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Charakterzeichnung des Hundes in fünf ausgewählten Fabeln aus dem "Magdeburger Prosa-Äsop". Zum Bedeutungshorizont der Abweichungen der prototypischen Rollensemantik anthropomorpher Konturwesen

Titel: Charakterzeichnung des Hundes in fünf ausgewählten Fabeln aus dem "Magdeburger Prosa-Äsop". Zum Bedeutungshorizont der Abweichungen der prototypischen Rollensemantik anthropomorpher Konturwesen

Seminararbeit , 2014 , 22 Seiten , Note: 1,0

Autor:in: Niels Menzel (Autor:in)

Germanistik - Ältere Deutsche Literatur, Mediävistik
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Zusammenfassung Leseprobe Details

Fixpunkt dieser Arbeit soll die Beantwortung einer zentralen Frage innerhalb des großen Spektrums der Fabeltheorie sein: Ob und inwieweit wird die als typisch angenommene prototypische Rollensemantik der Fabeltiere durchbrochen? Die Gattung der Fabel wird bis heute – ganz oberflächlich ausgedrückt – mit Tieren verbunden, die wie Menschen agieren. Das Bild der Fabel war und ist geprägt von stereotypen Tierfiguren, denen eindeutig bestimmte Verhaltenscodizes zugeordnet werden konnten. Doch darf dies so einfach behauptet werden? Gibt es Abweichungen, und wenn ja, warum?

Die Fabeltexte, die die Basis der Untersuchungen bilden, entstammen dem Magdeburger Prosa-Äsop, einer mittelniederdeutschen Übersetzung der Fabelsammlung Esopus von Heinrich Steinhöwel , die wiederum eine Übersetzung der griechischen-lateinischen äsopischen Fabeln ist. Ein interessantes, weil in großer charakterlicher und damit diskussionswürdiger Bandbreite in Fabeln agierendes Beispiel ist der Hund, ein Tier, das bis heute mit dem Wesenszug der Treue in Verbindung gebracht wird. Fünf Fabeln aus dem Magdeburger Prosa-Äsop, in denen ein Hund eine führende Rolle spielt, sollen aufzeigen, dass das Bild, das uns von diesem anthropomorphen Fabeltier geboten wird, nicht einfach akzeptiert werden kann, sondern hinterfragt werden muss – denn etwaige Abweichungen vom Credo der prototypischen Rollensemantik erlaubten interessante Rückschlüsse auf das Wesen der Fabel insgesamt.

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung und Fragestellung

2. Allgemeines

2.1. Zum „Magdeburger Prosa-Äsop“

2.2. Gattungsdeterminanten und Theorie der Fabel

3. Fünf Fabeln

3.1. MPÄ, Romulus-Fabeln, Buch II Fabel III: Die Fabel vom Hund und dem Dieb.

3.2. MPÄ, Romulus-Fabeln, Buch II Fabel VII: Die Fabel vom alten Hund und seinem Herrn

3.3. MPÄ, Romulus-Fabeln, Buch I Fabel IX: Die Fabel vom Hund, der gebären wollte.

3.4. MPÄ, Romulus-Fabeln, Buch I Fabel V: Die Fabel vom Hund und dem Stück Fleisch.

3.5. MPÄ, Romulus-Fabeln, Buch I Fabel IV: Die Fabel vom Hund und dem Schaf.

3.6. Zusammenfassung und Kontextualisierung

4. Ergebnis

5. Literatur

5.1. Primärliteratur

5.2. Sekundärliteratur

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit untersucht, ob und inwieweit die prototypische Rollensemantik von Hunden in Fabeln des „Magdeburger Prosa-Äsops“ durchbrochen wird, um Rückschlüsse auf das Wesen der Fabel als Gattung zu ziehen.

  • Analyse der prototypischen Rollen anthropomorpher Tierfiguren
  • Untersuchung von Abweichungen in der Charakterzeichnung des Hundes
  • Literarische und moralische Kontextualisierung ausgewählter Fabeltexte
  • Reflektion über die didaktische Funktion der Fabel
  • Vergleich zwischen traditionellen Rollenbildern und narrativer Ambivalenz

Auszug aus dem Buch

3.1. MPÄ, Romulus-Fabeln, Buch II Fabel III: Die Fabel vom Hund und dem Dieb.

Die Fabel vom Dieb und dem Hund entspricht rudimentär genau der Vorstellung, die man heute gemeinhin mit dem Charakter des Hundes in der Fabelwelt in Verbindung bringt: Der Wachhund, der in Treue zu seinem Besitzer hält, einem Dieb nicht vertraut, die Gefahr für das Gut seines Herrn erkennt und feststellt: „Ik bekenne dine werke unde dine weghe, dat du de dusternisse lef hefst.“

Seine Erkenntnis, es beim Dieb mit einem unehrlichen Menschen zu tun zu haben (der ihm, sollte er ihm helfen, mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit nicht danken wird), und die Rücksichtnahme auf seinen Besitzer, der ihn jahrelang gut behandelte, führen zu einer Stellungnahme des Hundes: „Hyr umme is dat beter, dat ik loven holde mineme heren unde bewaren in sundheit, de mi in tucht up getagen heft, unde vorschulde mit miner wachte dat brot, dat ik aldus langhe vorteret hebbe, wen dat ik umme en brod minen heren unde alle sin gud di vorkofte.“

Zwischen Dieb und Hund entspinnt sich nach einem ersten kurzen Wortwechsel kein Gespräch, sondern der Hund legt monologisch seine Beweggründe dar. Die Treue, die der Hund seinem Herrn beweist, trägt einen Zug Opportunismus in sich, was explizit in der Moral verdeutlicht wird: „Dit merken de ghenne, de vakene umme ene maltid vorkopen unde vorlesen ere ghud unde enes anderen mede.“ Die Sorge, sich selbst der Sicherheit zu berauben, indem man die Sicherheit eines anderen (anvertrauten) Menschen gefährdet, beeinflusst das eigene Handeln. So ist Treue dann doch kein altruistischer Wesenszug, kein bloßer Dank und keine einfache Liebe, sondern bequemes Schutzbedürfnis, Eigennutz und Voraussicht.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung und Fragestellung: Das Kapitel führt in die Fabeltheorie ein und stellt die Forschungsfrage nach der Durchbrechung prototypischer Rollenmuster bei Fabeltieren.

2. Allgemeines: Hier werden der „Magdeburger Prosa-Äsop“ historisch eingeordnet sowie grundlegende Gattungsmerkmale und die Theorie der Fabel erörtert.

3. Fünf Fabeln: Anhand von fünf exemplarischen Fabeln wird die spezifische Rollendarstellung des Hundes analysiert und auf Abweichungen vom Idealbild geprüft.

4. Ergebnis: Das Fazit fasst zusammen, dass Fabeltiere primär als zweckdienliche Kulissenfiguren fungieren, wobei die Ambivalenz des Hundes eine gezielte moralische Steuerung ermöglicht.

5. Literatur: Das Verzeichnis listet die verwendete Primär- und Sekundärliteratur zur Fabeltheorie und dem Magdeburger Prosa-Äsop auf.

Schlüsselwörter

Magdeburger Prosa-Äsop, Fabel, Rollensemantik, Anthropomorphismus, Hund, Tierfigur, Gattungstheorie, Moral, Mittelalter, Steinhöwel, Literaturwissenschaft, Charakterzeichnung, Didaktik, Fabeltheorie, Rollenklischee.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit befasst sich mit der literarischen Analyse des Hundes als Fabeltier innerhalb des „Magdeburger Prosa-Äsops“ und hinterfragt dessen traditionelle Rollenzuschreibung.

Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?

Zentrale Themen sind die Gattungsgeschichte der Fabel, die literarische Darstellung von Tieren und die moralische Funktion menschlicher Fehlbarkeiten in Fabeltexten.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Das Ziel ist herauszufinden, warum und wie Fabeltiere – insbesondere der Hund – von ihren stereotypen Rollenbildern abweichen und welche narrativen Zwecke dies erfüllt.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit nutzt die literaturwissenschaftliche Analyse und Interpretation der Primärtexte unter Einbeziehung der bestehenden Fabeltheorie.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Im Hauptteil erfolgt eine detaillierte Untersuchung von fünf spezifischen Fabeln, in denen Hunde eine zentrale Rolle einnehmen, sowie eine kontextuelle Zusammenfassung.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Magdeburger Prosa-Äsop, Rollensemantik, Fabeltheorie und anthropomorphe Tierdarstellung charakterisiert.

Warum wird der Hund als Fallbeispiel gewählt?

Der Hund eignet sich besonders gut, da er im germanischen Kulturkreis ein ambivalent besetztes Symbol ist – einerseits treuer Begleiter, andererseits negativ konnotiert durch pejorative Redewendungen.

Welches Ergebnis wird bezüglich der Rollendarstellung erzielt?

Das Ergebnis zeigt, dass die Tiere in Fabeln als „Rangierpersonal“ fungieren; ihre Rollen passen sich der zu vermittelnden Moral an, was auch extreme Abweichungen vom stereotypen Treue-Ideal des Hundes bis hin zur Darstellung als „Teufelsfigur“ zulässt.

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Details

Titel
Charakterzeichnung des Hundes in fünf ausgewählten Fabeln aus dem "Magdeburger Prosa-Äsop". Zum Bedeutungshorizont der Abweichungen der prototypischen Rollensemantik anthropomorpher Konturwesen
Hochschule
Christian-Albrechts-Universität Kiel
Note
1,0
Autor
Niels Menzel (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2014
Seiten
22
Katalognummer
V383381
ISBN (eBook)
9783668588813
ISBN (Buch)
9783668588820
Sprache
Deutsch
Schlagworte
charakterzeichnung hundes fabeln magdeburger prosa-äsop bedeutungshorizont abweichungen rollensemantik konturwesen
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Niels Menzel (Autor:in), 2014, Charakterzeichnung des Hundes in fünf ausgewählten Fabeln aus dem "Magdeburger Prosa-Äsop". Zum Bedeutungshorizont der Abweichungen der prototypischen Rollensemantik anthropomorpher Konturwesen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/383381
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Leseprobe aus  22  Seiten
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