Abbaye de Thélème als utopischer Entwurf? Eine Auseinandersetzung mit Rabelais' "Gargantua"


Essay, 2015

10 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 François Rabelais

3 Begriff Thelema

4 Zusammenfassungen der Kapitel 52-57

5 Fazit

6 Literaturverzeichnis

1 Einleitung

In Rahmen des Kurses „Auf der Suche nach den Quellen des Wahren und Schönen - französische Renaissance" wurden wir gebeten uns einem Thema zu widmen.

Im folgenden Essay werde ich mich mit Gargantua: Abbaye de Thélème als utopischer Entwurf? (Kapitel 52-57) beschäftigen. Als erstes werde ich auf den Schriftsteller des Werkes „Gargantua" - François Rabelais eingehen. Danach werde ich mich mit dem Begriff Thelema auseinander setzen. Im Anschluss werde ich eine Zusammenfassung der Kapitel geben. Abschließend komme ich zum Fazit und warum die Abbaye de Thélème ein utopischer Entwurf ist oder nicht.

2 François Rabelais

François Rabelais gilt als bedeutendster französischer Schriftsteller der Renaissance des 16. Jahrhunderts. Er lebte von etwa 1483 oder 1494 (dies ist nicht ganz sicher) bis 1553 und war ein Humanist, Jurist, Arzt und Mönch. Seine Werkreihe mit 5 Bänden „Gargantua und Pantagruel" erschien in der Zeit von 1532 bis 1564. Im Jahre 1534 erschien der Roman Gargantua und schließt mit der sogenannten „Thélème-Episode" in den Kapiteln 52-57 ab. Diese Kapitel sind sehr berühmt und es geht um die Errichtung der Abbaye de Thélème als ein Modell einer idealen menschlichen Gesellschaft. Damit werden Rabelais Gedanken einer Utopie präsentiert. Er entwirft eine Umkehrung eines Klosters mit allen konventionellen Klosterregeln, die zu seiner Zeit üblich und vorge­schrieben waren - ein Antikloster. Es ist also kein Kloster im herkömmlichen Sinne, denn dies bricht die Traditionen des mittelalterlichen Klosterlebens. In dieser Abtei sol­len Männer und Frauen gemeinsam leben, kostbare Kleidung tragen, können heiraten und jederzeit die Abtei verlassen. Die Menschen leben in völliger Freiheit: Ihre ganze Ordensregel bestand aus einem einzigen Satz, der besagte: „Tu was du willst!" («Fais ce que voudras.») Die Merkmale der Abbaye de Thélème stellt somit eine gesellschaft­liche Utopie dar. Daraus geht hervor, dass er Kritik an der Gesellschaft zu seiner Zeit ausübt.

3 Begriff Thelema

Der Begriff Thelema kommt ursprünglich aus dem Griechischen und steht für den Aus­druck „Wille, Verlangen". Dieser Begriff taucht zum ersten Mal bei François Rabelais Werk „Gargantua und Pantagruel" auf. Dort wird das Wort „Thélèmit" verwendet, um die Bewohner eines Antiklosters zu beschreiben, die Abbaye de Thélème (Kloster des Wil­lens). Thelema soll in diesem Zusammenhang für eine optimale Lebensweise stehen, bei der die Menschen frei entscheiden können, was sie machen wollen.

4 Zusammenfassungen der Kapitel 52-57

Kapitel 52: Wie Gargantua für den Mönch die Abtei Thelem erbauen ließ Chapitre 52: Comment Gargantua fit bâtir pour le moine l’abbaye de Thélème

Im ersten Kapitel der Thélème-Episode werden die wesentlichen Merkmale des Modells einer idealen menschlichen Gesellschaft - Rabelais Utopie festgelegt. Dies nimmt auch bei den Zusammenfassungen den größten Teil ein, da dies für alle anderen Kapitel ausschlaggebend ist.

Am Anfang des 52. Kapitels spielt Frère Jean eine wesentliche Figur. Dieser sollte noch eine Belohnung von Gargantua erhalten. Gargantua bietet ihm mehrere Abteien, wie die Abtei zu Bourgueil oder die zu Sainet Florent, in seinem Reich an. Dieser lehnt die Angebote jedoch ab. Dabei sagt Frère Jean: «Comment, disait-il, pourrais-je gouverner autrui que je ne saurais me gouverner moi-même? » (Chapitre 52, p. 350) Der Mönch möchte viel lieber eine Abtei nach seinem eignen Sinn stiften. Gargantua willigt ein und «...offit tout son pays de Thélème, le long de la Loire, à deux lieues de la grande forêt de Port-Huault.» (Chapitre 52, p.352 sq.) Frère Jean möchte sein Kloster so erbauen, dass es sich von allen anderen Klöstern unterscheidet. Danach tritt Frère Jean in den Hintergrund und Gargantuas Vorstellungen zu dieser Abtei werden ersichtlich und be­stimmen auch den Baustil mit seinen Merkmalen. Er sagt: «.pour commencer, il ne faudra pas construire de murailles alentour, car toutes les autres abbayes sont sauage- ment murées. là où il y a des murs devant aussi bien que derrière, il y a force mur­mures, envies et conspirations réciproques.» (Chapitre 52, p. 353) Damit will er sagen, dass durch Mauern Neid und Intrigen hervorgerufen werden. Die Funktion eines Anti­klosters steht im Vordergrund und beschreibt in vielen Punkten, wie die Abbaye de Thélème nicht sein soll. In Thélème soll das Leben nicht nach einem Zeitplan festgelegt, bestimmt oder geregelt werden «. ni horloge ni cadran, mais que toutes les occupa­tions seraient distribuées au gré des occasions et des circonstances. » (Chapitre 52, p. 353) Auch dies begründet Gargantua mit scharfer Kritik am monastischen Leben: «Gargantua disait que que la plus sûre perte de temps qu’il connût c’était de compter les heures (qu’en retire-t-on de bon? Et que la plus grande sottise du monde c’était de se gouverner au son d’une cloche et non selon les règles du bon sens et de l’intelli­gence. » (Chapitre 52, p. 353)

Mit sarkastischem Ton beschließt Gargantua, dass nur schöne und wohlgestaltete Frauen und Männer in Thélème aufgenommen werden sollen. Das Eintrittsalter für die Thélèmiten soll bei den Frauen mit zehn bis fünfzehn und bei den Männern mit zwölf bis achtzehn Jahren erfolgen. Dabei dürfen sie: «... en ces lieux sortiraient quand bon leur semblerait, entièrement libres.» (Chapitre 52, p. 355) Es soll keine Geschlechter­trennung geben, kein Zölibat, kein Noviziat und keine Gelübde. Hiermit werden die Grundprinzipien monastischen Lebens aufgehoben. Das Leben in Thélème hat im Grunde keine Elemente mehr, die auf eine religiöse Lebensgemeinschaft schließen las­sen.

Kapitel 53: Wie die Abtei der Thelemiten erbauet und fundieret ward Chapitre 53: Comment fut bâtie et dotée l’abbaye des Thélèmites

Im 53. Kapitel geht es um den Erbau der Abtei und wie sie gestaltet sein soll. Im ersten Abschnitt wird über die Finanzierung zum Bau und zur Einrichtung geschrieben. Diese überdimensionalen großen Zahlen lassen darauf schließen, dass damit die Größe und Bedeutung des Modells dargestellt werden soll. Diese Übertreibung wird auch als hy­perbolisch bezeichnet. Es werden Zahlen erwähnt, wie zum Beispiel: «... deux millions sept cent mille huit cent trente. un million six cent soixante-neuf mille. deux millions trois cent soixante-neuf mille cinq cent quatorze. » (Chapitre 53, p. 355) Diese immens­großen Werte soll jährlich an der Abteitür verrichtet werden.

Im nächsten Abschnitt geht es um den Aufbau der Abbaye de Thélème. Das Gebäude soll sechseckig sein und auf jeder Ecke solle ein «une grosse tour» (Chapitre 53, p. 357) stehen. Danach wird erklärt, wie die Türme aussehen, was sie „beinhalten" sollen und sie erhalten jeder einen Namen. Bei den Beschreibungen, wie sie aussehen sollen und was ihre Funktion ist, erklärt Gargantua sehr detailgetreu.

Zwischen den Türmen befänden sich große Zwischenräume, die in vollem Umfang aus­genutzt werden. Dabei macht er folgenden Vergleich: «. celui-ci était cent fois plus magnifique que Bonnivet, Chambord ou Chantilly. » (Chapitre 53, p. 357) Desweiteren gibt es «les grandes bibliothèques de grec, latin, hébreu, français, italien et espagnol, réparies sur les différents étages, selon les langues.» (Chapitre 53, p. 359)

Am Ende wird beschrieben, wo sich ein Tor befindet und auf diesem Tor steht etwas mit großen Buchstaben geschrieben, welches man im folgenden Kapitel lesen kann.

Kapitel 54: Aufschrift des Tors zu Thelem

Chapitre 54: L’inscription mise sur la grande porte de Thélème

[...]

Ende der Leseprobe aus 10 Seiten

Details

Titel
Abbaye de Thélème als utopischer Entwurf? Eine Auseinandersetzung mit Rabelais' "Gargantua"
Hochschule
Universität Potsdam  (Romanistik)
Veranstaltung
Auf der Suche nach den Quellen des Wahren und Schönen – Französische Renaissance
Note
2,0
Autor
Jahr
2015
Seiten
10
Katalognummer
V383635
ISBN (eBook)
9783668592797
ISBN (Buch)
9783668592803
Dateigröße
574 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
utopie, Abbaye de Thélème, Rabelais
Arbeit zitieren
Christin Curth (Autor:in), 2015, Abbaye de Thélème als utopischer Entwurf? Eine Auseinandersetzung mit Rabelais' "Gargantua", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/383635

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