Welchen Einfluss hat die Anzahl der Kinder auf den Lohnunterschied zwischen Müttern und kinderlosen Frauen. Geschlechtsspezifische Ungleichheit im Erwerbsverlauf


Essay, 2015

5 Seiten, Note: 1,00


Leseprobe

1. Forschungsfrage

Welchen Einfluss hat die Anzahl der Kinder auf den Lohnunterschied zwischen Müttern und zu kinderlosen Frauen?

2. Aktueller Forschungsstand

Aktuelle Statistiken können bei der Erwerbsbeteiligung von Frauen und Männern in Deutschland noch immer deutliche Unterschiede zwischen den Geschlechtern finden. Während die Frauenerwerbstätigenquote von 62 Prozent im Jahr 2002 auf 72 Prozent für das Jahr 2013 anstieg, lag die Erwerbstätigenquote der Männer mit einem Wert von 76 Prozent aus dem Jahr 2002 bereits über den aktuellen Erwerbsquoten der Frauen. Bis 2013 stieg der Anteil der erwerbstätigen Männer zudem auf 82 Prozent an (Eurostat 2014). Aber nicht nur bei der Erwerbsbeteiligung, auch bei dem Einkommen zeigen sich noch immer klare Unterschiede zwischen Männern und Frauen. Während Frauen im Durchschnitt 15,56 Euro pro Stunde verdienten, erzielten Männer einen Bruttostundenlohn in Höhe von 19,84 Euro. Hieraus ergibt sich ein Verdienstunterschied, der sogenannte „Gender Pay Gap", in Höhe von 22 Prozent (Destatis 2014a), der deutlich über dem Durchschnittswert der Europäischen Union mit 16 Prozent liegt (Destatis 2014b). Auch in einer Vielzahl von empirischen soziologischen Studien kann ein drastischer Lohnunterschied zwischen Männern und Frauen nachgewiesen werden (Achatz et al. 2005, Busch 2013, Liebig et al. 2011).

Neben dem „Gender Pay Gap" zwischen Frauen und Männern konnte in mehreren Studien jedoch auch eine Lohnlücke zwischen erwerbstätigen Müttern und kinderlosen Frauen festgestellt werden. In einer Studie von Boll (2009) konnte belegt werden, dass eine Erwerbsunterbrechung bei einem Wiedereinstieg in den Beruf deutliche Lohnabschläge nach sich zieht. Die Ergebnisse zeigen jedoch auch, dass diese „Lohnstrafe" (Boll 2009: 7) noch höher ausfällt, wenn es sich um eine Erwerbsunterbrechung von Müttern aufgrund der Geburt von Kindern handelt. Die Lohneinbußen des Bruttostundenlohns betragen für Mütter nach einer durch die Geburt des Kindes bedingten Unterbrechung der Berufstätigkeit rund 12 Prozent gegenüber kinderlosen Frauen ohne eine solche Erwerbsunterbrechung.

Bei der Betrachtung der Lohnunterschiede zwischen Müttern und kinderlosen Frauen ließen sich in einer Studie von McManus und Gangl (2006) jedoch auch regionale Einkommensunterschiede zwischen ost- und westdeutschen Müttern finden. Die Autoren konnten Lohneinbußen in Höhe von 6 bis 9 Prozent für Mütter in Westdeutschland belegen, fanden jedoch für erwerbstätige Mütter in Ostdeutschland keine Hinweise für eine Lohnlücke zu kinderlosen Frauen. Dieser Unterschied kann den Autoren nach mit dem stärker ausgebauten Betreuungsangebot in Ostdeutschland und der aus der DDR stammenden historisch höheren Müttererwerbstätigenquote erklärt und auf eine sich daraus ergebende bessere Vereinbarkeit von Kind und Karriere zurückgeführt werden (McManus/Gangl 2006). Dies führt dazu, dass 37 Prozent der erwerbstätigen Mütter in Ostdeutschland vollzeiterwerbstätig sind, während 32 Prozent der Mütter in Teilzeit arbeiten. In Westdeutschland hingegen arbeiten mit 16 Prozent deutlich weniger Mütter in Vollzeit, während der Anteil der teilzeiterwerbstätigen Mütter 50 Prozent beträgt und somit deutlich über den Werten ostdeutscher Mütter liegt (BMFSFJ 2012).

Eine Reduzierung der Arbeitszeit gilt auch in einer Studie von Ziefle (2004) als Ursache für den Lohnunterschied zwischen Müttern und kinderlosen Frauen, da ein negativer Effekt von Teilzeitarbeit auf das Einkommen festgestellt werden konnte. Während die überwiegende Mehrheit an kinderlosen Frauen in Vollzeit arbeitet, ist der Großteil der erwerbstätigen Mütter nach einer geburtsbedingten Erwerbsunterbrechung in Teilzeit tätig. Nach Ziefle (2004) verdienen rund 70 Prozent der erwerbstätigen Mütter nach einem Wiedereinstieg in den Beruf weniger, als vor der Erwerbsunterbrechung. Dies liegt der Autorin nach jedoch vor allem an der Reduzierung der Arbeitszeit und dem damit verbundenen Einkommensverlust.

Jedoch haben nicht nur die geburtsbedingte Erwerbsunterbrechung und die Reduzierung der Arbeitszeit nach einem beruflichen Wiedereinstieg einen negativen Einfluss auf das Einkommen erwerbstätiger Mütter. In einer Studie von Kühhirt und Ludwig (2012) ließen sich zudem Hinweise darauf finden, dass sich auch die Mehrfachbelastung von erwerbstätigen Müttern durch die Vereinbarung von Erwerbstätigkeit, Kinderbetreuung und Hausarbeit negativ auf das Einkommen auswirkt, wobei vor allem die Dauer der zu erledigenden Hausarbeit einen signifikant negativen Effekt auf den Bruttostundenlohn hat. Diese Befunde ließen sich jedoch nur für erwerbstätige Mütter, nicht aber für kinderlose Frauen finden, was die Autoren damit begründen, dass kinderlose Frauen einen Großteil der Hausarbeit auf das Wochenende verschieben können und sich somit unter der Woche stärker ihrer Erwerbstätigkeit widmen können. Eine Verschiebung ihrer Pflichten auf das Wochenende ist für Mütter hingegen aufgrund der zu betreuenden Kinder nicht möglich, weshalb berufstätige Mütter die zu erledigende Hausarbeit unter der Woche erledigen müssen. Hierdurch sind sie jedoch einer größeren Mehrfachbelastung ausgesetzt im Vergleich zu kinderlosen Frauen. Die stärkere Einbindung von berufstätigen Müttern in den Haushalt und in die Kinderbetreuung führt dazu, dass Müttern weniger Zeit für ihre Erwerbstätigkeit bleibt, sie daher seltener Überstunden wahrnehmen und somit über eine geringere Arbeitszeit verfügen als kinderlose Frauen, was wiederrum mit einem geringeren Einkommen verbunden ist. Die Autoren konnten jedoch darüber hinaus feststellen, dass Mütter mit zwei oder mehr Kindern deutlich stärker durch Hausarbeit belastet sind, als Mütter mit nur einem Kind. So steigt für Mütter mit zwei oder mehr Kindern im Haushalt die Dauer der anfallenden Hausarbeit deutlich an, weshalb Mütter mit mehreren Kindern nach Kühhirt und Ludwig (2012) über einen signifikant niedrigeren Bruttostundenlohn verfügen als Mütter mit nur einem Kind.

Jedoch wird in dieser empirischen Studie von Kühhirt und Ludwig (2012) nur zwischen Müttern mit einem Kind und Müttern mit zwei oder mehreren Kindern unterschieden. Eine weitere Differenzierung nach der genauen Anzahl der Kinder berufstätiger Mütter findet dagegen nicht statt. Dass es innerhalb der Gruppe von Müttern mit zwei oder mehr Kindern jedoch deutliche Unterschiede bei der Erwerbstätigenquote und dem wöchentlichen Arbeitsumfang gibt, können Zahlen des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend belegen. Bei der Betrachtung der Erwerbstätigenquote von Müttern unterscheidet sich diese mit 66 Prozent für Mütter mit einem Kind und 67 Prozent für Mütter mit zwei Kindern nur geringfügig. Ab dem dritten Kind sinkt die Müttererwerbstätigkeitsquote jedoch deutlich und beträgt für Mütter mit drei Kindern 52 Prozent und für Mütter mit vier oder mehr Kindern nur noch 29 Prozent (BMFSFJ 2012). Neben der reinen Erwerbstätigenquote von berufstätigen Müttern sinkt mit der steigenden Anzahl an Kindern jedoch auch der wöchentliche Arbeitsumfang. So sinkt die Arbeitszeit im Vergleich zu Müttern mit nur einem Kind für Mütter mit zwei Kindern um 2,5 Stunden und reduziert sich mit dem dritten Kind um weitere 4,4 Stunden. Ab dem vierten Kind sinkt die Arbeitszeit zudem nochmals um weitere 5,1 Stunden (BMFSFJ 2012). Dies zeigt, dass Mütter mit mehreren Kindern über eine geringere Wahrscheinlichkeit verfügen, überhaupt erwerbstätig zu sein. Darüber hinaus sinkt mit jedem weiteren Kind der Arbeitsumfang, was auf eine höhere Belastung der erwerbstätigen Mütter und eine schlechtere Vereinbarung von Kindern und Beruf hindeuten kann, umso mehr Kinder im Haushalt leben. Diese Zahlen zeigen daher auf, dass anders als bei Kühhirt und Ludwig (2012) eine Einteilung von Müttern in die beiden Gruppen „ein Kind" bzw. „zwei oder mehr Kinder" nicht ausreichend ist, sondern hier noch näher nach der genauen Anzahl der Kinder differenziert werden sollte, um die Auswirkungen der Kinderanzahl auf den Bruttostundenlohn erwerbstätiger Mütter genauer messen und interpretieren zu können.

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Details

Titel
Welchen Einfluss hat die Anzahl der Kinder auf den Lohnunterschied zwischen Müttern und kinderlosen Frauen. Geschlechtsspezifische Ungleichheit im Erwerbsverlauf
Hochschule
Ludwig-Maximilians-Universität München  (Soziologie)
Veranstaltung
Übung: Geschlechtsspezifische Ungleichheit im Erwerbsverlauf
Note
1,00
Autor
Jahr
2015
Seiten
5
Katalognummer
V383790
ISBN (eBook)
9783668591776
Dateigröße
495 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Geschlechtspezifische Ungleichheit, Ungleichheit, Erwerbsverlauf, Kinder, Lohnunterschied, Mütter, erwerbstätige Mütter, kinderlose Frauen, Erwerbsbeteiligung, Lohnlücke, Lohnstrafe, Lohnunterschiede, Einkommensunterschiede
Arbeit zitieren
Antje Kalina (Autor), 2015, Welchen Einfluss hat die Anzahl der Kinder auf den Lohnunterschied zwischen Müttern und kinderlosen Frauen. Geschlechtsspezifische Ungleichheit im Erwerbsverlauf, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/383790

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