„Kennst du viele Sprachen, hast du viele Schlüssel für ein Schloss.“ Dieses Zitat von François-Marie Arouet de Voltaire soll einleitender Gedanke dieser Hausarbeit sein, welche sich mit dem sprachwissenschaftlichen Phänomen der Phraseologie beschäftigt. Wie der französische Philosoph der Aufklärung bereits richtig erkannte, kann Sprache Mittel sein, um unbekannte Türen zu öffnen und das dahinter Verborgene kennenzulernen. Jedoch birgt Sprache auch Hindernisse, deren Inhalt ohne ein spezifisches Wissen nicht verstanden werden kann. Länder haben demnach nicht nur andere Sitten und Sprachen, sondern auch andere Redewendungen. So ist man in Italien magro come un’acciuga ,dünn wie eine Sardelle’, in Frankreich maigre come un clou ,dünn wie ein Nagel’ und in Deutschland dünn wie eine Bohnenstange.
Inhaltsverzeichnis
2. Einleitung
3. Definition
3.1 Einführung in die Phraseologie
3.2 Einführung in die Terminologie
4. Abgrenzung der Phraseologismen
4.1 Morphologische Eigenheiten
4.2 Syntaktische Eigenheiten
4.3 Semantische Eigenheiten
4.4 Das Zentrum-Peripherie-Modell
5. Entwicklung der Phraseologismen
6. Phraseologismen im Wörterbuch
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit gibt einen wissenschaftlichen Einblick in das Feld der Phraseologie, definiert zentrale Begriffe und untersucht die Kriterien zur Abgrenzung von Phraseologismen sowie deren Darstellung in verschiedenen Wörterbuchtypen.
- Grundlagen und Definition der Phraseologie als linguistische Disziplin
- Kriterien zur Identifikation von Phraseologismen (Morphologie, Syntax, Semantik)
- Das Zentrum-Peripherie-Modell zur Klassifikation
- Entwicklung und interkulturelle Aspekte von Phraseologismen
- Phraseographie: Darstellung von Redewendungen in Wörterbüchern
Auszug aus dem Buch
4. Abgrenzung der Phraseologismen
Im Gegensatz zu freien Wortverbindungen und Sätzen, weisen Phraseologismen fünf wesentliche Eigenschaften auf, die es Sprachwissenschaftlern ermöglichen, dieses linguistische Phänomen mehr oder weniger eindeutig abzugrenzen. In diesem Abschnitt sollen diese Merkmale, nämlich Polylexikalität, relative Festigkeit, Idiomatizität, Lexikalisierung und Reproduzierbarkeit näher betrachtet werden.
4.1 Morphologische Eigenheiten
Laut der polnischen Linguistin Ewa Łabno-Falęcka gilt die Polylexikalität als das „augenfälligste Merkmal der Phraseme“. Der Begriff setzt sich aus den griechischen Lexemen poly ,viel’ und lexis ,Wort’ zusammen. Das heißt jeder Phraseologismus besteht aus mindestens zwei Wörtern. Phraseologismen, die aus lediglich zwei Wörtern bestehen, bilden die Untergrenze der möglichen Phrasemstrukturen. Eine mögliche Einteilung der Phraseologismen, die jedoch nicht einstimmig von allen Linguisten anerkannt wird, liefert Elke Donalies, welche im Folgenden näher betrachtet wird. Grundsätzlich lassen sich Phraseologismen in zwei unterschiedliche Kategorien einteilen. Die Kategorie der Minimalstrukturen kann Phraseologismen, die nur aus Synsemantika bestehen, umfassen, jedoch auch Satzwertige wie beispielsweise avere le mani di burro ,ungeschickt sein’. So ergeben sich fünf Phrasemgruppen, die der Kategorie Minimalstruktur angehören.
Zusammenfassung der Kapitel
2. Einleitung: Die Einleitung führt in die Bedeutung der Phraseologie ein, umreißt deren linguistische Geschichte und definiert das Ziel der vorliegenden Untersuchung.
3. Definition: Dieses Kapitel erläutert die terminologischen Herausforderungen innerhalb der Phraseologie und klärt das Begriffsverständnis für die Arbeit.
4. Abgrenzung der Phraseologismen: Hier werden die wesentlichen Merkmale wie Polylexikalität, Syntax und Idiomatizität analysiert sowie das Zentrum-Peripherie-Modell vorgestellt.
5. Entwicklung der Phraseologismen: Ein kurzer Exkurs, der die komplexe Entstehung und die interkulturelle Relevanz von Phraseologismen beleuchtet.
6. Phraseologismen im Wörterbuch: Das Kapitel vergleicht die phraseographische Qualität unterschiedlicher Wörterbücher anhand von konkreten Beispielen.
Schlüsselwörter
Phraseologie, Phraseologismus, Idiomatizität, Polylexikalität, Lexikalisierung, Satzbau, Sprachwissenschaft, Phraseographie, Wörterbuch, Zentrum-Peripherie-Modell, Sprachvergleich, Linguistik, Redewendungen, Syntax, Semantik.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit dem sprachwissenschaftlichen Phänomen der Phraseologie, insbesondere mit der Definition, den Abgrenzungskriterien und der lexikographischen Erfassung von festen Redewendungen.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Zentrale Themen sind die morphologischen, syntaktischen und semantischen Eigenheiten von Phraseologismen sowie deren Klassifizierung und Dokumentation in Wörterbüchern.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, grundlegende Einblicke in die Phraseologie zu geben und aufzuzeigen, wie Phraseologismen in der wissenschaftlichen Praxis und in Wörterbüchern dargestellt werden.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt einen theoretischen Ansatz, der auf einschlägiger Fachliteratur (z. B. Burger, Donalies, Hessky) basiert und durch den Vergleich von Wörterbuchbeispielen (Dizionario idiomatico vs. Zingarelli) illustriert wird.
Was umfasst der Hauptteil der Arbeit?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Fundierung (Definitionen), die Analyse von Abgrenzungsmerkmalen mittels eines Klassifikationsmodells und die praktische Anwendung der Theorie auf die Phraseographie.
Welche Schlüsselwörter beschreiben diese Arbeit am besten?
Phraseologie, Idiomatizität, Polylexikalität, Zentrum-Peripherie-Modell und Phraseographie sind die maßgeblichen Begriffe.
Warum ist die Unterscheidung zwischen dem engen und weiten Sinn der Phraseologie wichtig?
Diese Unterscheidung hilft bei der Einordnung, ob Phänomene wie Kollokationen oder satzwertige Ausdrücke als echte Phraseologismen gelten oder nicht, was für die präzise sprachwissenschaftliche Arbeit essenziell ist.
Welches Wörterbuch eignet sich nach der Untersuchung besser für die Arbeit mit Phraseologismen?
Die Autorin stellt fest, dass das Dizionario idiomatico Tedesco-Italiano sich deutlich besser eignet, da es spezifische Erfassungskriterien und hilfreiche Sonderzeichen für den Benutzer bietet, während das Zingarelli Phraseologismen nur oberflächlich kennzeichnet.
- Arbeit zitieren
- Theresa Flammersberger (Autor:in), 2015, Phraseologie. Die Lehre von Phraseologismen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/383572