In diesem Aufsatz wird der Frage nachgegangen, inwiefern die neue Arbeitswelt die Karrierewege von im deutschen Sprachraum operierenden Manager/innen und Führungskräften beeinflusst. Vor allem das mittlere und das obere Management stehen dabei im Fokus.
Der Begriff "neue Arbeitswelt" meint nicht nur Veränderungen aufgrund des technologischen Fortschritts, welcher neue Produktionsformen und Formen der Arbeitsausführung und -organisation mit sich brachte, sondern auch "Social Changes", die sich in den Beziehungen zwischen den Ausführenden der Arbeit selbst niederschlugen aber auch innerbetriebliche Strukturen, strategische Entscheidungen und Aspekte der Lebens- und Arbeitssituation von Vorgesetzten und ihren Untergebenen maßgeblich berührten.
Bereits die dritte industrielle Revolution, ein durch Computerisierung, Automatisierung und neuen Kommunikationsformen ausgelöster Umbruch, hat die Arbeitsrealitäten von und Arbeitsanforderungen an Manager/innen und Führungskräfte massiv verändert, was sich auch in deren Karriereverläufen niederschlug.
Es ist davon auszugehen, dass der momentan stattfindende Wandel Richtung Industrie 4.0 die Rolle des Managements in Unternehmen weiter herausfordern und die Entwicklung neuer Managementansätze, Arbeitsformen und Arbeitsbeziehungen notwendig werden lässt. Vor diesem Hintergrund drängt sich die Frage auf, ob traditionelle Karrierewege, Rekrutierungs- und Ausbildungspfade von Manager/-innen und Führungskräften an Bedeutung verlieren werden und eine Anpassung an die veränderten Anforderungen stattfindet.
Inhaltsverzeichnis
1. Der Wandel der Karrieremuster von Manager/innen seit den 1990er Jahren
2. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht, wie sich die Arbeitswelt durch technologischen Fortschritt und ökonomische Umbrüche verändert hat und welche Auswirkungen dies konkret auf die Karrierewege, Anforderungsprofile und Identitätsentwürfe von Führungskräften im deutschsprachigen Raum hat.
- Wandel der Karrieremuster im Vergleich von Fordismus zu Postfordismus
- Einfluss der Kapitalmarktorientierung auf Managementkarrieren
- Spannungsfeld zwischen Flexibilitätsanforderungen und Privatleben
- Vergleich zwischen dem deutschen Modell und angelsächsischen Managementansätzen
- Erosion des „psychologischen Vertrags“ zwischen Unternehmen und Führungskraft
Auszug aus dem Buch
Der Wandel der Karrieremuster von Manager/innen seit den 1990er Jahren
Insbesondere seit den 1990er Jahren zeichnet sich ein Wandel in den Ausbildungs- und Karrierewegen von Manager/innen und Führungskräften ab. Ganz allgemein ist festzustellen, dass sich die Karrieremuster von Manager/innen im deutschsprachigen Raum stärker an aus dem angelsächsischen Raum bekannten Karriereverläufen orientieren und ein neues Unternehmensverständnis Verbreitung findet (vgl. Freye 2009, 12). Höpner und Streeck bringen dieses Phänomen mit der wirtschaftlichen Funktionslogik in Verbindung.
Die Liberalisierungstendenzen im Wirtschaftssystem der mitteleuropäischen Länder hatten demnach auch Einfluss auf die Managementkarrieren (vgl. Höpner 2003a/Streeck 1996/Streeck & Höpner 2003). So waren die 1970er und 1980er Jahre in Deutschland gekennzeichnet durch ein Kapitalismusmodell, welches als „nichtliberal“ (Streeck 2001, 5) bzw. als „rheinischen Kapitalismus“ (Albert 1993, 100) bezeichnet wird. Österreich hob sich mit dem Sonderweg des Austrokeynesianismus zwar in wesentlichen Punkten vom deutschen Modell ab, die Rekrutierungs-, Ausbildungs- und Karrieremuster von Führungskräften waren aber ident.
Dies hat wohl damit zu tun, dass bis in die 1980er Jahre in beiden Ländern das Akkumulationsregime des Fordismus als Regler der ökonomischen Gegebenheiten vorherrschend war. Zentrale Merkmale waren dabei die meist lebenslange Anstellung im gleichen Betrieb, welche Haus- und Kaminkarrieren förderte („vertikale Karrieremobilität“), technikfokussierte Ausbildungswege und ein technokratisches Management mit einer starken Produktionsorientierung (vgl. Gergs/Schmidt 2002, in: Minssen 2006, 188). So konnten auch mit der typischen Facharbeiterkarriere durchaus mittlere Managementpositionen realisiert werden (vgl. Faust 2002, 72).
Zusammenfassung der Kapitel
Der Wandel der Karrieremuster von Manager/innen seit den 1990er Jahren: Das Kapitel analysiert den Übergang vom fordistischen Kapitalismus hin zu einer finanzmarktorientierten Wirtschaft und beleuchtet die damit einhergehenden Veränderungen in den Laufbahnstrukturen von Führungskräften.
Fazit: Der Abschnitt bewertet die Stabilität des traditionellen deutschen Managementmodells und kommt zu dem Schluss, dass ein gradueller Wandel stattfindet, ohne dass eine vollständige Transformation zum angelsächsischen Modell zu beobachten ist.
Schlüsselwörter
Karrierewege, Manager, Führungskräfte, neue Arbeitswelt, Industrie 4.0, Postfordismus, Generalistenkarriere, Change-Management, Humankapital, psychologischer Vertrag, Arbeitsidentität, Flexibilisierung, Kapitalmarktorientierung, Unternehmensbindung, Arbeitskraftunternehmer
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht, wie sich die Bedingungen für Führungskräfte im deutschsprachigen Raum durch den Wandel von der fordistischen zur modernen, marktgesteuerten Arbeitswelt verändert haben.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zu den Schwerpunkten zählen der Einfluss des Kapitalismusmodells auf Managementlaufbahnen, die Veränderung von Ausbildungspfaden und der Wandel des psychologischen Vertrags zwischen Arbeitgeber und Führungskraft.
Was ist die primäre Forschungsfrage?
Die Arbeit fragt, inwiefern traditionelle Karrierewege und Rekrutierungspfade durch die neue Arbeitswelt an Bedeutung verlieren und welche Anpassungsprozesse sich bei Manager/innen zeigen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um einen essayistischen, theoretischen Aufsatz, der auf einer Auswertung soziologischer und wirtschaftswissenschaftlicher Fachliteratur basiert.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert den Übergang von fachspezifischen „Hauskarrieren“ hin zu generalistischen Laufbahnen und beleuchtet das Spannungsfeld zwischen beruflicher Flexibilität und privaten Lebensanforderungen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zentrale Begriffe sind Karrierewege, Postfordismus, Change-Management, Flexibilisierung, Humankapital und Unternehmensbindung.
Warum wird der Begriff „Arbeitskraftunternehmer“ verwendet?
Der Begriff beschreibt den modernen Angestellten, der unternehmerisch handelt und sich selbst ständig an neue Marktbedingungen anpassen muss, um sein Humankapital zu erhalten.
Wie unterscheidet sich das deutsche Managementmodell vom angelsächsischen?
Das deutsche Modell ist historisch stärker produktionstechnisch geprägt und setzt auf langjährige Loyalität, während das angelsächsische Modell stärker durch Finanzmarktorientierung und Generalistenkarrieren charakterisiert ist.
Führt die Veränderung zu einer totalen Abkehr vom deutschen Modell?
Das Fazit der Arbeit verneint dies: Es findet eine graduellere Vermischung statt, wobei besonders in kleineren und mittelständischen Unternehmen traditionelle Strukturen weiterhin Bestand haben.
Welche Auswirkungen hat der Wandel auf das Privatleben von Managern?
Durch steigende Anforderungen an räumliche Mobilität, ständige Verfügbarkeit und Flexibilität entsteht ein dauerhaftes Spannungsfeld, das Konflikte mit familiären Verpflichtungen provoziert.
- Quote paper
- Maria Grashäftl (Author), 2017, Wie verändern sich die Karrierewege von Managern und Managerinnen in einer neuen Arbeitswelt?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/383754