Allegorien der sterblichen, kranken, ruinierten Europa in den Romanen 'Der Neger Jupiter raubt Europa' von Claire Goll,'Die Eurokokke' von Yvan Goll und 'Lisas Zimmer' von Hilde Spiel


Hausarbeit (Hauptseminar), 2003

19 Seiten, Note: sehr gut


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Allegorie

3. Allegorie und Symbol

4. Mythos: Zeus entführt Europa

5. Allegorie in den Romanen „Der Neger Jupiter raubt
Europa“ von Claire Goll, „Die Eurokokke“ von Yvan
Goll und „Lisas Zimmer“ von Hilde Spiel
5.1 „Der Neger Jupiter raubt Europa“ von Claire Goll
5.1.1 Allegorie in „Der Neger Jupiter raubt Europa“
5.1.2 Geschichtlicher Hintergrund
5.2 „Die Eurokokke“ von Yvan Goll
5.2.1 Allegorie in der „Eurokokke“
5.2.2 Stilmittel
5.3 „Lisas Zimmer“ von Hilde Spiel
5.3.1 Erste Ebene
5.3.2 Zweite Ebene: Allegorische Bedeutung

6. Resümee

7. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Die vorliegende Seminararbeit behandelt Allegorien in den Romanen „Der Neger Jupiter raubt Europa“ von Claire Goll, „Die Eurokokke“ von Yvan Goll und „Lisas Zimmer“ geschrieben von Hilde Spiel. Beginnend mit einer kurzen Betrachtung der Allegorie im Allgemeinen und im Zusammenhang mit dem „Symbol“, gebe ich weiterhin eine Einführung in den griechischen Mythos, in dem die phönizische Prinzessin Europa von Zeus entführt wird. Ausgehend von diesem Mythos behandle ich den Roman „Der Neger Jupiter raubt Europa“ und stelle vergleichend Unterschiede und Gemeinsamkeiten heraus. Zur Klärung der Hintergründe füge ich einen kurzen Überblick über den geschichtlichen Hintergrund des Romans an.

Weitergehend untersuche ich den Roman „Die Eurokokke“ auf Allegorien und Stilmittel, ebenso wie den letzten Roman „Lisas Zimmer“, der wiederum auf den mythischen Praetext von Zeus und Europa aufbaut.

2. Allegorie

Bevor es die Allegorie als Mittel der literarischen Rhetorik gab, entstand ihr Pendant – die Allegorese – als hermeneutische Methode. Man verteidigte die ‚skandalösen homerischen Göttergeschichten’, indem man darauf verwies, dass die Texte etwas anderes meinen, als sie im eigentlichen Wortsinn ausdrücken.

„Allegorie ist der Name für eine Struktur des Verweisens, in der Text und Bild, Materialität und Bedeutung, Zeichenhaftigkeit und Geschichtlichkeit in eine gemeinsame Konfiguration gebracht werden.“[1] Ein allegorischer Text beinhaltet zwei Bedeutungen, man kann ihn auch eine Anders-Rede nennen. Die erste Bedeutung ist geheim, verborgen und allegorisch, während die zweite Bedeutung nur äußerlich und historisch ist. Die Allegorie drückt etwas durch Worte aus und etwas anderes durch den Sinn. Hierbei kann festgehalten werden, dass sie etwas direkt und indirekt sagt.

Die Allegorie verlangt in diesem Zusammenhang ein von Autor und Leser gemeinsam geteiltes Wissen, welches ersetzten muss, was explizit nicht genannt wird.

Hierbei wird eine reine Allegorie von einer gemischten Allegorie unterschieden. „In der reinen Allegorie wird die allegorische Bedeutung implizit zu verstehen gegeben, in der gemischten Allegorie wird explizit angegeben, was die allegorische Bedeutung ist.“[2]

Die allegorische Bedeutung eines Textes wird auch Praetext genannt, da der Bedeutungszusammenhang vorausgesetzt wird und zeitlich meist vorausgeht, die initiale Bedeutung wird einfach Text genannt. Der Praetext beinhaltet das schon Gesagte, Bekannte, Gewusste und Erinnerbare. Es sind nicht nur Texte, sondern auch Ereignisse und Situationen. Der Text hingegen legt den Praetext aus und kommentiert ihn, indem er ihn vergegenwärtigt und wiederholt.

Unterschieden werden zwei Formen literarischer Allegorien: Zum Ersten die narrative und zum Zweiten die deskriptive Allegorie. Unter narrativen Allegorien sind allegorische Erzählungen und Romane zu verstehen, welche eine betonte Handlungsstruktur haben, wie Reise, Pilgerfahrt, Suche oder Jagd. Auch das dramatische Modell des Kampfes kann zur narrativen Allegorie gerechnet werden.

Werden eine Situation, ein Raum, eine Landschaft oder ein Gebäude beschrieben, liegt eine deskriptive Allegorie vor, wobei auch narrative Elemente enthalten sein können. Oft ist die deskriptive Allegorie auch gleichzeitig eine explikative Allegorie, das heißt es wird explizit angegeben, was die allegorische Bedeutung ist. Zur deskriptiven Allegorie gehören ebenfalls die Ding-, Zeit- und Zahlenallegorien und die allegorischen Deutungen von Pflanzen und Tieren.

„Allegorische Gattungstypen sind z.B. das Sprichwort („Der Krug geht so lange zum Brunnen, bis er bricht“)“[3] und das allegorische Rätsel. „Satire und Parodie, sei es eines literarischen Textes, sei es eines sozialen Verhaltens, können allegorische Strukturen eignen.“[4] Auch Fabel, Gleichnis, Parabel, Drama und Predigt kennen allegorische Strukturen. Walter Benjamin beschreibt die Allegorie mit diesen Worten: „Allegorie […] ist nicht spielerische Bildertechnik, sondern Ausdruck, so wie Sprache Ausdruck ist, ja so wie Schrift.“[5]

3. Allegorie und Symbol

Als Gegenbegriff zur Allegorie, erhält das Symbol seine terminologische Fixierung, welche sich jedoch erst Ende des 19. Jahrhunderts ganz durchsetzt. In der Klassik und Romantik ist dagegen schwer auszumachen, ob der Begriff Symbol als Gegenbegriff oder als Synonym für Allegorie verwendet wird.

Das Symbol bedeutet das Allgemeine, Übergreifende, das Unendliche, das heißt Überindividuelle. Goethe beschreibt Allegorie und Symbol als gleichberechtigte Formen.

„Die Allegorie verwandelt die Erscheinung in einen Begriff, den Begriff in ein Bild, doch so, dass der Begriff im Bilde immer noch begrenzt und vollständig zu halten und zu haben und an demselben auszusprechen sei. Die Symbolik verwandelt die Erscheinung in Idee, die Idee in ein Bild, und so, daß die Idee im Bild immer unendlich wirksam und unerreichbar bleibt und, selbst in allen Sprachen ausgesprochen, doch unaussprechlich bliebe.“[6]

Die Allegorie ist also eine bildliche Darstellung eines Gedankens bzw. eines Begriffs. Sie wird oft vom Symbol (Goethe) dadurch abgegrenzt, dass sie im Gegensatz dazu nicht nur das ‚bedeutet’, was sie darstellt, sondern es geradezu ‚ist’. Dies wird besonders offensichtlich, wenn die Allegorie als Personifikation auftritt, z.B Liebe als Amor, Justitia, Frau Welt, etc.

Im Gegensatz zur neueren literaturwissenschaftlichen Diskussion, in der eine auffällige Zurückhaltung dem Begriff des Symbols gegenüber herrschte, gewann der Symbolbegriff in der Psychoanalyse, Theologie, Ethnologie, Soziologie und Lernpsychologie eine immer wichtiger werdende Bedeutung. Diskutiert wurde sogar darüber, den Symbolbegriff in der Literaturwissenschaft ganz fallen zu lassen und durch die Begriffe ‚Metapher’ oder ‚Allegorie’ zu ersetzen. „Der Ausdruck Symbol kann ein arbiträres, konventionelles Zeichen, aber auch das Gegenteil, ein durch Analogie oder durch einen Sachzusammenhang motiviertes Zeichen bedeuten.“[7] Im Grunde genommen, handelt der Mensch immer symbolisch. Egal was er tut, es drückt immer etwas aus.

Der griechische Symbolbegriff umfasst drei Merkmale: „Symbol als Zeichen, Symbol als Empirisches, das als Empirisches eine Bedeutung trägt, und Symbol als Zusammenhang.“[8] Für Goethe muss das Symbol zwei Bedingungen erfüllen. Es muss anschaulich und repräsentativ sein. Repräsentation bedeutet in diesem Fall Stellvertretung und Vergegenwärtigung.

Walter Benjamin vertritt den Standpunkt, Allegorie und Symbol seien identisch durch das naturale Moment. „Im Symbol verklärt sich der – allegorische – Untergang. Mit ihm offenbart sich das transfigurierte Antlitz der Natur im Lichte der Erlösung flüchtig.“[9]

Das Symbol kann formal als ein Textelement definiert werden, „das zugleich eine indizierende und eine metaphorische Bedeutung hat.“[10] „Zwischen Symbol und Symbolisiertem herrscht eine notwendige Kontiguität, beide gehören demselben Geschehenszusammenhang an, demselben raum-zeitlichen Erfahrungsfeld“[11], wogegen die Allegorie zwei Bedeutungszusammenhänge erzählt, die diskontinuierlich miteinander verbunden sind. Natürlich kommen daher in einem Allegorie-Text auch Symbole vor.

[...]


[1] Eva Horn u. Manfred Weinberg (Hg.): „Allegorie“. Konfigurationen von Text, Bild und Lektüre. Opladen/Wiesbaden: Westdeutscher Verlag GmbH 1998, S.8.

[2] Gerhard Kurz: Metapher, Allegorie, Symbol. 4. Auflage. Göttingen: Vandenhoeck und Ruprecht 1997, S.40.

[3] Kurz, S. 51.

[4] ebd. S. 51.

[5] Walter Benjamin: Allegorie und Trauerspiel. In: ders.: Walter Benjamin: Ursprung des deutschen Trauerspiels. Frankfurt a.M. Suhrkamp-Verlag 1963, S.178.

[6] Kurz, S.54.

[7] Kurz, S.67.

[8] ebd. S. 69.

[9] Naeher, Jürgen: „Walter Benjamins Allegorie-Begriff als Modell“. Zur Konstitution philosophischer Literaturwissenschaft. Stuttgart: Klett-Cotta 1977, S. 199.

[10] Kurz, S. 76.

[11] ebd. S.77.

Ende der Leseprobe aus 19 Seiten

Details

Titel
Allegorien der sterblichen, kranken, ruinierten Europa in den Romanen 'Der Neger Jupiter raubt Europa' von Claire Goll,'Die Eurokokke' von Yvan Goll und 'Lisas Zimmer' von Hilde Spiel
Hochschule
Universität Paderborn
Note
sehr gut
Autor
Jahr
2003
Seiten
19
Katalognummer
V38398
ISBN (eBook)
9783638374736
ISBN (Buch)
9783638762342
Dateigröße
507 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Allegorien, Europa, Romanen, Neger, Jupiter, Europa, Claire, Goll, Eurokokke, Yvan, Goll, Lisas, Zimmer, Hilde, Spiel
Arbeit zitieren
Evelyn Fast (Autor), 2003, Allegorien der sterblichen, kranken, ruinierten Europa in den Romanen 'Der Neger Jupiter raubt Europa' von Claire Goll,'Die Eurokokke' von Yvan Goll und 'Lisas Zimmer' von Hilde Spiel, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/38398

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