Unterschiede zwischen Original und Synchronfassung. Anhand des Beispiels des Filmes "Intouchables" / "Ziemlich beste Freunde"


Hausarbeit, 2017
14 Seiten, Note: 2

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Problemfelder der audiovisuellen Translation

3. Einführung: Synchronisation
3.1 Synchronisation und Synchronität
3.2 Pro und Contra Synchronisation

4. Film „Intouchables” / „Ziemlich beste Freunde”
4.1 Inhalt
4.2 Die deutschesprachige Synchronfassung

5. Veränderungen und Anpassungen der Dialoge in der Synchronfassung
5.1 Kulturspezifische Merkmale
5.1.1 Humor
5.1.2 Abkürzungen
5.2 Verwendung französischer Anredeformen
5. 3 Gute und schlechte Beispiele
5.4 Veränderungen der Sprechweise

6. Zusammenfassung/Abschließende Gedanken

Bibliographie

1. Einleitung

In dieser Arbeit möchte ich auf die Anpassung der Dialoge in der deutschsprachigen Synchronfassung des französischen Films „Intouchables”/„Ziemlich beste Freunde” eingehen, aber auch einen kurzen Überblick über die Technik der Synchronisation und den Film geben. Die audiovisuelle Translation umfasst mehrere Verfahren der Übertragung eines Filmes von der Ausgangs- in die Zielsprache. Zu ihnen gehören die wohl bekanntesten Techniken der Synchronisation und der Untertitelung, aber auch weniger verbreitete, wie etwa das Voice-Over Verfahren. Zur Vereinfachung wird hauptsächlich auf das Verfahren der Synchronisation im Vergleich mit der Untertitelung Stellung genommen.

Zu Beginn soll zur Veranschaulichung auf die Problemfelder der audiovisuellen Translation im Allgemeinen Bezug genommen werden, um anschließend eine kurze Einführung in das Thema Synchronisation zu geben. Anschließend folgt ein Vergleich der Vor- und Nachteile der Techniken Synchronisation und Untertitelung. Hierauf wird ein Überblick über den Film „Intouchables”/„Ziemlich beste Freunde” gegeben um danach auf die Anpassungen und Veränderungen der Dialoge in der deutschsprachigen Synchronfassung zu Sprechen zu kommen. Hierbei soll vor allem untersucht werden, inwiefern Veränderungen und Anpassungen stattgefunden haben, und aus welchen Gründen.

2. Problemfelder der audiovisuellen Translation

Bei der audiovisuellen Translation sind die Möglichkeiten, Übersetzungsprobleme zu umgehen und zu lösen, im Vergleich zum literarischen Übersetzen limitiert. Tomaszkiewicz (2010) merkt an, dass bei Letzterem beispielsweise erklärende Fußnoten eingefügt werden können, oder dass wenn gewisse Ausdrücke in der Zielsprache existieren, etwas umschrieben oder paraphrasiert werden kann. Wird allerdings ein Film in eine andere Sprache übertragen, muss auf die Sprechdauer geachtet werden, da man bei der Synchronisation beispielsweise nur eine gewisse Zeit hat, etwas auszudrücken. Bei der Untertitelung ist es wichtig, sich des beschränkten Platzes bewusst zu sein. Werden die Untertitel zu lang, kann der Zuschauer eventuell nicht mitlesen oder empfindet diese als störend, da sie zu viel des Bildes verdecken. Eine kleinere Schriftgröße zu wählen ist auch keine ideale Lösung. Dies erschwert das Lesen und kann verwirrend wirken, da während eines Filmes die Untertitel einheitlich sein sollten. Wird die Größe bei einer oder mehreren Szenen verändert, kann es als irritierend empfunden werden.

Weitere Problemfelder können fehlende Synchronität, verloren gegangener Humor oder verfälschte Informationen darstellen. Es gibt verschiedene Arten von Synchronität, die es zu erreichen gilt, um ein stimmiges Gesamtpaket zu erhalten. So ist jegliche Art fehlender Synchronität allenfalls amüsant, in den meisten Fällen allerdings eher Verwirrung stiftend oder ablenkend. Verfälschte Informationen oder verloren gegangener Humor entstehen dadurch, dass manche Ausdrücke in der Zielsprache entweder nicht existieren oder anders formuliert werden müssen. Längere oder kürzere Entsprechungen in der Ausgangssprache führen dazu, dass der Übersetzer etwas auslassen oder dazu erfinden muss.

Ein großer Vorteil der audiovisuellen Translation gegenüber dem literarischen Übersetzen ist allerdings die Tatsache, dass ein großer Teil der Informationsvermittlung nicht durch das Gesagte, sondern allein durch das Bild abläuft. So können manche Übersetzungsschwierigkeiten allein durch das, was der Zuschauer sieht, überwunden werden, ohne dass viel umformuliert oder kompliziert erklärt werden muss. Selbst wenn etwaige Übersetzungsfehler oder Ungenauigkeiten vorkommen, wird immer noch viel Inhalt über das Visuelle kommuniziert. Dies kann natürlich auch ein Nachteil sein, da audiovisuelle Übersetzer dies immer berücksichtigen müssen.

3. Einführung: Synchronisation

Auf YouTube findet man viele Videos, in denen Obama oder Harry Potter plötzlich Bayrisch oder Schwäbisch reden. Was als Spaß gedacht ist und seine komödiantische Wirkung sicher nicht verfehlt ist jedoch nichts Anderes als Synchronisation. Die Möglichkeiten der Synchronisation sind nahezu unbegrenzt. So kann man beispielsweise jeden Film, der gedreht wurde, in jede Sprache übertragen. Dank moderner Technik bemerken die Zuschauer häufig nicht einmal, dass es sich um eine Synchronisation handelt. Durch die Übertragung in eine andere Sprache können Filme einem größeren Publikum zugänglich gemacht werden. Obwohl man, wie oben erwähnt, die Technik der Synchronisation auch zur Belustigung einsetzen kann, ist ihre eigentliche Funktion, wie die der audiovisuellen Translation im Allgemeinen, die der Informationsvermittlung und -übertragung.

3.1 Synchronisation und Synchronität

Jüngst (2010:2) beschreibt Synchronisation als Prozess, bei dem die „Dialogspur des Originalfilms durch eine zielsprachliche Dialogspur vollständig ersetzt” wird. Man sieht den Film, als wäre er in der Zielsprache gedreht worden und kann beim Zuschauen vergessen, dass es sich um eine Übersetzung handelt, die man gerade sieht. Das Ziel der Synchronisation ist es, sowohl auf der Ebene visueller Ebene, als auch auf der Ebene der Akustik, eine Synchronität herzustellen. Durch die entstandene Synchronität soll dem Zuschauer das Werk dann harmonisch und stimmig erscheinen.

Wie bereits erwähnt umfasst die Synchronität mehrere Aspekte, deren Zusammenspiel für ein zufriedenstellendes Endprodukt wichtig ist. Am auffälligsten ist die Lippensynchronität, die selbst ein Laie ohne Mühe erkennen kann. Dabei geht es um die Übereinstimmung der Lippenbewegungen und dem Gesagten. Laut Matamala (2010) ist dies besonders bei Nahaufnahmen wichtig, da Unstimmigkeiten dort besonders auffallen. Hört man die Person etwa reden, obwohl ihr Mund geschlossen bleibt, oder sieht man, wie sich die Lippen bewegen, ohne dass etwas gesagt wird, ist Lippensynchronität nicht gegeben. Die Synchronität zwischen dem Gesagten und der Mimik/Gestik der Schauspieler spielt auch eine wichtige Rolle. Auf sie muss genau Acht gegeben werden, da sich Gestik und Mimik in verschiedenen Kulturkreisen stark unterscheiden können und so den vermittelten Inhalt verändern können. Ein weiterer wichtiger Aspekt ist die Harmonie zwischen Synchronstimme und Erscheinungsbild des Schauspielers. Sieht man beispielsweise ein kleines Mädchen etwas sagen, wäre eine reife Frauenstimme unpassend oder sogar störend, bestenfalls noch belustigend für den Zuschauer.

3.2 Pro und Contra Synchronisation

Wenn es darum geht, ob Filme synchronisiert oder untertitelt werden sollen, gilt es einige Argumente abzuwägen. So ist die Synchronisation zwar die für den Zuschauer bequemere Variante, doch gleichzeitig auch ein viel aufwändigeres und teureres Verfahren. Einen Film zu synchronisieren ist laut Ivarsson (2009) zwischen zehn- und zwanzigmal so teuer, wie ihn zu untertiteln.

Einige Argumente, die für Synchronisation sprechen, sind diejenigen, die durch die Defizite der Untertitelung erkennbar werden. Dazu zählen zum Beispiel „technisch bedingte Kürzungen des Dialogs, Ablenkung der Aufmerksamkeit des Zuschauers durch den Text am unteren Bildrand, unnatürlich-unpersönlicher Stil der übersetzten Dialoge” (Pisek 1994:72) aber auch der Druck, der für den Zuschauer durch eine (zu) schnelle Abfolge der Untertitel entstehen kann, dass er schneller lesen und gleichzeitig noch auf das Bild schauen müsse, da er sonst etwas vom Film verpassen würde. Ein weiterer Vorteil der Synchronisation gegenüber der Untertitelung besteht darin, dass Emotionen besser vermittelt werden können. Des Weiteren ist es auch leichter möglich, inhaltliche Veränderungen am Text vorzunehmen, um kulturelle Unterschiede zu überbrücken. Yuanjian (2009) merkt beispielsweise an, dass bei untertitelten Filmen der Anteil an ausgangssprachlichen Merkmalen deutlich höher sei als bei synchronisierten, und dass synchronisierte Filme in der Regel mehr zielsprachentypische Ausdrücke enthielten. Laut Korycińska-Wegner (2008) besteht das Hauptproblem der Untertitelung darin, dass gesprochene in geschriebene Sprache übertragen werden muss. Das benachteiligt zum Beispiel Analphabeten, Blinde, Menschen mit Sehschwäche oder Kinder, die noch nicht lesen können.

Untertitelte Filme hingegen kommen Gehörlosen und Hörgeschädigten zugute. Darüber hinaus können sie zu einer Verbesserung der Fremdsprachenkenntnisse und des Hörverständnisses beitragen. Zudem tragen sie zum Erhalt der Authentizität und Wirkung des Originals bei. Durch die Synchronisation von Filmen und den damit verbundenen Austausch von Stimmen können wichtige paralinguistische Aspekte wie Intonation, Tonfall, Stimmlage, Lautstärke oder Sprechtempo verloren gehen. Reinart sieht das als besonders großes Manko an, da diese „über den reinen Inhalt des gesagten weit hinausgehen” (2004:79) und dem Publikum wichtige Informationen über zum Beispiel den Charakter der Personen liefern.

4. Film „Intouchables” / „Ziemlich beste Freunde”

Gegenstand dieser Proseminararbeit ist der französische Film „Intouchables” und seine deutschsprachige Synchronfassung „Ziemlich beste Freunde”. Der Film erschien am 2. November 2011 in Frankreich und Belgien. Kinostart der deutschsprachigen Synchronfassung war am 5. Januar 2012 in Deutschland und Österreich. (Filmstarts 2012) Olivier Nakache und Éric Toledano führten Regie. Von ihnen stammt zugleich auch das Drehbuch. „Ziemlich beste Freunde” basiert auf einer wahren Geschichte, Vorlage dafür war der Roman „Le second souffle” des beim Paragliding verunglückten Philippe Pozzo di Borgo und seinem Pflegehelfer. (Croire 2013)

4.1 Inhalt

Eine der zwei Hauptfiguren des Films ist der wohlhabende, isoliert lebende Philippe, der seit einem schweren Unfall vom Hals abwärts gelähmt ist und auf Unterstützung rund um die Uhr angewiesen ist. Die andere ist der aus einem Pariser Vorort stammende, kleinkriminelle Driss der Philippe durch seine ungezwungene Art aus seinem Alltag holt und ihm neuen Lebensmut gibt. Was als Arbeitsverhältnis anfängt entwickelt sich bald zu einer innigen Freundschaft.

[...]

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Details

Titel
Unterschiede zwischen Original und Synchronfassung. Anhand des Beispiels des Filmes "Intouchables" / "Ziemlich beste Freunde"
Hochschule
Karl-Franzens-Universität Graz
Note
2
Autor
Jahr
2017
Seiten
14
Katalognummer
V383835
ISBN (eBook)
9783668591622
ISBN (Buch)
9783668591639
Dateigröße
469 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Les Intouchables, audiovisuelle Translation
Arbeit zitieren
Marion Moll (Autor), 2017, Unterschiede zwischen Original und Synchronfassung. Anhand des Beispiels des Filmes "Intouchables" / "Ziemlich beste Freunde", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/383835

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