Die vorliegende Arbeit widmet sich dem seit den 90er Jahren anwachsenden Trend zur All-Age-Literatur, welcher sich in den Bestsellerlisten abzeichnet. Unter den 25 meist verkauften Hardcover-Romanen der letzten zehn Jahre (Stand 2016) finden sich immerhin zwölf, die der All-Age-Literatur zugerechnet werden.
Ausgehend von der Feststellung, dass sich Kinder- und Jugendliteratur im Bezug auf die verwendeten Darstellungsweisen der Erwachsenenliteratur signifikant angenähert hat, kommt den in der KJL anzutreffenden Formen von Adaption eine wichtige Bedeutung für die textinterne Unterscheidung der für Kinder und Jugendliche geschriebenen Texte (spezifische KJL) von denen für Erwachsene zu. Nun stellt sich die Frage, wie es um die Formen und Grade von Adaption in All-Age-Literatur bestellt ist, ob diese also einen Einfluss darauf besitzen, dass die Rezeption durch eine hinsichtlich des Alters heterogene Leserschaft Begünstigung erfährt.
Als Musterbeispiel für die Untersuchung der Mittel von Adaption in All-Age-Romanen wird Joanne K. Rowlings Harry Potter herangezogen, da dieser weithin als Ausgangspunkt des allseitigen Interesses am Phänomen All-Age gilt.
Inhaltsverzeichnis
1) Einleitung
2) Der All-Age-Roman als Grenzerscheinung zwischen Jugend- und Allgemeinliteratur
2.1) Entwicklung moderner Kinder- und Jugendliteratur
2.2) Trend zur ‚All-Age-Literatur’
2.3) Fantasy und All-Age
3) Formen von Adaption im All-Age-Roman Harry Potter
3.1) Stoffliche Adaption
3.2) Formale Adaption
3.2) Sprachlich-stilistische Adaption
3.3) Thematische Adaption
3.4) Axiologische/wertende Adaption
3.5) Mediale Adaption
4) Bedeutung auftretender Formen und Grade von Adaption für eine All-Age-Zuordnung
5) Fazit
6) Literaturverzeichnis
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Formen und Grade von Adaption in der Romanreihe "Harry Potter" und analysiert deren Einfluss auf die Eignung der Bücher als "All-Age-Literatur", um zu verstehen, warum diese Werke eine altersübergreifende Leserschaft ansprechen.
- Entwicklung und Definition der modernen Kinder- und Jugendliteratur
- Phänomen der All-Age-Literatur und Crossover-Fiction
- Zusammenhang zwischen Fantasy-Gattungen und altersübergreifender Rezeption
- Kategorisierung von Adaptionsformen (stofflich, formal, sprachlich, thematisch, axiologisch, medial)
- Analyse der narrativen und inhaltlichen Gestaltungsmittel in Harry Potter
Auszug aus dem Buch
3.1) Stoffliche Adaption
Die stoffliche Adaption geht von Stoffen im weiteren Sinne aus. Mit dem gewählten Stoff ist „[…] das in der Wirklichkeit existierende Material, das ein Autor zur literarischen Gestaltung nutzen kann“, gemeint. Der weit gefasste Stoff-Begriff bezieht sich also nicht auf feststehende Personennamen und ist nicht an aus der literarischen Tradition bekannte, grundsätzlich festgefügte Handlungsverläufe gebunden. Eine stoffliche Adaption liegt folglich dann vor, wenn das Material für das ‚Was‘ der Darstellung der Erfahrungswelt von Kindern beziehungsweise Jugendlichen entspringt.
Im Fall von Harry Potter bieten sich zahlreiche Anschlusspunkte zur Lebenswelt von Kindern und Jugendlichen. Die Suche Harrys nach seiner Identität sowie dessen Hineinwachsen in die Rolle eines Verantwortung Tragenden sind typische Motive des Erwachsenwerdens und als solche besonders mit der Lebenswelt von Kindern und Jugendlichen verbunden.
Indem Harry aufgrund seiner Elternlosigkeit und der Unterdrückung durch die Dursleys einerseits ein Beispiel für einen unter Minderwertigkeitsgefühlen leidenden als auch parallel dazu ein Beispiel eines durch seinen Ruhm in der Zauberwelt geprägten Jugendlichen ist, vereint Rowling die beiden in der Pubertät besonders stark ausgeprägten Gefühlswelten in der Figur ihres Protagonisten. Hier sei auf die von Ewers herausgestellte Eigenschaft der spielenden Identifikation mit den Heroen der Fantasy verwiesen (vgl. 2.3). Auch die Angst zu versagen (vgl. z.B. Buch 1, S.112: Harry hat Angst, seinem Ruhm nicht gerecht zu werden) sowie die Sehnsucht nach (sportlichem) Erfolg (vgl. z.B. Buch 1, S.111: Ron schildert den Druck, den seine erfolgreichen Brüder auf ihn ausüben) sind als allgegenwärtige Realitäten von Kindern und Jugendlichen zu betrachten.
Zusammenfassung der Kapitel
1) Einleitung: Die Einleitung führt in den Trend der All-Age-Literatur ein und formuliert die Forschungsfrage nach der Bedeutung von Adaptionsformen für die altersübergreifende Rezeption am Beispiel von Harry Potter.
2) Der All-Age-Roman als Grenzerscheinung zwischen Jugend- und Allgemeinliteratur: Dieses Kapitel erläutert die theoretischen Grundlagen von Kinder- und Jugendliteratur, den Aufstieg der All-Age-Literatur und die enge Verknüpfung des Genres mit Fantasy-Literatur.
3) Formen von Adaption im All-Age-Roman Harry Potter: Der Hauptteil analysiert die spezifischen Adaptionsformen (stofflich, formal, sprachlich, thematisch, axiologisch, medial) und deren Anwendung in den Romanen von J.K. Rowling.
4) Bedeutung auftretender Formen und Grade von Adaption für eine All-Age-Zuordnung: Hier werden die Ergebnisse der Adaptionsanalyse zusammengeführt und diskutiert, wie diese die Klassifikation der Reihe als All-Age-Literatur begründen.
5) Fazit: Das Fazit resümiert, dass Harry Potter durch das geschickte Ausbalancieren von vordergründigen und tiefen Sinnebenen sowie die Behandlung existenzieller Fragen erfolgreich eine altersübergreifende Leserschaft anspricht.
6) Literaturverzeichnis: Auflistung der verwendeten Primär- und Sekundärliteratur.
Schlüsselwörter
All-Age-Literatur, Kinder- und Jugendliteratur, Harry Potter, Adaption, Crossover-Fiction, Fantasy, Stoffliche Adaption, Formale Adaption, Identifikation, Mehrfachadressierung, Romananalyse, J.K. Rowling, Literarische Kompetenz, Literaturdidaktik, Erzähltheorie
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit untersucht, durch welche literarischen Adaptionsformen die "Harry Potter"-Romane eine Brücke zwischen Kinder- und Jugendliteratur sowie Erwachsenenliteratur schlagen und so als All-Age-Literatur funktionieren.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Die zentralen Felder umfassen die Definition von All-Age-Literatur, die Theorie der Crossover-Fiction und die detaillierte Analyse narrativer Anpassungsstrategien in den Harry Potter-Bänden.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Die Arbeit fragt, welche Formen und Grade von Adaption in Harry Potter vorliegen und welchen Einfluss diese auf die Rezeption durch eine altersheterogene Leserschaft ausüben.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Autorin stützt sich auf die von Carsten Gansel vorgeschlagene Unterscheidung von Adaptionsformen in der Kinder- und Jugendliteratur und ergänzt diese durch erzähltheoretische Ansätze und Fantasy-Definitionen nach Hans-Heino Ewers.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Im Hauptteil werden die Kategorien stoffliche, formale, sprachlich-stilistische, thematische, axiologische und mediale Adaption detailliert auf die Harry Potter-Reihe angewandt und exemplarisch durch Textstellen belegt.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit am besten?
Die Arbeit wird primär durch Begriffe wie All-Age-Literatur, Crossover-Fiction, Adaptionsformen, Harry Potter und literarische Mehrfachadressierung definiert.
Wie verändert sich die formale Adaption im Verlauf der Harry Potter-Reihe?
Die Arbeit stellt fest, dass sich sowohl die formale als auch die mediale Adaption mit steigender Bandzahl reduzieren, was die zunehmende Komplexität und den Anspruch der Serie widerspiegelt.
Welche Rolle spielt die Fantasy-Gattung für die All-Age-Tauglichkeit der Bücher?
Laut der Untersuchung ermöglicht die Fantasy-Gattung durch ihr Potenzial zur symbolischen Darstellung philosophischer und weltanschaulicher Fragen eine tiefere Ebene, die auch erwachsene Leser anspricht.
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- Anna Leckel (Author), 2017, Formen von Adaption in "Harry Potter" und deren Bedeutung für eine All-Age-Zuordnung, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/384252