Vom Rundfunk zum Volksempfänger

Wie wurde das Radio zu einem Instrument für die Propaganda während des NS-Regimes umgebaut?


Hausarbeit, 2015

14 Seiten, Note: 2,3

Anonym


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Wie Radio zum Propagandainstrument wurde. Die drei wichtigsten Schritte der Entwicklung.
2.1 Organisatorische Umgestaltung: Gleichschaltung und Umbau der Lenkungsapparate.
2.2 Inhaltliche Umgestaltung: Das neue Programm.
2.3 Technische Umgestaltung: Neue Geräte.

3. Der Rundfunk als Propagandainstrument am Anfang des Krieges.

4. Schlusswort

5 . Quellen- und Literaturverzeichnis.

1. Einleitung

Am 30.01.1933, Tag der Machtübernahme, hat die Zeit der nationalsozialistischen Herrschaft angefangen. Es war eine der bedeutenden Ereignisse der Weltgeschichte und hat eine große Reform, eine gestufte Errichtung des neuen Regimes, der nationalsozialistischen Diktatur nach sich gezogen. Das hat einen revolutionären Umbauprozess in die Welt gerufen, welcher nicht nur einen Staat, sondern eine ganze Gesellschaft umgewandelt hat. Es wurden viele neue Gesetze erlassen: «Verordnung zum Schutz von Volk und Staat», «Heimtückegesetz», «Ermächtigungsgesetz» und die «Gleichschaltung» des politischen und öffentlichen Lebens. Damit wurde eine Eigenständigkeit aller bestehenden Institutionen abgeschafft, was auch alle Massenmedien unmittelbar betroffen hat.[1] Der im September 1933 zum Präsident der Reichskulturkammer ernannte Joseph Goebbels, «der Herr der Medien»[2] hat seine Propagandatätigkeit besonders auf den Rundfunk konzentriert. Die Neuerungen, die er in das Rundfunksystem und in die Programmstellung gebracht hat, haben dazu geführt, dass Radio, das später in diesem Kontext auch als «Volksempfänger» bezeichnet wird, von einem relativ neuen Medium zu einem der wichtigsten Mittel für Propaganda wurde.[3]

Obwohl der Rundfunk heutzutage nicht mehr so oft als Medium für Nachrichtenempfang und Unterhaltung benutzt wird, kann man die nationalsozialistische Propaganda als einen Faktor betrachten, der diesen zu einer wesentlichen Entfaltung gebracht hat.

Im Mittelpunkt der vorliegenden Arbeit stehen die Betrachtung der Durchbildung des Rundfunks bevor und am Anfang des Zweiten Weltkrieges und Betrachtung seiner propagandistischen Eigenschaften, die Joseph Goebbels in dieser Zeit verankert hat. Es wird versucht, folgende Frage zu beantworten: Wie wurde das Radio zu einem Instrument für die Propaganda während des NS-Regimes umgebaut?

2. Wie Radio zum Propagandainstrument wurde. Die drei wichtigsten Schritte der Entwicklung.

Die Zeichen der nationalsozialistischen Propaganda können schon lange vor der Machtübernahme zurückverfolgt werden. Sie war ein zentraler Einzugsbereich der NSDAP, hat eine Hauptrolle bei ihrer Machtergreifung, Herrschaft und Kriegsführung gespielt.[4] Auch wie viele andere, ist sie durch die wiederholten Schlagwörter, präzise Formulierungen und, vor allem durch das Übergewicht der emotionellen Seite der Botschaft über den Inhalt derer gekennzeichnet. Adolf Hitler war eine zentrale Figur, die dank seiner rhetorischen und agitatorischen Talente und der großen Arbeit, die Propagandaminister Joseph Goebbels durchgeführt hat, einen «Führerkult» gegründet hat. Unter den Themen der Propaganda können vor allem Rassismus und Sozialdarwinismus, Antisemitismus, Volksgemeinschaft und Heldentum genannt werden.[5] Für den Einsatz der propagandistischen Elemente wurden alle möglichen Mittel benutzt: Aufmärsche, Demonstrationen, Plakate und insbesondere die mächtigen und einflussreichen Medien, wie Presse, Film, Bücher und Radio.

Es ist schon lange vor der Machtübernahme den Nationalsozialisten klar geworden, dass das Medium Radio eine ausgefallene Rolle in ihren Plänen spielen wird. Das Rundfunksystem hat in der Endphase der Weimarer Republik einen Vorrang vor den anderen Medien gehabt. Dies betrifft in höherem Maß die Tageszeitungen, die in die Notwendigkeit versetzt wurden, sich an schnell wechselnde politische Kurse anzupassen und die keine rasche Nachrichtenübermittlung gewährleisten konnten. Der Rundfunk hat eine andere, sich von der Presse unterscheidende Entwicklung erlebt und hat ein gut strukturiertes System für die Kommunikation dargestellt.[6]

Aus diesen Gründen hat der Reichspropagandaleiter Joseph Goebbels, der im Oktober 1932 zum Vorsitzender des «Reichsverbands Deutscher Rundfunkteilnehmer» ausgewählt wurde, für sich am Anfang ein Ziel bestimmt, das Radio so schnell wie möglich in seine Gewalt zu bekommen. Die Regierung der Weimarer Republik, die dieses Medium für eine unbegrenzte Nutzung haben wollte, hat eine Reihe der Maßnahmen durchgeführt, die am Ende zweckmäßig zu einer extrem staatsnahen Organisation[7] des Radios hingeführt haben. Dazu haben zum Beispiel die von der Regierung organisierten neuen Programme, wie eine tägliche «Stunde der Reichsregierung» gehört, wo Kabinettsmitglieder ihre Entscheidungen mitgeteilt und besprochen haben. Das neue Medium wurde früher auch für die Verbreitung der propagandistischen Reden der Minister während des Wahlkampfs aktiv benutzt. Ein solcher Prozess der Verstaatlichung hat den Zugang zu der Macht des Radios, Möglichkeit der Verbesserung und freier Benutzung dieses Mediums für die propagandistischen Ziele der Nationalsozialisten wesentlich erleichtert.[8]

Darüber hinaus hat die Erfordernis einer straken Kontrolle der Meinung des Volkes in dem neuen Regime ein Instrument dafür vorausgesetzt.[9] Abgesehen davon, dass das Medium Rundfunk in der Zeit der Machtübernahme, wie oben schon erwähnt wurde, ein sehr leicht erbgreifbares und klar strukturiertes Mittel für die Propagandaverbreitung dargestellt hat, musste noch eine Reihe an Neuerungen durchgeführt werden, die eine Massenbeeinflussung mit der Hilfe des Radios ermöglichen konnten. Zu diesen haben vor allem der Umbau der Lenkungsapparate, die Umstrukturierung des ganzen Programms sowie die Durchbildung und Entwicklung der neuen technischen Mittel für die Möglichkeit der preiswerten Rundfunknutzung gehört. Darüber und auch über andere Veränderungen in dem Rundfunksystem berichten die nächste Kapitel.

2.1 Organisatorische Umgestaltung: Gleichschaltung und Umbau der Lenkungsapparate.

Unmittelbar nach der Machtübernahme haben unterschiedliche Prozesse der Reorganisation aller staatlichen und gesellschaftlichen Dienststellen angefangen. Sie haben darauf abgezielt, die Durchsetzung der ideologischen Pläne und Ziele der NSDAP zu verwirklichen und damit eine pluralistische Diversität in der Gesellschaft zu ersetzen und Neuordnung dieser zu ermöglichen. Dieses Ereignis wird als Gleichschaltung bezeichnet. Das hat alle öffentlichen Institutionen, darunter auch den Rundfunk betroffen. Diese «Neuerungen» waren notwendig, um das neue Medium, das noch keine weite Verbreitung in der Gesellschaft erfahren hat, von innen unbegrenzt beeinflussen zu können.[10]

Kurz nach den Reichstagswahlen vom 5. März 1933 hat man begonnen eine sogenannte «Säuberung» des Rundfunksystems durchzuführen: Die hochrangigen Stellen wurden mit den Vertrauensmänner der NSDAP besetzt und bis zu 40 Prozent der vorherigen Mitarbeiter wurden wegen ihre «politische Unzuverlässigkeit», sozialdemokratischen und kommunistischen Ansichten oder jüdischer Abstammung gekündigt, was laut dem Gesetz zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums, kurz Berufsbeamtengesetz (BBG) vom 7. April 1933 erlaubt war.[11]

Goebbels war überzeugt, dass die ideologische Welt der nationalsozialistischen Propaganda unbedingt mit der künstlerischen Welt des Dritten Reichs zusammengeschlossen werden musste. Deshalb wurde im September 1933 die Reichskulturkammer gegründet. Die Zentralfunktionen waren eine klare Organisation und eine Möglichkeit der Überwachung der Kunst und Künstler.

Sieben Einzelabteilungen wurden der Kammer untergeordnet: Reichsfilm-, Reichsmusik-, Reichstheater-, Reichspresse-, Reichsschrifttumskammer, Reichskammer der bildenden Künste und Reichsrundfunkkammer.[12]

[...]


[1] Vgl. Jesse, Eckhard (Hrsg.): Deutsche Geschichte. Vom Kaiserreich bis heute. 2008, München. S. 162.

[2] Heidenrech, Bernd; Neitzel, Sönke (Hrsg.): Medien im Nationalsozialismus. 2010, Paderborn. S. 32.

[3] Vgl. Heidenrech, Bernd; Neitzel, Sönke (Hrsg.): Medien im Nationalsozialismus. 2010, Paderborn. S. 33.

[4] Vgl. Beham, Mira: Kriegstrommeln. Medien, Krieg und Politik. München, 1996, S. 54-74.

[5] Vgl. https://www.dhm.de/lemo/kapitel/ns-regime/innenpolitik/propaganda/(zuletzt aufgerufen am 09.09.2015).

[6] Vgl. Kohlmann-Viand, Doris Heidi: NS-Pressepolitik im Zweiten Weltkrieg: Die „Vertraulichen Informationen“ als Mittel der Presselenkung. München; London; New York; Paris, 1991. S. 123-124.

[7] Frei, Norbert; Schmitz, Johannes: Journalismus im Dritten Reich. München, 1989. S.35.

[8] Vgl. Sarkowicz, Hans: «Nur nicht langweilig werden…». Das Radio im Dienst der nationalsozialistischen Propaganda. In: Heidenrech, Bernd; Neitzel, Sönke (Hrsg.): Medien im Nationalsozialismus. Paderborn, 2010. S.205-206.

[9] Vgl. Frei, Norbert; Schmitz, Johannes: Journalismus im Dritten Reich. München, 1989. S. 7.

[10] Vgl. https://www.dhm.de/lemo/kapitel/ns-regime/etablierung-der-ns-herrschaft/gleichschaltung.html (zuletzt aufgerufen am 09.09.2015).

[11] Vgl. Sarkowicz, Hans: «Nur nicht langweilig werden…». Das Radio im Dienst der nationalsozialistischen Propaganda. In: Heidenrech, Bernd; Neitzel, Sönke (Hrsg.): Medien im Nationalsozialismus. Paderborn, 2010. S.206-210.

[12] Vgl. https://www.dhm.de/lemo/kapitel/ns-regime/kunst-und-kultur/reichskulturkammer.html (zuletzt aufgerufen am 09.09.2015).

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Details

Titel
Vom Rundfunk zum Volksempfänger
Untertitel
Wie wurde das Radio zu einem Instrument für die Propaganda während des NS-Regimes umgebaut?
Hochschule
Universität Regensburg  (Medienwissenschaft)
Note
2,3
Jahr
2015
Seiten
14
Katalognummer
V383374
ISBN (eBook)
9783668591226
ISBN (Buch)
9783668591233
Dateigröße
557 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
rundfunk, volksempfänger, radio, instrument, propaganda, ns-regimes
Arbeit zitieren
Anonym, 2015, Vom Rundfunk zum Volksempfänger, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/383374

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