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Die Dating-App "Tinder". Lösungsversuch eines Spannungsverhältnisses?

Eine kulturphilosophische Betrachtung

Title: Die Dating-App "Tinder". Lösungsversuch eines Spannungsverhältnisses?

Term Paper (Advanced seminar) , 2014 , 18 Pages , Grade: 1,7

Autor:in: Felix Wieduwilt (Author)

Philosophy - Miscellaneous
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Gucken wir uns die globale Gesellschaft an, so fällt ein Fakt besonders auf: es besteht eine konstante Spannung zwischen dem Tabu-Thema Sex und dessen Fetischisierung als Ware. Im Alltag werden wir regelrecht mit der Versuchung nach Sex und Erotik bombardiert, was besonders beim realitätsfernen Bild der Frau sichtbar wird, da sie oft und vielseitig mit üppigen Rundungen und viel Haut auf diversen Medien erscheint. Gleichsam wird jedoch das Thema Sex und Erotik nur zaghaft bis gar nicht nach außen getragen. Das wohl prominenteste Bespiel dieser Ambivalenz ist die Werbung. Es wird zwar mit Sexualität und viel Haut geworben, jedoch gibt es eine Art Aufsicht, die allzu sexistisches Auftreten in der Werbung rügt und abmahnt. Es herrscht ein öffentliches Tabu, welches Sex verbannt - wir müssen selber damit umgehen. Diese Gegenüberstellung ist offensichtlich ein Widerspruch mit sich selbst. Auf der einen Seite werden wir aufgefordert, uns dem hinzugeben und auf der anderen Seite sollen wir darüber nicht reden. Wie können wir mit diesem Spannungsverhältnis als Individuum nun umgehen? Es muss ein Lösungsversuch her. Untersuchungsgegenstand dieses Gedankenspiels soll die App Tinder sein, die sich weltweit großer Beliebtheit erfreut, obwohl ihr Funktionsumfang äußerst begrenzt ist.

Diese Untersuchung soll der Frage nachgehen: Ist Tinder ein Regulator, um die Zerrissenheit zwischen Es, Außenwelt und Über-Ich in der aktuellen globalen Kultur zu balancieren? Tinder soll hier stellvertretend als Beispiel für andere Plattformen und Webseiten angesehen werden, da es augenscheinlich nur einen minimalen Nenner der Dating und Porno-Industrie anbietet, aber gleichsam in vollem Umfang Bedürfnisse befriedigt.

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Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Beschreibung von Tinder

3. Die globale Kultur

4. Triebe und das Ich in der Kultur

4.1 Die Ausprägungen des Ichs

4.2 Triebe innerhalb der Kultur

5. Tinder als Lösungsversuch

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit untersucht, inwiefern die Dating-App Tinder als Regulator fungieren kann, um das Spannungsfeld zwischen den menschlichen Trieben (dem Es), den Anforderungen der Außenwelt und dem Über-Ich innerhalb der gegenwärtigen globalen Kultur zu auszubalancieren.

  • Kulturphilosophische Analyse digitaler Dating-Technologien
  • Anwendung der Freudschen Triebtheorie auf modernes Dating-Verhalten
  • Untersuchung von Entmenschlichung und Homogenisierung durch Technik
  • Rolle von Phantasie und Illusion als Bewältigungsstrategie des Individuums
  • Kritische Betrachtung von Selbstpräsentation und anonymer Bedürfnisbefriedigung

Auszug aus dem Buch

5. Tinder als Lösungsversuch

Wie ich bereits in der Überschrift im Punkt 5 behaupte, ist Tinder ein Lösungsversuch, um mit den kulturellen Ambivalenzen umzugehen. Dabei ist Tinder keine klassische Dating-Plattform, auf der sich Menschen in Kategorien präsentieren und ewig lange Fragebögen ausfüllen, um ein möglichst einheitliches Profil zu erstellen, was möglichst der Mehrheit gefällt. Illouz schreibt dazu: „Im Zusammenhang mit Online-Partnersuchdiensten nimmt die Selbstpräsentation aber einen gegensätzlichen Charakter an: vorausgesetzt wird eine Bewegung nach Innen, die auf den festen Kern des Selbst zielt (wer bin und was will ich?), sie ist allgemein und standardisiert (man präsentiert sich mit einem standardisierten Fragebogen). [...] Die Arbeit der Selbstpräsentation entfernt sich von wirklichen sozialen Auftritten und zielt weder visuell noch sprachlich auf einen konkreten, spezifischen anderen, sondern auf ein verallgemeinertes, abstraktes Publikum.“

Tinder weicht jedoch von der standardisierten Selbstpräsentation der Cluster-Bildung erheblich ab, vielmehr arbeitet Tinder mit einer Zerstreuung, statt mit einer Standardisierung. Und dennoch erzeugt die App einen Reiz, es zu nutzen. In Tinder werden zwar Profile von Nutzern mit gemeinsamen Interessen eher einander vorgestellt, als Profile ohne gemeinsame Interessen, jedoch bieten diese kein Standardisierungs-Potential, wie es Fragebögen mit vorgegebenen Antwortmöglichkeiten bieten, die zuvor Illouz im Sinn hatte.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet das Spannungsverhältnis zwischen dem gesellschaftlichen Tabu von Sex und dessen gleichzeitiger Fetischisierung als Ware, wobei Tinder als potenzieller Lösungsversuch für dieses Problem eingeführt wird.

2. Beschreibung von Tinder: Dieses Kapitel erläutert die Funktionsweise der App, die Anmeldung über soziale Netzwerke und die Art und Weise, wie Nutzer einander als "Ware" katalogisieren und bewerten.

3. Die globale Kultur: Hier wird der Kulturbegriff nach Redner eingeführt, der auf Technik, Ethos und Repräsentation basiert, und die Auswirkungen der digitalen Transformation sowie der Entmenschlichung auf das Individuum diskutiert.

4. Triebe und das Ich in der Kultur: Dieser theoretische Teil nutzt Freuds Schriften, um die Entwicklung des Ichs, des Über-Ichs und des Es im Kontext kultureller Zwänge und Verdrängungsmechanismen zu analysieren.

4.1 Die Ausprägungen des Ichs: Detaillierte Betrachtung der psychischen Instanzen nach Freud und deren Kampf um Identität und Triebregulierung innerhalb der gesellschaftlichen Strukturen.

4.2 Triebe innerhalb der Kultur: Analyse der Triebunterdrückung und des notwendigen Verzichts im gesellschaftlichen Zusammenleben, sowie der Ersatzbefriedigung durch Sublimierung.

5. Tinder als Lösungsversuch: Das Hauptkapitel verbindet die theoretischen Ausführungen mit der App Tinder und argumentiert, dass diese als anonymer Raum zur Triebbefriedigung und als Schutzraum vor der Realität fungiert.

Schlüsselwörter

Tinder, Kulturphilosophie, Sigmund Freud, Sexualtrieb, Ich, Über-Ich, Es, Triebsublimierung, Entmenschlichung, Digitale Technologie, Narzissmus, Dating-Plattform, Ersatzkultur, Globalisierung, Phantasie.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht Tinder unter einem kulturphilosophischen Blickwinkel, insbesondere unter Anwendung der Psychoanalyse nach Sigmund Freud, um das Dating-Verhalten in einer durch Technik geprägten Welt zu erklären.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Die zentralen Themenfelder sind die digitale Gesellschaft, die Theorie des Sexualtriebs, die Rolle des Gewissens (Über-Ich) und die psychologischen Mechanismen von Dating-Apps.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Das Ziel ist die Beantwortung der Frage, ob Tinder als Regulator fungieren kann, um die Zerrissenheit des Individuums zwischen eigenen Trieben, äußeren gesellschaftlichen Normen und dem Über-Ich auszubalancieren.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit verwendet eine kulturphilosophische Betrachtungsweise und stützt sich dabei maßgeblich auf die Texte von Sigmund Freud sowie soziologische Konzepte zur digitalen Kultur.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Im Hauptteil werden die Funktionsweise von Tinder, die Grundlagen der Freudschen Triebtheorie sowie die These diskutiert, dass Tinder ein Linderungsmittel für das Individuum in einer entmenschlichten Welt darstellt.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die wichtigsten Begriffe sind Tinder, Freud, Trieb, Kultur, Entmenschlichung, Narzissmus und Digitale Technologie.

Warum spielt das Über-Ich bei der Nutzung von Tinder eine Rolle?

Da Tinder einen anonymen Raum bietet, in dem Nutzer ihre sexuellen Wünsche ohne unmittelbare soziale Sanktionen ausleben können, wird die strenge moralische Instanz des Über-Ichs entlastet.

Wie wirkt Tinder als "Katalog"?

Durch die Gestaltung der Oberfläche reduziert Tinder den anderen Menschen auf sein Abbild und macht ihn konsumierbar wie eine Ware, was die soziale Interaktion auf eine ja/nein-Entscheidung vereinfacht.

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Details

Title
Die Dating-App "Tinder". Lösungsversuch eines Spannungsverhältnisses?
Subtitle
Eine kulturphilosophische Betrachtung
College
Free University of Berlin  (Philosophie)
Grade
1,7
Author
Felix Wieduwilt (Author)
Publication Year
2014
Pages
18
Catalog Number
V384210
ISBN (eBook)
9783668592605
ISBN (Book)
9783668592612
Language
German
Tags
Freud Tinder Dating
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Felix Wieduwilt (Author), 2014, Die Dating-App "Tinder". Lösungsversuch eines Spannungsverhältnisses?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/384210
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