Alfred Döblins „Berlin Alexanderplatz“ gilt als Pionier unserer Zeit was die Benutzung der Collage als literarisches Stilmittel anbelangt. Diese Arbeit soll sich daher mit der Wirkungsweise, dem Nutzen und der Verknüpfung mit der eigentlichen Handlung des Werks durch die Collage befassen.
„Der Schweiß auf seiner Stirn! Die Angst, wieder! Und plötzlich rutscht ihm der Kopf weg. Bumm, Glockenzeichen, Aufstehn, 5 Uhr 30, 6 Uhr Aufschluss, bumm bumm, rasch noch die Jacke bürsten, wenn der Alte revidiert, heute kommt er nicht. Ich wer bald entlassen. Pst du, heut nacht ist eener ausgekniffen, Klose, das Seil hängt noch draußen über die Mauer, sie gehen mit Polizeihunde. Er stöhnt, sein Kopf hebt sich, er sieht das Mädchen, ihr Kinn, ihren Hals. Wie komm ich bloß aus dem Gefängnis raus. Sie entlassen mir nich. Ick bin noch immer nich raus.” Diese Passage beschreibt den zweiten Besuch Franz Biberkopfs bei einer Prostituierten. Wegen einer inneren Beklemmung („Die Angst wieder!” ) schweifen seine Gedanken von der Prostituierten ab und stattdessen nehmen Erinnerungen aus dem Tegeler Gefängnis dessen Platz ein. Durch akustische Eindrücke („Bumm, Glockenzeichen...” ), die den Beginn des Tagesablaufes im Gefängnis darstellten, soll verdeutlicht werden, wie sehr die Inhaftierung Franz Biberkopf beeinflusst haben muss. Obwohl Biberkopf entlassen wurde, so fühlt er sich jedoch nicht entsprechend. Auffallend ist auch der plötzliche Wechsel in die erste Person Singular, besonders da er mit Berliner Dialekt einhergeht. Der Erzähler, als Beobachter, soll sich vom Dialekt, und damit Biberkopf, distanzieren. Dies ermöglicht dem Leser auch, den Überblick über die Passage besser zu behalten. Zusätzlich scheinen Biberkopfs Gedanken und Wahrnehmungen wirr zu sein. Als ihm die Gegenwart kurz bewusst wird („Er stöhnt...” ), kommt ihm sofort die Vergangenheit, das Gefängnis in Tegel, wieder in den Sinn. Durch diese Mosaikstruktur aus vielen, schnell abfolgenden Impressionen, Erinnerungen und Eindrücken, die sowohl eine innere als auch äussere Perspektive aufzeigen, erschliesst sich ein vielfältiges Bild des Protagonisten Franz Biberkopf. Diese Mosaikstruktur kann mit der Innenperspektive Biberkopfs Gefühle und Handlungsmotive veranschaulichen, während die äussere Perspektive eine objektive Betrachtung der Ereignisse ermöglicht.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Hauptteil
2.1 Teil A – Genaue Textanalyse
2.2 Teil B – Die Textstellen im Kontext des Werkes
3. Schluss
Zielsetzung und Themen
Die Arbeit untersucht die Funktion und Wirkung der Collage als literarisches Stilmittel in Alfred Döblins Roman „Berlin Alexanderplatz“. Ziel ist es aufzuzeigen, wie durch die Montage unterschiedlicher Texte und Motive nicht nur die Komplexität der Handlung strukturiert, sondern auch eine spezifische urbane Atmosphäre sowie die Innenwelt des Protagonisten Franz Biberkopf authentisch erfahrbar gemacht wird.
- Literarische Montagetechnik als Stilmittel
- Strukturierung von Erzählweisen und Handlungssträngen
- Verbindung von Montage und urbaner Identität
- Verwendung von Leitmotiven zur Leserorientierung
Auszug aus dem Buch
Teil A – Genaue Textanalyse
„Der Schweiß auf seiner Stirn! Die Angst, wieder! Und plötzlich rutscht ihm der Kopf weg. Bumm, Glockenzeichen, Aufstehn, 5 Uhr 30, 6 Uhr Aufschluss, bumm bumm, rasch noch die Jacke bürsten, wenn der Alte revidiert, heute kommt er nicht. Ich wer bald entlassen. Pst du, heut nacht ist eener ausgekniffen, Klose, das Seil hängt noch draußen über die Mauer, sie gehen mit Polizeihunde. Er stöhnt, sein Kopf hebt sich, er sieht das Mädchen, ihr Kinn, ihren Hals. Wie komm ich bloß aus dem Gefängnis raus. Sie entlassen mir nich. Ick bin noch immer nich raus.”
Diese Passage beschreibt den zweiten Besuch Franz Biberkopfs bei einer Prostituierten. Wegen einer inneren Beklemmung („Die Angst wieder!”) schweifen seine Gedanken von der Prostituierten ab und stattdessen nehmen Erinnerungen aus dem Tegeler Gefängnis dessen Platz ein. Durch akustische Eindrücke („Bumm, Glockenzeichen...”), die den Beginn des Tagesablaufes im Gefängnis darstellten, soll verdeutlicht werden, wie sehr die Inhaftierung Franz Biberkopf beeinflusst haben muss. Obwohl Biberkopf entlassen wurde, so fühlt er sich jedoch nicht entsprechend.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung definiert das literarische Stilmittel der Montage und begründet die Relevanz der Untersuchung für Alfred Döblins Roman „Berlin Alexanderplatz“.
2. Hauptteil: Der Hauptteil analysiert mittels konkreter Textbeispiele die Wirkung der Mosaikstruktur und zeigt auf, wie Motive und Fremdtexte zur Strukturierung des Erzählens beitragen.
3. Schluss: Der Schlussteil reflektiert die Risiken und Chancen des Montagestils und kommt zu dem Ergebnis, dass Döblin die Collage meisterhaft zur atmosphärischen Dichte einsetzt.
Schlüsselwörter
Alfred Döblin, Berlin Alexanderplatz, literarische Montage, Collage, Mosaikstruktur, Franz Biberkopf, Erzähltechnik, Leitmotiv, Urbanität, Gewaltmetaphorik, Innenperspektive, literarisches Stilmittel.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit befasst sich mit der Analyse der Montagetechnik, die Alfred Döblin in seinem Roman „Berlin Alexanderplatz“ als zentrales Stilmittel verwendet.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Im Zentrum stehen die Wirkungsweise der Collage, die Verknüpfung mit der Handlung sowie die Nutzung wiederkehrender Motive zur Strukturierung des Romans.
Welches Ziel verfolgt die Arbeit?
Die Arbeit möchte aufzeigen, wie durch die Collage eine authentische Stadtatmosphäre und eine tiefere psychologische Charakterisierung des Protagonisten ermöglicht wird.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Es wird eine genaue Textanalyse angewandt, bei der spezifische Passagen aus dem Werk im Kontext von Theorie und literarischer Montage untersucht werden.
Was wird schwerpunktmäßig im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert sowohl konkrete Textstellen (wie den Dialog mit der Prostituierten oder die Integration von Kleists Werk) als auch die Verwendung von Leitmotive wie dem „Hammerschlag“ oder der „Hure von Babylon“.
Durch welche Schlüsselwörter lässt sich die Arbeit charakterisieren?
Die Arbeit zeichnet sich primär durch Begriffe wie literarische Montage, Mosaikstruktur, Urbanität und Motivik aus.
Wie trägt der Wechsel in die erste Person Singular zur Wirkung der Textanalyse bei?
Der Wechsel ermöglicht eine Distanzierung des Erzählers vom Protagonisten, während er gleichzeitig die wirren Gedanken von Franz Biberkopf unmittelbar für den Leser erfahrbar macht.
Warum wird in der Analyse ein Vergleich mit Heinrich von Kleist gezogen?
Der Vergleich dient dazu, die spielerische Komponente der Montage zu verdeutlichen und aufzuzeigen, wie Missverständnisse zwischen den Charakteren Biberkopf und Lina Przyballa durch eine Analogie zur Literatur eingeordnet werden.
Welche Bedeutung hat das Motiv des Schlachthofes im Kontext der Arbeit?
Das Motiv dient als Gewaltmetapher, die den Protagonisten als Opfer der gewalttätigen Großstadt porträtiert und die ständige Bedrohung seiner Existenz unterstreicht.
Wie bewertet der Autor den Einsatz der Montage im Fazit?
Der Autor schließt, dass der Einsatz der Collage zwar eine hohe Sachkenntnis erfordert, aber letztlich ein unverzichtbares kompositorisches Merkmal ist, um die komplexe Atmosphäre der Stadt und des Romans einzufangen.
- Arbeit zitieren
- C. P. Möcke (Autor:in), 2017, Wirkungsweise, Nutzen und Verknüpfung von Alfred Döblins "Berlin Alexanderplatz" durch die Collage, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/383710