierungen ist wohl jene zwischen dem christlichen und dem jüdischen Glauben.

 

Seit Anbeginn ist die Entstehung des Christentums von antisemitischen Strömungen gekennzeichnet. Dieses angespannte Religionsverhältnis, wurde zu einem integrativen Gesellschaftsproblem welches sich ab dem 19. Jahrhundert in Form des „modernen“ Antisemitismus intensivierte.

 

Das Thema der nachfolgenden Arbeit ist deshalb das Leben der Juden im Kaiserreich und die Entwicklung von der durch die Verfassung des Jahres 1871 angestrebten Gleichberechtigung der jüdischen Bevölkerungsschicht bis hin zum Aufkommen erster antisemitischer Strömungen.

 

Im Nachfolgenden soll ein Abriss über die gesellschaftliche Stellung der Juden im Kaiserreich gegeben werden. Zusätzlich soll die Veränderung des Judenbildes innerhalb der deutschen Gesellschaft in eben dieser Zeit, mit Hinblick auf eine Betrachtung des Antisemitismus im dritten Reich, dargelegt werden.

 

Um diese zu ermöglichen, wird zunächst der historische Kontext der sich stetig verändernden gesellschaftlichen Stellung der jüdischen Bevölkerung betrachtet. Der Schwerpunkt soll hierbei auf dem jüdischen Leben im Kaiserreich liegen. In diesem Zusammenhang werden dann die Gründe für die auftretende oppositionelle Stellung gegen die Juden erforscht. Dies wird anhand ausgewählter Quellen erfolgen, welche die Themenschwerpunkte unterstützen.

 

Den Abschluss bildet ein methodisch-didaktischer Teil. Hier erfolgt die Verortung des Themenkomplexes innerhalb des Lehrplans. Ebenso werden die Lernziele, sowie die Lerninhalte des Themenschwerpunktes dargestellt und durch eine, die Lernergebnisse zusammenfassende Skizze, abgerundet.

 

2. Juden im Kaiserreich – Eine Darstellung des historischen Kontextes

 

Die Geschichte der jüdischen Glaubensgemeinschaft ist geprägt von Verfolgungen, Verleumdungen und Hetzjagden. Bereits unter Kaiser Konstatin wurde der jüdische Glaube geächtet und sogar durch Gesetze und Verbote diskriminiert. Diese Entwicklung intensivierte sich mit der Zunahme einer immer deutlich werdenden wirtschaftlichen Überlegenheit der Juden, welche sie schnell zum Objekt des Neides und der Ausgrenzung werden ließ.[1]

 

2.1.  Die jüdische Emanzipation – Entwicklung einer integrativen gesellschaftlichen Stellung

 

Bis ins ausgehende 18. Jahrhundert bildeten die Juden eine Gruppe außerhalb der ständischen Ordnung. Durch Einschränkungen und Sondergesetze, spezielle Steuerlasten, sowie Schutzgeldzahlungen schrieb man ihnen eine Randposition innerhalb der bestehenden Gesellschaft zu. Zudem blieben, aufgrund strikter Restriktionen, viele Berufswege für die jüdische Gemeinschaft verschlossen, weshalb der Großteil als Kleinhändler und Hausierer beschäftigt war; trotzdem lebten viele Familien in Armut.[2]

 

Erst Ende des 18. Jahrhunderts kam es durch die französische Revolution und dem damit verbundenen aufklärerischen Gedankengut zu einer Veränderung der „jüdischen Situation“. Nach zaghaften Versuchen, die gesellschaftliche Stellung der Juden zu emanzipieren, wurde nun erstmals durch die französische Nationalversammlung ein gleichgestelltes Bürgerrecht realisiert.[3] Auslöser hierfür war die Forderung des Abgeordneten Stanislaus Comte de Clermont- Tonnerre : „Il faut tout refuser aux juifs comme nation, il faut tout leur accorder

 

comme individues.“[4]

 

Unter Nachwirkung der französischen Revolution begannen auch die deutschen Staaten allmählich eine jüdische Emanzipation umzusetzen. So wurden 1812 die jüdischen Bürger in Preußen in den preußischen Staatsbürgerstand erhoben. Dies war ein bedeutender Wendepunkt in der Emanzipationsgeschichte des jüdischen Volkes.[5]

 

In der Folgezeit kam es zu einer Welle der kulturellen Anpassung und zur Verbürgerlichung der jüdischen Glaubensgemeinschaft. Statt strikten Beharrens auf die Einhaltung von Bräuchen und Sitten, öffneten sich einige jüdische Gemeinschaften. Neben dem Besuch der Volksschule, wurde auch der Besuch der Universität zu einer gesellschaftlichen Normalität für viele jüdische Mitbürger. Man modernisierte nicht nur die Bereiche des gesellschaftlichen, sondern auch die des religiösen Lebens. So wurden moderne Religionsschulen errichtet und Predigen in deutscher Sprache während der Sabbatgottesdienste verlesen. Dennoch blieb auch diese Zeit der Anpassung nicht von Unruhen und judenfeindlichen Ausschreitungen verschont. Durch die aufkommende Verbesserung der allgemeinen wirtschaftlichen Lage in der Mitte des 18. Jahrhunderts konnte sich die Thematik der Judenfrage entspannen und schließlich wurde die Emanzipation der Juden durchgesetzt. Diese kann aber nur unter dem politischen Aspekt als erfolgreich gewertet werden, denn gesellschaftlich stand die vollständige Akzeptanz der jüdischen Bevölkerungsgruppe als vollwertiges Gesellschaftsmitglied auf gläsernen Füßen. [6]

 

2.2. Die Juden im Kaiserreich und ihre gesellschaftliche Stellung

 

Dank der bis 1860 endgültig durchgesetzten Emanzipation konnte sich die Gemeinschaft der Juden zu einem Bestandteil der Gesellschaft entwickeln. Im Kaiserreich lebten 512 000 Juden, was einem Bevölkerungsanteil von 1,25% entsprach. Sie bildeten somit eine Minderheitsgruppierung innerhalb der deutschen Bevölkerung. Durch den industriellen Aufschwung und der im späten 19. Jahrhundert aufkommenden Urbanisierungswelle, sowie durch die neue integrativen Stellung, war es vielen Juden gelungen sich aus der unterdrückten und verarmten Position zu befreien und sich einen Wohlstand zu erarbeiten. Vor allem im Handel, aber auch im Bankenwesen waren die Juden stark vertreten. Bekannte Namen sind hierbei die Privatbänker Rothschild, Speyer und Oppenheim. Auch im Verlagswesen konnten sich einige Juden gut etablieren. Da jedoch weiterhin viele staatliche Karrierewege, sowie Positionen in der Verwaltung, in Schulen oder bei der Armee für sie versperrt oder unerreichbar blieben, zeichnet sich vor allem im Kaiserreich eine, an ihrer Bevölkerungsdichte gemessene, starke Konzentration von Juden in den Berufsfeldern der Medizin und der Juristerei ab. [7]

 

Auch die berufliche Situation der Landjuden veränderte sich. Die Tage als Hausierer und Kleinhändler waren gezählt. Während zu Beginn des 19. Jahrhunderts etwa 90% der jüdischen Landbevölkerung in diesem Gewerbezweig tätig waren, sank die Zahl bis 1895 auf 8% ab. Nun agierten sie vor allem als Landbesitzer und Kaufleute. Die Akzeptanz gegenüber den jüdischen Mitbürgern stieg. Vielerorts waren diese Mitglieder in Vereinigungen, Vereinen oder bei der ansässigen Handelskammer beschäftigt.[8]

 

Auch im Bildungssektor konnten sich die jüdischen Mitbürger integrieren. Der Anteil der die Volkschule besuchenden Juden stieg stark an und die Möglichkeit des Universitätsbesuches wurde von vielen genutzt.[9]

 

Die funktionierende Integration der jüdischen Minderheitsgruppe und deren Etablierung in der Mittel – und Oberschicht gab jedoch bald eine fruchtbare Basis für eine antisemitische Opposition. Hatte man die Juden zu Beginn wegen ihrer unangepassten und verarmten Situation verhöhnt und erniedrigt, denunzierte man sie nun aus Neid über ihre gefestigte wirtschaftliche und kulturelle Stellung innerhalb der Gesellschaft.

 

2.3.  Antisemitismus im Kaiserreich

 

Vor allem durch ihre stabilisierte und integrative Situation wurde die jüdische Minderheitsgruppierung schnell zum Angriffspunkt bei wirtschaftlichem, gesellschaftlichem und politischem Versagen. Die Ideale der französischen Revolution - Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit - welche den Grundstein für die jüdische Emanzipation bildeten, hatten sich deutlich nur auf politisch- sachlicher Ebene durchgesetzt und nicht in den Individuen verfestigt.

 

Die volksverwurzelte Empathie gegen die jüdische Bevölkerungsgruppe lebte in der Gesinnung der Gesellschaft fort und brach 1873 erneut ans Tageslicht.[10]

 

Der Börsenkrach im Oktober 1873 und die damit verbundenen Gründerkrise brachten den Judenhass auf ein neues Level. Aus dem „jüdischen Wucherer“ des Mittelalters war nun der „jüdische Kapitalist“ der bürgerlichen Gesellschaft geworden, der fortan als Sündenbock für die wirtschaftlichen Zusammenbrüche an den Pranger gestellt werden konnte.[11]

 

Der deutsche Jornalist Willhelm Marr nutzte die Gunst der Stunde um 1879 mit seinem Pamphlet "Der Sieg des Judenthums über das Germanenthum" die angespannte judenfeindliche Situation zu verschärfen und ihr einen antisemitischen und erstmals sogar rassistischen Charakter zu verleihen. Er begründet den Antisemitismus nicht mehr religiös, sondern rassistisch und verschärft mit seinen Aussagen Verschwörungstheorien über eine geplante jüdischen Weltherrschaft:

 

„[…] ja ich bin überzeugt, ich habe gesagt was Millionen Juden im Stillen denken: Dem Semitismus gehört die Weltherrschaft! Sprecht es also ebenfalls offen aus ihr Juden […].“[12]

 

Die Schrift Marrs setzt ein eindeutiges antisemitisches Zeichen, welches zum Ursprung eines Antisemitismusstreites in Berlin wurde. Die „Antisemiten-Petition“, welche sich gegen eine Gleichstellung der Juden aussprach, wurde von einer viertel Millionen Bürger unterschrieben. Die Forderungen nach einer erneuten Ausgrenzen der etablierten Juden wurde laut. Jüdische Bücher und Schriften wurden nun in einen Zusammenhang mit dem Börsenzusammenbruch gestellt und der Jude wurde zum legitimen Sündenbock.[13]

 

Um den unaufhaltsam aufkommenden Antisemitismus innerhalb der Gesellschaft zu unterbinden, gründete sich 1891 der Verein zur Abwehr des Antisemitismus. Zwei Jahre später schloss sich dann der „Central-Verein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens“ zusammen. Er bestand zu großen Teilen aus liberalen

 

Kreisen des Bürgertums.[14]

 

Mit dem ausgehenden 20. Jahrhundert veränderte sich die Situation der Juden erneut. Bis zum Ausbruch des ersten Weltkrieges gelang es vielen, trotz Angriffen und Anfeindungen, sich wirtschaftlich zu etablieren und ihren gesellschaftlichen Standpunkt zu stabilisieren. Die antisemitischen Parteien verloren an Energie und Sprungkraft. Mit dem Ausbruch des ersten Weltkrieges und dem damit aufkommenden Nationalgefühl wurde die jüdische Bevölkerungsgruppe integrativer Teil der deutschen Bevölkerung. Doch mit ausbleibenden Kriegserfolgen wurde erneut die Stelle für einen „Sündenbock der Nation“ frei und der Antisemitismus lebte erneut auf.[15]

 

Wie bereits Jahre zuvor durch das Hamburger Programm der Vereinigten Antisemiten Parteien anvisiert und propagandiert wurde, sollte sich die nationale Judenfrage im 20 Jahrhundert zu einer Weltfrage entwickeln.[16]

 

Ende der Leseprobe aus 17 Seiten

Details

Titel
Juden im Kaiserreich. Eine didaktische Ausarbeitung
Hochschule
Bayerische Julius-Maximilians-Universität Würzburg  (Didaktik Geschichte)
Veranstaltung
Praxis-, handlungs- und problemorientierter Unterricht am Beispiel der Würzburger Stolpersteine
Note
1
Autor
Jahr
2013
Seiten
17
Katalognummer
V382696
ISBN (eBook)
9783668617940
ISBN (Buch)
9783668617957
Dateigröße
554 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
problemorientierter Unterricht, Stolpersteine, Juden, Kaiserreich, Würzburg, handlungsorientierter Unterricht, Geschichte, Nationalsozialismus
Arbeit zitieren
Stefanie Holzmann (Autor), 2013, Juden im Kaiserreich. Eine didaktische Ausarbeitung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/382696

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