Methoden und Techniken der qualitativen Sozialforschung. Interviewführung eines leitfadengestützten Interviews am Beispiel Studienwahl


Hausarbeit, 2014

24 Seiten, Note: 2,00


Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Darstellung der Interviewform „Leitfadengestütztes Interview"

3. Reflexion der Interviewführung

4. Fazit

5. Literatur

6. Anhang

1. Einleitung

Im Rahmen der Übung „Methoden und Techniken der qualitativen Sozialforschung: Metho­den der Interviewführung" wurde von mir ein leitfadengestütztes Interview mit einer Kom­militonin zu dem Thema Studienwahl durchgeführt. In dieser dazugehörigen Hausarbeit möchte ich zunächst die Interviewform des leitfadengestützten Interviews beschreiben, be­vor ich anschließend näher auf das geführte Interview eingehe. Hierbei liegt der Fokus auf der Reflexion meiner Interviewführung, daher beschreibe ich zum einen die Gesprächsfüh­rung des Interviews, zum anderen aber auch die verwendeten Fragetypen. Abschließend gehe ich noch kurz auf das Setting der Interviewsituation ein.

2. Darstellung der Interviewform „Leitfadengestütztes Interview"

Zu der Interviewform des leitfadengestützten Interviews zählen die Interviewarten fokussier­tes Interview, halbstandardisiertes Interview, problemzentriertes Interview sowie Ex- pert/innen-Interview (Helfferich 2009). Diese Interviewart ist somit strukturierter als narrati­ve Interviews mit ihrer absoluten Erzählfreiheit, aber dennoch weniger strukturiert als stan­dardisierte Interviews durch deren vollständige Vorgabe an Antwortkategorien (Scholl 2003). Die Gemeinsamkeit leitfadengestützter Interviews ist ein vorab durch den Forscher erstellter Leitfaden mit Fragen oder Stichpunkten. Dieser Leitfaden wird von dem Interviewer inner­halb des Interviews verwendet, jedoch sollte sich der Interviewer bei der Handhabung des Leitfadens an dem Erzählverlauf und somit an den subjektiven Relevanzstrukturen der Be­fragten orientieren. Dies soll eine gewisse Flexibilität ermöglichen und ein zu striktes Fest­halten an dem Leitfaden und eine daraus resultierende Leitfadenbürokratie verhindern. An­gewendet wird das leitfadengestützte Interview bei relativ eng eingegrenzten Fragestellun­gen, wenn sich das Forschungsinteresse also auf einen bestimmten Bereich erstreckt. Durch die in dem Leitfaden festgehaltenen Fragen, die in dem Interview eingebracht werden, lässt sich sicherstellen, dass die den Forscher interessierenden Aspekte eines Themas durch die befragte Person beantwortet werden. Durch den Leitfaden lässt sich die Erzählung der be­fragten Person zudem deutlicher strukturieren als dies bei einem narrativen Interview der Fall ist. Hieraus ergibt sich ferner eine hohe Vergleichbarkeit mehrerer leitfadengestützter Interviews. Ein weiteres Merkmal des leitfadengestützten Interviews ist zudem, dass dieses nicht auf bestimmte Personengruppen begrenzt ist. So lassen sich mit dieser Interviewform beispielsweise soziale Randgruppen befragen, denen der Leitfaden als Gesprächshilfe dient und die mit einer völlig offenen Narration überfordert wären. Gleichzeitig ist diese Intervie­wart aber auch für Interviews mit Experten geeignet, da in diesem Fall lediglich ein begrenz­ter Themenbereich für den Forscher von Interesse ist.

Das leitfadengestützte Interview beginnt mit einer möglichst offenen, narrativen Einstiegs­frage und anschließend orientiert sich der Gesprächsverlauf wie bereits beschrieben an der Relevanzsetzung des Befragten. So sollen spezifische Nachfragen die Themen weiter vertie­fen, die von der interviewten Person angedeutet, aber noch nicht näher erläutert wurden. Die Forschungsfragen des Leitfadens knüpfen daran, soweit es möglich ist, an. Erst, wenn alle durch den Interviewten gegebenen Informationen erörtert worden sind, soll zu einem neuen Themenkomplex übergegangen werden, wobei dieser neue Bereich wiederrum mit einer offenen Einstiegsfrage starten soll, an die sich spezifische Nachfragen anschließen (Przyborski/Wohlrab-Sahr 2009).

3. Reflexion der Interviewführung

In dem vorher erarbeiteten Leitfaden findet sich zunächst die Einstiegsfrage, die „Erzähl mir bitte einmal, warum Du dein Studienfach gewählt hast" lautet. Während dem Interview wurde diese Frage jedoch spontan in „Und es wäre toll wenn Du mir jetzt hierzu erzählen könntest, was Du eigentlich studierst und warum Du denn dein Studienfachgewählt hast" (Zeilen 9-11) abgeändert, um überhaupt zu erfahren, welche Fächer die Interviewperson studiert. Hätte ich dieses nicht spontan im Interview geändert, hätte es passieren können, dass die Interviewpartnerin zwar darauf zu sprechen kommt, wie sich ihre Studienwahl ge­staltet hat, sie jedoch nicht erwähnt, welchen Studiengang sie überhaupt studiert. Diese vorgenomme Änderung der Einstiegsfrage führte jedoch wie erhofft dazu, dass die Inter­viewpartnerin bereits in ihrem ersten Satz erwähnte, welche Fächer sie als Haupt- und Ne­benfach studiert (Zeilen 12-13) und auch aus welchen Gründen das Hauptfach gewählt wur­de, wurde bereits in der ersten Antwort aufgrund einer Warum-Frage näher erläutert. Auch die zweite von mir gestellte Frage (Zeile 39) ist eine Warum-Frage, um zu erfahren, aus wel­chen Gründen die Interviewpartnerin angibt, wieder in ihr Heimatland zurück zu müssen. Bei der dritten (Zeilen 56-57) und vierten Frage (Zeile 59) sollte erläutert werden, aus welchen Gründen sich die interviewte Person für die LMU als Universität entschieden hat und ob es noch weitere Universitäten zur Auswahl gegeben hätte. Die vierte Frage war jedoch hierbei etwas offener gestellt, während die dritte Frage (Zeilen 56-57) geschlossener formuliert war und mehr eine Wiederholung des Gesagten der Interviewpartnerin war, um zu kontrollieren, ob ich sie bei ihrer Wahl des Studienortes richtig verstanden habe. Diese Frage hätte jedoch auch etwas anders formuliert werden können, da sie jedoch nicht in dem Leitfaden enthal­ten war, habe ich mich spontan für ein Zusammenfassen des Gesagten entschieden. In den Zeilen 60 bis 65 berichtete mir meine Interviewpartnerin Dara[1] von ihren Erlebnissen bei der Einschreibung an der Uni München, da ich mich jedoch noch nie damit beschäftigt habe, welche Unterlagen Kommilitonen aus Nicht-EU-Ländern bei der Einschreibung einreichen müssen, konnte ich die Schilderungen nach dem „Hin und Her" (Zeile 63) nicht komplett nachvollziehen, weshalb ich noch näher nachfragen musste, welche Probleme es bei der Einschreibung gab. Daher fragte ich meine Interviewpartnerin, welche Probleme es gab, was das für ein Hin und Her war und ob sie mir dies noch genauer schildern könnte (Zeilen 66­67). Diese Nachfrage enthält jedoch eigentlich drei Fragen „Was gab's da für Probleme? Was war das für ein Hin und Her? Kannst Du mir das noch genauer schildern?" was unnötig war und auch auf die letzte Frage „Kannst Du mir das noch genauer schildern" hätte reduziert werden können. Diese Nachfrage war jedoch recht ergiebig, da meine Interviewpartnerin hierauf wesentlich länger einging als bei der Frage in Zeile 59. Dass sie sich über ihr Studium informiert hatte, wurde bereits in den Zeilen 33 bis 36 deutlich, wo mir Dara berichtete, dass sie mit der Studiengangskoordinatorin gesprochen hätte und sich den Studienverlauf ange­schaut hätte, jedoch wollte ich noch mehr erfahren, inwiefern sie sich über ihr Studium in­formiert hat, da diese Frage ja im Fokus des Leitfadens steht. Jedoch merkte ich hierbei durch ihre Antwort in den Zeilen 87 bis 89 recht schnell, dass meine Interviewpartnerin sel­ber von sich aus sagt, sie hätte sich mehr informieren sollen, so dass ich in Zeile 90 nachhak­te, wie diese Informationen hätten aussehen können. Hierbei kam jedoch völlig unvermittelt das Bild auf, dass Dara mit ihrem Studium eigentlich aufgrund mangelnder Informationen vor dem Studium nun mit diesem nicht zufrieden ist, da sie es sich anders vorgestellt hat. Daher fragte ich nach, wie sie festgestellt hat, dass dieses Studium doch nicht das richtige für sie ist (Zeilen 101-102). Ich entschied mich hierbei für eine Wie-Frage, da ich wissen wollte, wie sie dies bemerkt hat, worauf Dara ausführlich antwortete. An ihre Antwort anschlie­ßend, die offenlegte, dass Dara italienisch studiert um nach Italien auszuwandern, schloss ich eine Frage an (Zeilen 117-118), ob die Auswanderung nach Italien ihr Ziel sei und sie aus die­sem Grund ihr Italienischstudium aufgenommen hat, woraufhin sich noch einige Nachfragen meinerseits anschlossen, wie es zu ihren Urlauben in Italien kam (Zeilen 127-128) und was sie dort später beruflich machen möchte (Zeilen 132-133), so dass ich auch hier mit Fragen aus dem Leitfaden an das von meiner Interviewpartnerin Gesagte anknüpfen konnte. In ihrer Antwort (Zeile 139) erwähnte sie Praktika in der PR- und Marketingbranche, was ich in der nächsten Frage von mir (Zeilen 145-148) mit ihrem in der ersten Antwort erwähnten Neben­fachstudium der Kommunikationswissenschaft verknüpfte und ich anschließend von Dara wissen wollte, wie sie sich über ihr kommunikationswissenschaftliches Studium informiert hat, da sie bisher lediglich auf ihr Hauptfachstudium der Italianistik eingegangen ist. Jedoch kann rückblickend vielleicht gesagt werden, dass die Frage nach der Information zu dem Ne­benfach in den Zeilen 161 bis 162 mit „... hast Du Dich (...) auch darüber informiert?" eine Suggestivfrage ist, die von einem anderen Interviewpartner vielleicht etwas zu provokant empfunden hätte werden können und aus diesem Grund offener formuliert hätte sein sol­len. Stattdessen hätte beispielsweise gefragt werden können „Erzähl mir doch bitte einmal, wie Du dich über dein Studium der Kommunikationswissenschaft informiert hast". Eine ähn­liche Formulierung erfolgte jedoch erst in der anschließenden Frage in den Zeilen 176 bis 177, da die vorhergehende Antwort von Dara zeigte, dass sie sich bei ihrer Wahl des Neben­fachs lediglich auf die Erzählungen und die Unterlagen einer Freundin verlassen hat. Bei den Zukunftsaussichten erwähnte sie, dass Kommunikationswissenschaft bessere Möglichkeiten bieten würde als ihr Hauptfachstudium, so dass ich anschließend an ihre Antwort näher wis­sen wollte, welche Möglichkeiten dies denn seien. Jedoch hätte ich hier, dadurch dass sie in ihrer Antwort nur auf eine dieser Möglichkeiten eingeht, vielleicht noch nach weiteren Mög­lichkeiten fragen können, wie zum Beispiel „Welche weiteren Möglichkeiten gäbe es für Dich noch?". Stattdessen ging ich darauf ein, dass sie erzählt hatte, dass sie bereits in ihrem Hei­matland einige Vorlesungen in diesem Bereich absolviert hat. So wollte ich von Dara wissen, ob neben dem Studium der Kommunikationswissenschaft und neben dem Italienisch­Studium noch weitere alternative Studiengänge zur Wahl gestanden sind (Zeilen 202-204). Jedoch ging Dara in ihrer Antwort nicht darauf ein, ob es noch weitere Möglichkeiten an Studiengängen gegeben hätte oder nicht, sondern lediglich darauf, welches dieser beiden Studienfächer Haupt- bzw. Nebenfach geworden ist bzw. gewesen hätte sein können. Ur­sprünglich wollte ich jedoch in meiner Frage wissen, ob sie gerne noch ein ganz anderes Stu­dienfach wie beispielsweise Kunstgeschichte studiert hätte, jedoch kam dies in der von mir gestellten Frage nicht deutlich genug zum Vorschein. Dies lag sicherlich daran, dass ich in meiner Frage wieder auf das Fach Kommunikationswissenschaft eingegangen bin, dass Dara ja bereits im Nebenfach studiert. Dadurch, dass ich die Frage fehlerhaft formuliert habe, hat Dara meine Frage bzw. auf das, auf was ich eigentlich hinaus wollte, nicht verstanden, und konnte natürlich auch nicht das beantworten, was mich jedoch eigentlich interessiert hätte. An dieser Stelle hätte ich definitiv nachhaken müssen und die Frage anders formulieren sol­len, so dass Dara versteht, auf was ich hinaus wollte. Jedoch habe ich diesen Faden im Laufe ihrer Antwort verloren, da ich an dieser Stelle doch zu sehr auf den Fragebogen fixiert war, so dass ich mehr darauf bedacht war, die Frage nach den Einschränkungen (Zeilen 219-220) aus dem Fragebogen abzufragen. Und auch daran anschließend war ich, wird dies im Nach­hinein betrachtet, wohl der Leitfadenbürokratie unterlegen bin. So schlossen sich an diese Frage noch die Frage nach dem persönlichen Umfeld an (Zeilen 229-230) und nach der Art der Unterstützung der Eltern (Zeile 237) an, die beide auch im Leitfaden zu finden sind. Auch wenn diese Fragen grundsätzlich gut an diese Stelle des Interviews passen, da sie doch auch an das Gesagte meiner Interviewpartnerin anknüpfen, merkt man, dass Daras Antworten zu diesen Fragen deutlich kürzer ausfallen, als im bisherigen Interviewverlauf und dass der Fra- ge-Antwort-Wechsel hier deutlicher zum Vorschein kommt als im restlichen Interview. Dies ändert sich jedoch wieder, als Dara darauf zu sprechen kam, dass sie von ihren Eltern keine Unterstützung erhält und auch gar nicht möchte, da sie sich ihr Studium komplett durch ih­ren Nebenjob finanziert. Wie wichtig ihr dieses Thema ist, erkennt man an der überdurch­schnittlichen Länge von Daras Antworten. Aus diesem Grund, aber auch weil wir bereits aus­führlich über das Thema Studienwahl und die Information über das Studium gesprochen haben, wollte ich mehr darüber erfahren, wie sich die Vereinbarkeit von Job und Studium für Dara gestaltet. Daher stellte ich die Frage „Und wie gestaltet sich dann die Vereinbarkeit von deinem Job und deinem Studium? Wie empfindest Du das?" (Zeilen 263-264). Hierbei wollte ich mit der Frage „Wie empfindest Du das?" herausfinden, inwiefern diese Vereinbarkeit Dara Probleme bereitet und ob sie dies als stressig empfindet. Jedoch habe ich diese Frage an dieser Stelle spontan gestellt und hierdurch zwei Fragen auf einmal gestellt, wo dies auch als eine Frage hätte formuliert werden können. So hätte man diese Frage beispielsweise auch zu der Frage „Wie empfindest Du die Vereinbarkeit von deinem Job und deinem Studi­um?" umformulieren können. Und auch die nächste Frage in den Zeilen 290 bis 291 hätte ich anders, und zwar deutlich offener formulieren können. Mit der Formulierung „Hast Du manchmal in stressigen Phasen wie zum Beispiel in der Klausurenzeit auch das Gefühl (...), dass dein Studium ein bisschen zu kurz kommt durch den Stress vom Arbeiten?" impliziere ich ja bereits, dass die Vereinbarkeit von Studium und Arbeiten vor allem in der Klausuren­zeit stressig ist. Daher muss ich rückblickend sagen, dass diese Formulierung bereits zu deut­lich in eine Richtung formuliert ist und dass die Frage bereits das enthält, was ich hoffe, dass Dara dies in ihrer Antwort formuliert. Somit kann nicht ausgeschlossen werden, dass ich meine Interviewpartnerin in diese Richtung hin mit meiner Fragestellung „manipuliere", auch wenn dies in der Interviewsituation natürlich keineswegs von mir beabsichtigt war und dies unterbewusst geschehen ist. Aus diesem Grund hätte ich diese Frage auf jeden Fall of­fener formulieren müssen. Eine Möglichkeit hierfür wäre beispielsweise die Formulierung „Wie empfindest Du die Vereinbarkeit von Studium und Arbeit insbesondere während der Klausurenzeit?", die mit einer Wie-Frage auch auf die Art und Weise der Empfindung hinaus­läuft. Als letzte Frage war zum Abschluss die Frage geplant, ob es noch etwas gibt, das mich zum Thema Studienwahl noch interessieren könnte, über das wir aber noch nicht gespro­chen haben (Zeilen 308-311). Diese Frage war als Schlussfrage im Leitfaden vorgesehen. Ich habe jedoch an dieser Stelle nicht damit gerechnet, dass meine Interviewpartnerin Dara doch noch einmal so ausführlich antwortet. Hier kam noch einmal zur Sprache, dass sie mit ihrem gewählten Studium eigentlich nicht glücklich ist, aber nun kurz vor ihrem Abschluss nicht abbrechen möchte (Zeilen 314-320). Daraufhin wollte ich abschließend von ihr wissen, ob es in ihrem Studium doch Momente hab, in denen sie vielleicht doch fast abgebrochen hätte (Zeilen 325-327), was sie ausführlich und sehr ehrlich beantwortete und das Interview­gespräch mit dieser Antwort gut abschloss.

Nach der Gesprächsführung und den Fragetypen möchte ich nun anschließend dazu kom­men, welche Fragen in meinem Leitfaden enthalten waren, welche dann in dem Interview beinahe wortwörtlich so gestellt worden sind und welche Fragen ich aus dem Leitfaden um­formuliert habe. Abschließend möchte ich jedoch auch noch kurz auf die Fragen eingehen, die nicht in meinem Leitfaden enthalten waren und sich spontan aus dem Gespräch heraus ergeben haben. Aus diesem Grund möchte ich nun zunächst zu dem Leitfaden meines leitfa­dengestützten Interviews kommen, den ich vorher in Zusammenarbeit mit einer anderen Kommilitonin ausgearbeitet, zu einem späteren Zeitpunkt jedoch noch einige Änderungen vorgenommen habe. Der Leitfaden enthält neben der Einstiegsfrage noch Nachfragen, die nach thematischen Bereichen geordnet sind. Diese thematischen Bereiche gliedern sich in den Punkt Orientierungsfindung und Recherche, Einschränkungen, Berufliche Zukunft, Vor­geschichte und sozialer Hintergrund. Der Unterpunkt Orientierungsfindung und Recherche umfasst mit 13 Fragen den Großteil an Fragen des Leitfadens. Die Fragen nach der Informa­tion über das Studium, ob mit anderen Personen über die Studienwahl gesprochen wurde, aus welchen Gründen sich für ein Studium an der LMU entschieden wurde und inwiefern sie ihre Interessen bei der Studienwahl beeinflusst haben wurden durch die Antworten von Da- ra bereits beantwortet, ohne dass diese vier Fragen selber von mir gestellt wurden. Zwei weitere Fragen dieses Fragenblocks wurden zwar in dem Interview gestellt, wurden jedoch nicht wortwörtlich übernommen, sondern im Verlauf des Interviews spontan umformuliert. So wurde aus der Frage „Gab es noch andere Universitäten, die zur Auswahl standen?" nun „Hätte es auch andere Möglichkeiten gegeben, dass Du woanders in Deutschland studierst?" und die Frage, ob es noch mehrere Fächer zur Auswahl gab wurde spontan in „... war dann trotzdem für Dich klar, wenn Du nach Deutschland gehst, Du möchtest Italianistik im Haupt­fach studieren oder (...) hätte es (...) auch andere Studienfächer gegeben wie zum Beispiel Kommunikationswissenschaft, die für Dich auch noch in Frage kommen?" umgeändert (Zei­len 202-204). Diese spontane und gleichzeitig zu umständliche Umformulierung dieser Frage führte jedoch wie bereits beschrieben dazu, dass Dara nicht wissen konnte, dass ich ur­sprünglich darauf hinauswollte, ob es neben diesen beiden Fächern noch weitere mögliche Studienfächer gegeben hätte. Aus diesem Grund hätte ich mich rückblickend hier enger an die Formulierung aus dem Leitfaden halten sollen, da hierbei klarer wird, auf was der Inter­viewer hinaus möchte. Nur eine Frage aus diesem Themenblock wurde beinahe wortwörtlich in dem Interview verwendet, und zwar, wie das nähere Umfeld auf ihre Studienwahl reagier­te (Zeilen 229-230). Andere Fragen, wie nach der Entscheidung gegen andere Fächer oder andere Universitäten waren in dem Kontext des Gesprächs für mich als Interviewer nicht mehr von Relevanz, da ich merkte dass diese für Dara ebenfalls nicht relevant waren, wes­halb ich mich entschied, diese wegzulassen. Lediglich die Frage, wie meine Interviewpartne­rin durch die Gespräche mit der Studiengangskoordinatorin (Zeile 34) und ihrer Freundin (Zeilen 168-170 und Zeilen 178-180) beeinflusst wurde, hätten noch gestellt werden sollen, jedoch wurde dies vergessen zu fragen. Die Frage nach den Einschränkungen bei der Studi­enwahl aus dem zweiten Themenblock Einschränkungen wurde mit „Hätte es denn wenn Du Kommunikationswissenschaft als Hauptfach wählen würdest, hätte es da irgendwelche Ein­schränkungen gegeben?" fast wortwörtlich übernommen (Zeilen 219-220). Die Frage nach dem Berufswunsch, der für die Studienwahl eine Rolle spielt aus dem Themenblock Berufli­che Zukunft wurde hingegen zwar auch in dem Interview gestellt, jedoch wurde diese Frage nicht wortwörtlich übernommen, sondern umformuliert in „... Du hast gesagt, dass Du nach Italien auswandern wollen würdest (...), war das dein ursprüngliches Ziel und hast Du dann deswegen Italienisch studiert?", da sich während dem Interview herauskristallisierte, dass nicht ein bestimmter Berufswunsch hinter der Studienwahl stand, sondern eben das Ziel der Auswanderung nach Italien. Aus diesem Grund entschied ich mich spontan für eine Umfor­mulierung dieser Frage und einer Anpassung an die Relevanzstruktur meiner Interviewpart­nerin. Aus dem nächsten Themenbereich zu der Vorgeschichte wurden drei von vier Fragen, woher der Wunsch kam, dieses Fach zu studieren und was dieser Wunsch entstanden ist ebenso wie die Frage nach dem Befinden im Erststudium bereits von der Interviewpartnerin beantwortet, ohne dass diese Fragen explizit von mir gestellt werden mussten. Lediglich die vierte Frage nach den Gründen für den Abbruch des Erststudiums wurde nicht gestellt, da dies von mir vergessen wurde. Somit konnte diese Frage leider nicht beantwortet werden. Beinahe wortwörtlich gestellt und somit aus dem Leitfaden übernommen, wurde jedoch die Frage nach der Art der Unterstützung durch die Eltern, die aus dem Themenbereich Sozialer Hintergrund stammt. Ob die Eltern studiert haben und ob dies die Interviewpartnerin beein­flusst hat, wurden von mir hingegen bewusst weggelassen, da dies für mich in dem Inter­viewverlauf nicht von Relevanz war. Relevanter waren hingegen für mich die Fragen, die nicht im Leitfaden ausgearbeitet und aufgeführt waren, sich jedoch spontan in dem Inter­view ergeben haben. Dies waren vor allem Fragen zu dem Thema, dass Dara rückblickend ihr Studium doch nicht als das Richtige für sich empfindet (Zeilen 101-102) oder auch die Fragen nach der Vereinbarkeit von Studium und Arbeit, da ich merkte, dass sie mit 22 Stunden pro Woche ein überdurchschnittlich hohes Arbeitspensum für eine Vollzeit-Studentin hat (Zeilen 253, 263-264 sowie 290-291). Aus diesem Grund entschied ich mich am Ende des Interviews, nachdem wir bereits ausführlich über das Thema Studienwahl gesprochen haben, den Fokus auf das Thema Vereinbarkeit von Studium und Arbeit zu legen. Aus diesem Grund habe ich zu diesem Thema drei Fragen gestellt, die nicht im Leitfaden vorgesehen waren, an dieser Stelle durch die Relevanzsetzung meiner Interviewpartnerin jedoch angemessen und in mei­nen Augen erforderlich waren. Darüber hinaus wurden in dem Interview Aufrechterhaltungs­fragen festgehalten, die im Rahmen des Interviews mehrfach verwendet wurden, wie zum Beispiel in den Zeilen 66 bis 67 „... Kannst Du mir das noch genauer schildern?" oder „Wie hätte das aussehen können" in Zeile 90.

[...]


[1] Anmerkung: Der Name der Interviewperson wurde abgeändert, um im Rahmen des Interviews und dieser Hausarbeit Anonymität zu wahren. Der Name Dara stammt jedoch aus demselben Kulturkreis wie der richtige Name der Interviewperson.

Ende der Leseprobe aus 24 Seiten

Details

Titel
Methoden und Techniken der qualitativen Sozialforschung. Interviewführung eines leitfadengestützten Interviews am Beispiel Studienwahl
Hochschule
Ludwig-Maximilians-Universität München  (Soziologie)
Veranstaltung
Übung Methoden und Techniken der qualitativen Sozialforschung: Methoden der Interviewführung
Note
2,00
Autor
Jahr
2014
Seiten
24
Katalognummer
V383778
ISBN (eBook)
9783668593251
ISBN (Buch)
9783668593268
Dateigröße
653 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Interview, Interviewführung, leitfadengestütztes Interview, Methoden, qualitative Methoden, qualitative Sozialforschung
Arbeit zitieren
Antje Kalina (Autor), 2014, Methoden und Techniken der qualitativen Sozialforschung. Interviewführung eines leitfadengestützten Interviews am Beispiel Studienwahl, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/383778

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