Diese Hausarbeit beschäftigt sich mit der Bedeutung der Heimatfront im Deutsch-Französischen Krieg von 1870/71. Darauf hinführend möchte ich zunächst den Begriff der Heimatfront erläutern. Anschließend sollen in einem Rahmenkapitel kurz die Hintergründe des Krieges beleuchtet werden. Im Hauptteil werde ich schließlich auf die Besonderheiten des deutsch-französischen Krieges, die Einbeziehung der Öffentlichkeit und Mobilmachung der Gesellschaft, eingehen.
Hier spielen insbesondere das Aufkommen neuer Kommunikationsmittel und die daraus resultierende veränderte Rolle der Medien eine Rolle. Darüber hinaus sollen die Wechselbeziehungen skizziert werden, die im Krieg zwischen Front und Heimatfront bestanden. Ebenfalls untersucht werden soll, welchem Kriegstypus der Deutsch-Französische Krieg zuzuordnen ist. Im Fazit werde ich auf meine Fragestellung nach der Bedeutung der Heimatfront im Deutsch-Französischen Krieg Bezug nehmen und die wichtigsten Erkenntnisse zusammenfassen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
1.1 Definition des Begriffs der „Heimatfront“
2. Rahmenkapitel: Hintergrund des Deutsch-Französischen Krieges
3. Charakteristika des Deutsch-Französischen Krieges: Einbeziehung der Öffentlichkeit und Mobilmachung der Gesellschaft
3.1 Neue Kommunikationsmittel
3.2 Die Rolle der Medien im Krieg
3.3 Beziehung Front – Heimatfront
3.4 Die Rolle der Vereine
4. Die Kriegswirtschaft
5. Ein Krieg im Wandel: Vom Kabinettskrieg zum Modernen Krieg und Volkskrieg?
6. Fazit
7. Bibliographie
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Bedeutung der sogenannten „Heimatfront“ während des Deutsch-Französischen Krieges von 1870/71. Dabei wird insbesondere analysiert, wie die zivile Bevölkerung durch mediale Berichterstattung und die Arbeit von Vereinen in das Kriegsgeschehen eingebunden wurde, inwiefern eine wechselseitige Beeinflussung zwischen Front und Heimat bestand und ob der Krieg bereits Merkmale eines modernen Volkskrieges aufwies.
- Die mediale Inszenierung des Krieges und das Aufkommen neuer Kommunikationsmittel
- Die Rolle der Vereine bei der sozialen Unterstützung und medizinischen Versorgung
- Die ökonomischen Auswirkungen und die Herausforderungen der Kriegswirtschaft
- Der Wandel vom Kabinettskrieg zum modernen, totalen Krieg
- Die Wechselbeziehung und emotionale Identifikation zwischen Frontsoldaten und der Bevölkerung in der Heimat
Auszug aus dem Buch
3.1 Neue Kommunikationsmittel
Die Einbindung breiter Bevölkerungsteile in das Kriegsgeschehen wurde durch technische Neuerungen und Weiterentwicklungen im Bereich der Kommunikationstechnologien ermöglicht.
Seit den 1860er Jahren befanden sich die Printmedien in einem rasanten Aufschwung. Der Rezipienten-Kreis von Zeitungen, Zeitschriften und Büchern lag bei täglich ca. 3 Millionen Menschen. Beständig wurde der Markt mit neuen Publikationen überschwemmt. Fehlende Urheberrechte ermöglichten Nachdrucken und Vervielfältigungen in unbegrenzter Anzahl. Die neu entdeckte Freude am Lesen und der Drang, sich umfassend zu informieren, zeigte sich auch an den plakatierten Litfass-Säulen, um die sich Menschenmassen sammelten.
Die Zeitungen informierten über die aktuellen Entwicklungen und halfen mit ihrer Art der Berichterstattung bei der Mobilmachung: „(…) fiel mir (…) eine Zeitung in die Hand, auf deren erster Seite in fettem Druck mitgeteilt war, dass die Franzosen toll geworden seien und der Krieg unmittelbar bevorstehe. In demselben Moment stand es mir, ohne Ueberlegung und als etwas selbstverständliches, fest, dass ich mitgehen würde.“ (Friedrich Leo, S.1).
Ab 1850 hatte sich die elektrische Telegrafie in Deutschland durchgesetzt. Ein flächendeckendes Telegrafie-Netz ermöglichte die Übermittlung von Texten über mehr oder minder große Entfernungen hinweg. Die Telegrafie trug erheblich zur Überwindung der raumzeitlichen Distanz bei. So ermöglichte die neue Technologie eine Beschleunigung der Kommunikation zwischen den Soldaten im Krieg und den Daheimgebliebenen. Die Geschehnisse auf dem Schlachtfeld rückten näher an das Publikum zu Hause. Bei Becker heißt es dazu: „Das heimische Publikum erlebt den Krieg mit. Der Krieg taucht aus dem Dunkel der Unsichtbarkeit auf.“.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung umreißt die Fragestellung nach der Rolle der Heimatfront und definiert den Begriff für den historischen Kontext von 1870/71.
2. Rahmenkapitel: Hintergrund des Deutsch-Französischen Krieges: Dieses Kapitel erläutert die politisch-diplomatischen Ursachen, insbesondere den Streit um die spanische Thronfolge und die Rolle der Emser Depesche.
3. Charakteristika des Deutsch-Französischen Krieges: Einbeziehung der Öffentlichkeit und Mobilmachung der Gesellschaft: Der Hauptteil analysiert, wie Medien, technische Fortschritte und zivile Institutionen die Bevölkerung aktiv in den Krieg einbanden.
4. Die Kriegswirtschaft: Hier wird der Bedarf an militärischen Gütern und der daraus resultierende ökonomische Wandel sowie die Rolle der Industrie und der staatlichen Auftragsvergabe betrachtet.
5. Ein Krieg im Wandel: Vom Kabinettskrieg zum Modernen Krieg und Volkskrieg?: Dieses Kapitel diskutiert die Transformation der Kriegsführung und zeigt anhand von Beispielen den Übergang vom begrenzten Konflikt hin zu totalen Kriegszügen auf.
6. Fazit: Das Fazit fasst die Bedeutung der Heimatfront als essenziellen Bestandteil für die Aufrechterhaltung des Krieges und die moralische sowie materielle Unterstützung der Soldaten zusammen.
7. Bibliographie: Das Verzeichnis listet die verwendeten Primär- und Sekundärquellen der Arbeit auf.
Schlüsselwörter
Heimatfront, Deutsch-Französischer Krieg, Mobilmachung, Presse, Telegrafie, Kriegsberichterstattung, Vereine, Kriegswirtschaft, Kabinettskrieg, Volkskrieg, Nation-Bildung, Feldpost, Sanitätswesen, Kommunikation, Schlacht von Sedan
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der vorliegenden Hausarbeit?
Die Arbeit befasst sich mit der Rolle der zivilen Heimatfront während des Deutsch-Französischen Krieges von 1870/71 und deren Beitrag zur nationalen Mobilisierung.
Welche Themenfelder stehen im Zentrum der Analyse?
Zentrale Felder sind die Rolle der Medien, die Tätigkeit von Hilfsvereinen, ökonomische Anforderungen der Kriegswirtschaft und der Wandel der Kriegsform.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das Ziel ist es zu untersuchen, wie die Einbeziehung der Bevölkerung die Wechselwirkung zwischen Front und Heimat prägte und inwieweit dies den Krieg beeinflusste.
Welche wissenschaftliche Methode wird in der Arbeit verwendet?
Die Arbeit stützt sich auf eine tiefgehende Literatur- und Quellenanalyse, um die mediale und gesellschaftliche Einbindung der Bevölkerung historisch aufzuarbeiten.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Im Hauptteil werden technologische Entwicklungen der Kommunikation, die Funktion der Presse, die Logistik der Vereine sowie der Wandel vom Kabinettskrieg zum Volkskrieg detailliert dargestellt.
Welche Schlüsselbegriffe definieren die Untersuchung?
Schlüsselbegriffe sind Heimatfront, Mobilmachung, Mediale Inszenierung, Kriegswirtschaft und der Übergang zum modernen totalen Krieg.
Warum spielt die Eisenbahn eine so wichtige Rolle im Kontext der Heimatfront?
Die Eisenbahn verkürzte die raumzeitliche Distanz zwischen Front und Heimat und ermöglichte sowohl den schnelleren Truppentransport als auch die Verteilung von Hilfsgütern.
Welche Bedeutung hatten die „Erfrischungskomitees“ für die Soldaten?
Diese Komitees dienten der unmittelbaren Versorgung der durchziehenden Truppen mit Speisen und Getränken und waren ein Ausdruck des bürgerlichen Engagements für die Soldaten.
Wie veränderte sich die Rolle der Wirtschaft im Kriegsverlauf?
Anfangs profitierte die Wirtschaft von Großaufträgen für kriegswichtige Güter, wurde jedoch aufgrund der langen Kriegsdauer zunehmend ungeduldig und forderte ein baldiges Ende.
Was zeigt die Schlacht von Sedan laut der Arbeit auf?
Sedan markiert den paradigmatischen Wandel, da sie die Doppelnatur des Krieges als letzter europäischer Kabinettskrieg und gleichzeitig als Gesicht eines modernen, totalen Krieges widerspiegelt.
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- Anna Buchroth (Author), 2013, Die Bedeutung der Heimatfront im Kontext des Deutsch-Französischen Krieges 1870-1871, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/383598