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Juristische Bestimmungsstücke des Konstrukts "Pädagogische Freiheit" der Lehrer

Eine entwicklungsgeschichtliche Betrachtung der verfassungsrechtichen Verankerung der pädagogischen Freiheit

Titel: Juristische Bestimmungsstücke des Konstrukts "Pädagogische Freiheit" der Lehrer

Diplomarbeit , 2007 , 97 Seiten , Note: 1,0

Autor:in: Thomas Werner (Autor:in)

Didaktik - BWL, Wirtschaftspädagogik
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Zusammenfassung Leseprobe Details

Zunächst soll im Rahmen einer Betrachtung der jüngsten Verfassungsgeschichte die Entstehung und Entwicklung des juristischen Konstrukts der pädagogischen Freiheit der Lehrer, seine verfassungsrechtliche Verankerung und deren Entwicklungsverlauf einer Untersuchung zugeführt und damit ein Überblick über Begriff und Inhalt der pädagogischen Freiheit aus heutiger Sicht ermöglicht werden. Dazu erfolgt zunächst die Abklärung der Begriffsfelder der pädagogischen Freiheit und der pädagogischen Verantwortung. Darauf aufbauend werden die verfassungsrechtlichen Diskussionen über die möglichen Quellen einer pädagogischen Freiheit des Lehrers im Grundgesetz dargestellt, wobei hier keine erneute Analyse der Verfassungsverankerung erfolgen soll, sondern lediglich der Entwicklungsverlauf und die historischen Diskussionen um die grundgesetzliche Verortung der pädagogischen Freiheit herausgearbeitet werden.

Basierend auf dem Ergebnis dieses ersten Teils wird anschließend der Entwicklungsweg der Schule in die staatliche Verantwortung unter besonderer Berücksichtigung der Entwicklung des Berufsstandes der Volksschullehrer im deutschsprachigen Raum analysiert. Dabei wird auf die verschiedenen reformerischen und restaurativen Prozesse, die sich im Rahmen dieses geschichtlichen Verlaufs abspielten, eingegangen und anhand des Säkularisierungsprozesses der Weg der Schule von der kirchlichen Alleinherrschaft über das Machtkonglomerat von Staat und Kirche in die Demokratie wiedergegeben, so dass im letzten Kapitel der Zirkelschluss auf die pädagogische Freiheit als essenzieller Teil der staatlichen Schulverantwortung im Rahmen einer demokratisch-freiheitlichen Grundordnung als notwendige, wenn auch nicht hinreichende Voraussetzung einer pädagogischen Freiheit der Lehrer erfolgt.

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

1. Problemstellung

2. Pädagogische Freiheit als Rechtsbegriff

2.1 Pädagogische Freiheit und pädagogische Verantwortung

2.2 Die Entstehung des pädagogischen Freiheitsbegriffs und sein Weg in die Schulgesetze der Länder

2.3 Grundgesetzliche Verankerung der pädagogischen Freiheit

2.3.1 Der beamtenrechtliche Sonderstatus des Lehrers

2.3.2 Pädagogische Freiheit – Teil Lehrfreiheit aus Art. 5 Abs. 3 GG

2.3.3 Pädagogische Freiheit als Ausprägung der allgemeinen Meinungsfreiheit aus Art. 5 Abs. 1 GG

2.3.4 Pädagogische Freiheit als hergebrachter Grundsatz des Berufsbeamtentums aus Art. 33 Abs. 5 GG

2.4 Erstes Zwischenfazit

3. Der Weg der Schule in die staatliche Verantwortung

3.1 Die Anfänge der Staatsverantwortung für das Schulwesen

3.2 Der Ausbau der staatlichen Schulaufsicht

3.3 Der Einfluss der neuhumanistischen Bildungsreform – Süvern’s Unterrichtsgesetzentwurf von 1819

3.4 Die Emanzipation des Volksschullehrerstandes

3.5 Die Schule im Spannungsverhältnis von Kirche und Staat

3.6 Zweites Zwischenfazit

4. Die Schule in der Demokratie als Basis der pädagogischen Freiheit

5. Schlussbemerkung

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit untersucht die juristische Herleitung und die entwicklungsgeschichtliche Verankerung des Konstrukts „pädagogische Freiheit“ des Lehrers im deutschen Verfassungsrecht. Im Zentrum steht die Forschungsfrage, wie dieses Konzept innerhalb des staatlichen Erziehungsauftrags und unter Berücksichtigung der beamtenrechtlichen Stellung des Lehrpersonals verfassungsrechtlich begründet werden kann.

  • Historische Entwicklung der staatlichen Schulaufsicht und deren Säkularisierungsprozess.
  • Analytische Auseinandersetzung mit der beamtenrechtlichen Stellung des Lehrers und dem Konzept der pädagogischen Freiheit.
  • Untersuchung der verfassungsrechtlichen Einordnung (Art. 5 Abs. 1/3 GG, Art. 33 Abs. 5 GG und Art. 7 Abs. 1 GG).
  • Bedeutung der Emanzipation des Volksschullehrerstandes für die Entstehung beruflicher Freiräume.
  • Reflexion des Spannungsverhältnisses zwischen staatlichem Erziehungsauftrag und individueller pädagogischer Freiheit.

Auszug aus dem Buch

2.1 Pädagogische Freiheit und pädagogische Verantwortung

Wie bereits in der Problemstellung kurz aufgezeigt wurde, findet sich in den Schulgesetzen der Länder keine Übereinstimmung der Begrifflichkeiten bezüglich einer pädagogischen Freiheit der Lehrer. Der Großteil der Vorschriften stellt auf die pädagogische Verantwortung des Lehrers ab und verbindet diese direkt mit den sie beschränkenden Einflüssen. (Wißmann 2002, S. 55) So lautet zum Beispiel die Formulierung des Schulgesetzes für Baden-Württemberg: „Die Lehrkräfte tragen im Rahmen der in Grundgesetz, Verfassung des Landes Baden-Württemberg und § 1 dieses Gesetzes niedergelegten Erziehungsziele und der Bildungspläne sowie der übrigen für sie geltenden Vorschriften und Anordnungen die unmittelbare pädagogische Verantwortung für die Erziehung und Bildung der Schüler.“ (§ 38 Abs. 6 BW-SchG) Dementsprechende Regelungen finden sich auch in Schulgesetzen von Bayern, Bremen, Hamburg, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen, Sachsen, Schleswig-Holstein und Thüringen.

Eine explizite Nennung in Kombination mit der pädagogischen Verantwortung erfährt der Begriff der pädagogischen Freiheit in den Schulgesetzen der Länder Brandenburg, Hessen, Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen-Anhalt. Auch in diesen Vorschriften findet sich die direkte Beziehung zu den Beschränkungen der pädagogischen Freiheit, allerdings verbunden mit der Formulierung der Unzulässigkeit einer unnötigen oder unzumutbaren Einschränkung derselben. So bestimmt z.B. das Hessische Schulgesetz: „Die Lehrerinnen und Lehrer erziehen, unterrichten, beraten und betreuen in eigener Verantwortung im Rahmen der Grundsätze und Ziele der §§ 1 bis 3 sowie der sonstigen Rechts- und Verwaltungsvorschriften und der Konferenzbeschlüsse. Die für die Unterrichts- und Erziehungsarbeit der Lehrerin oder des Lehrers erforderliche pädagogische Freiheit darf durch Rechts- und Verwaltungsvorschriften und Konferenzbeschlüsse nicht unnötig oder unzumutbar eingeengt werden.“ (§ 86 Abs. 2 Sätze 1 & 2 HessSchG)

Zusammenfassung der Kapitel

1 Problemstellung: Einführung in die Thematik der pädagogischen Freiheit und deren unklare rechtliche Verankerung in den Schulgesetzen der Länder.

2 Pädagogische Freiheit als Rechtsbegriff: Analyse der Begriffe „pädagogische Freiheit“ und „pädagogische Verantwortung“ sowie Diskussion über deren verfassungsrechtliche Einordnung.

3 Der Weg der Schule in die staatliche Verantwortung: Historische Betrachtung der Entwicklung der staatlichen Schulaufsicht und der Emanzipation des Lehrerstandes im 19. Jahrhundert.

4 Die Schule in der Demokratie als Basis der pädagogischen Freiheit: Einordnung der pädagogischen Freiheit in den Kontext der demokratischen Staatsordnung und des staatlichen Erziehungsauftrags.

5 Schlussbemerkung: Fazit über die Notwendigkeit der pädagogischen Freiheit als essenzieller Teil der staatlichen Schulverantwortung.

Schlüsselwörter

Pädagogische Freiheit, Pädagogische Verantwortung, Lehrfreiheit, Grundgesetz, Staatliche Schulaufsicht, Berufsbeamtentum, Schulgeschichte, Erziehungsauftrag, Volksschullehrer, Säkularisierung, Rechtsbegriff, Verfassungsrecht, Bildungsreform, Eigenverantwortung, Lehrerbildung.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Diplomarbeit befasst sich mit der rechtlichen Bestimmung und der historischen Entwicklung des Begriffs der „pädagogischen Freiheit“ von Lehrkräften in Deutschland.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Zentrale Felder sind die verfassungsrechtliche Absicherung des Lehrerstatus, die historische Entwicklung der staatlichen Schulaufsicht sowie die Professionalisierung des Lehrerberufs.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Ziel ist es, ein besseres Verständnis über Inhalt und Grenzen der pädagogischen Freiheit zu erlangen und zu klären, wie diese rechtlich im Gefüge des Grundgesetzes verortet werden kann.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es handelt sich um eine rechts- und entwicklungsgeschichtliche Betrachtung, die verfassungsrechtliche Diskurse und historische Quellen analysiert.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in eine juristische Begriffsanalyse der pädagogischen Freiheit und eine historische Analyse des Weges der Schule in die staatliche Verantwortung.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Wichtige Begriffe sind pädagogische Freiheit, staatlicher Erziehungsauftrag, Grundgesetz, Schulaufsicht und die Rolle des Lehrers als Beamter.

Warum wird die pädagogische Freiheit als „Funktionsfreiheit“ bezeichnet?

Sie dient nicht als persönliches Grundrecht zur Selbstverwirklichung des Lehrers, sondern als notwendiger Spielraum, um den staatlichen Erziehungsauftrag in komplexen und variablen Unterrichtssituationen erfüllen zu können.

Welche Rolle spielte der Preußische Staat in der Schulgeschichte?

Preußen legte mit Regelungen wie dem „General-Land-Schul-Reglement“ und dem „Allgemeinen Landrecht“ den Grundstein für die staatliche Schulaufsicht und die Unterordnung der Schule unter staatliche Zwecke.

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Details

Titel
Juristische Bestimmungsstücke des Konstrukts "Pädagogische Freiheit" der Lehrer
Untertitel
Eine entwicklungsgeschichtliche Betrachtung der verfassungsrechtichen Verankerung der pädagogischen Freiheit
Hochschule
Johannes Gutenberg-Universität Mainz  (Wirtschaftspädagogik)
Note
1,0
Autor
Thomas Werner (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2007
Seiten
97
Katalognummer
V383600
ISBN (eBook)
9783668592728
Sprache
Deutsch
Schlagworte
juristische bestimmungsstücke konstrukts pädagogische freiheit lehrer eine betrachtung verankerung
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Thomas Werner (Autor:in), 2007, Juristische Bestimmungsstücke des Konstrukts "Pädagogische Freiheit" der Lehrer, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/383600
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Leseprobe aus  97  Seiten
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