Mediale Wahrheiten. Inszenierung und Rolle der Medien im Film "Gone Girl" von David Fincher


Hausarbeit, 2016
16 Seiten, Note: 2,7
Anonym

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Medienreflexion im Film
2.1 Journalisten und Fernsehen im Leben und Film

3. David Fincher. Inszenierung und Bedeutung der Medien in dem Film
«Gone Girl»
3.1 Gone Girl. Mediale Wahrheit.

4. Schlusswort

5. Quellen- und Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Die Kammerlichtspiele zählen eine mehr als hundertjährige Geschichte auf. Ab dem Tag des Erscheinens hat das Medium Film einen großen Anteil an Popularität unter den Menschen gewonnen. Darüber hinaus stellt es heutzutage einen signifikanten und unabdingbaren Teil der Weltkultur dar und ist zum Gegenstand der Filmwissenschaft und der Filmtheorie, sowie zu einem der wichtigsten Mittel für die Informationsdarstellung und auch Unterhaltung geworden.

Im Laufe seiner Entwicklung haben nicht nur die Veränderungen der Aufnahmeapparatur, des Filmgenres und der Aufnahmetechnik stattgefunden. Es war gleichfalls ein großer Wandel der Erzählungsgegenstände des Films zu beobachten. Der Film kann eine Geschichte abbilden, die nie passiert ist, oder ein Wesen, das nie existiert hat. Es können mit der Hilfe innovativer Aufnahmeapparaturen, des Spiels der Akteure und der Arbeit der gesamten Drehgruppe alle denkbaren Vorgänge inszeniert werden.

Neben allen dramatischen Szenarien der Abenteuer-, Horror- oder Fantasyfilme, die uns eine zuweilen irreale Welt zeigen und aus diesem Grund sehr beliebt sind, finden auch dramatische Geschichten unseres Lebens, wie beispielweise Filmstreifen, die über die unterschiedliche Berufe erzählen oder biografische Filme eine große Verbreitung. Sie sind hauptsächlich aufgrund ihrer Nähe zu den Menschen besonders wichtig und allgemeinverständlich. Zu einem der Themen, die solche Filme abbilden, sind auch die Medien geworden.

In dieser Arbeit wird die Inszenierung zweier ganz unterschiedlicher Repräsentanten der Medien, nämlich der Journalisten, Presse- und der Öffentlichkeitsarbeitern analysiert. Als Filmbeispiel wird der Filmstreifen vom Regisseur David Fincher «Gone Girl» (2014) genommen. Das Ziel der Arbeit ist insoweit folgende Frage zu beantworten: «Wie werden die Medien in dem Film von David Fincher «Gone Girl» (2014) inszeniert und welche Rolle spielen sie?».

Folgendes methodisches Vorgehen soll zur Klärung dieser Forschungsfrage führen: Zuerst werden in dem theoretischen Teil die Begriffe von den hier analysierten Medien geklärt. Danach werden diese in Bezug auf ihre Darstellung in den unterschiedlichen Filmen zusammen mit dem Phänomen der Selbstreflexion dargestellt. In einem empirischen Teil wird der oben erwähnte Film erforscht mit der Absicht die Inszenierung der Medien und auch die Bedeutung und dem ideologischen Gehalt dieser Inszenierung analysiert. Es werden auch die Fragen nach der Bedeutung dieser Medien in unserem Leben und ihrer Beeinflussungsgrad behandelt werden. Alle Forschungsergebnisse werden am Ende wieder erläutert und verglichen und es wird eine Schlussfolgerung in Bezug auf die Leitfrage der Arbeit daraus gezogen.

2. Medienreflexion im Film

Wir leben in einer Medienwelt. Das heißt, dass unser Leben in der ein oder anderen Weise von den Medien geprägt und beeinflusst wird. Unsere Lieblingszeitung morgens, Radiosendung auf dem Weg zur Arbeit, Bücher im Studium, Telefongespräche und sogar die Verabredung im Kino sind nur die häufigsten und bekanntesten Fälle der Mediennutzung. Im Laufe der Zeit haben die Medien zusammen mit dem Prozess der Industrialisierung und der Entwicklung des menschlichen Körpers und seinem Lebensstil einen Aufschwung erfahren. Darüber hinaus haben die Prozesse der crossmedialen Transformation der Medien, der sogenannten «Reflexion»[1] stattgefunden. Was ist eine (Medien-) Reflexion?

Laut dem Duden-Lexikon wird eine «prüfende Betrachtung, der Prozess des Nachdenkens»[2] als Reflexion bezeichnet. Es stellt sich also als eine Art der Forschung oder Vergleich und später Darstellung eines Gegenstandes ein, die mit der Absicht einer Eigenbewusstheit durchgeführt wurden.[3] Natürlich kann man keine sichere Behauptung ausstellen, dass dieser Prozess in allen Filmstreifen zu betrachten ist. Wenn die Reflexionsleistung dennoch gelungen ist, gibt sie uns die Möglichkeit dieses Stück nicht nur als ein Bild oder eine Geschichte wahrzunehmen, sondern «eher als Möglichkeit, mit dem Film nachzudenken».[4]

Der Ausgangsgedanke ist, dass die Filme Medien beobachten. Diese Arbeit, die sich konkret nur auf einen Film bezieht, setzt sich mit den Medien besonderer Art auseinander. Zu denen gehören Journalisten, Öffentlichkeitsarbeiter und andere Pressearbeiter, die das Medium Fernsehen vorstellen. In den folgenden Abschnitten werden die theoretischen und historiographische Erklärungsansätze der Darstellung dieser Medien in den Filmen betrachtet.

2.1 Journalisten und Fernsehen im Leben und Film

Journalisten, als Repräsentanten der Medien, erfüllen die Funktionen, die für unser Leben von sehr großer Bedeutung sind. Dazu gehören nicht nur die konsequente Informations- und Nachrichtenvermittlung und die Ermöglichung eines Meinungspluralismus, sondern auch eine «Erziehung» durch Vermittlung unterschiedlicher Wertkanons und Hilfe bei der Kommunikation zwischen dem Volk und dem zentralem politischen Sektor.[5] Ihre Arbeit ist also sehr komplex ausgebaut und kann aus diesem Grund zum Gegenstand einer sehr spannenden Kinogeschichte werden.

Das Genre der sogenannten Medienfilme stellt uns ein Bild der Öffentlichkeitsarbeiter dar, das ihren Alltag oder ihr Leben allgemein in verschiedener Hinsicht definiert: Ihre Arbeitsethik, Arbeit im Zusammenhang mit politischen Strukturen, Gestaltung der Medienmonopole, ihre gesellschaftlichen und kulturellen Einflussbereiche, und viele andere. Es können in Bezug auf die erwähnten Aspekte auch drei unterschiedliche Gruppen chronologisch abgegrenzt werden: Medienfilme der 30-er Jahre, die in höherem Maß über die Zeitungsleute berichtet haben, Reporterfilme der 70-er Jahre, wo eine zentrale Figur oft ein neugekommener Reporter war und seit Anfang 90-er Jahre, neue Medienfilme mit einem ganz anders interpretierten Image von Journalisten.[6]

Beachtenswert werden in diesem Kontext drei Aspekte, die im Gesamtzusammenhang des folgenden empirischen Teils relevant sind: Erstens, das Erscheinungsbild der Journalisten, das heißt, wie sie in den Filmen allgemein dargestellt werden. Zweitens, das Genre der Reporterfilme und drittens Filme, die das Medium Fernsehen inszenieren. Was das Image eines Journalisten oder der Journalistinnen betrifft, ist es schon zu einem allen bekannten Klischeebild geworden: Er hat immer einen Notizblock oder etwas ähnliches dabei. Er schreibt und spricht schnell und macht den Eindruck einer, in der Regel entweder mit einer Idee oder einem Gedanken besessener Person, oder eines Profis, der seine Aufgaben mit Leidenschaft erfüllt. Er trägt einen Hut, raucht und trinkt oft.[7]

Wenn im Tatort ein Journalist auftaucht, durchwühlt er entweder den Müll einer jungen Familie, deren Zwillinge gerade bestialisch ermordet wurden, oder er hängt selbst in irgendeiner Sauerei mit drin - Bestechung, Kinderhandel, so etwas. Auf jeden Fall trägt er Dreitagebart und sieht aus, als rieche er streng.[8]

Stereotypische Darstellung dieser Berufsgruppe in den Medienfilmen betrifft nicht nur ihr Image, sondern auch ihre Arbeits- und Handlungsfelder. Das Büro ist oft ein großer Raum mit vielen Menschen drin, wo man ständig Geräusche des klingelndes Telefons oder einer Schreibmaschine hört. Die Darstellung eines Ortes, wo sich ein Ereignis, über das der Journalist berichtet, zugetragen hat, ist oft durch diverse Klischees geprägt: Schreiende Reporter und Kamerablitze sind nur wenige davon.[9]

Das Genre der Reporterfilme, das für sich selbst spricht, ist in 70-er Jahren sehr populär und verbreitet geworden. In solchen Filmstreifen, wie The Parallax View (1973) oder All the President´s Men (1976) gilt ein Aufklärer-Reporter als ein Hauptcharakter. Besonders wichtig ist die Figur des Sensationsreporters. Er ist nicht nur ein Vertreter der Presse - er erfüllt selbst eine der wichtigsten Funktionen der Medien, nämlich die Vermittlung unterschiedlicher Werkannonen. Er ist eine moralische Figur[10], die für seine Anschauungen und allgemeine menschliche Rechte und Werte kämpft.[11]

Im Laufe der Zeit haben sich die Charakterzüge der Journalisten, zumindest die Abbildung dieser in der Kinematographie anders gestaltet. Man betrachtet sie von einer ganz anderen Seite als früher. Sie erscheinen immer noch als moralische Symbole, wobei ihre Tätigkeit viel mehr darauf abzielt, einen Gewinn zu machen. Besonders verbreitet sind solche Figuren in den Filmen, wo beispielweise eine Fernsehorganisation und ihre Leitung eine TV-Show organisieren mit der Absicht ihres Image zu verbessern, das Aufsehen zu erregen oder sich von dem Geschäftszusammenbruch zu retten. Im Film Live! (2007) von Regisseur Bill Guttentag hat die Programmdirektorin eine Idee, eine lebensgefährliche TV-Show zu machen, in Erfüllung gebracht. Ein Überlebender von den sechs Menschen würde am Ende fünf Millionen Dollar bekommen, womit die Quote des TV-Senders steigen musste. Ein weiteres Beispiel ist The Truman Show (1998) von Peter Weir. Im Fokus des Filmes steht die Figur eines Mannes, der sein ganzes Leben in einer irrealen Welt - in einer TV-Show verbringt, wo alle seine Freunde und seine Familie Schauspieler sind und seine Arbeit und seine Stadt nur eine große Inszenierung ist. Er findet endlich heraus, dass es ein anderes, echtes Leben gibt, das er trotzt der Unstimmigkeit der Showproduzenten unbedingt sehen will.

[...]


[1] Kirchmann, Kay; Ruchhatz, Jens: Einleitung: Wie Filme Medien beobachten. Zur kinematographischen Konstruktion von Medialität. In: Kirchmann, Kay; Ruchhatz (Hrsg.): Medienreflexion im Film: Ein Handbuch, Bielefeld 2014, S. 9.

[2] Vgl. http://www.duden.de/rechtschreibung/Reflexion (zuletzt aufgerufen am 19.09.2015).

[3] Vgl. Kirchmann, Kay; Ruchhatz, Jens: Einleitung: Wie Filme Medien beobachten. Zur kinematographischen Konstruktion von Medialität. In: Kirchmann, Kay; Ruchhatz (Hrsg.): Medienreflexion im Film: Ein Handbuch, Bielefeld 2014, S. 9.

[4] Elsaesser, Thomas; Hagener, Malte: Filmtheorie. Zur Einführung, Hamburg 2007, S. 20.

[5] Vgl. Pürer, Heinz: Das Image von Journalisten. Prämissen und empirische Erkenntnisse. In: Communicatio Socialis 45 (2012), Nr. 3: 258–275 Quelle: www.communicatio-socialis.de

[6] Vgl. Wulff, Hans J.: Zeitungs-, Reporter-, Medienfilme: Journalismus und Medien im Film. Eine erste Fassung dieses Artikels erschien in: Medien praktische. Texte 5, 2002, S. 46-55. Bibliographische Angabe der Online-Fassung: http://www.derwulff.de/2-111.

[7] Vgl. ebd.

[8] Riehl, Katharina: Journalisten im deutschen Fernsehen. Story vom Papiertiger. In: Süddeutsche Zeitung, 14.02.2013 http://www.sueddeutsche.de/medien/journalisten-im-deutschen-fernsehen-story-vom-papiertiger-1.1599735

[9] Vgl. Wulff, Hans J.: Zeitungs-, Reporter-, Medienfilme: Journalismus und Medien im Film. Eine erste Fassung dieses Artikels erschien in: Medien praktische. Texte 5, 2002, S. 46-55. Bibliographische Angabe der Online-Fassung: http://www.derwulff.de/2-111.

[10] Ähnlich Robards, Book (1990) Newshounds and Sob Sisters: The Journalist goes to Hollywood. In: Beyond The Stars: Stock Characters in American Popular Film. Ed. by Paul Lourdes and Linda K. Ohio, Bowling Green State University Popular Press, S. 132.

[11] Vgl. Wulff, Hans J.: Zeitungs-, Reporter-, Medienfilme: Journalismus und Medien im Film. Eine erste Fassung dieses Artikels erschien in: Medien praktische. Texte 5, 2002, S. 46-55. Bibliographische Angabe der Online-Fassung: http://www.derwulff.de/2-111.

Ende der Leseprobe aus 16 Seiten

Details

Titel
Mediale Wahrheiten. Inszenierung und Rolle der Medien im Film "Gone Girl" von David Fincher
Hochschule
Universität Regensburg  (Medienwissenschaft)
Note
2,7
Jahr
2016
Seiten
16
Katalognummer
V383373
ISBN (eBook)
9783668590717
ISBN (Buch)
9783668590724
Dateigröße
586 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
mediale, wahrheiten, inszenierung, rolle, medien, film, gone, girl, david, fincher
Arbeit zitieren
Anonym, 2016, Mediale Wahrheiten. Inszenierung und Rolle der Medien im Film "Gone Girl" von David Fincher, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/383373

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