Im Verlauf der großen Auswanderungswellen im 19. und 20. Jahrhundert haben sich weltweit viele deutsche Sprachinseln entwickelt. Beeinflusst werden diese Gebiete maßgeblich durch die Zuwanderung aus der Mehrheitsgesellschaft, was über kurz oder lang dazu führt, dass innerhalb mehrerer Generationen die Muttersprache verdrängt wird. Beschleunigt wird dies durch den wachsenden Entwicklungsgrad der Technik und der Infrastruktur.
In dieser Abhandlung soll am Beispiel der Besiedlungsgeschichte Pozuzos die Entwicklung der deutschen Sprache analysiert und die Frage geklärt werden, ob die deutsche Sprache und Brauchtum in Pozuzo bewahrt werden kann.
Einführend wird ein geographischer und demographischer Überblick Pozuzos, der Kolonisation und der Besiedlung durch Deutsche sowie Österreicher gegeben.
Im zweiten Teil des Aufsatzes wird auf die Entwicklung der deutschen Sprache eingegangen.
Es werden verschiedene Faktoren des Spracherhalts aufgezeigt. In einem Überblick über die sprachliche Situation werden Einflüsse des Dialekts und des Spanischen geschildert.
Im Schlussteil wird der Status des Deutschen beschrieben und ein Ausblick gegeben.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Pozuzo
2.1. Lage und Klima
2.2. Besiedlungsgeschichte Pozuzos
2.2.1. Phasen der deutschsprachigen Besiedlung
2.2.2. Die Kolonisation
2.3. Bevölkerungsstruktur
2.3.1. Demographie und Gesellschaft
2.3.2. Die Entwicklung der Bevölkerung und der Deutschsprachigen
3. Das Deutsche und seine Entwicklung
3.1. Die sprachliche Situation
3.2. Rheinländisch und Tirolisch in Pozuzo
3.2.1. Der rheinländische Dialekt
3.2.2. Der tirolische Dialekt
3.3. Der Einfluss des Spanischen
3.4. Kontakt zu den Mutterländern
4. Schlussbetrachtung
4.1. Status des Deutschen
4.2. Ausblick
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit analysiert die historische Entwicklung der deutschen Sprache in der Siedlung Pozuzo (Peru) vor dem Hintergrund einer isolierten Sprachinsel und untersucht, ob diese Sprache sowie das kulturelle Brauchtum langfristig bewahrt werden können.
- Geschichte der Besiedlung durch deutsche und österreichische Einwanderer
- Demografische Entwicklung und Einfluss von Mischehen auf den Sprachgebrauch
- Sprachkontaktphänomene und der Wandel vom Tiroler Dialekt zum Spanischen
- Die Rolle politischer Faktoren und nationaler Sprachpolitik
- Bedeutung des kulturellen Austauschs mit den Mutterländern für den Spracherhalt
Auszug aus dem Buch
3.2.2. Der tirolische Dialekt
Der pozuzotirolische Dialekt hat südbairisch-tirolische Kennzeichen. Mithilfe von morphologischen Merkmalen lässt sich das Herkunftsgebiet des Dialekts auf das Tiroler Oberinntal eingrenzen. Beispielsweise ist sowohl in Pozuzo, als auch im Oberinntal in Silz und Haiming die Erhaltung des –n bzw. –en. gebräuchlich: z.B. mǫ:lən - „mahlen“.
Die Gründe für die Dominanz der Oberinntaler Varietät liegen in der Besiedlungsgeschichte: Viele Siedler, und vor allem der erste Pfarrer, zuvor Kaplan von Silz, kamen aus dieser Region. Dadurch haben über kurz oder lang die anderen Siedler diese dialektalen Merkmale übernommen.
Heutzutage weist das Pozuzotirolische noch immer eine hohe Eigenständigkeit auf. Es beschränkt sich zwar auf Alltägliches und hat viele spanische Interferenzen, dennoch wurden spanische Wörter in den pozuzotirolischen Wortschatz eingegliedert. Besonders auffällig ist, dass die deutsche Verbendung „-ieren“ an viele spanische Verbwurzeln angehängt wurde.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Problematik von Sprachinseln ein und skizziert das Forschungsziel, die sprachliche Entwicklung und den Status des Deutschen in Pozuzo zu analysieren.
2. Pozuzo: Das Kapitel bietet einen geographischen Überblick und beschreibt die Besiedlungsgeschichte sowie die demografische Entwicklung der Siedlung von der Gründung bis zur Gegenwart.
3. Das Deutsche und seine Entwicklung: Hier wird der Sprachwandel vom Deutschen hin zum Spanischen unter dem Einfluss von Siedlungsgeschichte, Politik, Mischehen und Dialektkontakt detailliert untersucht.
4. Schlussbetrachtung: Dieses Kapitel fasst den aktuellen Status des Deutschen zusammen und gibt einen Ausblick auf die Zukunft der deutschen Sprache und des tirolischen Dialekts in Pozuzo.
Schlüsselwörter
Pozuzo, Sprachinsel, Tiroler Dialekt, Sprachkontakt, Migration, Besiedlungsgeschichte, Spanisch, Assimilierung, Spracherhalt, Kulturtransfer, Mischehen, Oberinntal, Peruanische Kultur, Sprachwandel, Dialektologie
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit?
Die Arbeit befasst sich mit der Entwicklung und dem fortschreitenden Verlust der deutschen Sprache und des tirolischen Dialekts in der peruanischen Siedlung Pozuzo im Verlauf von 150 Jahren.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Zu den Schwerpunkten zählen die Besiedlungsgeschichte, die demografische Bevölkerungsstruktur, der Einfluss des Spanischen als Landessprache sowie die Rolle der kulturellen Kontakte zu den Mutterländern Deutschland und Österreich.
Was ist die zentrale Forschungsfrage?
Die Kernfrage lautet, wie sich die deutsche Sprache in Pozuzo über 150 Jahre entwickelt hat und ob sie angesichts der Assimilierung an die peruanische Kultur und das Spanische eine Zukunft hat.
Welche methodischen Ansätze werden genutzt?
Die Untersuchung basiert auf einer historischen Analyse der Besiedlungsphasen sowie der Auswertung soziolinguistischer Daten und Sprachkontaktphänomene im Dialekt der Siedler.
Was ist der Fokus des Hauptteils?
Der Hauptteil konzentriert sich auf die sprachliche Situation, den Vergleich zwischen rheinländischem und tirolischem Dialekt sowie die vielfältigen Interferenzen durch das Spanische im Wortschatz und Satzbau.
Durch welche Schlagworte ist die Arbeit charakterisiert?
Wichtige Begriffe sind Pozuzo, Sprachinsel, tirolischer Dialekt, Sprachkontakt, Assimilierung sowie das Spannungsfeld zwischen Spracherhalt und demografischer Integration.
Warum konnte sich der tirolische Dialekt gegenüber dem rheinländischen behaupten?
Aufgrund der zahlenmäßigen Überlegenheit der Tiroler Siedler und der Herkunft der ersten Pfarrer aus dem tirolischen Oberinntal setzte sich deren Sprachvarietät als dominanter Dialekt in Pozuzo durch.
Welche Rolle spielen "Falsche Freunde" im Pozuzotirolischen?
Die Übertragung von spanischen Strukturen in das Deutsche führt oft zu Schwierigkeiten bei der Übersetzung, da Konzepte (wie der Zusammenfall von Dativ und Akkusativ) aus dem Spanischen den Sprachgebrauch der Siedler prägen.
- Arbeit zitieren
- Siegfried Senfmann (Autor:in), 2015, Die Entwicklung der deutschen Sprache in der Siedlung Pozuzo, Peru, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/383643