Die Geschlechtsrollenforschung unterscheidet zwischen dem biologischen (männlich/weiblich) und dem psychologischen Geschlecht (maskulin/feminin), also die mit dem biologischen Geschlecht verbundenen Erwartungen und Charakteristika. Trotz der Transformation unserer Gesellschaft ist die geschlechtliche Arbeitsteilung (Mann arbeitet und bringt Geld nach Hause, Frau bleibt daheim und zieht die Kinder gross und kümmert sich um den Haushalt) noch immer präsent. Durch dieses Gesellschaftsbild, das schon in der Schule praktiziert wird (Buben wird Interesse an Technik attestiert), ist es für junge Mädchen aufgrund des traditionellen Gesellschaftsbildes schwer, einen technischen Beruf zu ergreifen. Frauen sind - obwohl sie die Mehrheit der Bevölkerung repräsentieren - keine Konstrukteurinnen der Informations- und Kommunikationsgesellschaft und sind daher technikdistanziert. Der Computer wird hiebei als „Werkzeug der Männer“ definiert, da dieser nach den Bedürfnissen der Männer funktioniert. Frauen, die das Internet nutzen, haben andere Kommunikations- und Informationsbedürfnisse, nutzen Webseiten auch anders als Männer und erwarten immer mehr auf sie abgestellte Informationen, die jedoch von Informationsanbietern nicht immer angeboten werden.
Inhaltsverzeichnis
Geschlecht und Internet – keine erkennbaren Forschungsstränge
Geschlechtsrollenentwicklung
Androgyniekonzept – Frauen werden selbstbewußter
Frauen und ihre Einstellung zur Technik
Distanzierte Einstellung der Frau zum Computer
Frauen nutzen das Internet anders als Männer
Kommunikation der Frauen im Internet
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die geschlechtsspezifischen Einstellungen und das Nutzungsverhalten von Frauen in Bezug auf PC und Internet, um die bestehende wissenschaftliche Lücke bezüglich der Bedürfnisse weiblicher Online-Userinnen zu schließen.
- Analyse des Einflusses der Geschlechtsrollenentwicklung auf das Technikinteresse
- Untersuchung der distanzierten Haltung von Frauen gegenüber der männlich dominierten Computerkultur
- Vergleich des Nutzungsverhaltens und der Informationsbedürfnisse von Frauen und Männern im Internet
- Erforschung der geschlechtsspezifischen Kommunikationsmuster in virtuellen Räumen
Auszug aus dem Buch
Androgyniekonzept – Frauen werden selbstbewußter
Das Androgyniekonzept das in den 70iger Jahren entwickelt und durch gesellschaftliche und feministische Entwicklungen initiiert wurde, weicht von der Perspektive maskulin/feminin ab. Das Konzept betrachtet die beiden Pole als zwei Dimensionen, die zueinander rechtwinkelig in Beziehung stehen. Jedes Individium nimmt auf diesen beiden Dimensionen einen beliebigen Punkt ein und kann sowohl maskuline wie feminine Eigenschaften erreichen. Demnach ergeben sich nicht nur zwei Ausprägungen wie feminin/maskulin, sondern vier denkbare vom biologischen Geschlecht unabhängige psychologische Geschlechtsrollenorientierungen: feminin, maskulin, undifferenziert und androgyn.
Androgyne Gechlechtsrollenidentität zeichnet sich auf der Persönlichkeitsebene durch gleichzeitig hohe Werte der positiven, sozial erwünschenswerten, maskulinen und feminen Dimensionen aus. Das Modell definiert Maskulinität über positive instrumentelle Eigenschaften (unabhängig, selbstsicher, aktiv) und Feminität über sozial erwünschte expressive Charakteristika (freundlich, sanft, hilfsbereit). Androgyne Frauen sind demnach „flexibel in der Bewältigung maskuliner wie feminer Aufgaben, sind leistungsmotivierter, sozial kompetenter und hilfsbereiter“.
Zusammenfassung der Kapitel
Geschlecht und Internet – keine erkennbaren Forschungsstränge: Dieses Kapitel stellt fest, dass es trotz existierender Literatur keine umfassende theoretische Einbettung zum Verhältnis von Geschlecht und Internet gibt.
Geschlechtsrollenentwicklung: Hier wird erläutert, wie gesellschaftliche Erwartungen und traditionelle Arbeitsteilung die Sozialisation und das Interessenprofil von Männern und Frauen prägen.
Androgyniekonzept – Frauen werden selbstbewußter: Das Kapitel führt das Konzept der Androgynie ein, bei dem Personen unabhängig vom biologischen Geschlecht sowohl maskuline als auch feminine Eigenschaften vereinen können.
Frauen und ihre Einstellung zur Technik: Hier wird dargelegt, dass das Verständnis des Computers als "Werkzeug der Männer" mit einer analytischen Logik korrespondiert, die von der lebensweltorientierten Perspektive vieler Frauen abweicht.
Distanzierte Einstellung der Frau zum Computer: Das Kapitel beschreibt, warum Frauen dem Internet oft mit einer kritisch-pragmatischen Haltung begegnen und einen zielgerichteten Nutzen einfordern.
Frauen nutzen das Internet anders als Männer: Hier werden Unterschiede im Medienkonsum aufgezeigt, wobei Frauen stärker praxisorientierte Inhalte und soziale Kommunikation suchen als "harte Fakten".
Kommunikation der Frauen im Internet: Dieses Kapitel analysiert, wie Frauen in virtuellen Räumen versuchen, männlicher Dominanz zu entgehen, und welchen Herausforderungen sie in unstrukturierten Online-Interaktionen gegenüberstehen.
Schlüsselwörter
Geschlecht, Internet, Geschlechtsrollenentwicklung, Androgyniekonzept, Technikdistanz, Computerkultur, Sozialisation, Nutzungsverhalten, Informationsbedürfnis, Online-Kommunikation, Medienidentität, geschlechtsspezifische Unterschiede, Internetnutzung, Web Usability, Frauenportale
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit den unterschiedlichen Einstellungen und dem Nutzungsverhalten von Frauen im Vergleich zu Männern bei der Verwendung von PC und Internet.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Die zentralen Felder sind die geschlechtsspezifische Sozialisation, das Androgyniekonzept, die Wahrnehmung von Technik durch Frauen sowie geschlechterbezogene Kommunikationsmuster im Cyberspace.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, auf das geringe wissenschaftliche Interesse an den Bedürfnissen von Online-Userinnen aufmerksam zu machen und die geschlechtsspezifischen Differenzen in der Internetnutzung theoretisch und empirisch zu beleuchten.
Welche wissenschaftliche Methode wird primär verwendet?
Die Autorin stützt sich auf eine Literaturanalyse bestehender sozialwissenschaftlicher Studien und Konzepte zur Geschlechterforschung und Mediennutzung.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil behandelt die theoretischen Grundlagen der Geschlechtsrollen, die Distanz von Frauen zur Technik, Unterschiede im Online-Einkaufsverhalten sowie die Kommunikation in virtuellen Räumen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Geschlechtsrolle, Technikdistanz, Internetnutzung, Androgynie, Sozialisation und mediale Kommunikation definiert.
Warum wird das Androgyniekonzept als wichtig für Frauen hervorgehoben?
Es wird angeführt, da es Frauen ermöglicht, sich vom traditionellen, auf biologisches Geschlecht fixierten Rollenbild zu lösen und flexibler in technischen oder leistungsorientierten Lebensbereichen zu agieren.
Welche Rolle spielt das Internet für Frauen in Bezug auf geschlechtsstereotype Erwartungen?
Das Internet bietet die Möglichkeit, die reale Geschlechtlichkeit zu verbergen und sich so einer negativen, stereotypen Bewertung in heterogeschlechtlichen Diskussionsrunden zu entziehen.
- Quote paper
- Christa Bernert (Author), 2004, Mailen, Mäuse, Megabytes - Einstellungen und Nutzungsverhalten des weiblichen Geschlechts zu PC und Internet, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/38399