Methoden der Unternehmensbewertung


Seminararbeit, 2017

33 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

1. Erweiterte Möglichkeiten und Grenzen in der Unternehmensbewertung von KMUs

2. Anlässe der Unternehmensbewertung und Funktion des Bewerters
2.1. Anlässe der Unternehmensbewertung
2.2. Funktionen des Bewerters im Rahmen einer Bewertung

3. Bewertungsmethoden und Abgrenzung
3.1. Einzelbewertungsverfahren und Mischverfahren
3.1.1. Reine Substanzwertverfahren
3.1.2. Mischverfahren
3.2. Gesamtbewertungsverfahren
3.2.1. Ertragswertverfahren nach IDW Standard (IDW S1 i.d.F. 2008)
3.2.2. Discounted Cash-Flow Modelle
3.2.3. Ausgewählte Probleme bei den DCF-Modellen
3.2.4. Methodenvergleich zwischen dem Ertragswertverfahren und den DCF-Modellen
3.3. Multiplikatoren in der Unternehmensbewertung

4. Anwendung auf ein klein- und mittelständisches Unternehmen
4.1. Durchführung einer SWOT-Analyse im Unternehmen A
4.1.1. Kurzvorstellung der SWOT-Analyse
4.1.2. SWOT-Analyse für das Beispielunternehmen A
4.2. Bewertung des Unternehmens A

5. Fazit

Anhang

SWOT-Analyse für das Beispielunternehmen A

Literaturverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abb. 1: Anlässe der Unternehmensbewertung

Abb. 2: Überblick über die Bewertungsverfahren

Abb. 3: Entity- und Equity-Ansatz bei der Ermittlung von Zukunftserfolgswerten

Abb. 4: Bewertungsstichtag und Phasenmodelle der Unternehmensbewertung

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1. Erweiterte Möglichkeiten und Grenzen in der Unternehmensbewertung von KMUs

Die Bewertung eines Unternehmens ist ein ausgesprochen komplexer Themenbereich mit einer Vielzahl unterschiedlicher Perspektiven bezüglich der Bewertungsanlässe, den gesetzlichen Rahmenbedingungen, den Anforderungen der Unternehmen und der Bewerter sowie der entwickelten Methoden im nationalen und internationalen Kontext der Finanzrechnung.

Nicht nur börsennotierte Großunternehmen werden kapitalmarktorientierten Bewertungsmethoden unterzogen. Auch die Bewertung von KMUs hat sich von den Substanzwertverfahren mit Vergangenheitsorientierung in Methoden entwickelt, bei denen künftige Erträge und Cashflows die Grundlagen bilden. Mittlerweile empfiehlt das IDW die Anwendung neben der Ertragswertmethode auch die Discounted Cashflow Modelle für KMUs. Auch Multiplikatorverfahren können unter bestimmten Voraussetzungen ergänzend genutzt werden. Diese Arbeit gibt einen kleinen Einblick in wichtige Ansätze aus dem großen Feld der Unternehmensbewertung. Das deutsche Ertragswertverfahren und die international bedeutenderen Discounted Cashflow Modelle werden dargestellt. Ein wesentlicher Punkt stellt die Mehrjahresplanung in Form von Planbilanzen und Plan-GuVs dar. Insbesondere im Praxisbeispiel eines existierenden Unternehmens mussten vereinfachende Annahmen auf Basis des Flow to Equity-Verfahrens getroffen werden. Diese können zu Verzerrungen in der Bewertung führen, woraus sich die Notwendigkeit des Einsatzes eines weiteren Verfahrens ergibt. Selbst die Variation des Kalkülparameters Wachstum in 3 Szenarien führt zu stark divergierenden Bewertungsergebnissen. Eine ergänzende Stärken-Schwächen-Bewertung in Form einer SWOT-Analyse greift qualitative Eigenschaften insbesondere im Vergleich zum Marktumfeld auf. Handlungsalternativen können beispielsweise in der Veräußerung eines Teiles des Unternehmens und der Liquidation des Restes liegen.

2. Anlässe der Unternehmensbewertung und Funktion des Bewerters

2.1. Anlässe der Unternehmensbewertung

Im Rahmen der funktionalen Unternehmensbewertung hängt der Unternehmenswert von der Aufgabenstellung und der Ausgangssituation für einen Eigentumsübergang ab.[1] „Die betrachteten Anlässe sind entscheidungsabhängig und interpersonal konfliktär.“[2]

Es wird nach wesentlichen Konfliktsituationen unterschieden:

Eine Eigentumsänderung erfolgt durch Kauf/Verkauf oder Fusion/Spaltung. Beim Kauf/Verkauf erfolgt ein „Erwerb und die Veräußerung eines ganzen Unternehmens oder eines Gliedbetriebes (wie Betriebsstätte, Niederlassung, Filiale, Geschäftsbereich).“[3] „Bei einer Fusion werden mehrere zu bewertende Unternehmen mit unterschiedlichen Eigentümern vereinigt. Eine Spaltung ist die Realteilung eines Unternehmens oder die Ausgliederung von Teilen des bisherigen Unternehmens auf die bisherigen Eigentümer.“[4] Konflikte können hier durch veränderte Chancen und Risiken für bisherige Gesellschafter entstehen.[5]

Eine weitere wesentliche Differenzierung kann aufgrund des Grades der Dominanz getroffen werden. „Eine nichtdominierte Konfliktsituation ist gegeben, wenn keine Konfliktpartei eine Änderung der Eigentumsverhältnisse des zu bewertenden Unternehmens allein durchsetzen kann. Bei einer dominierten Konfliktsituation kann eine der beiden Konfliktparteien aufgrund legitimierter Machtverhältnisse eine Änderung der Eigentumsverhältnisse des zu bewertenden Unternehmens auch gegen den erklärten Willen der anderen Parteien erzwingen. Ein Beispiel einer solchen dominierten Konfliktsituation ist der Ausschluss von Minderheitskapitalgesellschaftern gegen angemessene Barabfindung.“[6] Auch eine Erbauseinandersetzung zählt dazu.[7] Bei einem einzigen Anlass für eine Unternehmungsbewertung handelt es sich um eine eindimensionale Konfliktsituation. [8] Eine mehrdimensionale Konfliktsituation liegt vor, wenn weitere Sachverhalte wie die Übernahme des alten Personals oder die Schließung von Standorten zum Gegenstand zum Gegenstand der Verhandlungen werden.

Abb. 1: Anlässe der Unternehmensbewertung

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Hering (2014), S. 16.

2.2. Funktionen des Bewerters im Rahmen einer Bewertung

Wirtschaftsprüfer können als Gutachter in verschiedenen Funktionen eingesetzt werden:[9]

Als neutrale Gutachter ermitteln sie einen von den individuellen Wertvorstellungen unabhängigen Unternehmenswert. Als Berater ermitteln sie subjektive Entscheidungswerte, die die Grenze der Konzessionsbereitschaft einer Partei bildet.[10] Als Schiedsgutachter ermitteln sie einen Schiedswert im Rahmen ihrer Vermittlungsfunktion.

Eine weitere wichtige Funktion des Bewerters liegt in der Ermittlung von Fair Values im Rahmen der Bewertung von Unternehmensbeteiligungen nach IFRS. Dabei wird deren Werthaltigkeit im Rahmen der Kapitalkonsolidierung analysiert.[11]

3. Bewertungsmethoden und Abgrenzung

Im Laufe der Zeit entwickelten sich viele verschiedene Methoden der Unternehmensbewertung. Unterschiedliche Promotoren, Ziele und die Durchführbarkeit der Berechnungen bildeten die Grundlagen. Vor- und Nachteile der Methoden beruhen häufig auf Vereinfachungen in den Annahmen.

Abb. 2: Überblick über die Bewertungsverfahren

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Busch (2008), S. 16.

3.1. Einzelbewertungsverfahren und Mischverfahren

3.1.1. Reine Substanzwertverfahren

Nach dem Substanzwertverfahren wird der Wert des Unternehmens aus dem Wert der einzelnen Vermögensgegenstände abzüglich der Schulden ermittelt. Das Substanzwertverfahren auf Basis von Reproduktionswerten geht von einer Fortführung des Unternehmens zu Marktwerten der Aktiva und Passiva aus. Bei der Substanzwertermittlung auf Basis von Liquidationswerten wird die bestmögliche Verwertung der Vermögensgegenstände angestrebt.

Beide Ansätze sind vergangenheitsorientiert und benötigen keine Unternehmensplanung. Sie sind somit ungeeignet für Unternehmen, die fortgeführt werden sollen. Bei größeren Unternehmen stellt die Erfassung aller Einzelpositionen ein Problem dar.[12]

3.1.2. Mischverfahren

Diese Verfahren beziehen neben der Substanz die künftige Ertragskraft ein. Das Mittelwertverfahren bildet ein „arithmetisches Mittel“[13] oder eine Gewichtung aus dem Teilreproduktionswert und dem auf Basis von Periodenerfolgen ermittelten Ertragswert. Der Teilreproduktionswert umfasst alle Vermögenswerte außer den immateriellen.

Das Übergewinnverfahren diskontiert die zeitlich begrenzten Übergewinne gegenüber dem Zinsniveau für langfristige inländische Anleihen mit höheren Zinsen ab. Dieses Verfahren spielt in der Praxis keine Rolle, da es von Dritten schwer nachvollzogen werden kann.[14]

Das Stuttgarter Verfahren als „Sonderform des Übergewinnverfahrens“[15] unterscheidet zwischen Vermögens- und Ertragswert. Die Betriebsergebnisse der letzten 3 Jahre werden unterschiedlich gewichtet und mit einem starren Zinssatz von 9% kapitalisiert. Dieses Verfahren betont ebenfalls stark den Substanzwert. Es liefert für unternehmerische Entscheidungen keine Unterstützung.[16]

Die wesentlichen Nachteile der Mischverfahren liegen in dem hohen Aufwand für die Wertermittlung des Substanzwertes und den Ertrag und den geschilderten Nachteilen des Substanzwertverfahrens.[17]

3.2. Gesamtbewertungsverfahren

Gesamtbewertungsverfahren bewerten ein Unternehmen allein nach der zukünftigen Ertragskraft des Unternehmens, wobei das Unternehmen als Bewertungseinheit und nicht als eine Summe isolierter Einzelwerte gesehen wird.[18]

Die Ergebnisse werden als Einheit prognostiziert und auf den Bewertungsstichtag diskontiert. Dieser Bewertungsansatz gilt als den Einzelbewertungsansätzen und auch den Multiplikatorverfahren überlegen.[19]

Abb. 3 : Entity- und Equity-Ansatz bei der Ermittlung von Zukunftserfolgswerten

Quelle: Drefke (2015), S. 20.

3.2.1. Ertragswertverfahren nach IDW Standard (IDW S1 i.d.F. 2008)

Der vom Verein der Wirtschaftsprüfer entwickelte Standard mit der Bezeichnung IDW S1 ist in Deutschland maßgeblich für die Unternehmensbewertung. Der IDW S1 empfiehlt dem Bewerter die Anwendung des Ertragswertverfahrens oder eines der DCF-Verfahren. Wie in Abbildung 2 ersichtlich, kann man den IDW-Standard als Ertragswertverfahren neben den DCF-Modellen den Gesamtbewertungsverfahren zurechnen.[20]

Der Bewertung liegt die Idee zugrunde, dass aus dem Unternehmen ein subjektiver Nutzen erzielt werden kann. Dieser Nutzen umfasst sowohl finanzielle als auch nicht-finanzielle Bestandteile wie etwa Unabhängigkeit, Tradition, Prestige, Macht.[21] Vermutete Synergieeffekte fließen ebenfalls in die Kaufpreisentscheidung des Käufers ein.[22] Diese strategischen Ziele sind in der Regel nicht oder nur schwer quantifizierbar, obwohl sie durchaus einen Einfluss auf den subjektiven Wert eines Unternehmens und somit auf den Marktpreis haben können. Jedoch bleiben diese subjektiven Bestandteile in der Regel bei der Unternehmensbewertung unberücksichtigt.[23]

Die Ertragswertmethode zählt im Vergleich zu den DCF-Verfahren zu den Equity-Ansätzen (Nettoverfahren). Die Basis der Bewertung bilden Planungsrechnungen auf der Grundlage von (Perioden)-Ergebnissen vor Steuern (EBT). Der Diskontierungssatz orientiert sich an einer Alternativanlage. Die Vorteilhaftigkeit wird durch den Vergleich mit der besten Alternativinvestition ermittelt. Im Einzelnen wird zu einem Basiszinssatz einer risikolosen Anlage (z.B. langfristige Bundesanleihe) ein Risikozuschlag für das jeweilige operative Risiko des Unternehmens, das Branchenrisiko, das spezifische Kapitalstrukturrisiko addiert, um den Zinssatz vor Steuern zu erhalten.[24] Das Kapitalstrukturrisiko wird vom Verschuldungsgrad beeinflusst.[25]

„Somit bestimmt sich der Wert eines Unternehmens als Marktwert des Eigenkapitals unter Vernachlässigung des nicht finanziellen Nutzens durch den Barwert der finanziellen Nettoüberschüsse, die den Eigentümern bei Unternehmensfortführung und Veräußerung des nicht betriebsnotwendigen Vermögens aus dem Unternehmen zufließen.“[26] Hierbei ist der Bewertungsstichtag maßgeblich, auf den alle zukünftig anfallenden Nettoerträge abzuzinsen sind, wie die nachfolgende Abbildung zeigt:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 4 : Bewertungsstichtag und Phasenmodelle der Unternehmensbewertung

Quelle: Drefke (2015), S. 64.

„Im letzten Jahr der Detailplanungsphase soll sich das Unternehmen „eingeschwungen“ haben; großes Ergebniswachstum ist nicht zu erwarten.“[27] Dies kann beispielsweise bei Wachstumsunternehmen zu Problemen führen, wenn noch kein Gleichgewichtszustand erreicht ist, „in dem Investitionen und Abschreibungen gleichlaufen.“[28]

Erst in der aktuellen Fassung von 2008 rückt das IDW von der Notwendigkeit des Einbezugs der persönlichen Einkommensteuer des Unternehmenskäufers ab, da diese ebenfalls bei Alternativinvestitionen anfällt.[29]

Die Ertragswertmethode unterstellt modellmäßig vereinfachend die Vollausschüttung der Ertragsüberschüsse.[30] Dabei bleiben mögliche handelsrechtliche Ausschüttungssperren unberücksichtigt.

3.2.2. Discounted Cash-Flow Modelle

Diese Verfahren wurden insbesondere durch anglo-amerikanische Investmentbanken und Unternehmensberatungen verbreitet.[31]

Die Ausgangsbasis der Discounted Cash-Flow (DCF)-Modelle ist analog zum Ertragswertverfahren die Annahme, dass sich der Wert eines Unternehmens aus dessen künftiger Ertragskraft ableitet. Diese Ertragskraft wird durch den Cash-Flow bzw. Zahlungsstrom repräsentiert. Analog zur Ermittlung des Wertes einer Investition wird der auf den Bewertungszeitpunkt abgezinste, zukünftig zu erwartende Cash-Flow ermittelt. Damit zählt die DCF-Methode zu den kapitalwertbasierten Verfahren.[32] Ihre Zielgröße bei der Ermittlung des Unternehmenswertes ist der Marktwert des Eigenkapitals zum Bewertungsstichtag.[33]

Es ist üblich, die Cash-Flows für einige Jahre detailliert zu prognostizieren und für den Zeitraum nach diesem Planungshorizont (Fortführungsphase) eine ewige Rente auf Basis eines nachhaltig erzielbaren Cash-Flows zu berechnen. Diese Rente wird auch als Terminal Value, Endwert, Restwert oder Fortführungswert bezeichnet. Der Barwert des Cash-Flows ist damit die Summe aus dem Barwert der Cash-Flows aus der Detailplanungsperiode und des Barwerts des Restwerts.[34]

Bei der Weighted Average Cost of Capital (WACC)-Methode[35] oder Bruttoverfahren (Entity-Ansatz) wird zunächst der Free Cash-Flow ausgehend vom EBIT ermittelt. Es wird zunächst keine steuermindernde Wirkung des Fremdkapitals berücksichtigt. Durch Multiplikation des EBIT mit dem auf Unternehmensebene anzuwendenden Gewerbe- und Ertragsteuersatz ergibt sich das operative Ergebnis vor Zinsen und nach adaptierten Steuern (NOPLAT), das noch um sämtliche betriebsbedingten, zahlungsunwirksamen Aufwendungen und Erträge korrigiert wird. Nach der Verringerung um Investitionen in das Sachanlagevermögen und das Nettoumlaufvermögen erhält man den operativen Free Cash-Flow, der an die Gesamtheit der Kapitalgeber des Unternehmens ausgeschüttet werden kann.[36]

Die Free Cash-Flows „werden mit einem Mischzinssatz diskontiert, in den sowohl die Renditeansprüche der Eigenkapitalgeber als auch der Fremdkapitalgeber eingehen. Die jeweiligen Kapitalkosten werden dabei entsprechend dem Anteil des Eigen- und Fremdkapitals am Gesamtkapital gewichtet.“[37] Bei der Ermittlung der gewogenen durchschnittlichen Kapitalkosten tritt ein Zirkularitätsproblem auf. Zur Berechnung der gewogenen durchschnittlichen Kapitalkosten ist die Kenntnis der Marktwerte des Fremd- und Eigenkapitals erforderlich. Der Marktwert des Eigenkapitals ist allerdings der gesuchte Unternehmenswert, der wiederum erst mit Hilfe von gewogenen durchschnittlichen Kapitalkosten berechnet werden kann.[38] Das nicht-betriebsnotwendige Vermögen wird separat bewertet.

Von dem ermittelten Gesamtwert des Unternehmens wird der Marktwert des Fremdkapitals subtrahiert. Der Anteil des Fremdkapitals spiegelt sich im gewichteten Diskontsatz wider.[39]

Adjusted Present Value (APV-Ansatz).[40] Es besteht eine große Ähnlichkeit zum Bruttoverfahren, da auch hier zunächst der Gesamtwert des Unternehmens ermittelt wird und die Cash-Flows entsprechend diskontiert werden. Der Einfluss der Kapitalstruktur wird jedoch nicht über den WACC berücksichtigt. Es wird der Marktwert eines fiktiv unverschuldeten Unternehmens und der Barwert eines sogenannten Tax Shields ermittelt. Dieser Wert ergibt sich durch die Ermittlung der Steuerersparnis für die Zinsen der Fremdfinanzierung.

„Die Kernbotschaft des APV-Ansatzes ist es, den Gesamtzahlungsstrom in Teilzahlungsströme zu zerlegen und separat zu bewerten. Man zerlegt in die bewertungsrelevanten Überschüsse bei Eigenfinanzierung, die durch die Fremdfinanzierung, die durch die Fremdfinanzierung ausgelösten Steuereffekte und die Zins- und Tilgungszahlungen an bzw. die Fremdkapitalaufnahme bei den Fremdkapitalgebern.“[41]

Nettoverfahren (Equity-Ansatz). Es werden die Cash-Flows betrachtet, die nur den Eigenkapitalgebern zustehen. Auch die aus der Fremdfinanzierung resultierenden Zahlungsströme für die Veränderung des Fremdkapitals, Zinsen und resultierende Steuerersparnis werden einbezogen. Daraus ergeben sich Cash-Flows mit der Bezeichnung Flows oder Cash-Flows (CF) to Equity (FtE bzw. CFtE). Der Diskontierungssatz berücksichtigt nur die Renditeerwartungen des Eigenkapitalgebers. Der Barwert des FtE und der Marktwert des nicht betriebsnotwendigen Vermögens ergeben schließlich den Unternehmenswert.

Der Vorteil des Nettoverfahrens liegt in der leichten Nachvollziehbarkeit und „flexiblen Handhabung.“[42]

Im Rahmen dieser Arbeit kann auf die einzelnen Methoden nicht umfassend eingegangen werden, weshalb auf die relevante Literatur verwiesen wird. Bei gleichen Annahmen führen diese drei DCF-Verfahren zu gleichen Ergebnissen. Im Hinblick auf das Anwendungsbeispiel in Kapitel 4 wird hier der Flow to Equity des Nettoverfahrens ausgewählt und näher vorgestellt. Bei Anwendung dieses Ansatzes werden die Cash-Flows berechnet, die ausschließlich den Eigenkapitalgebern zustehen. Künftige Fremdkapitalzinsen einschließlich der daraus resultierenden Steuerwirkungen und die Veränderungen des Fremdkapitalbestandes werden zur Ermittlung des Cash-Flows einbezogen. Falls das Unternehmen verschuldet ist, spielt für die Ermittlung des Diskontierungszinssatzes nur die Renditeforderung der Eigenkapitalgeber eine Rolle.[43]

Die Berechnung des FtE folgt diesem Schema:

„Operatives Ergebnis vor Zinsen und Steuern (EBIT)

- Fremdkapitalzinsen
= Operatives Ergebnis vor Steuern (EBT)
- Unternehmenssteuern auf das operative Ergebnis vor Steuern
= Operatives Ergebnis nach Steuern
+ Abschreibungen
+ Erhöhung (-Verminderung) der Rückstellungen
- Investitionen in das Anlagevermögen
- Erhöhung (+ Verminderung) des Working Capital
- Tilgung (+ Aufnahme) von verzinslichem Fremdkapital
= Flow to Equity (FtE)[44]

Dieser Bewertungsansatz setzt eine genaue Prognose und Planung der Fremdkapitalentwicklung voraus.

In die Ermittlung des Unternehmenswertes muss die gesamte Lebensdauer des Unternehmens einbezogen werden. In der Detailplanungsphase (z.B. 5 Jahre) wird eine genaue Planung und Prognose der Zahlungsströme versucht und abdiskontiert. Der Unternehmenswert ergibt sich dann aus den Barwerten der Cash-Flows – hier „Flows to Equity“ – der einzelnen Jahre und dem Terminal Value.

3.2.3. Ausgewählte Probleme bei den DCF-Modellen

Die Höhe der Risikoprämie zur Ermittlung der Eigenkapitalkosten wird nach dem kapitalmarkttheoretischen Capital Asset Pricing Model (CAPM) mit Zuschlägen für das Unternehmensrisiko auch für das gesamtwirtschaftliche Marktrisiko auf eine risikolose Anlage versehen.[45] “Die Gestaltungsmöglichkeiten bei der Ermittlung der Bestimmungsfaktoren der Eigenkapitalkosten – der Rendite der risikolosen Anlage, des Beta-Faktors und der Risikoprämie des Marktes – sind vielfältig. Ihre Auswirkungen sind – insbesondere kumulativ betrachtet – dementsprechend schwerwiegend.“[46]

Es stellt sich ferner die Frage nach der Kapitalstruktur, die in der Realität über die gesamte Lebensdauer des Unternehmens keinesfalls konstant sein muss. Beim Nettoansatz wird eine verändernde Kapitalstruktur und die damit verbundene Veränderung des Risikos bei den Eigenkapitalkosten berücksichtigt. Der Risikozuschlag, der in den Eigenkapitalkosten enthalten ist, muss deshalb nicht nur das operative, sondern auch das Kapitalstrukturrisiko enthalten.

Der Restwert hat einen hohen Anteil am Unternehmenswert.[47] Häufig wird das sogenannte Gordon-Wachstumsmodell bei einer unendlichen Unternehmensdauer angenommen, wonach der nachhaltig erzielbare freie Cash-Flow aus einem Gleichgewichtszustand in der Restphase jedes Jahr konstant wächst oder bis in die Unendlichkeit konstant bleibt.[48] Rentabilität und die Entwicklung der Wachstumsrate kann in unterschiedlichen Wachstumshypothesen in der Restwertphase einbezogen werden. Beispielhaft können hier das Drei-Phasen-Modell mit linearem Rückgang der Wachstumsrate und das Konvergenzmodell genannt werden. Nach dem letzten Modell verringert sich jährliche Wachstum mittels eines konstanten Konvergenzfaktors in Richtung nachhaltige Wachstumsrate.

Ist der Kapitalwert des Unternehmens bei Fortsetzung der bisherigen Unternehmensstrategie nahe 0, bietet sich der Realoptions-Ansatz ergänzend zur DCF-Methode an, der den Einfluss einer möglichen Strategieanpassung durch das Management auf die künftigen Free Cash-Flows berücksichtigt.[49] Die Handlungsmöglichkeiten hinsichtlich der Abwehr von Risiken und der Nutzung von Chancen fließen in den Realoptionswert ein. Dieses Verfahren gestaltet sich jedoch in der Praxis als komplex und erweitert die Bandbreite eines zu bestimmenden Unternehmenswertes.[50]

3.2.4. Methodenvergleich zwischen dem Ertragswertverfahren und den DCF-Modellen

Sowohl das Ertragswertverfahren als auch die DCF-Modelle beruhen auf dem Konzept der Kapitalwertverfahren, wie diese aus der dynamischen Investitionsrechnung bekannt sind. Brutto- wie Nettoverfahren diskontieren zukünftige Zahlungsströme und unterscheiden sich nur in der Abgrenzung dessen, was unter Zahlungsstrom verstanden werden kann und in der Definition des gewählten Diskontierungssatzes.[51]

Die folgende Tabelle zeigt einen direkten Vergleich der Bewertung durch das Ertragswertverfahren (ähnlich zum DCF-Nettoansatz) und einem Brutto-DCF-Verfahren (WACC-Ansatz).

Tabelle 1 Unterschiede zwischen Ertragswert und WACC-Ansatz

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Mokler (2009), S. 241, Tab. 3-1

In der Praxis differieren die durch die verschiedenen Varianten errechneten Unternehmenswerte, obwohl sich diese bei gleichen Annahmen theoretisch nicht unterscheiden sollten. Dies liegt in erster Linie an unterschiedlichen Bewertungsannahmen und -vereinfachungen in den folgenden Bereichen (Auswahl):[52] Vorliegen einer integrierten Planungsrechnung, Ermittlung des Kapitalisierungszinssatzes, Restwertproblematik und Schätzung zukünftiger Zahlungsströme. Nach Küting/Eidel erzielen die DCF-Methoden und die Ertragswertmethode gleiche Unternehmenswerte, sofern die Annahmen hinsichtlich der Ermittlung der Eigenkapitalkosten und der Steuerersparnis aufgrund der Fremdfinanzierung übereinstimmen.[53] Coenenberg/Schultze setzen für eine Äquivalenz beider Unternehmensbewertungsmethoden voraus, dass „die Differenz aus erwirtschafteten und ausgeschütteten finanziellen Überschüssen zu den Kapitalkosten investiert wird. Ist die Differenz gleich null, dann liegt unmittelbar Gleichheit vor.“[54]

[...]


[1] Vgl. Matschke/Brösel (2014), S. 7ff.

[2] Ebenda, S. 12.

[3] Ebenda, S. 13.

[4] Ebenda, S. 13.

[5] Vgl. ebenda, S. 13.

[6] Ebenda, S. 13.

[7] Vgl. Hering (2014), S. 17.

[8] Vgl. Hering (2014), S. 17.

[9] Vgl. Ballwieser/Hachmeister (2013), S. 3.

[10] Vgl. Matschke/Brösel (2014), S. 2.

[11] Vgl. Ballwieser/Hachmeister (2013), S. 5.

[12] Vgl. Ernst/Schneider/Thielen (2012), S. 2ff. und S.331.

[13] Ebenda, S.5.

[14] Vgl. ebenda, S. 6 und S. 332.

[15] Ebenda, S. 7.

[16] Vgl. ebenda, S. 8.

[17] Vgl. ebenda, S.332.

[18] Vgl. Ernst/Schneider/Thielen (2012), S. 8f; Vgl. Borowicz (2005), S. 368.

[19] Vgl. Borowicz (2005), S. 368f.

[20] Vgl. Ernst/Schneider/Thielen (2012), S. 10.

[21] Vgl. Serf (2009), S. 171.

[22] Vgl. Löhnert/Böckmann (2005), S. 410.

[23] Vgl. Serf (2009), S. 171.

[24] Vgl. Borowicz (2005), S. 370.

[25] Vgl. Drukarczyk/Schüler (2016), S. 230.

[26] Serf (2009), S. 171.

[27] Borowicz (2005), S. 370.

[28] Coenenberg/Schultze (2002), S. 607.

[29] Vgl. Drukarczyk/Schüler (2016), S. 230.

[30] Vgl. Küting/Eidel (1999), S. 226.

[31] Vgl. Borowicz (2005), S. 370.

[32] Vgl. Ernst/Schneider/Thielen (2012), S. 27.

[33] Vgl. Zwirner (2012), S. 82.

[34] Vgl. Ernst/Schneider/Thielen (2012), S. 27.

[35] Der WACC-Ansatz heißt auch Konzept der gewogenen Kapitalkosten.

[36] Vgl. Drefke (2015), S. 27.

[37] Ernst/Schneider/Thielen (2012), S. 28.

[38] Vgl. Baetge/Niemeyer/Kümmel (2005), S 202f.

[39] Vgl. Ernst/Schneider/Thielen (2012), S. 29.

[40] Der APV-Ansatz heißt auch Konzept des angepassten Barwertes.

[41] Drukarczyk/Schüler (2015), S. 194.

[42] Ernst/Schneider/Thielen (2012), S. 31.

[43] Vgl. Ernst/Schneider/Thielen (2012), S. 30f.

[44] Ebenda, S. 36f.

[45] Vgl. Ernst/Schneider/Thielen (2012), S. 56 f.

[46] Küting/Eidel (1999), S. 228.

[47] Vgl. Pape (2009), S. 282 ff.

[48] Das Gordon-Wachstumsmodell basiert auf dem sog. Dividendendiskontierungsmodell. Dabei wird ein konstantes Wachstum der Erträge des Unternehmens mit der Rate (g) in der Zukunft unterstellt. Die Erträge der Zukunft gelten dabei als sicher, was aber für die Unternehmensbewertung nicht zutrifft. Dieser Mangel wird aber an dieser Stelle zur Lösbarkeit der Problematik bewusst in Kauf genommen. Vgl. Busch (2008), S. 156f.

[49] Vgl. Ernst/Schneider/Thielen (2012), S. 295.

[50] Vgl. Ernst/Schneider/Thielen (2012), S. 335.

[51] Vgl. Mokler (2009), S. 239.

[52] Vgl. Mokler (2009), S. 242ff.

[53] Vgl. Küting/Eidel (1999), S. 227f.

[54] Coenenberg/Schultze (2002), S. 605.

Ende der Leseprobe aus 33 Seiten

Details

Titel
Methoden der Unternehmensbewertung
Hochschule
Fachhochschule Südwestfalen; Abteilung Meschede
Note
1,7
Autor
Jahr
2017
Seiten
33
Katalognummer
V383824
ISBN (eBook)
9783668590946
ISBN (Buch)
9783668590953
Dateigröße
1103 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Unternehmensbewertung
Arbeit zitieren
Eric Michels (Autor:in), 2017, Methoden der Unternehmensbewertung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/383824

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Methoden der Unternehmensbewertung



Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden