Zwei Jahre nach der Premiere seines Filmes „William Shakespeare’s Romeo + Juliet“ tritt der Regisseur des Filmes, Baz Luhrmann, vor ein ausgewähltes Publikum und erklärt seine Gründe, warum er das Bedürfnis verspürt hatte, diesen Film zu machen. Er erklärt seinem Publikum, dass Shakespeare etwas mit allen Leuten im Raum gemeinsam habe, nämlich die Tatsache, dass er in einer Stadt wie London, zu der Zeit mit 400000 Einwohnern, täglich 4000 Menschen, die meist betrunken, grölend oder flegelhaft waren, eine Karte für eine seiner Vorstellungen verkaufen musste. Baz Luhrmann ist der Überzeugung, dass Shakespeare aus diesem Grunde gezwungen war, Stücke zu schreiben, die „aggressiv, sexy, unterhaltsam und voller Action waren“, denn nur dann wären die Zuschauer still gewesen. Weiter ist sich Baz Luhrmann sicher, dass Shakespeare es aber auch gleichzeitig schaffen musste, Stücke mit solchen Inhalten zu verfassen, dass Menschen „verschiedenster Herkunft“ erreicht werden konnten. Viele Kritiker äußerten über Baz Luhrmanns Filmversion des Stückes „Romeo and Juliet“, dass sie eher einer MTV-Produktion gleiche, und nicht mit dem klassischen Stück, sondern eher mit einem modernen Videoclip vergleichbar wäre.
Ziel dieser Hausarbeit ist es nun, durch Analysen von ausgewählten Themen und Symbolen, welche nur ein Bruchteil der möglichen sind, die zum Teil sowohl im Theaterstück als auch im Film zu finden sind, oder aber auch nur in der Filmversion vorliegen, zu zeigen, dass es durchaus möglich sein kann, Shakespeare in einem „neuen“ Gewand darzustellen, ohne ihm oder seiner Intention untreu zu werden. Außerdem ist es ein weiteres Ziel dieser Hausarbeit, die Komplexität und Mehrdimensionalität des Filmes, nicht nur in Hinblick auf das klassische Bühnenstück, sondern auch in Hinblick auf neue Möglichkeiten, die sich aus dem modernen Medium „Film“ ergeben, darzulegen, denn immerhin hat Baz Luhrmann „mehr als ein Jahr für diesen Film recherchiert“ und eins ist sicher: Keine Anspielung ―und sei sie noch so unauffällig― passiert ohne einen wohl überlegten Hintergedanken des Regisseurs.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Vergleich zwischen Theater zu Shakespeares Zeiten und den Möglichkeiten des Filmes
2.1 Das Theater zu Shakespeares Zeiten und Erwartungen an einen Film
2.2 Hinweise auf Shakespeare im Film und die Einteilung des Filmes in Sinnabschnitte
3 Themen und Symbole in der Filmadaption von Baz Luhrmann und deren Bedeutung im Hinblick auf das Theaterstück von Shakespeare
3.1 Symbole der Natur
3.1.1 Die Bedeutung des Wassers
3.1.2 Die Bedeutung der Gestirne
3.2 Christliche Symbole und der katholische Glauben
4 Schlussbetrachtung
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die vorliegende Arbeit untersucht anhand ausgewählter Themen und Symbole die Filmadaption „William Shakespeare’s Romeo + Juliet“ von Baz Luhrmann im Vergleich zum klassischen Theaterstück. Ziel ist es, die Komplexität des modernen Mediums Film aufzuzeigen und zu belegen, dass die Inszenierung Shakespeare in einem neuen Gewand präsentiert, ohne dessen Intention zu verletzen.
- Vergleich der sozialen Funktion von Theater zu Shakespeares Zeiten und modernem Kino.
- Analyse des zentralen Symbols Wasser als verbindendes, reinigendes und trennendes Element.
- Untersuchung der Bedeutung der Gestirne und deren Bezug zum Schicksalsglauben.
- Deutung christlicher Symbole und deren ambivalente Verwendung im Film.
- Aufzeigen der künstlerischen Absicht hinter den modernen Adaptionen.
Auszug aus dem Buch
Die Bedeutung des Wassers
Im ersten Akt, dritte Szene, Zeile 89 sagt Lady Capulet: „The fish lives in the sea…“ und genau dies hat sich Baz Luhrmann zu einem Leitmotiv, manchmal jedoch auch Leidmotiv, seiner Filmadaption gemacht, denn Wasser spielt eine zentrale Rolle innerhalb der Handlung des Filmes und untermalt nicht nur bestimmte Szenen, sondern gibt dem Film eine weiter Dimension der Tiefsinnigkeit und Interpretierbarkeit. Das Symbol des Wasser tritt in nahezu jeder möglichen Form auf, ob als Meer-, Regen- oder Aquariumwasser, Baz Luhrmann schöpft die komplette Bandbreite aus. Nicht völlig umsonst nennt Katrin Oltmann Romeo und Julia ein „aquaphiles Liebespaar“ (Oltmann 2004: 150), denn wenn man genau sein will, taucht insgesamt neun Mal das Symbol „Wasser“ auf. Doch wofür steht das Wasser als Symbol ―besonders als christliches Symbol― eigentlich? Dom Robert Le Gall, der Abt von Kergonan, hat eine nicht nur rein christliche Erklärung:
Das für die menschliche Existenz notwendige und vertraute Wasser war schon immer reich an Symbolik. Als Närmutter nach der ältesten Weltanschauung mußte es, um dem Leben zu dienen, den Atem Gottes empfangen (Gen 1,2). Das Wasser allein konnte aber auch alles in den Tod oder in das Urchaos stürzen (die Sintflut und das Meer). Es ist also ein ambivalentes Symbol, das zugleich an den Tod und das Leben, an die Reinigung und Heilung erinnert. (Le Gall 1999: 106)
Wie Le Gall auch schon bemerkt, kann Wasser sowohl erschaffend als auch zerstörend sein, und genau dies kommt auch im Film zum Ausdruck, während im ganzen Theaterstück nur einmal „Wasser“, als Meerwasser (siehe oben), erwähnt wird, wenn man von „Tränen“ einmal absieht.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Diese Einleitung stellt die Motivation des Regisseurs Baz Luhrmann vor und definiert das Ziel der Arbeit, die Mehrdimensionalität der Filmadaption im Vergleich zur literarischen Vorlage zu untersuchen.
2 Vergleich zwischen Theater zu Shakespeares Zeiten und den Möglichkeiten des Filmes: Das Kapitel vergleicht die gesellschaftliche Rolle und den Unterhaltungswert des elisabethanischen Theaters mit dem modernen Kino.
3 Themen und Symbole in der Filmadaption von Baz Luhrmann und deren Bedeutung im Hinblick auf das Theaterstück von Shakespeare: Hier erfolgt eine detaillierte Analyse der Natursymbole (Wasser und Gestirne) sowie der christlichen Symbolik als zentrale Gestaltungsmittel des Films.
4 Schlussbetrachtung: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und bekräftigt, dass der Film Shakespeare für ein modernes Publikum neu erfahrbar macht, wobei noch Raum für weitere wissenschaftliche Auseinandersetzungen bleibt.
Schlüsselwörter
Baz Luhrmann, Romeo und Juliet, Filmadaption, Shakespeare, Symbolik, Wasser, Gestirne, Christliche Symbole, Moderne, Interpretation, Medienvergleich, Theatergeschichte, Schicksal, Ambivalenz, Literaturwissenschaft.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die filmische Umsetzung von Shakespeares „Romeo and Juliet“ durch den Regisseur Baz Luhrmann unter besonderer Berücksichtigung ausgewählter Symbole und Themen.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Die Schwerpunkte liegen auf dem Vergleich zwischen historischem Theater und modernem Film sowie der detaillierten Deutung von Wasser, Gestirnen und christlichen Symbolen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist der Nachweis, dass der Film eine komplexe und bewusste Neuinterpretation darstellt, die das Werk für die heutige Zeit zugänglich macht, ohne Shakespeares Intention zu verfälschen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Autorin nutzt eine vergleichende Literatur- und Filmanalyse, indem sie Szenensequenzen des Films mit dem klassischen Dramentext in Bezug setzt und interpretative Sekundärliteratur einbezieht.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine medienhistorische Einordnung des Theaters und des Films sowie eine tiefgehende symbolanalytische Untersuchung von Natur- und religiösen Motiven.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Filmadaption, Symbolik, Wasser, Gestirne, Ambivalenz, Moderne und die intertextuelle Beziehung zwischen Literatur und Film.
Wie spielt die Rolle des „Wassers“ in Luhrmanns Film eine spezielle Bedeutung?
Wasser wird als hochgradig ambivalentes Leitmotiv eingesetzt, das sowohl als schützender Raum für die Liebe (Poolszenen) als auch als Symbol für Trennung und Untergang fungiert.
Inwiefern unterscheidet sich die Darstellung von „Sternen“ von der literarischen Vorlage?
Während im Stück „Sterne“ meist Schicksal und Verhängnis symbolisieren, visualisiert Luhrmann dies im Film durch moderne Elemente wie Feuerwerk, Lichterketten oder kosmische Astronauten-Metaphorik.
- Arbeit zitieren
- Ipek Sirena Krutsch (Autor:in), 2005, Shakespeares "Romeo and Juliet" und Baz Luhrmanns Filmadaption "William Shakespeare’s Romeo + Juliet", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/383830