In dieser Arbeit liegt der Fokus auf dem Phänomen der Vitalität in Verbindung mit kontaktinduziertem Sprachwandel. Diese linguistische Relation soll am Beispiel Kanadas genauer untersucht werden. Im Speziellen werden die Provinzen Ontario und Québec betrachtet, indem der frankophone Status in Ontario sowie der anglophone Status in Québec, nicht nur im Sinne des Ansehens, sondern auch die Implementierung der Sprache in der jeweiligen Provinz betreffend, erörtert und schließlich mögliche Sprachwandelphänomene diskutiert und analysiert werden.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Sprachsituation
2.1 Bilingualismus
2.2 Diglossie
2.3 Vitalität
3 Historisches Portrait Kanadas
3.1 Geschichte: Zur Entdeckung und Besiedlung Kanadas bis 1763
3.2 Sprachpolitik
3.3 Religion, Erziehung und Bildung
3.4 Demolinguistische Entwicklung
4 Sprachgebrauch
4.1 Ontario und seine frankophone Gesellschaft
4.2 Québec und seine anglophone Gesellschaft
4.3 Quantitativer Vergleich der Provinzen
5 Eigenschaften und Besonderheiten der Sprache
5.1 Das “Ontarian” english
5.2 Das Français québécois
6 Kontaktinduzierter Sprachwandel
6.1 Einfluss Ontarios auf seine frankophone Gesellschaft
6.1.1 Morphosyntax
6.1.2 Lexikon
6.2 Einfluss Québecs auf seine anglophone Gesellschaft
6.2.1 Morphosyntax
6.2.2 Lexikon
7 Diskussion
8 Fazit und Ausblick
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht das Phänomen der sprachlichen Vitalität in Verbindung mit kontaktinduziertem Sprachwandel am Beispiel der Provinzen Ontario und Québec. Ziel ist es, den frankophonen Status in Ontario und den anglophonen Status in Québec zu analysieren, um soziohistorische Einflüsse sowie Sprachwandelphänomene im Bereich der Morphosyntax und des Lexikons zu identifizieren.
- Analyse des soziohistorischen Hintergrunds und der Sprachpolitik in Kanada.
- Untersuchung der Sprachvitalität und Diglossie in frankophonen und anglophonen Minderheitensettings.
- Quantitativer Vergleich der Sprachverwendung und demographischer Daten in Ontario und Québec.
- Untersuchung von kontaktinduzierten Sprachwandelerscheinungen.
- Vergleich kanadischer Varietäten mit internationalen Standardnormen.
Auszug aus dem Buch
2.2 Diglossie
In seinem gleichnamigen Aufsatz definiert Ferguson “Diglossia” (2006) als eine Standardisierung der Existenz zweier Varietäten einer Sprache in einer Sprechergemeinschaft, in der jede seine eigene, bestimmte Funktion hat (Vgl. 2006: 33). Eine wichtige Eigenschaft der Diglossie ist ihre Stabilität sowie das relativ ausgeglichene Verhältnis zwischen diesen beiden Varietäten (Vgl. Ferguson 2006: 38-39). Zudem ist sie weder auf gewisse geographische Regionen noch auf explizite Sprachfamilien beschränkt (Vgl. Ferguson 2006: 42).
Ferguson unterscheidet dabei zwischen der sogenannten “superposed variety” und “regional dialects”. Für erstere führt er den Terminus “High-Variety (H)”, für letztere “Low- Variety (L)” ein (2006: 34). Im Folgenden werden die Akronyme „H“ und „L“, wie erläutert, verwendet.
Ein wichtiges Merkmal ist die Spezialisierung der jeweiligen Funktionen von H und L. Anhand einer Auflistung zeigt Ferguson, dass sich beide Varietäten durch eigene beziehungsweise bestimmte Kontexte kennzeichnen, in der sie gebraucht werden. Zudem betont er, dass sich ihre expliziten Rollen hierbei kaum überschneiden. Abbildung 1 illustriert die Domänen, die charakteristisch einer Sprache zugehören. So wird beispielsweise L in Konversationen mit der Familie, Freunden oder Kollegen verwendet, wohingegen H in Zeitungsredaktionen, Berichten und Reportagen sowie bei Bildbeschreibungen zum Einsatz kommt. Die zwei zuletzt aufgeführten Situationen hebt der Autor hervor und weist darauf hin, dass Poesie, wie auch Volksdichtung in beiden Varietäten auftauchen. Die eindeutige Zuweisung ist folglich eng mit der Prestigewahrnehmung eines jenes Sprechers verbunden.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Definiert den Fokus der Arbeit auf die Verbindung von Vitalität und kontaktinduziertem Sprachwandel in den Provinzen Ontario und Québec.
2 Sprachsituation: Erläutert die theoretischen Grundlagen zu Bilingualismus, Diglossie und dem Konzept der Sprachvitalität.
3 Historisches Portrait Kanadas: Bietet einen soziohistorischen Überblick über die Besiedlung, Sprachpolitik und die demolinguistische Entwicklung bis in die Gegenwart.
4 Sprachgebrauch: Analysiert detailliert die Verwendung der beiden offiziellen Sprachen in den jeweiligen Minderheitensettings durch demographische und statistische Daten.
5 Eigenschaften und Besonderheiten der Sprache: Vergleicht das kanadische Englisch und das Français québécois mit ihren jeweiligen Standardnormen.
6 Kontaktinduzierter Sprachwandel: Untersucht konkrete Veränderungen in der Morphosyntax und im Lexikon als Folge des Sprachkontakts.
7 Diskussion: Wertet die Ergebnisse der Untersuchung im Hinblick auf Vitalität und Sprachwandel kritisch aus.
8 Fazit und Ausblick: Führt die Erkenntnisse zusammen und resümiert die Bedeutung der Sprachpolitik und staatlichen Förderung für die Zukunft der Minoritäten.
Schlüsselwörter
Bilingualismus, Diglossie, Vitalität, Sprachwandel, Sprachkontakt, Kanada, Ontario, Québec, Frankophonie, Anglophonie, Minoritäten, Morphosyntax, Lexikon, Sprachpolitik, Sprachgebrauch
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit im Kern?
Die Arbeit befasst sich mit der linguistischen Untersuchung der Vitalität der Amtssprachen Englisch und Französisch in Kanada, speziell fokussiert auf die Provinzen Ontario und Québec, um mögliche Phänomene des kontaktinduzierten Sprachwandels zu identifizieren.
Welche zentralen Themenfelder deckt die Untersuchung ab?
Die Untersuchung deckt die Bereiche Bilingualismus, Diglossie, Sprachvitalität, Sprachpolitik, historisch bedingte Sprachunterschiede und kontaktinduzierte Veränderungen in Morphosyntax und Lexikon ab.
Was ist das primäre Ziel oder die zentrale Forschungsfrage?
Ziel ist es, den frankophonen Status in Ontario und den anglophonen Status in Québec zu erörtern und zu analysieren, inwieweit diese Faktoren Sprachwandel begünstigen oder beeinflussen.
Welche wissenschaftliche Methodik wird in der Arbeit verwendet?
Die Arbeit stützt sich primär auf eine theoretische Fundierung soziolinguistischer Konzepte (Giles, Ferguson, Fishman) und eine sekundäre Empirie, basierend auf Daten von Statistics Canada.
Welche Aspekte werden im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in einen historischen Abriss, die Analyse des Sprachgebrauchs mittels statistischer Daten und die detaillierte Untersuchung von Sprachwandelerscheinungen in den Bereichen Morphosyntax und Wortschatz.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Untersuchung?
Wichtige Schlagworte sind insbesondere Bilingualismus, Diglossie, Vitalität, Sprachwandel, Kontaktinduzierung, Minderheitensprache und die spezifischen kanadischen Varietäten.
Wie beeinflusst die Geschichte die heutige Sprachsituation?
Die historische Entwicklung, etwa durch den Treaty of Paris oder den Quebec Act, hat strukturelle Benachteiligungen und Identitätskonflikte geschaffen, die noch immer die Sprachpolitik und den Status der Minderheiten in den Provinzen prägen.
Welche Rolle spielt die Bildungspolitik für die Vitalität der Sprachen?
Das Bildungssystem fungiert als wesentlicher Faktor für die Vermittlung und Erhaltung der Sprache. Die Arbeit verdeutlicht, dass der Zugang zu muttersprachlichem Unterricht in Minderheitensituationen kritisch für die Entwicklung und das Selbstbewusstsein der Sprachgruppen ist.
Warum unterscheiden sich die Ergebnisse für Ontario und Québec?
Die Unterschiede ergeben sich aus der jeweiligen demographischen Machtverteilung, dem unterschiedlichen Status der Sprachen innerhalb der Provinzen und den abweichenden sprachpolitischen Fördermaßnahmen der jeweiligen Regierung.
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- Jaqueline Exner (Author), 2017, Zum bilingualen Kanada. Vitalität und Wandel. Frankophonie und Anglophonie in Ontario und Québec, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/382991