Künstlerische Bildung und Kunstpädagogik im Vergleich. Anhand kunstpädagogischer Ansätze von Carl Peter Buschkühle und Pieranglo Maset


Hausarbeit, 2016
12 Seiten, Note: 1,7

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Theorie und Praxis der kunstlerischen Bildung
2.1 Beispiel des kunsterlischen Projekts ,,Papier - spielerische Erkundung und Transformation eines Materials"

3. Theorie und Praxis der asthetischen Operation nach Maset
3.1 Beispiel der asthetischen Operation,,Operation Nachtmalerei"

4. Vergleich asthetische Operation und kunstlerische Bildung Fazit

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Praktisch umgesetzte Kunstpadagogik wird im kunstlerisch padagogischen Diskurs immer wieder thematisiert. (Acoso, 2016) Es gibt viele Vertreter in dem Bereich der Kunst und der Padagogik mit verschiedenen Ansatzen zur praktischen Gestaltung des kunstlerischen Vermittlungs-prozesses.

Pierangelo Maset[1] stellt in seinem Text zur asthetischen Operation aus dem Buch „Praxis, Kunst, Padagogik" folgendes Ziel an die zeitgenossische Kunstpadagogik: „Kunstlerische, wissenschaftliche und padagogische Arbeit muss integral begriffen und praktiziert werden." (vgl. Maset 2001, S. 34) Dieses Ziel formuliert er als eines von „sechs Basics" fur eine zeitgenossische Kunstpadagogik nachdem er sein Konzept der asthetischen Operation zur praktischen Umsetzung der Kunstpadagogik in Vermittlungsprozessen vorstellt.

In dieser Ausarbeitung mochte ich das Konzept von Maset mit dem Konzept der kunstlerischen Bildung von Carl-Peter Buschkuhle[2] vergleichen und herausfinden welche Gemeinsamkeiten diese beiden Konzepte haben aber auch welche Moglichkeiten und Grenzen sie jeweils aufweisen.

Als angehende Kunstlehrerin stelle ich mir immer wieder die Frage, wie man den Schulerinnen und Schulern Kunst vermitteln kann und wie man dies in die Praxis des Schulalltags unterbringen kann. Diese Ausarbeitung ist fur mich eine erste Annaherung an eine mogliche praktische Umsetzungeines kunstdidaktischen Prozesses.

Zuerst erlautere ich die Theorie der kunstlerischen Bildung von Carl Peter Buschkuhle und dann das Konzept der asthetischen Operation von Pieranglo Maset, stelle jeweils ein Praxisbeispiel auf und setze die beiden Begriffe anschlieRend in den direkten Vergleich.

2. Theorie und Praxis der kunstlerischen Bildung

Der Begriff der kunstlerischen Bildung von Carl-Peter Buschkuhle entstand aus dem erweiterten Kunstbegriff nach Joseph Beuys[3] und beinhaltet als zentrale Zielperspektive das kunstlerische Denken und Handeln, die Positionierungsfahigkeit des Individuums und die Fahigkeit eigene Standpunkte zu formulieren und zu verantworten.

„Kunsterlische Bildung orientiert sich in ihren Inhalten, Zielen und Methoden an der Kunst" (Buschkuhle 2010, S. 21), wobei sie sich nicht mit der Vermittlung von kunsterlischen Fertigkeiten, wie Zeichnen, Malen oder fiktives Schreiben beschaftigt. Dabei entstehen kunstdidaktische Prozesse aus der Kunst heraus und werden selbst als kunsterlische Prozesse gestaltet (Buschkuhle, 2012).

Kunsterlische Bildung hat die Aufgabe eine individuelle Geistes- und Lebenshaltung herauszubilden, die die Grundlage fur kunsterlisches Denken bildet. Mit kunsterlischem Denken ist das Verstandnis, die Erfahrung, die Mimensis und die Wahrnemung im kunsterlischen Feld gemeint. Dabei beruht das Verstandnis darin, den Sinn oder die Bedeutung eines Werkes zu verstehen. Dies ist eng mit der Erfahrung verknupft, welche immer Vorwissen basiert ist und somit das Verstandnis des Werkes beeinflusst. So kann die Erfahrung gar banal sein. Zum Beispiel das Erkennen eines Gegenstands in dem Werk und die unterbewusste oder auch bewusste Verknupfung mit der Epoche, der Stilrichtung oder des Kunstlers. Dringt dieses Vorwissen in den Vordergrund, so beeinflusst es die eigene Wahrnehmung des Werkes. Das Werk steht nun fur ein Zeugnis eines historischen Weltbildes oder einer bestimmten Stilrichtung. Ein erfahrender Betrachter kann nach Buschkuhle jedoch stets zuruck in den Modus der Mimensis kehren und somit Bezuge zwischen der mimentischen Wirkung des Bildes und des Werkes als Zeugnis der Zeit oder der Stilrichtung herstellen, die sich gegenseitig inspirieren, anregen aber auch irritieren konnen (vgl. Buschkuhle 2012, S. 18-19).

In der Praxis aktiviert die kunstlerische Bildung das kunsterlische Denken durch spielerisch- experimentelle Prozesse, die beabsichtigen, die eigene Kreativitat und die Selbstbetimmung im kunsterlischen Handeln zu aktivieren. Dabei ist eine strukturelle Komplexitat und eine narrative Multiperspektivitat essentiell fur einen bildorientierten kunsterlischen Bildungs- prozess. Das Erkunden und Transformieren von Kontexten durch personliche Auseinander- setzung mit dem Werk spielt hier eine zentrale Rolle. In traditionellen Unterrichtsformen wie z.B. dem Frontalunterricht dessen Vordergrund in der Vermittlung von operatio- nalisierbaren Techniken liegt und eingespannt in vorgegeben Zeittakten der Unterrichts- stunden steht, kann dieser Bildungsprozess nur schlecht eingebunden werden. Buschkuhle sieht daher die Arbeitsform der kunstlersichen Projektarbeit als angemessen, da das Projekt einen breiten Zeitrahmen bietet, der fur die intensive kunsterlische Auseinandersetzung erforderlich ist (vgl. Buschkuhle 2010, S. 169).

Das kunsterlische Projekt stellt verschiedene Interaktionsformen dar, wie der Selbstorganisation von Gruppen, Zielen und Vorgehensweisen und offnet so den Kunstunterricht hinsichtlich inhaltlicher und methodischer Vorgehensweisen. Die Schulerinnen und Schuler arbeiten im kunsterlischen Projekt werkorientiert an der eigenen kunsterlischen Position gegenuber dem Werk und bilden dadurch ihre eigene Wahrnehmung und kunsterlische Selbstreflexion aus (vgl. Buschkuhle 2010, S. 170).

Nach Carl-Peter Bsuchkuhle konnen drei grundlegende Arbeitsformen des kunsterlischen Projektes herauskristallisiert werden: „Recherche - Konstruktion - Transformation" (vgl. Buschkuhle 2012, S. 36). Bildbetrachtung und das Studium von projektbezogenen Texten sind Elemente der Recherche, die den Erwerb von Wissen und notwendiger Fertigkeiten oder sinnvoller Erfahrung beinhaltet. Daruber hinaus kann die Recherche auch handwerkliche Techniken beinhalten oder Exkursionen zu Orten, die bedeutsam fur das Projekt sind.

Die Konstruktion versucht relevante Zusammenhange herzustellen, wie gesellschafts- politische oder juristischer Apsekte eines Projektes. Die Konstruktion kann jedoch auch die Dokumentation und Diskussion uber das eigene Arbeitsvorgehen beinhalten, die in einem kunsterlischen Projekt durch die Transformation erweitert wird. Sie stellt den Kern des kunsterlischen Projektes dar und orientiert sich an der Gestaltung eines Werkes anhand der vorher erarbeiteten Zusammenhange des Projektes und bringt die Schuler dazu, eine eigene Position einzunehmen und diese in die Gesaltung des Werkes einflieRen zu lassen (vgl. Buschkuhle 2012, S. 37).

Im nachfolgendem Punkt werde ich ein kunstlerisches Projekt von Carl-Peter Buschkuhle vorstellen aus denen die drei kunsterlischen Phasen Recherche-Konstruktion-Transformation hervorgehen.

2.1 Beispiel des kunsterlischen Projekts „Papier - spielerische Erkundung und Transformation eines Materials"

Das vorgestellte Projekt wurde in einer lO.KIasse eines Gymnasiums durchgefuhrt. Durch den Aufbau des Projektes kann es gut in den Schulalltag integriert werden und dient somit als nutzliches Beispiel fur die Gestaltung einer Unterrichtsreihe zu dem Medium Papier.

Zu Beginn des Projektes liegen den Schulerinnen und Schulern verschiedene Papierarten vor. Ohne thematische oder problemorientierte Fragestellung bekommen die Schuler[4] lediglich die Aufgabe sich mit dem verfugbaren Papier zu beschaftigen. Dieser erste Teil des Projektes ist die Recherche, welche die sinnvollen Erfahrungen mit dem Medium beabsichtigt (vgl. Buschkuhle 2010, S. 208).

Ergebnis Dreidimensionale Formungen, wie:

Papierballe, zerrissene Papierstreifen und lose Rollen.

Die Schuler sollen nun ihr Vorgehen ausformulieren und die vorher entstandenen Formungen als Ausgangspunkt fur neue Formungen mit gezielten Gestaltungsmethoden nutzen. Die Dokumentation des eigenen Vorgehens spiegelt in diesem Projekt die Konstruktion wieder.

Ergebnis

Dokumentation/Ausformulierung der Dokumentation des ersten eigenen Gestaltungsmethoden Gestaltungsprozesses

lm nachsten Schritt, der Transformation entwickeln die Schuler ihre eigenen Werke und lernen in Einzelgesprachen mit dem Lehrer, ihre eigenen Schwierigkeiten sowie Ziele im Gestaltungsprozess zu formulieren (vgl. Buschkuhle 2010, S. 210).

[...]


[1] Pierangelo Maset ist Hochschullehrer fur Kunstvermittlung in Luneburg und publiziert in den Bereichen der asthetischen Bildung, Asthetik, Kunst und Kunstvermittlung.

[2] Carl-Peter Buschkuhle ist Hochschullehrer fur Kunstpadagogik und hat die kunstlerische Bildung, sowie die philosophische Asthetik und Kulturtheorie als Forschungsschwerpunkte.

[3] Joseph Beuys erweiterter Kunstbegriff: Jeder Mensch ist ein Kunstler, wenn er diese Verantwortung fur sein Leben wahrnimmt. (Buschkuhle, 2012)

[4] Zur Vereinfachung verwende ich nur den Begriff „Schuler" meine damit aber Schulerinnen und Schuler.

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Details

Titel
Künstlerische Bildung und Kunstpädagogik im Vergleich. Anhand kunstpädagogischer Ansätze von Carl Peter Buschkühle und Pieranglo Maset
Hochschule
Carl von Ossietzky Universität Oldenburg
Note
1,7
Autor
Jahr
2016
Seiten
12
Katalognummer
V384211
ISBN (eBook)
9783668593411
ISBN (Buch)
9783668593428
Dateigröße
414 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
künstlerische, bildung, kunstpädagogik, vergleich, anhand, ansätze, carl, peter, buschkühle, pieranglo, maset
Arbeit zitieren
Monique Lohmann (Autor), 2016, Künstlerische Bildung und Kunstpädagogik im Vergleich. Anhand kunstpädagogischer Ansätze von Carl Peter Buschkühle und Pieranglo Maset, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/384211

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