Internationale Konflikte quantitativ erfassen. Das Heidelberger Konfliktbarometer


Facharbeit (Schule), 2017
17 Seiten, Note: 15 = 1,0 =1+
Marmann (Autor)

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Thema: Internationale Konflikte quantitativ erfassen am Beispiel des ,,Konfliktbarometers''

1 Einleitung
1.1 Definition Konfliktbarometer
1.2 Definition Konflikt

2. Hauptteil
2.1 Verfahren des Heidelberger Instituts seit 2011
2.2 Konfliktbarometer 2014
2.3 Konfliktbarometer 2015
2.4 Konfliktbarometer 2016
2.5 Entwicklung 2014-2016
2.6 Konfliktbarometer als Frühwarnsystem
2.7 Quellen des Heidelberger Instituts

3. Schluss
3.1 Zusammenfassung
3.2 Fazit

4. Literatur- und Quellenverzeichnis

Vorwort

Liebe Leserinnen, liebe Leser, in dieser fachlichen Auseinandersetzung mit dem Thema ,,Internationale Konflikte quantitativ erfassen am Beispiel des Konfliktbarometers'' befasse ich mich im Großen und Ganzen mit der politischen Lage der Welt in den vergangenen drei Jahren.

Aber wer ist dieser ,,Ich''?

Ich, Marmann, bin ein 16-Jähriger Schüler, der demnächst sein Abitur macht und habe das Ziel sowohl Erwachsenen als auch jungen Leuten anhand einer Facharbeit die Erfassung von Konflikten und deren Erfassung nahezubringen. Und dies soll nicht völlig ohne Bewertung vonstatten gehen, weshalb ich am Ende mit einem sachlichen als auch einem emotionalen Fazit die Situation in der heutigen Welt näher bringen will. Natürlich ist es nicht möglich alle Konflikte auf einmal in einer Facharbeit zu betrachten und zu bewerten, weshalb ich hiermit auf das sogenannte ,,Konfliktbarometer'' des Heidelberger Instituts für Internationale Konfliktforschung verweise, welches jedes Jahr eine sehr ausführliche und detaillierte Konfliktanalyse von Konflikten weltweit veröffentlicht.

Ich hoffe ich kann Ihnen mit dieser Facharbeit einen kleinen Überblick über das Heidelberger Konfliktbarometer geben und Sie somit zu einem Experten auf dem Gebiet der Konfliktforschung machen.

Und nun viel Spaß mit meiner Facharbeit!

Marmann

1 Einleitung

Seit jeher gibt es auf unserer Erde Aufstände, Krisen und Kriege. Staaten und Gruppen nutzen sie, um ihre Interessen durchzusetzen, oder um Macht zu erlangen. Es gibt Krisen und Konflikte in jeglichen Formen. Sie können gewaltsam und nicht gewaltsam sein und können unterschiedliche Ziele haben. Aber wie kann man bestimmen, wie intensiv oder wie schwer ein Konflikt wirklich ist? Eine mögliche Antwort auf diese Frage ist das ,,Konfliktbarometer‘‘ des Heidelberger Instituts für Internationale Konfliktforschung.

In dieser Facharbeit beschäftige ich mich hauptsächlich mit diesem Konfliktbarometer und definiere diesen Begriff und den Begriff des Konflikts näher. Danach wird das Verfahren des Instituts erläutert, die Konfliktbarometer der vergangenen drei Jahre analysiert und die Entwicklung in diesen drei Jahren dargestellt. Außerdem wird die Funktion des Frühwarnsystems beschrieben und die Quellenlage des Instituts erläutert. Im Schluss fasse ich dieses Thema zusammen und ziehe ein Fazit aus dieser Facharbeit. Aufgrund der Quellenlage bezüglich der Methodik und der Konfliktbarometer, mussten einige Zitate selbstständig übersetzt werden. War dies der Fall, so wurde dies in Klammern in der Fußnote und im Quellenverzeichnis hinzugefügt.

1.1 Definition Konfliktbarometer

Das Konfliktbarometer wird seit 1992 jedes Jahr von dem Heidelberger Institut für Internationale Konfliktforschung veröffentlicht und wird deshalb auch das ,,Heidelberger Konfliktbarometer‘‘ genannt. Das Institut begann mit 20 Mitarbeitern und besteht mittlerweile aus 200 Menschen, wovon viele neben dem Studium für das Institut arbeiten. Das Konfliktbarometer ist eine ,,jährliche Analyse des globalen Konfliktgeschehens‘[1]. Im Mittelpunkt des Konfliktbarometers stehen jegliche Formen von Krisen und Kriegen, Staatsstreiche und Friedensverhandlungen. Bis 2010 wurden die Konflikte nach der Anzahl an Opfern und Flüchtlingen untersucht und beschrieben. Seit 2011 gibt es ein neues Verfahren, wobei ,,eine Mischung aus qualitativen und quantitativen Indikatoren‘‘[2] genutzt wird. Im Anfang des Hauptteils wird dieses Verfahren näher beschrieben.

1.2 Definition Konflikt

Ob in den Nachrichten oder in der Zeitung. Überall liest man etwas von Krisen, denn sie sind allgegenwärtig. In diesem Punkt möchte ich mich mit der Frage beschäftigen, ob es für den Begriff ,,Konflikt‘‘ eine allgemeingültige Definition gibt und ab wann ein Zustand als Konflikt bezeichnet werden kann.

Laut dem Friedens- und Konfliktforscher Dr. Lutz Schrader gelten Konflikte als ,,vielschichtig‘‘[3] und sind deshalb von verschiedenen Elementen abhängig. Diese Elemente teilt der Forscher in drei Ebenen ein. Anfangs nennt er ein Verhalten, was auf einen Konflikt hindeutet, danach die Unvereinbarkeit der Ziele der Konfliktparteien und abschließend die Einstellung und Haltung der Konfliktparteien.

Eine anschauliche Darstellung dazu ist das sogenannte Konfliktdreieck:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1 http://www.bpb.de/internationales/weltweit/innerstaatliche-konflikte/54499/konfliktdefinition?type=galerie&show=image&i=55535

Durch diese Unterscheidung in eine latente und eine manifeste Ebene, wird deutlich, dass Beteiligte oft nur das beeinflusste und hervorgerufene Verhalten wahrnehmen. In diesem Dreieck wird gut deutlich, dass es sich nur um einen Konflikt handelt, wenn alle drei gezeigten Komponenten vorhanden sind. Außerdem wird deutlich, dass zwischen allen ein Zusammenhang besteht. Um ein erfolgreiches Konfliktmanagement zu erreichen muss man laut Dr. Monika Setzwein ,,die ,,subjektiven‘‘ Einstellungen der Konfliktparteien und ihr nach außen gezeigtes Verhalten ebenso wie den ,,objektiven‘‘ Widerspruch ihrer Interessen und Bedürfnisse‘‘[4] beachten.

Alles in allem kann man also sagen, dass man diese drei verschiedenen Ebenen gleichzeitig betrachten muss, um einen Konflikt als Konflikt zu identifizieren. Werden diese Elemente nicht vollständig beachtet, ist keine erfolgreiche Konflikterschließung möglich.

2. Hauptteil

Im Hauptteil dieser Facharbeit betrachte ich anfangs das Verfahren des Heidelberger Instituts für Internationale Konfliktforschung seit 2011 und erläutere es näher. Danach gehe ich auf die zuletzt veröffentlichten Konfliktbarometer der Jahre 2014, 2015 und 2016 ein und fasse die Ergebnisse zusammen. Hierbei beziehe ich mich zum einen auf das Heidelberger Institut selbst und zum anderen auf renommierte Zeitungen, Nachrichtensender und Forscher. Außerdem möchte ich die Entwicklung der Jahre 2014 bis 2016 darstellen und auch auf die Funktion als Frühwarnsystem eingehen. Im Schluss überprüfe ich die Quellen des Instituts und erläutere einige näher.

2.1 Verfahren des Heidelberger Instituts seit 2011

Bei der neuen Methodik des Heidelberger Instituts für Internationale Konfliktforschung werden die Konflikte anfangs nach ihrem Typ unterschieden ,also ob es sich um einen innerstaatlichen oder zwischenstaatlichen Konflikt handelt. Außerdem werden sie in fünf Intensitätsstufen eingeteilt. Diese Intensitätsstufen sind ,,angefangen beim nicht gewaltsamen Disput über die gewaltlosen Kriege, die gewaltsamen Kriege und den begrenzten Krieg bis hin zum Krieg‘‘[5]. Um eine Einstufung in eine dieser Intensitätsstufen zu treffen, werden die Indikatoren ,,Eingesetzte Mittel‘‘ und ,,Folgen des Gewalteinsatzes‘‘ betrachtet. Die eingesetzten Mittel beschreiben zum einen die Anzahl der involvierten Personen und zum anderen die verwendeten Waffen, also ob nur leichte oder auch schwere Waffen verwendet wurden. Die Folgen des Gewalteinsatzes sind unterteilt in die Anzahl an Toten, die Anzahl an Flüchtlingen und intern Vertriebenen und die Schwere der Zerstörung. Im Großen und Ganzen unterscheidet das Heidelberger Institut also zwischen dem Konzept des politischen Konflikts, dem Konzept der Konfliktintensität und wie die Bewertung der Intensität eines gewaltsamen Konfliktes begründet werden kann.

Das Konzept des politischen Konfliktes wird unterteilt in Konfliktakteure, Konfliktmaßnahmen und Konfliktfragen. Konfliktakteure ,,sind Individuen oder Kollektive, welche relevant sind, weil sie von anderen Konfliktakteuren in ihren Entscheidungsprozessen berücksichtigt werden‘‘[6]. Zu den genannten Kollektiven zählen Staaten, internationale Organisationen und nichtstaatliche Akteure.

Konfliktmaßnahmen ,, sind Handlungen und Kommunikationen, die von einem Konfliktakteur im Rahmen eines politischen Konflikts durchgeführt werden‘‘[7]. Für einen politischen Konflikt gelten diese Maßnahmen als aufbauend und konfliktfördernd, wenn sie ,,außerhalb der etablierten Verfahren der Konfliktregelungen liegen‘‘[8]. Diese etablierten Verfahren sind Verfahren, welche von beiden Konfliktparteien akzeptiert werden. Konfliktfragen sind ,,materielle oder immaterielle Güter, die von Konfliktakteuren über Konfliktmaßnahmen verfolgt werden‘‘[9]. Sie können also auch als Ziele der Konfliktparteien bezeichnet werden.

Das Konzept der Konfliktintensität beschreibt, wie schon im vorigen erwähnt, die Unterscheidung eines Konfliktes in eine der fünf Intensitätsstufen (Zeile 1 ff.).

Um einen politischen Konflikt in diese Stufen einteilen zu können, benutzt das Heidelberger Institut für Internationale Konfliktforschung eine weitere Methodik, bei der fünf Indikatoren verwendet werden, welche die Mittel und Folgen eines gewaltsamen Konflikts näher beschreiben. Diese Indikatoren sind Waffen, Personal, Tote, Flüchtlinge / intern vertriebene Personen und Zerstörung. Jeder Indikator wird auf einer Skala von null bis zwei Punkten bewertet. Je höher der Indikator in dieser Skala steht, desto schwerer ist die Gewichtung des Indikators in der Bewertung des gewaltsamen Konflikts. Diese Punkte der Indikatoren werden dann zusammengefasst in einer weiteren Skala, wodurch eine Einteilung in die Bereiche gewaltsamer Konflikt, begrenzter Krieg und Krieg gemacht werden kann. Diese Skala beinhaltet zum einen die Konfliktfolgen, wozu die Indikatoren der Toten, der Zerstörung und der Flüchtlinge / intern Vertriebenen zählen. Zum anderen beinhaltet die Skala die Konfliktmittel, wozu die Waffen und das Personal zählen.

Der erste Indikator beschreibt den Einsatz von Waffen. Hierbei wird zwischen der Schwere der Waffen und dem Umfang des Einsatzes unterschieden. Also wird hierbei der Frage nachgegangen, ob schwere oder leichte Waffen eingesetzt wurden und in welchem Umfang diese Waffen eingesetzt wurden. Zu den leichten Waffen zählen beispielsweise Pistolen und Handgranaten und zu den schweren Waffen zählen Artillerie und schwere Bomben. Bei dem Umfang des Einsatzes der Waffen wird unterschieden zwischen einem eingeschränkten und umfangreichen Einsatz.

Der zweite Indikator beschreibt den Einsatz von Personal, also wie viele Personen durch ihr gewaltsames handeln am Konflikt beteiligt sind. Hierbei wird unterschieden zwischen wenig Personal (bis zu 50 Personen ), einer mittelgroßen (50 bis 400 Personen ) und einer großen (mehr als 400) Anzahl an Personal. Diese beiden Indikatoren, die eingesetzten Waffen und das eingesetzte Personal, beschreiben die sogenannten Konfliktmittel.

Die Konfliktfolgen werden durch die Indikatoren Tote, Flüchtlinge und intern Vertriebene und dem Ausmaß der Zerstörung dargestellt. Wie bei dem Personal, wird auch die Anzahl an Toten in drei Kategorien unterteilt. Die erste Kategorie beschreibt die geringe Anzahl an Toten, wozu bis zu 20 Tote zählen. Zu der zweiten Kategorie, der mittleren Anzahl an Toten, zählen 20 bis 60 Tote. Von einer hohen Anzahl an Toten spricht man, wenn in einem Konflikt mehr als 60 Menschen ihr Leben verloren haben. Es werden nur die Verstorbenen gezählt, welche entweder durch aggressive Handlungen oder deren direkter Konsequenzen sterben. Menschen, die durch indirekte Effekte sterben, werden nicht mitgezählt. Wie bei den Toten und dem Personal auch, wird auch die Anzahl an Flüchtlingen und intern Vertriebenen in die drei Kategorien niedrige, mittlere und hohe Anzahl unterteilt. Hierbei werden jedoch weitaus größere Zahlenspannen verwendet. Von einer kleinen Anzahl wird gesprochen, wenn bis zu 1000 Menschen vertrieben wurden oder geflüchtet sind, von einer mittleren Anzahl bei 1000 bis 20.000 und von einer hohen Anzahl, bei mehr als 20.000. Der letzte Indikator ist der der Zerstörung. Diese Zerstörung in einem gewaltsamen Konflikt wird in vier Dimensionen eingeteilt. Diese Dimensionen sind Infrastruktur, Kulturgut, Unterkunft und Wirtschaft. Sind keine Zerstörungen in einer dieser Dimensionen zu finden, spricht man von einer geringen Zerstörung. Sind eine bis zwei Dimensionen betroffen, liegt einer mittlere Zerstörung und bei drei bis vier Dimensionen eine schwere Zerstörung vor.

Das Verfahren des Heidelberger Instituts ist also stark ausdifferenziert und betrachtet nicht nur die Anzahl an Toten oder an Flüchtlingen, sondern nutzt eine Vielzahl an Indikatoren, um einen Konflikt passend einzuordnen. Durch diese Indikatoren lässt sich außerdem ein Vergleich zu andern Konflikten herstellen.

2.2 Konfliktbarometer 2014

Das im Jahr 2015 veröffentlichte Konfliktbarometer 2014 befasst sich mit zur damaligen Zeit ,,[...] aktuellen Daten und Analyse zum globalen Konfliktgeschehen im Jahr 2014“[10].

Nach dem neuen Verfahren des Instituts gab es im Jahr 2014 424 Konflikte. Durch die Untersuchung anhand der Indikatoren konnten 46 Konflikte als ,,hochgewaltsam‘‘ eingestuft werden, wovon sogar 21 davon als Krieg eingestuft werden konnten. Im Vorjahr 2013 gab es zwar nur 20 Kriege, diese waren jedoch auf weniger Staaten verteilt.

Auch in Europa kam es im Jahr 2014 wieder zu einem Krieg, als die Lage in der Ukraine eskalierte und es im Osten des Landes ,,[...]zu hochgewaltsamen Auseinandersetzung zwischen den neuen Regierungen und verschiedenen Milizen[...]‘‘[11] kam. Auch in den USA und in Asien kam es zu jeweils einem Krieg. Die meisten Kriege waren im Vorderen und Mittleren Osten sowie im subsaharischen Raum zu finden, was häufig mit Gewaltakteuren, wie den Terrormilizen Islamischer Staat und Boko Haram zusammenhing. Diese Milizen haben,,[..]ihre blutige Spur vom Irak über Syrien bis zu Libanon gezogen, beziehungsweise von Nigeria auch nach Kamerun und in den Niger‘‘[12]. Durch die Terrorgruppe Boko Haram war das Jahr 2014 in dem seit 2009 andauernden Konflikt das mit Abstand blutigste Jahr. Alleine in diesem Konflikt kam es zu mindestens 10.000 Todesopfern und einer Millionen Vertriebenen. Der Islamische Staat mischte sich eher in den syrischen Bürgerkrieg ein und rief das Kalifat[13] aus, wodurch der gesamte Konflikt eine Wendung nahm, da es nun eine weitere Konfliktpartei gab. Außerdem ist anzumerken, dass im Jahr 2014 die ISAF-Mission, also die Internationale Sicherheitsunterstützungstruppe, endete. Sie war eine Sicherheits- und Wiederaufbaumission unter NATO-Führung, die seit 2001 aktiv war. Es handelte sich hierbei um eine ,,friedenserzwingende‘‘ Mission unter Verantwortung der beteiligten Staaten. Ein besonderer Krieg fand in Mexiko zwischen den Drogenkartellen und der Regierung in Mexiko dar, denn es war weltweit der einzige Konflikt, der keine ideologischen oder politischen Gründe hatte, sondern nur auf Profit ausgelegt war. Laut dem Heidelberger Institut gab es in allen Regionen der Welt zwischenstaatliche Kriege, von denen elf gewaltsam geführt wurden. Häufige Gründe für zwischenstaatliche Konflikte im Jahr 2014 waren unter anderem Territorium und internationale Macht. Neben diesen Konflikten gab es 166 innerstaatliche Konflikte mit mittlerer Gewaltintensität, wobei die häufigsten Gründe nationale Macht, Sezession und Ressourcen waren.

Alles in allem lässt sich zu dem Jahr 2014 dank der Methodik des Heidelberger Instituts für Internationale Konfliktforschung sagen, dass zwar die Zahl der Kriege etwa konstant blieb, jedoch mehrere Staaten und Gruppen in diese Kriege involviert waren und es somit zu einem ,,Blutigen Jahr 2014‘‘[14] kam.

2.3 Konfliktbarometer 2015

Nach der Methodik des Heidelberger Instituts kam es im Jahr 2015 zu insgesamt 409 Konflikten, 15 weniger als im Vorjahr. Von diesen Konflikten wurden 223 mit Gewalt ausgetragen und die Zahl an Kriegen blieb mit 19 wieder ungefähr Konstant, jedoch gab es zwei Kriege weniger als im Vorjahr. Die Zahl an begrenzten Kriegen verringerte sich ebenfalls auf 24.

In der Türkei, auf den Philippinen und im Südsudan kam es im Jahr 2015 zu neuen Kriegen, das heißt, dass sie im Vorjahr nur angespannte Gebiete waren und nun zum Krieg heraufgestuft wurden. In der Türkei eskalierte der Konflikt zwischen der Arbeiterpartei Kurdistans PKK und der Regierung Erdogans (AKP) nach einer zweijährigen Waffenruhe. Auf den Philippinen kam es zu Kämpfen zwischen den Bangsamoro Islamic Freedom Fighters (BIFF), also einer militanten Gruppe und dem Militär der Philippinen. Im Südsudan kam es zu starken Auseinandersetzungen über die Verteilung von Land und Vieh.

,,Insgesamt konzentriert sich fast ein Viertel aller politischen Konflikte auf den afrikanischen Kontinent südlich der Sahara‘‘[15]. Dies lässt sich vor allem mit dem erstarken der Terrorgruppen Boko Haram und Islamischer Staat begründen. Vor allem in dem Konflikt mit Boko Haram kam es zu vielen Todesopfern und Flüchtlingen, da sie vor allem Christen und Muslime töteten, wenn sie sich nicht der Gruppe anschließen wollten und zum Islam konvertierten. Im Jahr 2015 wurden allein in diesem Konflikt mindestens 12.000 Menschen getötet und 2,4 Millionen vertrieben.

Gegen die Terrorgruppe Islamischer Staat (IS) organisierte sich eine internationale Koalition, welche vor allem die Staaten Syrien und Irak unterstützte. Die Gründungsmitglieder dieser sogenannten ,,Internationalen Allianz gegen den Islamischen Staat‘‘ sind die USA, Deutschland, das Vereinigte Königreich, Frankreich, Italien, Polen, Dänemark, Australien, Kanada und die Türkei, welche hauptsächlich durch Luftangriffe gegen den IS vorgeht. Durch Terroranschläge in Frankreich (Charlie Hebdo), Afghanistan und Bangladesch und die Kontrolle über Gebiete in den Maghreb Staaten, konnte der IS jedoch seinen Einflussbereich erweitern.

In Asien und Ozeanien fanden mehr als 90% aller Konflikte auf einem gering-gewaltsamen oder nicht-gewaltsamen Level statt. Die Sicherheitslage auf der koreanischen Halbinsel verschärfte sich jedoch, nachdem zwei Soldaten durch Landminen südlich der ,,Demilitarisierten Zone‘‘ schwer verletzt worden waren. Kriege auf dem amerikanischen Kontinent waren vor allem dadurch geprägt, dass die Regierung gewaltsam gegen Oppositionsgruppen, wie zum Beispiel Indianer, vorging. In Europa hat sich zwar die Anzahl an Konflikten erhöht, doch die meisten wurden ohne Gewalt ausgetragen. In der Ukraine fand jedoch weiterhin der einzige gewaltsame Konflikt in Europa statt, bei dem Separatisten gegen die Regierung um die Kontrolle der Donbass-Region kämpften. Hierbei starben mehr als 4.000 Menschen.

Neue Konflikte wurden im Jahr 2015 sieben Stück gezählt, von denen zwei gewaltsame Oppositionskonflikte waren und ein Konflikt zwischen der Regierung Nicaraguas und indigenen Teilen der Bevölkerung.

Das Fazit des Heidelberger Instituts für das Jahr 2015 sind 75 zwischenstaatliche, 280 innerstaatliche und 55 halbstaatliche Konflikte. Die meisten von diesen wurden nicht gewaltsam ausgetragen.

Alles in allem kann man also sagen, dass sich die internationale Situation weder verbessert noch verschlechtert hat, da insgesamt die Zahl an Konflikten anstieg, sich die Zahl der Kriege jedoch verringerte.

2.4 Konfliktbarometer 2016

Auch für das Jahr 2016 wurde wieder das Konfliktbarometer vom Heidelberger Instituts für Internationale Konfliktforschung veröffentlicht, um die aktuelle Konfliktsituation in der Welt darzustellen. Nach seiner Methodik zählte das Institut 2016 insgesamt 402 Konflikte, von denen 226 unter Gewalteinwirkung ausgetragen wurden .

,,Die Zahl der Kriege ist 2016 nach einer Untersuchung des Heidelberger Instituts für Internationale

[...]


[1] Https://www.hiik.de/de/konfliktbarometer/

[2],,Kein Frieden in Sicht – Heidelberger Konfliktbarometer‘‘ von Simon Ellerbrock und Peter Hackmerer; 2014

[3],,Was ist ein Konflikt?‘‘ von Dr. Lutz Schrader; 17.01.2012 URL: www.bpb.de

[4],,Das Konflikt-Dreieck‘‘ von Dr. Monika Setzwein; 07.09.2009 URL: blog.setzwein.com

[5],,Kein Frieden in Sicht – Heidelberger Konfliktbarometer‘‘ von Simon Ellerbrock und Peter Hackmerer; 2014

[6] www.hiik.de/de/methodik/index.php (Selbstständig übersetzt)

[7] Ebd. (Selbstständig übersetzt)

[8] Ebd. (Selbstständig übersetzt)

[9] Ebd. (Selbstständig übersetzt)

[10] Pressemitteilung des Heidelberger Instituts für Internationale Konfliktforschung vom 05.03.2015 von Johannes Nickl

[11] Ebd.

[12] Der Tagesspiegel ,,Zahl weltweiter Konflikte steigt auf Rekordhoch‘‘ von Nik Afanasjew am 19.03.2015

[13] Herrschaft eines Kalifen, also eines ,,Nachfolgers‘‘ oder Stellvertreters eines Gesandten Gottes‘‘

[14] Der Tagesspiegel ,,Zahl weltweiter Konflikte steigt auf Rekordhoch‘‘ ; Nik Afanasjew ;19.03.2015

[15] ntv.de , chr/dpa vom 26.02.2016 Zugriff: 16.02.17

Ende der Leseprobe aus 17 Seiten

Details

Titel
Internationale Konflikte quantitativ erfassen. Das Heidelberger Konfliktbarometer
Note
15 = 1,0 =1+
Autor
Jahr
2017
Seiten
17
Katalognummer
V383550
ISBN (eBook)
9783668593213
ISBN (Buch)
9783668593220
Dateigröße
451 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Politik, Konfliktforschung, Konflikte, Sicherheit, Frieden, Krieg, Welt, International, Terrorismus, USA, Russland, Staaten, Neue Kriege, Alte Kriege, Wirtschaft, Infrastruktur, Konfliktbarometer, Heidelberger Institut für Internationale Konfliktforschung, HIIK, CONIAS, Frühwarnsystem, Kampf, Facharbeit
Arbeit zitieren
Marmann (Autor), 2017, Internationale Konflikte quantitativ erfassen. Das Heidelberger Konfliktbarometer, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/383550

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