Papst Leo IX. und seine Bedeutung für die Kirchenreform im Mittelalter


Hausarbeit, 2017

14 Seiten, Note: 2,3

Anonym


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Die Kirchenreform
2.1 Das Reformpapsttum vor Leo IX.
2.2 Die Ursprünge der Reformbewegung

3. Das Pontifikat Leos IX.
3.1 Die Reformen unter Leo IX.
3.2 Synoden von Reims und Mainz unter Leo IX.

4. Fazit

5. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Seit Mitte des 11. Jahrhunderts erhoben sich im deutschen Reich und in anderen Teilen Europas Stimmen gegen die königliche Führung der Kirche. Es wurde ein Reformgedanke entwickelt, der Papst Leo IX. als energischen Vertreter des frommen Glaubens und als Initiator dieser Entwicklungen darstellte. Wie lässt sich seine Amtszeit als Papst von 1049 bis 1054 in diese Bewegung einordnen?

Da das Reich im Hochmittelalter von der Wechselwirkung verschiedenster Stände geprägt ist, ist es von Interesse, auch besondere Persönlichkeiten und deren Wirken für diese Zeit zu untersuchen. In der frühen Reformbewegung bis hin zum Investiturstreit wird das anfängliche Handeln Leos und dessen Pontifikat sichtbar. Somit ist es sinnvoll, die Veränderung unter Papst Leo IX. zu betrachten und genauer zu untersuchen. Welche Ziele und Maßnahmen zeichneten Leo aus? Was machte er anders als seine Vorgänger und welche Auswirkungen hatte er auf seine Nachfolger? Der Fokus dieser Arbeit soll dabei aber in erster Linie auf dem Handeln Leo IX. während seiner fünfjährigen Amtszeit als Papst liegen. Besonders soll auf die Frage eingegangen werden, ob er als ein Wegbereiter für die Kirchenreform im Mittelalter angesehen werden kann.

Um diese Frage beantworten zu können, sind folgende Schritte erforderlich: Eine kurze Einführung in die Vorgeschichte der Kirchenreform und die des Reformpapsttums steht am Anfang, dann soll im Hauptteil der Arbeit das Wirken des Pontifikats Leos dargestellt werden. Dabei wird die Vorgeschichte Leos zwar eine erklärende Funktion haben, die kriegerischen Auseinandersetzungen des päpstlichen Heeres mit den Normannen unter der Führung Leos können allerdings kaum berücksichtigt werden, da es den Rahmen dieser Arbeit sprengen würde. Im Anschluss daran wird eine Synode betrachtet, die einen genaueren Einblick in Leos Arbeitsweise geben soll. Im letzten Teil wird dann eine Antwort auf die oben genannte Forschungsfrage gegeben und ein Fazit gezogen.

Um den gegenwärtigen Forschungsstand darzustellen, ist es hilfreich, das Buch „Die Mittelalterliche Kirche“ von Michael Borgolte[1] zur Rate zu ziehen. In diesem Werk wird ein guter Gesamtüberblick über die gegenwärtige Forschungslage in allen Bereichen präsentiert. Jedoch sollte man beachten, dass nur die deutsche Kirchengeschichte vorgestellt wird. Sucht man einen schnellen Gesamtüberblick auch über Deutschland hinaus, so sollte man „Kirchenreform und Investiturstreit“ von Werner Goez[2] hinzuziehen. In diesem Werk werden nicht nur Anregungen zur Kirchenreform gegeben, sondern auch zur Klosterreform und dem Investiturstreit. Das „Handbuch der Kirchengeschichte“ von Hubert Jedin[3] ist zwar etwas älter, bietet sich aber ideal für die Quellensuche an. „Konziliengeschichte“[4] von Georg Gresser gibt einen guten Überblick über die abgehaltenen Konzile seit Papst Leo IX. Dabei wird eine streng an der Quelle ausgerichtete Darstellung präsentiert, die den Leser optimal in diese Zeit blicken lässt. Das Buch von Georges Bischoff und Benoit-Michel Tock[5] gibt Einschätzungen über den Zustand der Kirche vor der Mitte des 11. Jahrhunderts und eignet sich deshalb besonders gut als Einstiegsliteratur und zur Begriffsbestimmung. Allerdings sollte man hier beachten, dass die meisten Texte in französischer Sprache verfasst sind, sodass eventuell Sprachbarrieren aufkommen könnten.

2. Die Kirchenreform

Die Kirchenreform wird gern mit dem Begriff Gregorianische Reform assoziiert, sollte jedoch nicht mit diesem Wort gleichgesetzt werden, da die Gregorianische Reform erst unter Papst Gregor VII. entstanden ist. Unter Kirchenreform versteht man nach F. Kempf den Wunsch zur Rückkehr der „alten Kirche“, also die Bekämpfung bzw. Erneuerung des moralischen Aspektes sowie Verhinderung der Simonie und des Nikolaitismus. Kempf setzt den Beginn der Kirchenreform mit den deutschen Päpsten Clemens II., Damasus II. und Viktor II. an, erwähnt aber auch Ursprünge im Kloster Cluny.[6] Entgegen diesen Erkenntnissen setzt Werner Goez nicht die deutschen Päpste als Anfangspunkt, sondern sieht das Kloster Cluny als einzige Quelle einer solchen Reformidee. „Cluny sei der lautere Quell, aus welchem alle Bächlein der Reform ihren Ursprung genommen hätten.“[7] Mit dieser Behauptung knüpft er an die älteren Erkenntnisse von Franz-Josef Schmale an, der das Kloster ebenfalls als Ursprung sieht. Ergänzend dazu lässt er aber ebenfalls verlauten, dass die deutschen Päpste die Bestrebungen der Klöster förderten.[8]

Zusammenfassend kann die Kirchenreform als eine Erneuerung der Bestrebungen der Kirche betrachtet werden, die den Ursprung in der Klosterreform in Cluny hatte. Der Grundgedanke der „reformatio“ und die damit verbundene Erneuerung der Kirche muss demzufolge den deutschen Päpsten aberkannt werden, da sie diese Idee nur aufgegriffen und gefördert haben.[9]

2.1 Das Reformpapsttum vor Leo IX.

Mit der Synode von Sutri wurde Gregor VI. des Amtskaufes angeklagt und letztendlich überführt. Mit dem Ende dieses Pontifikates sollte nun die Ära der „literarischen Vorkämpfer einer universellen Ordnung“[10] und somit die Ära der Reformen unter den Päpsten von Heinrich III. beginnen. Mit der Amtsenthebung von Gregor VI. setzte Heinrich III. den Bischof Suidger von Bamberg als Clemens II.[11] und somit als neuen Papst durch. Ermöglicht hatte er sich das Recht dieser Amtseinsetzung durch den Einmarsch in Rom und die Verhaftung des alten Papstes, weshalb er durch Adel, Volk und Klerus in Rom die Patriciuswürde erhalten hatte. Er war somit legitimiert, eine solche Amtseinsetzung durchzuführen. Mit diesem Schritt begann zwar eine neue Epoche, die gegen Simonie und Priesterehe sein sollte, jedoch blieben die ersten ernsthaften Veränderungen des neuen Reformpapsttums aus.[12]

Mit der Amtseinsetzung von Clemens II. wurde Heinrich der III. vom römischen Klerus und Volk inthronisiert und anschließend zum Kaiser gekrönt. Mit der Kaiserkrönung verpflichtete sich Heinrich III. gegenüber dem Papst, gegen Adelsintrigen innerhalb von Rom anzukämpfen. Nach dieser Kaiserkrönung sollte bei der Wahl des höchsten kirchlichen Amtes dieses Mal auch gewährleistet werden, dass ein würdiger Kandidat gewählt wurde. Damit sollte auch deutlich werden, dass Heinrich III. und Clemens II. den Kampf gegen Simonie aufnehmen wollten.[13] Wie im vorhergehenden Abschnitt schon erwähnt, blieben erste Veränderungen aus. Auch die nächsten deutschen, durch Heinrich eingesetzten Päpste brachten es nicht nur aufgrund ihrer sehr kurzen Amtszeit, sondern auch aufgrund einer fehlenden Unterstützung des römischen Adels nur zu kleinen und eher unbedeutenden Reformtätigkeiten.[14] All diese Probleme werfen dementsprechend die Frage auf, wie es Leo IX. gelang, den Einfluss der mächtigen Familien und des römischen Adels zu gewinnen, um sein Reformvorhaben durchzusetzen? (Siehe Kapitel 3 Pontifikat Leo)

2.2 Die Ursprünge der Reformbewegung

Die Ursprünge der Reformbewegung können vielseitig betrachtet werden. So habe beispielsweise nach Ian Stuart Robinson der wirtschaftliche Faktor maßgeblichen Einfluss auf die Reformbewegung gehabt. Wirtschafts- und Bevölkerungswachstum sowie die neusten Entwicklungen der Gesellschaft hätten in Handel und Landwirtschaft zu wachsendem Wohlstand geführt. Dabei habe nicht nur der Wohlstand der normalen Gesellschaft davon profitiert, sondern auch der Wohlstand der Kirche. Durch diese Entwicklungen sei ebenfalls das Bestreben nach Unabhängigkeit und Selbstkontrolle signalisiert worden, die als Ursprung einer solchen Reformbewegung gedeutet werden könnten.[15] Diese Ursprünge nahmen somit anfangs Abstand von dem klassischen Gedanken der „reformatio“ und der damit verbundenen Erneuerung der Kirche, sondern fokussierten sich auf den Wohlstand und die Freiheit der Kirche.[16] Erst mit der Klosterreform kam es zu einem Reformgedanken, der sich über die Gesamtkirche ausbreiten sollte und in den Folgejahren zu Veränderungen führte. Nach Frech ist diese Entwicklung ein Ausdruck des „gesteigerten Verantwortungsbewußtsein[s]“[17], der den Ausbau einer Kirchenzentrale und somit die „Universalisierung des päpstlichen Selbstbewußtseins“[18] förderte.

Nach Klaus Herbers seien äußere Ereignisse wie die verworrene Lage des Papsttums der damaligen Zeit Ursprung einer solchen Reformbewegung. Der schnelle Wechsel zwischen den konkurrierenden Päpsten habe dazu geführt, dass Geldzahlungen für die Einsetzung eines Papstes geflossen seien. Dabei habe Gregor VI. mithilfe von 1000 bis 2000 Pfund Silber das Amt des Papstes gekauft. Als Folge dieser Tätigkeit habe er gegen die Bestimmungen des Konzils von Pavia verstoßen.[19] Inhalt dieser Bestimmung war das Verbot, für Geld kirchliche Ämter oder Sakramente zu verkaufen. Letztlich führte dieser Verstoß dazu, dass Gregor VI. seines Amtes enthoben wurde und Heinrich III. aufgrund dieses Ereignisses verstärkt gegen die Simonie vorging.

[...]


[1] Borgolte, Michael: Die Mittelalterliche Kirche, in: Gall, Lothar (Hg.): Enzyklopädie deutscher Geschichte, Band 17, München 2004.

[2] Goez, Werner: Kirchenreform und Investiturstreit 910-1122. Stuttgart 2008.

[3] Kempf, Friedrich u.a., Die mittelalterliche Kirche, Vom kirchlichen Frühmittelalter zur gregorianischen Reform, in: Jedin, Hubert (Hg.): Handbuch der Kirchengeschichte, Band 3, Freiburg, Basel, Wien, 1973.

[4] Georg: Die Synoden und Konzilien in der Zeit des Reformpapsttums in

Deutschland und Italien von Leo IX. bis Calixt II. 1049-1123, in: Brandmüller,

Walter(Hg.): Konziliengeschichte, Paderborn, München, Wien, Zürich 2006.

[5] Bischoff, Georges; Tock, Benoit-Michel: Leon IX et son temps. Strasbourg-Eguisheim, 2002.

[6] Vgl. Jedin, S. 404 und Frech, Gustl: Die deutschen Päpste – Kontinuität und Wandel, in: Weinfurter, Stefan(Hg.): Die Salier und das Reich, Die Reichskirche in der Salierzeit, Band 2, Sigmaringen 1992, S. 314.

[7] Vgl. Goez, S. 3.

[8] Vgl. Schmale, Franz-Josef, Die Anfänge des Reformpapsttums unter den deutschen und lothringisch-tuszischen Päpsten, in: Greschat, Martin (Hg.): Das Papsttums I, Von den Anfängen bis zu den Päpsten in Avignon, Berlin, Stuttgart, Köln, 1993, S. 141.

[9] Lexikon des Mittelalters. Verlag J.B. Metzler, Vol. 4, col. 1686

[10] Goez, S. 94.

[11] Ebd. S. 9.

[12] Vgl. Papsttum I., S.141 und Handbuch Kirchgeschichte, S. 404.

[13] Vgl. Mühlenberg, Ekkehard, Epochen der Kirchengeschichte. Wiesbaden, 1999, S. 153.

[14] Vgl. Goez, S. 96.

[15] Vgl. Robinson, Ian Stuart: The Papal Reform of the Eleventh Century. Lives of Pope Leo IX. and Pope Gregory VII., Manchester 2004, S. 1.

[16] Vgl. Lexikon des Mittelalters. Verlag J.B. Metzler, Vol. 4, col. 1686

[17] Frech, Gustl: Die deutschen Päpste – Kontinuität und Wandel, in: Weinfurter, Stefan(Hg.): Die Salier und das Reich, Die Reichskirche in der Salierzeit, Band 2, Sigmaringen 1992, S. 322.

[18] Ebd. S.322.

[19] Vgl. Herbers, Klaus: Geschichte des Papsttums im Mittelalter. Darmstadt, 2012, S. 116.

Ende der Leseprobe aus 14 Seiten

Details

Titel
Papst Leo IX. und seine Bedeutung für die Kirchenreform im Mittelalter
Hochschule
Friedrich-Schiller-Universität Jena  (Historisches Institut)
Veranstaltung
Frankreich im Hochmittelalter
Note
2,3
Jahr
2017
Seiten
14
Katalognummer
V383663
ISBN (eBook)
9783668592186
ISBN (Buch)
9783668592193
Dateigröße
486 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Frankreich, Papst Leo IX., Kirchenreform, Mittelalter, Reformpapsttum, Pontifikat, Synoden
Arbeit zitieren
Anonym, 2017, Papst Leo IX. und seine Bedeutung für die Kirchenreform im Mittelalter, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/383663

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