Bitcoin als Zahlungsmittel und Asset Klasse


Bachelorarbeit, 2017
83 Seiten, Note: 1,7

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

1 Einleitung

2 Geschichte des Geldes
2.1 Tauschhandel
2.2 Prägung von Münzen
2.3 Das erste Papiergeld

3 Verwendung von Geld
3.1 Geld als Tausch- und Zahlungsmittel
3.2 Geld als Recheneinheit
3.3 Geld als Wertaufbewahrungsmittel
3.4 Geldarten
3.5 Geldmengendefinition
3.6 Geldnachfrage
3.7 Geldangebot
3.8 Geldschöpfung
3.9 Asset Klassen

4 Bitcoin
4.1 Entstehungsgeschichte von Bitcoin
4.2 Funktionsweise von Bitcoin
4.3 Bitcoin Wallet
4.4 Die 51 % -Attacke
4.5 Mining

5 Bitcoin im Alltag
5.1 Erwerb von Bitcoin
5.2 Zahlungsmöglichkeiten mit Bitcoins
5.3 Steuerrecht bei Bitcoins

6 Bitcoin als Anlageoption
6.1 Akzeptanz von Bitcoin
6.2 Preisanalyse des Bitcoins

7 Fazit

Literaturverzeichnis

Bücher

Elektronische Quellen

Interviews

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Britischer Pfund

Abbildung 2: Geldarten in der modernen Volkswirtschaft

Abbildung 3: Geldmengenabgrenzung im Euro-Währungsgebiet im Jahr 2017:

Abbildung 4: Geld aus dem Nichts (abgeändert )

Abbildung 5: Symmetrische Verschlüsselungsverfahren

Abbildung 6: Asymmetrische Verschlüsselungsverfahren

Abbildung 7: Digitale Signatur und Hash-Algorithmus

Abbildung 8: Unterschied zentralisiertes und dezentrales Peer-to-Peer Netzwerk

Abbildung 9: Verwaiste Blöcke in der Blockchain

Abbildung 10: Art des Wallets

Abbildung 11: Auswahl der Sicherungskopie

Abbildung 12: Seed Beispiel

Abbildung 13: Bitcoin-Adressen im Wallet

Abbildung 14: Public-Key

Abbildung 15: Private-Key

Abbildung 16: Bitcoin-Adresse mit QR-Codes

Abbildung 17: Transaktionsgebühren im Electrum Wallet

Abbildung 18: Verteilung der Bitcoin Hashrate

Abbildung 19: Mining mit der Grafikkarte

Abbildung 20: Bitcoin Erwerb

Abbildung 21: Kursverlauf Bitcoin – US-Dollar

Abbildung 22: 30 Tage Volatilität BTC/USD und 30 Tage Volatilität USD/EUR

Abbildung 23: Tägliches Handelsvolumen von Bitcoins

1 Einleitung

„I think that the Internet is going to be one of the major forces for reducing the role of government. The one thing that’s missing, but that will soon be developed, is a reliable e-cash.”[1]

Dieses Zitat aus dem Jahr 1999 stammt von einem der angesehensten Wirtschaftswissenschaftler der Welt, Milton Friedman. Es dauerte zehn Jahre, bis im Jahr 2009 seine Aussage wahr wurde und die bekannteste digitale Währung Bitcoin (BTC) in Umlauf kam.

Zu dieser Zeit waren die Ängste und Gedanken der Menschen geprägt von der Unsicherheit gegenüber dem Bankensystem und all seinen Regularien, die das ausbrechen der Finanzkrise nicht verhindern konnten. Das war der Grund, dass sich immer mehr Menschen nach einer alternativen Währung oder Investitionsmöglichkeit umsahen. Denn die Leute hatten Angst ihr erspartes Geld einem angeschlagenen Bankhaus zu überlassen und keine hundertprozentige Sicherheit auf Rückzahlung zu erhalten.

Somit war die Chance für die noch junge Kryptowährung Bitcoin gekommen. Durch ein zunehmendes mediales Interesse gewannen Bitcoins immer mehr an Beliebtheit in der Bevölkerung und die Anzahl an Nutzer, die ein Bitcoin Wallet besitzen, mit Bitcoins handeln und Transaktionen durchführen nahm seither langfristig gesehen zu. Auch gibt es heute schon weitaus mehr Internet-Läden, die die Bezahlung mit Hilfe von Bitcoins ermöglichen.

Ziel dieser Abschlussarbeit ist es, das sehr komplexe Bitcoin-System und seine Funktionsweise zu erläutern. Hierbei soll vor allem auf die Themen Bitcoin als Zahlungsmittel und Asset Klasse eingegangen werden. Jedoch werden auch kritisch die Risiken einer solchen Internetwährung hinterfragt und erörtert.

Der inhaltliche Aufbau der Abschlussarbeit ist wie folgt: Zunächst wird im zweiten Kapitel mit der Geschichte des Geldes begonnen. Im dritten Kapitel wird auf die Verwendung von Geld und außerdem grob auf die aktuellen Handlungen und die Funktion der Europäischen Zentralbank eingegangen. Das vierte Kapitel dieser Arbeit befasst sich mit dem Thema Bitcoin und der Funktionsweise der Internetwährung. Hier wird die Blockchain Technologie, das Herz des Bitcoin-Systems erläutert. Zusätzlich wird auf den Handel mit Bitcoins und die Möglichkeit zur selbstständigen Erschaffung von Bitcoins mit Hilfe des Minings eingegangen. Der fünfte Teil befasst sich mit der Alltagstauglichkeit von Bitcoins. Im anschließenden 6. Kapitel wird geprüft, ob Bitcoins als Anlageoption eine ernst zu nehmende Alternative darstellen und welche Risiken mit der Anlage in eine Kryptowährung verbunden sind. Abgerundet wird die Abschlussarbeit im letzten Kapitel durch ein Fazit.

2 Geschichte des Geldes

“Geld regiert die Welt“, ein Sprichwort, das mittlerweile immer öfter Gebrauch findet. Obwohl heutzutage ein Leben ohne Geld unvorstellbar ist, wissen nur wenige Leute etwas über die Geschichte des Geldes. Um zu verstehen, wieso es die Weiterentwicklung von Papier und Giralgeld bis hin zum Bitcoin gegeben hat, wird zunächst die Geschichte des Geldes in den folgenden Unterkapiteln kurz zusammengefasst.

2.1 Tauschhandel

Bevor es das derzeit genutzte Papiergeld gab, haben die Menschen ihre Waren und Güter durch einfachen Tauschhandel in Umlauf gebracht. Da in der Vergangenheit nicht jeder gleich gut jagen bzw. sammeln konnte, haben sich unsere Vorfahren schon auf ihre unterschiedlichen Fähigkeiten spezialisiert. So gab es zum einen Jäger, die sich mit Speeren und Pfeilen um Fleisch und Fisch kümmerten und zum anderen Sammler, die sich auf das Sammeln von wildwachsenden Pflanzen spezialisierten.[2]

Da jedoch nicht immer für beide Tauschpartien geeignete Tauschgüter vorhanden waren und es zudem Unstimmigkeiten bezüglich des Wertes der angebotenen Ware gab, kristallisierten sich besonders nützliche, leicht zu transportierende und unvergängliche Waren als Tauschgüter heraus, die bevorzugt als Tauschmittel genutzt wurden. Dies waren vor allem Gegenstände wie Pfeilspitzen, Salz und Muscheln. Obwohl es nun die erste Form des Geldes, das Warengeld gab, wurde diese durch eine Innovation des Königs Krösus in den Schatten gestellt. Dieser war es, der mit den ersten Münzprägungen begonnen hat.[3]

2.2 Prägung von Münzen

Durch den ansteigenden Warenhandel kam es dazu, dass die Lyder im 7. Jahrhundert vor Christus Goldklumpen abwogen und diese als Bezahlmittel nutzten, wobei das Gold ausschließlich als Geldfunktion diente. Ihr damaliger König Krösus kam schließlich auf die Idee die Goldklumpen in eine gleichmäßige Form zu bringen. Dies war die Geburtsstunde der ersten Goldmünze. Der große Vorteil von Münzen gegenüber dem bisherigen Warengeld bestand darin, dass diese nicht mehr abgewogen werden mussten, denn sie waren nun identisch geprägt. Dadurch konnten die Münzen zum Bezahlen einfach abgezählt werden.[4]

2.3 Das erste Papiergeld

Mit der Erschaffung von Papiergeld wurde die erste Form des Zahlungsversprechens geschaffen. Noch heute steht auf der britischen Pfundnote „I promise to pay the bearer on demand the sum of One Pound".[5]

Abbildung 1 : Britischer Pfund

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Harry Haller, I Promise To Pay The Bearer On Demand The Sum Of One Pound, https://​framasphere.org​/​posts/​862725 (19.05.2017)

Als Erfinder des standardisierten Papiergeldes gelten die Chinesen. Diese nutzten das Papiergeld bereits im 7. Jahrhundert nach Christus als Zahlungsmittel. Einige Zeit später im 17. Jahrhundert führten die Schweden offiziell Banknoten ein, da es effizienter war, Banknoten aus Papier herzustellen und die knappen Edelmetalle für andere Zwecke einzusetzen.[6]

3 Verwendung von Geld

Geld wird hauptsächlich als Zahlungsmittel genutzt. Im Gegensatz zu einem gewöhnlichen Tauschobjekt, wird das Geld von allen Nutzern akzeptiert. In der Volkswirtschaftslehre werden weitere Aspekte des Geldes betrachtet. Darauf wird in diesem Kapitel der Abschlussarbeit eingegangen.

3.1 Geld als Tausch- und Zahlungsmittel

In der heutigen Zeit ist die Globalisierung so weit vorangeschritten, dass sich jeder Mensch auf eine bestimmte Fähigkeit spezialisiert hat. Das liegt daran, dass dadurch effektiver produziert werden kann und somit Kosten eingespart werden. In einer Welt in der jeder Haushalt alle benötigten Waren selbst herstellt, wäre der Gebrauch von Geld überflüssig. Wenn sich ein Haushalt jedoch auf die Herstellung eines bestimmten Produktes spezialisiert, ist ein Tausch unvermeidbar.[7]

Zur Veranschaulichung dient folgendes Beispiel, das den Tauschhandel zwischen zwei Haushalten darstellt: In Haushalt A ist ein Motorrad vorhanden und es wird ein Wasserkocher benötigt. Dieser ist im Besitz von Haushalt B. Nun stellt sich die Frage, ob Haushalt B ein Motorrad benötigt und ob Haushalt A das Motorrad gegen den Wasserkocher eintauschen möchte. Da dies sehr unwahrscheinlich ist, wäre eine Reihe von weiteren Tauschgeschäften mit anderen Haushalten nötig, bis Haushalt A ein Objekt für Haushalt B anbieten könnte, dessen Wert in etwa dem des Wasserkochers gleichsteht und auch von Haushalt B benötigt wird.[8]

Durch die Erfindung des Geldes und seiner allgemeinen Akzeptanz wurde der Handel mit Gütern ungemein vereinfacht.[9]

3.2 Geld als Recheneinheit

Ein weiteres besonderes Merkmal von Geld ist, dass es als Recheneinheit genutzt wird. Die Messgröße Geld ermöglicht es uns alltäglich Dienstleistungen und Güter in ihrem Wert zu vergleichen. Dies hat den einfachen Vorteil, dass nicht unzählige Austauschverhältnisse mit allen existierenden Gütern geschaffen werden müssen. Wird fiktiv angenommen, dass vier Güter vorliegen - Eier, Kartoffeln, Stroh und Weizen - entstehen sechs einfache Austauschverhältnisse:[10]

1. Eier gegen Weizen
2. Eier gegen Kartoffeln
3. Eier gegen Stroh
4. Kartoffeln gegen Weizen
5. Kartoffeln gegen Stroh
6. Stroh gegen Weizen

Die Formel für die Austauschverhältnisse lautet: ((N² - N) / 2), wobei N für die Anzahl der Güter steht. Durch den Gebrauch von Geld weichen die sechs Austauschverhältnisse vier expliziten Geldpreisen. Dadurch ermöglicht Geld einer Ökonomie sämtliche Güter in Geldeinheiten auszudrücken. Die Güter werden durch das Geld summierbar und direkt vergleichbar.[11]

3.3 Geld als Wertaufbewahrungsmittel

Der große Vorteil des heutzutage genutzten Geldes gegenüber dem Warengeld besteht darin, dass der Kauf und Verkauf von Waren nicht zum selben Zeitpunkt stattfinden muss. Das heißt, dass sich in Geld das Versprechen eines Gegenwerts für andere Produkte speichern lässt. Das Geld kann an einem anderen Ort zu einer anderen Zeit wieder gegen einen Gegenwert eingetauscht werden. Somit lässt sich die Kaufkraft intertemporal transportieren.[12]

Eine Grundvoraussetzung hierfür ist, dass das Geld einen stabilen Wert hat. Ist der stabile Wert des Geldes nicht gegeben, so ist die Wertaufbewahrungsfunktion eingeschränkt. Hiermit verbunden ist die Gefahr, dass das Geld seine Funktion als Zahlungsmittel verliert.[13] Das überaus wichtige Ziel der Stabilität des Geldwertes wird für den Euroraum von der Europäischen Zentralbank verfolgt und ist im Artikel 127 Absatz 1 des AEU-Vertrags festgelegt.[14]

3.4 Geldarten

In den vorherigen Unterkapiteln wurde die Geschichte des Geldes, sowie dessen drei Verwendungsmöglichkeiten erläutert. Dieses Unterkapitel widmet sich den verschiedenen Geldarten in der modernen Volkswirtschaft:

Abbildung 2 : Geldarten in der modernen Volkswirtschaft

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: H. Sperber (Hrsg.): Wirtschaft verstehen. 112 Lernmodule zur VWL, Stuttgart 2016, S. 199

Als Geld wird in der heutigen Zeit Bargeld und Buchgeld genutzt, wobei es sich um Münzen und Papiergeld bzw. Giralgeld handelt. Beide Geldformen sind nicht mehr an den Wert eines Metalls gebunden. Dies bedeutet im Umkehrschluss, dass die Währung nicht mehr gedeckt ist. Der Anteil an Bargeld ist heutzutage weitaus geringer, als der des Buchgeldes bzw. Giralgeldes. Mit Münzen und Banknoten wird eine Forderung an die Zentralbank dargestellt. Buch- oder Giralgeld repräsentieren zusätzlich eine Forderung gegenüber Geschäftsbanken. Es ermöglicht dem Besitzer des Giralgeldes bei der Bank den Umtausch seiner Sichteinlagen in Banknoten einzufordern. Der große Vorteil von Giralgeld liegt in der einfachen Handhabung des Geldtransfers. Beispiele hierfür sind: Überweisungen, Kreditkarten und Electronic Banking. Als gesetzliches Zahlungsmittel gilt nur das Zentralbankgeld. Hierzu zählen, neben dem Bargeld, die Zentralbankeinlagen, die die Geschäftsbanken bei der Zentralbank haben. Als Geschäftsbankengeld werden die Verbindlichkeiten der Geschäftsbanken gegenüber den Kunden bezeichnet.[15]

3.5 Geldmengendefinition

Der Begriff Geldmenge wird im Eurosystem als die Menge an Geld, die in den Händen der Nichtbanken ist, definiert. Auf lange Sicht ist die Geldmenge eine der wichtigsten Indikatoren für die Entwicklung des zukünftigen Preisniveaus. Weiterführend wird die Geldmenge in M1, M2 und M3 aufgegliedert, wobei das Kürzel M für Money steht.

Geldmenge M1 = Sichteinlagen der Nichtbanken, sowie Bargeldumlauf außer- halb des Bankensektors.

Geldmenge M2 = Geldmenge M1 + Spareinlagen mit bis zu dreimonatiger Kün- digungsfrist, sowie Einlagen mit einer Laufzeit von bis zu zwei Jahren (Termineinlagen).

Geldmenge M3 = Geldmenge M2 + Geldmarktfondsanteile, Repogeschäfte und Schuldverschreibungen mit einer Laufzeit von bis zu zwei Jahren.[16]

Unter einem Repogeschäft (= Repurchase Operation / Repurchase Agreement) wird eine Rückkaufvereinbarung verstanden. Diese dient der kurzfristigen Finanzierung (Liquiditätsbeschaffung), denn der Kreditnehmer (= Verkäufer) verpflichtet sich, bei Laufzeitende, die verabredete Geldsumme plus Zinsen zurückzuzahlen und erhält dafür sein zuvor verkauftes Wertpapier wieder.[17]

Es existiert außerdem die Geldmenge M0, diese hat eine weniger wichtige Rolle für die Wirtschaft und wird daher in den meisten Statistiken kaum beachtet. Zur Geldmenge M0 gehört die Summe des Bargeldumlaufes der Nichtbanken, sowie der Zentralbankgeldbestand der Banken.[18]

In Abbildung 3: “Geldmengenabgrenzung im Euro-Währungsgebiet im Jahr 2017“ ist die Geldmenge der Geldmengenaggregate M1, M2 und M3 in Milliarden Euro dargestellt. Für die jeweiligen Geldmengenaggregate sind die anteiligen Zusammensetzungen dieser angezeigt.

Abbildung 3

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

: Geldmengenabgrenzung im Euro-Währungsgebiet im Jahr 2017:

mit a = Täglich fällige Einlagen; b = Bargeldumlauf; c = Einlagen mit vereinbarter Kündigungsfrist von bis zu 3 Monaten; d = Einlagen mit vereinbarter Kündigungsfrist von bis zu 2 Jahren; e = M1; f = Summe aus Repogeschäften, Geldmarktfondsanteile, Schuldverschreibungen mit einer Laufzeit von bis zu 2 Jahren; g = M2

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: European Central Bank: EZB, Wirtschaftsbericht, Ausgabe 3 / 2017– Statistik – Stand Februar 2017 S. 18

Abbildungserläuterung in Milliarden Euro:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

3.6 Geldnachfrage

Die Geldnachfrage ist der Bedarf an Geld. Die Kernfrage der Geldnachfrage ist, in welchem Umfang die Wirtschaftssubjekte einer arbeitsteiligen Wirtschaft Geld benötigen.[19]

Generell wird in unterschiedliche Geldnachfrage-Theorien unterschieden:

- Klassischer Ansatz
- Keynesianischer Ansatz
- Postkeynesianischer Ansatz
- Monetaristischer Ansatz

Die folgenden Abschnitte befassen sich mit der Klassischen Geldnachfragetheorie nach Fisher und der Keynesianischen Geldnachfragetheorie.

Klassische Geldnachfragetheorie nach Fisher:

Bei der klassischen Geldnachfragetheorie ist die Gleichgewichtsbedingung für den Geldmarkt, dass eine Gleichheit zwischen Geldnachfrage und Geldangebot vorherrscht. Die untenstehende Gleichung, ist die Grundlage für die Quantitätstheorie und nennt sich Quantitätsgleichung. Sie ist wie folgt definiert:[20]

Formelerläuterung:

M = Geldbestand

VT = Umlaufgeschwindigkeit des Geldbestandes zur Finanzierung des Transakti- onsvolumens

T = Transaktionsvolumen

PT = Preisniveau

Die rechte Seite (T*PT) der Gleichung stellt das Volumen der Güter und Dienstleistungen dar, die für Geld erworben werden können. Während die linke Seite (M*VT) der Gleichung die Geldmenge bezeichnet, die zum Kauf der Güter und Dienstleistungen benötigt werden.[21]

Um von der Quantitätsgleichung auf die Quantitätstheorie zu kommen wird nun angenommen, dass die Transaktionen (T), sowie die Umlaufgeschwindigkeit des Geldbestandes zur Finanzierung des Transaktionsvolumens (VT) konstant gestellt sind. Im Gegenzug sind das Preisniveau und der Geldbestand variabel, was bedeutet, dass zwischen diesen beiden Variablen ein direkter, proportionaler Zusammenhang besteht.[22]

Die Besonderheit der Geldnachfragetheorie nach Fisher ist, dass eine Veränderung des Geldbestandes nur Auswirkungen auf das Preisniveau hat.[23] Ein weiterer Ansatz der Klassischen Geldtheorie besagt, dass vor allem Transaktionszwecke die Ursache der Geldnachfrage sind. Geld stellt hierbei keinen Vermögensaspekt dar. Eine Übertragung des Vermögens zu einem zukünftigen Zeitpunkt erfolgt grundsätzlich durch Erwerb von Wertpapieren und Realkapital.[24]

Keynesianische Geldnachfragetheorie:

Im Unterschied zur klassischen Geldnachfragetheorie, differenziert Keynes die Nachfrage in Transaktionskasse, Vorsichtskasse und Spekulationskasse. Nachfolgend ist Formel der keynesianischen Geldnachfrage gegeben:[25]

wobei für die Nachfrage der Transaktionskasse inklusive der Vorsichtskasse steht und für die Spekulationskasse. Hierbei ist zu erwähnen, dass es weiterführende Modelle gibt, die die Vorsichtskasse (LV) eigenständig betrachten. Untenstehend sind die Formeln der Transaktionskasse (inklusive Vorsichtskasse) und der Spekulationskasse zu sehen:[26]

1. Nachfrage nach Transaktionskasse LT (inklusive Nachfrage nach Vorsichtskasse):

2. Nachfrage nach Spekulationskasse LS:

Formelerläuterung:

k = Kassenhaltungskoeffizient

Y = nominaler Output

d = Zinselastizität

R = autonome Spekulationskasse

r = repräsentativer Zinssatz

In der Transaktionskasse befindet sich das Geld, das von den Nichtbanken für tägliche, geplante Transaktionen genutzt wird. Die Summe des Geldes in der Transaktionskasse hängt von mehreren Aspekten ab, wie dem Einkommen, dem Kapital und dem allgemeinen Preisniveau. Je höher die Einkünfte, das zur Verfügung stehende Kapital und die Preise sind, desto mehr Geld wird in der Transaktionskasse gehalten.

Die Vorsichtskasse definiert eine zusätzliche Geldhaltung auf Grund der Unsicherheit in Bezug auf Preisveränderungen. Es kann nicht genau gesagt werden, wieviel Geld für künftige Warenkäufe benötigt wird (ungeplante Transaktionen). Sollte allerdings das allgemeine Zinsniveau steigen, so werden sich die Leute nach einer besseren Geldanlage umschauen und somit führt dies zu einer Senkung der Geldhaltung in der Vorsichtskasse. Als letzten Grund für die Haltung von Geld nennt John Maynard Keynes die Spekulation auf fallende Kurse von Wertpapieren.

Die sogenannte Spekulationskasse bezieht sich auf das Zinsniveau. Je tiefer das Zinsniveau, desto mehr wird mit einem zukünftigen Rückgang des Wertpapierkurses gerechnet. Dies bedeutet, dass bei fallenden Zinsen die Geldhaltung für Spekulationszwecke zunimmt. Eine Gefahr hierbei ist die Liquiditätsfalle. Die Liquiditätsfalle resultiert aus dem Erreichen eines niedrigen Zinssatzes, wodurch zusätzliches Geld aus dem Angebot der Banken in der Spekulationskasse der Nichtbanken gehortet wird.[27]

Diese Erkenntnis lässt sich auf dem aktuellen Finanzmarkt beobachten. Obwohl das Zinsniveau durch die Europäische Zentralbank schon seit längerer Zeit tief gehalten wird, verliefen die Wertpapierkurse über einen längeren Zeitraum in einer Seitwärtsbewegung. Somit haben die Finanzakteure auf fallende Kurse gehofft und das Geld in der Spekulationskasse gehalten. Erst durch die gewonnene Präsidentschaftswahl durch Donald John Trump und den somit erhofften Unternehmenssteuersenkungen in den USA konnte sich der Dow Jones aus der Seitwärtsbewegung befreien und hat sogar ein neues Allzeithoch im Februar 2017 erreicht. Dieser Aufwärtstrend aus den USA beflügelte den Deutschen Aktienindex und auch dieser erreichte ein Allzeithoch im Mai dieses Jahres.

3.7 Geldangebot

Das Geldangebot ist der Geldbestand, der von den Zentralbanken und Geschäftsbanken an liquiden Mitteln bereitgestellt wird.[28] Hierbei ist zu beachten, dass die Banken wie Unternehmen agieren und das bestreben haben ihren Gewinn zu maximieren. Dies bedeutet, dass die Banken die Gewährung von Krediten soweit ausdehnen wollen, wie es die Geldnachfrager anhand der Kreditbedingungen der Geschäftsbanken tolerieren. Ein Kriterium für die Menge des Geldangebots ist die Höhe des aktuellen Zinsniveaus. Für Banken in Europa wird dieses durch die Europäische Zentralbank in Frankfurt am Main über den Leitzins gesteuert. Je höher dieser ist, desto weiter wird das Geldangebot abnehmen. Im Umkehrschluss steigt das Geldangebot bei niedrigem Leitzins. Dies liegt daran, dass die Geschäftsbanken bei sinkenden Leitzinsen günstigere Kredite von der EZB erhalten und somit mehr Geld zu einem günstigen Zins im Angebot haben. Weitere Kriterien für die Höhe des Geldangebots der Banken sind die Liquidität, sowie die Höhe des Ausfallrisikos der Geschäftskunden. Je schlechter die Liquidität oder je höher das Ausfallrisiko, desto geringer wird die angebotene Kredithöhe sein. Sollte die von der Bank angebotene Kredithöhe der Nichtbank (Kunde) zu gering sein, so muss die Nichtbank mit einem höheren Zins für das höhere Geldangebot rechnen.[29]

3.8 Geldschöpfung

„Der Prozess, mit dem die Banken Geld erschaffen, ist so simpel, dass der Verstand ihn zurückweist.“[30] Dieses Zitat stammt von John Kenneth Galbraith einem in Kanada geborenen Ökonomen. Tatsächlich ist die physische Geldschöpfung, das heißt die Erschaffung von neuen Geldscheinen und Münzen, im Euroraum recht simpel und unterliegt der Europäischen Zentralbank, sowie den nationalen Notenbanken. Diese verfügen über das Währungsmonopol. Doch auch Geschäftsbanken können Geld schöpfen. Hierbei wird von Bankengeld oder Giralgeld gesprochen.

Um die Giralgeldschöpfung zu erläutern, muss weiter in Zentralbankgeld und Bankengeld unterschieden werden. Das Zentralbankgeld ist das Sichtguthaben der Geschäftsbanken bei der Zentralbank, sowie das Bargeld, das in Umlauf ist. Die Sichteinlagen bei den Geschäftsbanken werden wiederum als Bankengeld betitelt.[31] Siehe hierzu auch Abbildung 2: “Geldarten in der modernen Volkswirtschaft“ in Unterkapitel 3.4 Geldarten. Zur Vereinfachung der Giralgeldschöpfung werden in den folgenden Absätzen die Eigenkapitalvorschriften der Geschäftsbanken, die seit der Finanzkrise 2008 unter dem Aspekt der Bankenregulierung immer weiter verschärft wurden, nicht berücksichtigt.

Anhand eines Beispiels (siehe hierzu Abbildung 4: “Geld aus dem Nichts (abgeändert)“) soll die Giralgeld Schöpfung veranschaulicht werden. Eine Geschäftsbank gewährt einem Unternehmen einen Kredit über 10.000 € und überweist diesem das Geld auf ein Girokonto. Somit ist elektronisches Geld im Wirtschaftskreislauf geschaffen worden (Abbildung 4 mit 1a markiert). Um diesen Kredit vergeben zu können, muss die Geschäftsbank allerdings bei der Zentralbank die Mindestreserve von 1 %, was im gegebenen Fall 100 € entspricht, hinterlegen (1b). Das Unternehmen wird das Geld nun nicht auf seinem Konto liegen lassen, sondern verwendet die 10.000 € Kredit dazu, die Gehälter auf die Girokonten seiner Mitarbeiter zu überweisen (2). Die Mitarbeiter kaufen von diesen Gehältern nun Waren im Wert von 10.000 € und bezahlen diese per Überweisung oder elektronischer Zahlungsmöglichkeit (3). Das Unternehmen hat nun die 10.000 € wieder eingenommen, um die Verbindlichkeiten bei der Geschäftsbank zu tilgen. Hierzu bezahlt das Unternehmen den Betrag über ein Girokonto zurück. Dadurch wird das elektronisch geschaffene Giralgeld wieder vernichtet. Somit ist es der Bank gelungen, aus 100 € Zentralbankgeld kurzfristig elektronisches Geld in Höhe von 10.000 € zu schaffen.[32]

Falls die Geschäftsbank keine 100 € Zentralbankgeld zur Verfügung gehabt hätte, so könnte diese sich das Geld von der Zentralbank zum aktuellen Refinanzierungssatz leihen, oder ihre Wertpapiere und Devisen in Zahlung geben.[33]

Abbildung 4 : Geld aus dem Nichts (abgeändert )

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Frankfurter Allgemeine Zeitung GmbH: Geldschöpfung: Wie kommt Geld in die Welt?, http://​www.faz.net​/​aktuell/​wirtschaft/​wirtschaftswissen/​geldschoepfung-wie-kommt-geld-in-die-welt-11637825.html (29.05.2017)

Am obenstehenden Beispiel ist ersichtlich, dass Geschäftsbanken aus wenig Zentralbankgeld ein Vielfaches an Giralgeld schöpfen können. Dennoch sind die Geschäftsbanken auf Grund des Zentralbankgeldes von der Zentralbank abhängig. Hierdurch steuert die Zentralbank die Ausweitung der Geldmenge.[34]

3.9 Asset Klassen

In der Finanzwelt werden die Finanzprodukte in verschiedene Asset Klassen, zu Deutsch Anlageklassen, differenziert. Die Einteilung hierfür erfolgt nach dem Risiko-Chancen Profil.[35]

Beispiele für Asset Klassen sind:

Aktien: Bei Aktien gibt es die Möglichkeit, in einzelne Aktientitel im In- und Ausland zu investieren. Zusätzlich besteht die Möglichkeit sein Kapital in aktiv gemanagten Aktienfonds oder in ETFs, sogenannten Exchange Traded Funds, anzulegen. Ein ETF ist zumeist ein passiv gemanagter Fond, der die Titel eines Aktienindexes, wie zum Beispiel die des DAX 30, abbildet. Eine Aktieninvestition ist eine unternehmerische Beteiligung, wobei als Eigenkapitalgeber volles Kursverlustrisiko vorliegt.

Immobilien: In der Asset Klasse Immobilien besteht die Möglichkeit einer direkten Immobilieninvestition und die einer indirekten Immobilieninvestition. Bei der direkten Immobilieninvestition werden Immobilien gekauft, um diese anschließend selbst zu verwalten und über die Mieteinnahmen eine Dividende zu erwirtschaften. Unter indirekte Immobilieninvestitionen fallen unter anderem Reits. Ein Reit ist ein Real Estate Investment Trust. Dieser verwaltet eine Vielzahl von Immobilien und schüttet

[...]


[1] C. Barski, C. Wilmer: Bitcoin for the befuddled 2015, S. 110

[2] Vgl. U. van Suntum: Die Geschichte des Geldes: Von der Muschel zum Papier - Wirtschaftswissen - FAZ, http://​www.faz.net​/​aktuell/​wirtschaft/​wirtschaftswissen/​die-geschichte-des-geldes-von-der-muschel-zum-papier-11066486.html (19.05.2017)

[3] Vgl. ebenda

[4] Vgl. ebenda

[5] H. Haller: I Promise To Pay The Bearer On Demand The Sum Of One Pound circular…, https://​framasphere.org​/​posts/​862725 (19.05.2017)

[6] Vgl. U. van Suntum, a.a.O.

[7] Vgl. H. Sperber: Wirtschaft verstehen. 112 Lernmodule zur VWL, Stuttgart 2016, S. 198

[8] Vgl. ebenda

[9] Vgl. ebenda

[10] Vgl. ebenda

[11] Vgl. ebenda

[12] Vgl. M. Borchert: Geld und Kredit. Einführung in die Geldtheorie und Geldpolitik, München 2003, S. 29

[13] Vgl. H. Sperber, a.a.O., S. 198 f.

[14] Vgl. Art. 127 AEUV (ex-Artikel 105 EGV) - dejure.org, https://​dejure.org​/​gesetze/​AEUV/​127.html (23.05.2017)

[15] Vgl. H. Sperber, a.a.O., S. 199 f.

[16] Vgl. Bundesbank: Das Buchgeld, https://​www.bundesbank.de​/​Redaktion/​DE/​Dossier/​Service/​schule_​und_​bildung_​kapitel_​3.html?docId=147672&notFirst=true (29.05.2017)

[17] Persönliches Interview mit Patrick Bader (07.06.2017)

[18] Vgl. Die Geldbasis umfasst den Bargeldumlauf und die Mindestreserven + Überschussreserven, http://​www.tagesgeldvergleich.com​/​geldmenge-m0-geldbasis-oder-zentralbankgeld (29.05.2017)

[19] Vgl. M. Borchert, a.a.O., S. 111

[20] Vgl. Prof. Dr. Ansgar Belke: Kapitel: 2 Geld- und Kreditnachfrage, https://​www.wipo.wiwi.uni-due.de​/​fileadmin/​fileupload/​VWL-MAKRO/​Lehre/​SS_​2014/​Geld_​und_​Waehrung/​Kapitel_​2_​-_​Geld_​und_​Kreditnachfrage.pdf, S. 2 ff. (30.05.2017)

[21] Vgl. M. Borchert, a.a.O., S. 113

[22] Vgl. ebenda, 113 ff.

[23] Vgl. Prof. Dr. Ansgar Belke, a.a.O., S. 5 ff.

[24] Vgl. M. Borchert, a.a.O., S. 111 f.

[25] Vgl. Prof. Dr. Ansgar Belke, a.a.O., S. 5 ff.

[26] Vgl. ebenda

[27] Vgl. H. Sperber, a.a.O., S. 210 f.

[28] Vgl. B. O. Weitz, A. Eckstein: VWL Grundwissen, Freiburg, Br. 2011, S. 54

[29] Vgl. H. Sperber, a.a.O., S. 209

[30] M. K. Gasser: Gold - der König der Geldanlage? Physisches Gold als Anlageform der modernen Zeit, Hamburg 2013, S. 80

[31] Vgl. H. Sperber, a.a.O., S. 201

[32] Vgl. C. Siedenbiedel: Geldschöpfung: Wie kommt Geld in die Welt?, http://​www.faz.net​/​aktuell/​wirtschaft/​wirtschaftswissen/​geldschoepfung-wie-kommt-geld-in-die-welt-11637825.html (31.05.2017)

[33] Vgl. H. Sperber, a.a.O., S. 202

[34] Vgl. ebenda, S. 204

[35] Vgl. boersennews.de | Markets Inside Media GmbH: Asset Klassen – Definition im Lexikon | börsennews.de, http://​www.boersennews.de​/​lexikon/​begriff/​asset-klassen/​150 (01.06.2017)

Ende der Leseprobe aus 83 Seiten

Details

Titel
Bitcoin als Zahlungsmittel und Asset Klasse
Hochschule
Hochschule für Wirtschaft und Umwelt Nürtingen-Geislingen; Standort Nürtingen  (Betriebswirtschaft und Finanzen)
Note
1,7
Autor
Jahr
2017
Seiten
83
Katalognummer
V383412
ISBN (eBook)
9783668603943
ISBN (Buch)
9783956872341
Dateigröße
2267 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Bitcoin, Zahlungsmittel, Asset Klasse, Bitcoin Wallet, Blockchain
Arbeit zitieren
Dennis Trautmann (Autor), 2017, Bitcoin als Zahlungsmittel und Asset Klasse, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/383412

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