Entwicklung der Massenmedien und Strukturwandel der Öffentlichkeit


Hausarbeit, 2005
17 Seiten, Note: 1.0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Zum normativen Begriff der Öffentlichkeit
2.1. Begriffsgeschichte
2.2 Normative Bedeutung des Begriffes „Öffentlichkeit“

3. Funktions- und Strukturwandel der Medien
3.1. Historischer Strukturwandel der Medien
3.2. Moderne Entwicklungslinien der Massenmedien

4. Funktions- und Strukturwandel der Öffentlichkeit
4.1. Die Kommerzialisierung der Öffentlichkeit oder der Kampf um Aufmerksamkeit
4.2. Die Entsachlichung der öffentlichen Politik
4.2.1. Die Machteliten und der Kampf um Aufmerksamkeit
4.2.2. Der Kampf um Aufmerksamkeit nicht-regierender Organisationen
4.3 Monopolisierung und Zersplitterung der Öffentlichkeit

5. Zusammenfassung

6. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

In der liberalen Demokratietheorie wird der (politischen) Öffentlichkeit eine besondere Rolle zugesprochen. Im Idealfall soll die Öffentlichkeit die 4. Säule der Demokratie darstellen. Indem das Prinzip Öffentlichkeit sowohl die Entscheidungsfindung als auch die Machtkontrolle gewährleisten soll, ist Öffentlichkeit eine Bedingung der Legitimität moderner Herrschaftsordnungen, die auf mehrheitliche Zustimmung angewiesen ist. Diese Position macht sie zu einem Vermittler zwischen Staat und Gesellschaft.

Dabei haben sich Information und deren öffentliche Wahrnehmung im vergangenen Jahrhundert rapide geändert. Die klassischen Vermittler zwischen Staat und Gesellschaft, wie Parteien, Verbände oder andere Interessensgruppen, haben an Bedeutung verloren und an ihre Stelle ist eine neue, scheinbar allumfassende Macht getreten: Die Massenmedien. Zeitungen, Hörfunk und in besonderem Maße das Fernsehen bestimmen einen Großteil der Masseninformation des modernen Alltagslebens und sind zur entscheidenden Plattform der öffentlichen Meinung geronnen.

Dabei zwingen aufwendige Produktions- und Distributionsmittel die Medien, anders als frühere Kommunikationswege, nach vorwiegend kommerziellen Gesichtspunkten zu funktionieren. Zudem verändern moderne Techniken wie Satellitensysteme oder das Internet die Kommunikationsstruktur der Gesellschaft in einschneidender Weise. Auch Information und Öffentlichkeit unterliegen der Globalisierung und sind von einer ständigen Vermehrung, Beschleunigung und Verdichtung von Kommunikation geprägt.

In der vorliegenden Arbeit soll versucht werden, die Implikationen der massenmedialen Funktionsweise auf die Öffentlichkeit und ihren Wandel zu untersuchen.

Im ersten Kapitel der Arbeit soll dabei eine Darstellung der Rolle der Öffentlichkeit und der Anspruch an sie im Rahmen demokratischer und liberaler Theorien erfolgen. Im weiteren geht es um die Entwicklung der Massenmedien: Wie hat die spezifische Funktionsweise moderner Massenmedien die heutige Öffentlichkeit, bzw. öffentliche Meinung verändert. Zuletzt soll ein Versuch unternommen werden, die Frage nach der Funktionstüchtigkeit und Kontrollfähigkeit der Öffentlichkeit im Sinne des eingangs erwähnten Anspruchs, zu beantworten.

Das sich diese Arbeit auf einem schmalen Weg zwischen der Scylla der Auslassung und der Charybdis der Verkürzung bewegen wird, ist dabei dem geringen Umfang dieser Arbeit geschuldet.

2. Zum normativen Begriff der Öffentlichkeit

2.1. Begriffsgeschichte

Bis ins 18. Jahrhundert hinein existierte das Wort „Öffentlichkeit“ in der deutschen Sprache nicht und wird erst in dieser Zeit in Analogie zum französischen „publicité“ und dem englischen Begriff „publicity“ gebildet. Als Adjektiv, „öffentlich“, besteht dieses Wort jedoch schon länger und bezeichnete „bekannt“ im Gegensatz zu „geheim“, beziehungsweise „privat“. „Wenn der Begriff der Öffentlichkeit erst im 18. Jahrhundert entsteht, kann davon ausgegangen werden, dass die Sphäre, die nach diesem Begriff verlangt, erst in dieser Zeit entstanden ist“ ( Habermas, 1999: 56.). Doch welche historischen Vorgänge verlangen nach der Konstruktion dieses neuen Begriffes?

2.2 Normative Bedeutung des Begriffes „Öffentlichkeit“

Der Begriff der Öffentlichkeit wird zum Schlagwort der im 18. Jahrhundert neu aufstrebenden Klasse: Des Bürgertums[1]. Es konstituiert sich unter dem Begriff der Öffentlichkeit eine aufstrebende bürgerliche Gesellschaft als Gegengewicht und Pendant zur monarchischen, staatlichen Herrschaft und wird aufgrund seiner wirtschaftliche Bedeutung auch zu einer politischen Kategorie ( Jahr, 2000: 40). Die Veröffentlichung von politischen Vorgängen sollte geheime Kabinettsverhandlungen ersetzen und eine Kontrolle durch die Bürger ermöglichen. Dabei sollte das Bürgertum, das bisher von politischen Entscheidungen ausgeschlossen war, nach den Vorstellungen der Aufklärer, durch eine gemeinsame öffentliche Meinung, politisch wirksam werden. Der jeweilige Monarch sollte so gezwungen werden, seine Politik vor den Bürgern zu rechtfertigen legitimieren. (Herrmann, 2002: 15). Ein solcher Anspruch war insofern revolutionär, als dass sich traditionelle Herrschaftsordnungen bisher nur durch allgemeinverbindliche Entscheidungen, wie Legitimation durch Herkunft und traditionelles Recht, konstituierten. Durch das doppelte Prinzip der Öffentlichkeit, die fortan sowohl die Entscheidungsfindung als auch eine Machtkontrolle gewährleisten sollte, wurde Öffentlichkeit Bedingung für die Legitimität moderner Herrschaftsordnungen, die somit auf demokratische Zustimmung rekurrieren müssen (Jarren/Imhof/Blum, 2000: 9).

Nach der Philosophie der Aufklärer sollte das nun mündig gewordene Publikum auf der Basis von Vernunft und Moral eine aktive Rolle einnehmen und Meinungs-, Versammlungs-, und Pressefreiheit einfordern. Der Anspruch an die Politik moralisch und vernunftbasiert zu sein, ließ sich jedoch kaum mit der Arkanpolitik der Herrscher oder der herrschenden Stände vereinbaren. Denn diese handelten und entschieden teils selbstherrlich und autoritär, teils in Geheimpolitik nach ihren eigenen Partikularinteressen (Jahr, 2000: 40).

Dabei hat der Anspruch auf Moral und Vernunft in der Öffentlichkeit eine entscheidende Implikation, nämlich die aufklärirische und bürgerliche Konstruktion einer Dichotomie zwischen Öffentlichkeit und Privatheit, ohne die der Begriff einer vernunftbasierten Öffentlichkeit nicht denkbar wäre. Während einerseits für politische Vorgänge Öffentlichkeit postuliert wird, fordert der neue Bürger gleichzeitig einen privaten Freiheitsraum ein. Diese individuelle Freiheit verlangt nach einer Beschränkung von staatlicher Kontrolle. Denn zur Verwirklichung dieser Freiheit bedarf es eines Raumes, auf den der Staat keinen Zugriff erhält. So soll sich auch die öffentliche Meinung frei von privatem Interesse gestalten, da nur so eine unabhängige, vernunftbasierte öffentliche Kommunikation stattfinden kann (Herrmann, 2002: 16). Öffentlichkeit und Privatheit werden zu streng voneinander getrennten Sphären.

Dieser normativer Anspruch an eine demokratische Kontrollfunktion bürgerlicher Öffentlichkeit impliziert allerdings eine unausgesprochene Voraussetzung: nämlich dass die Gesellschaft sich aus gleichen und freien Bürgern zusammensetzt, die zum Wohle der Allgemeinheit auf der Grundlage von Vernunft verhandeln. Diese Vorstellung behauptet, dass es historisch eine Entwicklungsstufe moderner Gesellschaften gegeben habe, die sich durch das Vorhandensein einer emanzipierten, politischen, autonomen und nicht mediatisierten Öffentlichkeit zutreffend beschreiben ließe (Rödel, 1996: 68). Doch genau dies ist nicht das Motiv, aus dem diese Argumentation entsteht. Vielmehr handelt es sich bei der Ausführung um eine theoretische Argumentationslinie, die einerseits die Herkunft des Begriffs Öffentlichkeit darlegt, und andererseits den normativen Anspruch an Öffentlichkeit untermauern soll[2].

[...]


[1] Zur Genese der bürgerlichen Öffentlichkeit siehe: Habermas, 1999: S. 69 ff.

[2] An diesem Punkt widerspreche ich den Ausführungen Rödels, der in seinem Aufsatz „Mediatisierte Öffentlichkeiten – Ist die Zivilgesellschaft noch zu retten?“ die Auffassung vertritt, dass ein rekurrieren auf diesen Ansatz implizit voraussetze, dass es sich dabei um eine konkrete historische Entwicklungsstufe gehandelt habe. (vgl. dazu: Rödel, 1996: 68 ff.)

Ende der Leseprobe aus 17 Seiten

Details

Titel
Entwicklung der Massenmedien und Strukturwandel der Öffentlichkeit
Hochschule
Universität Bremen
Note
1.0
Autor
Jahr
2005
Seiten
17
Katalognummer
V38418
ISBN (eBook)
9783638374866
ISBN (Buch)
9783638778794
Dateigröße
537 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Diese Hausarbeit behandelt die vorwiegend kommerzielle Funktionsweise der Massenmedien und die daraus entstehenden Implikationen für die moderne politische Öffentlichkeit.
Schlagworte
Entwicklung, Massenmedien, Strukturwandel
Arbeit zitieren
Richard von Korff Schmising (Autor), 2005, Entwicklung der Massenmedien und Strukturwandel der Öffentlichkeit, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/38418

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