Diese Arbeit soll sich der Klarstellung widmen, welche Fundamente Aristoteles für einen guten Staat definierte, welche Maximen seiner Ansicht nach über der Politik zu stehen haben und inwieweit besonders die Eudaimonia den Praxischarakter seiner Philosophie und die Konzentration auf das Individuum untermauert.
Aristoteles hat in seiner „Nikomachischen Ethik“ Fundamente des individuellen Lebens gelegt, die er in seiner „Politik“ im Lebensraum der Polis weiter ausleuchtet, weswegen neben der „Politik“ auch die „Ethik“ einen starken Einfluss auf diese Arbeit hat
Der Staat ist für Aristoteles eine Vereinigung von Individuen, die nach einem ordnenden Überbau verlangen, da nur dieser Überbau ein Garant für Gerechtigkeit, ein Garant für die Erlangung des Glücks ist. Auch hier bildet der Mensch den Fixpunkt der aristotelischen Betrachtungen, weswegen jedes Kapitel dieser Arbeit von der Bezugnahme geprägt ist, das politische Abstraktum auf das individuelle Begehren und Ziel herunterzubrechen: das Streben nach Glück.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Staat
2.1. Polis
2.2. Staatsformenlehre
2.3. Demokratiekritik
2.4. Mesotes
3. Glück - Ethik, Erziehung, Eudaimonia
4. Fazit
5. Literatur
5.1. Primärliteratur
5.2. Sekundärliteratur
Zielsetzung und Themenfelder
Die Arbeit untersucht die aristotelische Staatsphilosophie mit dem Ziel zu klären, welche Fundamente Aristoteles für einen guten Staat definierte und inwieweit das Streben nach Eudaimonia (Glück) den Praxischarakter seiner Philosophie sowie die Konzentration auf das Individuum stützt. Dabei wird der Frage nachgegangen, in welchem Verhältnis der Mensch zum Staat steht und ob der Staat dem Individuum als Mittel zur Ermöglichung eines gelingenden Lebens dient.
- Die aristotelische Staatsformenlehre und die Suche nach der idealen Verfassung.
- Kritische Analyse der aristotelischen Demokratietheorie und deren normativer Grundlagen.
- Das Mesotes-Prinzip (Maß der Mitte) als stabilisierendes Element politischer Ordnung.
- Die Wechselwirkung zwischen individueller Eudaimonia und staatlicher Struktur.
- Die Bedeutung von Ethik und Erziehung für die Entwicklung des guten Lebens.
Auszug aus dem Buch
2.4. Mesotes
Auch das Maß der Mitte ist ein Grundbaustein des aristotelischen Glückskonzepts: Der Idealstaat wird aus Bürgern gebildet, die das Mischverhältnis aus Herrschen und Beherrschtwerden akzeptieren: Freiheit ist gegeben, wenn „man abwechselnd gehorcht und befiehlt“. Überhaupt scheint eine „Mischung“ das Fundament eines guten Staates zu sein. Es gilt die Theorie der gemischten Verfassung: Sofern sie sich aus mittleren oder leichten Varianten bzw. Ausprägungen zweier Staatsformen ergibt, werden gefährliche Neigungen beider Regimetypen abgeflacht. Eckart Schütrumpf spricht der Mischverfassung eine größere „Bandweite“, einen angemesseneren Umgang mit den Bevölkerungsschichten zu. Die Mischverfassung aus gemäßigter Demokratie und gemäßigter Oligarchie schafft einen zahlenmäßig starken Mittelstand. Auch von diesem Moment der Ausgewogenheit erwartet Aristoteles eine größere politische Stabilität.
Das Ideal der Ausgewogenheit und Mitte, das Mesotes-Prinzip, findet am ehesten in der Volkssouveränität seinen Ausdruck. Aristoteles selbst bevorzugte ein Gemenge aus Regierungsformen, um die ideale Verfassung zu schaffen. Reiche, die unbeherrschbar seien, und Arme, die regierungsunfähig seien, könnten nur gemeinsam eine Verfassung stützen. Dennoch sieht er in der Demokratie eine ungerechtfertigte und eigennützige Herrschaft der vielen Armen. Arthur Rosenberg bemängelt das. Vielmehr sei die Demokratie die Herrschaft der Vielen, unabhängig von qualitativen Variablen. Er bringt auf den Punkt, dass Interessengruppen jedes Staatsgefüge als gut und richtig zu instrumentalisieren vermögen: „Die Reichen behaupten, dass sie in der Oligarchie nicht ihres Geldes wegen, sondern auf Grund ihrer moralischen Qualitäten regieren. Die Armen behaupten, dass in der Demokratie alle Menschen gleichberechtigt sind, und dass die Mehrheit entscheidet.“
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung setzt den Kontext der Untersuchung, indem sie das aristotelische Postulat, dass der Zweck des Staates das Glück seiner Bürger sei, in den Bezug zu heutigen politischen Fragestellungen setzt.
2. Staat: Dieses Kapitel analysiert die Konzepte der Polis, der Staatsformenlehre, der Demokratiekritik sowie des Mesotes-Prinzips als wesentliche Säulen der aristotelischen Politik.
3. Glück - Ethik, Erziehung, Eudaimonia: Hier wird das Glückskonzept als zentrale Intention der Staatsverfassung untersucht, wobei die Verbindung zwischen individueller Ethik und staatlicher Gestaltung beleuchtet wird.
4. Fazit: Das Fazit fasst zusammen, dass die politische Gemeinschaft dem Individuum nachgeordnet ist und die Sicherung des individuellen Strebens nach Glück das primäre Ziel des Staates sein muss.
5. Literatur: Auflistung der verwendeten primären und sekundären Quellen zur Unterstützung der Argumentation.
Schlüsselwörter
Aristoteles, Politik, Staat, Glück, Eudaimonia, Polis, Staatsformenlehre, Demokratiekritik, Mesotes, Mittelstand, Ethik, Gerechtigkeit, Individuum, Gelingendes Leben, Praktische Philosophie
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der politischen Philosophie des Aristoteles und der zentralen Frage nach der Bestimmung und dem Zweck des Staates im Hinblick auf das individuelle Glück der Bürger.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind das Verhältnis von Individuum und Staat, die Analyse verschiedener Staatsformen, die Kritik an der Demokratie sowie das Konzept des Glücks (Eudaimonia) in Verbindung mit Ethik und politischer Erziehung.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist die Klarstellung, welche Fundamente Aristoteles für einen „guten Staat“ definiert hat und wie das Streben nach Glück den Charakter seiner praktischen Philosophie untermauert.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine geisteswissenschaftliche, textanalytische Arbeit, die primär die Werke „Politik“ und „Nikomachische Ethik“ des Aristoteles unter Einbeziehung relevanter Sekundärliteratur interpretiert.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert die polis-theoretischen Grundlagen, die Differenzierung der Regierungsformen nach Qualität und Quantität, die spezifischen Vorbehalte Aristoteles gegenüber der Demokratie sowie die philosophische Verknüpfung von staatlicher Ordnung und menschlicher Glückseligkeit.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit ist durch Begriffe wie Aristoteles, Eudaimonia, Mesotes, Polis, praktische Philosophie und Gerechtigkeit geprägt.
Warum lehnt Aristoteles die Demokratie nach Ansicht des Autors ab?
Die Ablehnung begründet sich primär in der „unzulässigen Generalisierung von Rechtsansprüchen“, da die Demokratie Tugendhaftigkeit ignoriert und eine egalitaristische Gleichheit propagiert, die der aristotelischen Gerechtigkeitsauffassung widerspricht.
Welche Rolle spielt der Mittelstand im aristotelischen Staatskonzept?
Ein zahlenmäßig starker Mittelstand gilt als stabilisierendes Element, das durch eine Mischverfassung aus gemäßigter Demokratie und Oligarchie erreicht werden soll, um die extremen Neigungen der Reichen und Armen abzufedern.
Wie definiert die Arbeit das Verhältnis von Individuum und Staat?
Die Arbeit kommt zu dem Schluss, dass der Staat ein konventioneller Überbau ist, der dem Individuum die Freiheit zur Verwirklichung seines Glücks garantieren muss; somit ist der Staat dem Einzelnen nachgeordnet.
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- Niels Menzel (Autor), 2015, Elemente des Politikauftrags bei Aristoteles. Der Zweck des Staates ist das Glück, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/383389