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Der Rechtspopulist Jörg Haider. Funktionsweisen und Ziele seiner politischen Inszenierungen

Title: Der Rechtspopulist Jörg Haider. Funktionsweisen und Ziele seiner politischen Inszenierungen

Term Paper , 2001 , 20 Pages , Grade: sehr gut

Autor:in: Petra Bühler (Author)

Psychology - Social Psychology
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Der folgende Text befaßt sich auf der Basis der sozialpsychologischen Studie „Jörg Haider und sein Publikum“ von Harald Goldmann, Hannes Krall und Klaus Ottomeyer (1992) mit den Funktionsweisen und Zielen der verschiedenen Haider-Inszenierungen. Die Autoren ordnen ihre Studie einer verstehenden Sozialpsychologie zu. Bei ihrer Analyse verwendeten sie die psychoanalytisch-sozialwissenschaftliche Methode des „szenischen Verstehens“, bei der die Gegenübertragung des Therapeuten ein wichtiges Instru-ment der Forschung darstellt. Um die bei der Gegenübertragung bestehende Gefahr der Projektion oder das Übersehen von angstauslösenden Problemen zu vermeiden, nahmen die Autoren an mehreren Supervisionssitzungen teil, die der Psychoanalytiker und Spezialist für Großgruppenprozesse, Dr. Josef Shaked, leitete. Analysiert wurden Haider-Auftritte, Interviews mit Besuchern seiner Veranstaltungen, Äußerungen von Haider, Presseberichte und Material der FPÖ.

Goldmann et al. schreiben Haiders Erfolg vor allem seiner Fähigkeit zu, die unbewußten Ängste und Wünsche seiner Zuhörerschaft intuitiv zu erfassen, diese in seinen Inszenierungen bildhaft auszudrücken und einen Ersatz anzubieten. Die verschiedenen Figuren der Haider-Inszenierungen sind standardisiert und in vielfältigen Kombinationen einsetzbar. Als Basis aller Inszenierungen sehen die Autoren die autoritäre, die eng mit der Teilinszenierung „Vergangenheitsbewältigung“ verknüpft ist und Haiders eigene Biographie und Psyche widerspiegelt.

Ergänzend zu den Ausführungen von Goldmann et al. füge ich Material aus neueren Texten von und über Haider an, das die Ergebnisse der Studie unterstreicht. Sofern es jedoch im folgenden Text nicht anders angegeben ist, stammen die Thesen und Zitate aus oben genannter Studie.

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Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Haiders Vergangenheitsbewältigung

3 Die Django-Inszenierung

3.1 Die Personalisierung struktureller Gewalt

3.2 Das Phänomen der „Angstlust“

4 Inszenierung eines Scheinsozialismus

5 Identität und Volksgemeinschaft

6 Bedürfnis nach menschlicher Nähe und narzißtisches Größenerleben

7 Erotisierung der Politik

8 Haider als „Depressionstherapeut“

9 Schlußbemerkungen

Zielsetzung & Themen

Diese Arbeit untersucht auf Basis sozialpsychologischer Analysen die spezifischen Funktionsweisen und politischen Strategien Jörg Haiders. Ziel ist es aufzuzeigen, wie Haider durch gezielte Inszenierungen unbewusste Ängste und Wünsche seiner Zielgruppe anspricht, um politische Erfolge zu generieren und gesellschaftliche Aggressionen auf Sündenböcke umzuleiten.

  • Psychoanalytische Untersuchung von Haiders politischer Kommunikation
  • Die Rolle von Sündenbockmechanismen in der rechtspopulistischen Rhetorik
  • Massenpsychologische Effekte und die Bindung von Anhängern
  • Die Instrumentalisierung von Angstlust und Gewaltfantasien
  • Der "narzisstische Tausch" zwischen Politiker und Publikum

Auszug aus dem Buch

3.2 Das Phänomen der „Angstlust“

Die bereits oben angesprochene „Angstlust“ wird durch Spekulationen über Haider als Nachfolger Hitlers geschürt. Entsprechende Medienberichte verfahren alle nach dem gleichen Schema: Vergleiche mit Hitler werden abgeschwächt, gleichzeitig wird aber mit der Möglichkeit spekuliert, eine ähnliche Katastrophe könne sich wiederholen. Haider provoziert dieses Szenario durch die Nähe seiner Wortwahl zur NS-Sprache („Schädlingsbekämpfungsmittel“, „ordentliche Beschäftigungspolitik im Dritten Reich“ [S. 56])

Die Untergangsphantasien in den Medien sprechen eigene destruktive Wünsche an, die jedoch auch angstbesetzt sind und deshalb abgewehrt werden. Die Kritik an Haiders NS-Nähe ist dabei nur eine andere Variante, lustvoll mit diesen Destruktionsphantasien umzugehen. Der eigentliche Ursprung der Aggressivität bleibt jedoch verborgen.

„Diese entstammt den überschießenden Rache- und Vernichtungsimpulsen im ‚Überlebenskampf‘ des von Jörg Haider so oft zitierten ‚kleinen Mannes‘. Wenn diese Welt uns schon so demütigt und enttäuscht, dann soll ‚der ganze Laden in die Luft gehen‘“ (S. 58 f).

Die obigen Ausführungen verdeutlichen, daß die „Dämonisierung“ Haiders lediglich destruktive Neigungen unserer Kultur zeigt und seine Inszenierung darüber hinaus noch unterstützt.

Zusammenfassung der Kapitel

1 Einleitung: Die Arbeit führt in die sozialpsychologische Studie über Jörg Haider ein und erläutert die methodische Herangehensweise des szenischen Verstehens.

2 Haiders Vergangenheitsbewältigung: Es wird analysiert, wie Haider durch autoritäre Rhetorik Schuldgefühle der Kriegsgeneration kanalisiert und Feindbilder erzeugt.

3 Die Django-Inszenierung: Das Kapitel untersucht, wie Haider durch aggressive Sprache und Gewaltfantasien ein Ventil für unterdrückte Aggressionen bietet.

4 Inszenierung eines Scheinsozialismus: Hier wird dargelegt, wie Haider Kritik an ökonomischen Verhältnissen auf öffentliche Einrichtungen und Sündenböcke umleitet.

5 Identität und Volksgemeinschaft: Es wird beleuchtet, wie Haider Identität durch Ausgrenzung von Minderheiten wie Ausländern und Slowenen konstruiert.

6 Bedürfnis nach menschlicher Nähe und narzißtisches Größenerleben: Die Arbeit beschreibt den "narzisstischen Tausch" zwischen Haider und seinem Publikum zur gegenseitigen Aufwertung.

7 Erotisierung der Politik: Der Abschnitt analysiert die Zurschaustellung männlicher Potenz und die emotionale Bindung der Anhänger durch quasi-hypnotische Massensteuerung.

8 Haider als „Depressionstherapeut“: Haider wird als manipulative Figur beschrieben, die den Wunsch narzisstisch bedürftiger Erwachsener nach Identität erfüllt.

9 Schlußbemerkungen: Die Verfasserin reflektiert ihre eigene Manipulierbarkeit durch solche Inszenierungen und plädiert für eine intensivere Auseinandersetzung mit Massenpsychologie.

Schlüsselwörter

Jörg Haider, Sozialpsychologie, Rechtspopulismus, Inszenierung, Massenpsychologie, Sündenbock, Narzissmus, Gewaltfantasien, Angstlust, politische Kommunikation, Identität, Volksgemeinschaft, Manipulation, Projektion, Scheinsozialismus.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit analysiert die Mechanismen und Ziele hinter den politischen Inszenierungen des österreichischen Politikers Jörg Haider aus einer sozialpsychologischen Perspektive.

Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?

Zentrale Themen sind die Instrumentalisierung von Ängsten, die Konstruktion von Feindbildern, die Bindung an eine "Volksgemeinschaft" sowie die psychologischen Bedürfnisse von Haiders Anhängerschaft.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Ziel ist es zu erklären, warum Haider mit seinen provokanten Auftritten erfolgreich ist und wie er durch gezielte Rhetorik psychologische Bedürfnisse seines Publikums befriedigt.

Welche wissenschaftliche Methode wurde gewählt?

Die Arbeit stützt sich primär auf die psychoanalytisch-sozialwissenschaftliche Methode des „szenischen Verstehens“, wie sie von Goldmann et al. in deren Studie angewandt wurde.

Was steht im inhaltlichen Fokus des Hauptteils?

Der Hauptteil gliedert sich in verschiedene Inszenierungsmuster, darunter die "Django-Inszenierung", die Rolle als "Depressionstherapeut" und die "Erotisierung der Politik".

Welche Schlagworte charakterisieren die Arbeit?

Wichtige Begriffe sind Inszenierung, Manipulation, narzisstisches Größenerleben, Sündenbock und die Ausnutzung unbewusster Ängste.

Wie erklärt die Autorin Haiders Erfolg bei den Wählern?

Die Autorin argumentiert, dass Haider unbewusste Wünsche und Aggressionen seiner Zuhörer intuitiv erfasst und ihnen durch einfache, bildhafte Ersatzangebote ein Zugehörigkeitsgefühl vermittelt.

Was bedeutet der Begriff "narzisstischer Tausch" in diesem Kontext?

Damit ist der reziproke Prozess gemeint, bei dem sich der Politiker und seine Anhänger gegenseitig idealisieren, um eigene Minderwertigkeitsgefühle zu kompensieren.

Wie bewertet die Verfasserin ihre eigene Position zur Thematik?

In den Schlussbemerkungen gibt sie zu, dass sie während der Analyse erschrocken über ihre eigene Manipulierbarkeit war, was sie zu einer kritischen Reflexion der Psychologie der Massen anregte.

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Details

Title
Der Rechtspopulist Jörg Haider. Funktionsweisen und Ziele seiner politischen Inszenierungen
College
Neisse University Görlitz
Course
Grundlagen der Sozialpsychologie
Grade
sehr gut
Author
Petra Bühler (Author)
Publication Year
2001
Pages
20
Catalog Number
V38347
ISBN (eBook)
9783638374378
ISBN (Book)
9783656724476
Language
German
Tags
Rechtspopulist Jörg Haider Funktionsweisen Ziele Inszenierungen Grundlagen Sozialpsychologie
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Petra Bühler (Author), 2001, Der Rechtspopulist Jörg Haider. Funktionsweisen und Ziele seiner politischen Inszenierungen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/38347
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