Chancen und Probleme einer bildlichen Bibeldidaktik. Hubertus Halbfas Überlegungen zu bildlichen Darstellungen biblischer Inhalte


Hausarbeit, 2016

18 Seiten, Note: 14 Punkte


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1) Einleitung

2) Probleme und Aufgaben einer Bibeldidaktik

3) Das didaktische Konzept Hubertus Halbfas’ - Die

Symboldidaktik

4) Kritische Betrachtung der bildlichen Darstellung

biblischer Inhalte auf der Basis der Überlegungen

Hubertus Halbfas’

5) Frage nach den Chancen und Problemen der Nutzung

von Bildern in der Bibeldidaktik

6) Fazit

7) Literaturverzeichnis

1) Einleitung

Vor dem Hintergrund der problematischen Stellung der Bibel im heutigen Religionsunterricht, widmet sich die vorliegende Arbeit der Frage, ob beziehungsweise inwiefern die Bibeldidaktik durch eine Verbindung mit Bildern profitieren kann.

Peter Biehl hat bereits festgestellt: „Eine an den Symbolen orientierte biblische Didaktik ist geeignet, den Herausforderungen einer postmodernen pluralen Kultur und Gesellschaft zu entsprechen.“1 Diese Beobachtung soll auf die bildlichen Darstellungen biblischer Geschichten angewandt und überprüft werden, ob diese einen symbolischen Wert haben, der der Vermittlung biblischer Inhalte zuträgt.

Dafür wird Bezug genommen auf den symboldidaktischen Ansatz Hubertus Halbfas’, der sich im Zusammenhang mit seinen Überlegungen auch eingehend mit bildlichen Darstellungen der biblischen Geschichten auseinandergesetzt und diese im Hinblick auf ihre Leistung bewertet hat. Seine Überlegungen gewinnen insofern an Bedeutung, als im sogenannten „optischen Zeitalter“ eine Flut von Bildern auf die Schülerinnen und Schüler2 eindringt und dieses Reizniveau deren Erwartungen an den Schulunterricht beeinflusst.3 Daraus ergibt sich außerdem die Schwierigkeit, dass die didaktisch eingesetzten Bilder einen besonderen Wert aufweisen müssen, um sich von der inflationären Bildverwendung im Alltag abheben zu können.4

Zunächst wird daher im Folgenden kurz ein Blick auf die Probleme der Bibeldidaktik geworfen sowie Halbfas’ Konzept der Symboldidaktik dargestellt. Daran schließt sich mit Bezugnahme auf die zuvor gelegten Grundlagen eine kritische Betrachtung bildlicher Darstellungen biblischer Inhalte an, wobei auch Halbfas’ eigene Bewertungen dieser berücksichtigt werden. Als Extrakt der Betrachtung wird abschließend herausgestellt, welche Chancen die Nutzung von Bildern im Rahmen der Bibeldidaktik eröffnet und welche Probleme dabei möglicherweise auftreten.

2) Probleme und Aufgaben einer Bibeldidaktik

Der Gebrauch der Bibel im Unterricht sieht sich in der heutigen Zeit verschiedenen Schwierigkeiten gegenübergestellt. Mit der zunehmenden Säkularisierung nimmt das Interesse der SuS an der Bibel und ihren Inhalten immer mehr ab.5 Horst Klaus Berg sieht die Probleme der Bibeldidaktik vor allem im fehlenden Bezug zur historischen Wirklichkeit der damaligen Zeit - also der historischen Plausibilität - , der sich zunehmend dezimierenden gesellschaftlichen Relevanz und individuellen Bedeutung für die SuS.6

Häufig wird das Potenzial der Bibel für die aktuelle Lebenswirklichkeit nicht erkannt. Dies liegt vor allem daran, dass Unklarheit darüber herrscht, wie mit der Heiligen Schrift adäquat umgegangen und gearbeitet werden kann. Besonders vor dem Hintergrund der für SuS meist schwer verständlichen Sprache und der damit einhergehenden Verständnisschwierigkeiten stellt sich die Frage, was eine Bibeldidaktik leisten muss, um die Bibel wieder Sinn bringend in den Unterricht integrieren zu können.

Der Stellenwert der Bibel innerhalb des Religionsunterrichts wird häufig diskutiert, jedoch spricht für die Auseinandersetzung mit dieser „alten“ Schrift, dass sie zum einen dazu beiträgt, die eigene Vergangenheit zu verstehen, zum anderen die Kommunikation mit anderen Glaubensrichtungen und letztlich die Herausbildung einer eigenen Identität ermöglicht.7

Somit erklärt sich auch die Notwenigkeit der Präsenz der Bibel im Religionsunterricht. Als Teil des kulturellen Gedächtnisses befähigt sie die SuS zu einer Auseinandersetzung mit der Entstehung ihrer Kultur. Zudem finden sich in ihr Wege sowohl zur Problembewältigung als auch ‚Kontingenzbewältigung‘, die Anwendung im Leben der SuS finden können. Durch die in der Bibel enthaltenen Symbole erschließen sich den SuS Zugänge zu tieferen Wahrheiten, was die Auseinandersetzung mit allgemeingültigen Normen und Werten erleichtern kann, sofern das Verstehen der Symbolsprache durch die SuS erlernt wird. Zuletzt bietet die Bibel als Traditionsbuch der christlichen Religion eine Identifikationsmöglichkeit mit dieser und deren letztgültigen Wahrheiten.8

Da der Religionsunterricht genau diese Ansprüche verfolgt9, leistet die Beschäftigung mit den Inhalten der Bibel einen wichtigen Beitrag zu der Verwirklichung dieser sowohl von der deutsche Bischofs- als auch der Kultusministerkonferenz formulierten Ziele.

Wie eine Bibeldidaktik innerhalb der Schule beschaffen sein muss, wird aus diesem Grund bereits breit diskutiert. Einen interessanten Ansatz bietet zum Beispiel Gerd Theißen mit seiner ‚offenen Bibeldidaktik‘10 wie auch zahlreiche andere.

Die vorliegende Arbeit legt, wie bereits herausgestellt, den Fokus auf die Möglichkeiten bildlicher Darstellungen biblischer Inhalte für eine an SuS adressierte Bibeldidaktik.

3) Das didaktische Konzept Hubertus Halbfas’ - Die Symboldidaktik

Aufbauend auf seinem Symbolverständnis entwickelte der katholische Theologe Hubertus Halbfas vor dem Hintergrund der Kritik am ‚Problemorientierten Religionsunterricht‘11 ein neues didaktisches Konzept.

Halbfas versteht das Symbol als „[…] spezifische Ausdrucksgestalt religiöser Erfahrung und Kommunikation, ohne deren Verständnis die Religionen in ihrer eigentlichen Mitte nicht erschlossen werden können.“12 Da er die Symbole als für den Religionsunterricht so elementar betrachtet, sieht Halbfas auch nur durch sie die Chance gegeben, den SuS zu begegnen und die seiner Meinung nach bestehenden Defizite des Religionsunterrichts13 aufzuheben.

Das Potenzial der Symbole für den Religionsunterricht macht er hauptsächlich a n drei Wirkungsarten dieser fest. Symbole hätten demnach eine Entlastungsfunktion, die zu Konfliktlösungen beitragen könne. Außerdem habe das Symbol eine Orientierungsfunktion, da es Erfahrungen mit tieferen Wirklichkeiten verbinde und somit integrierend und identitätsstiftend sei. Zuletzt spricht Halbfas den Symbolen eine Vermittlungsfunktion zu, welche sein didaktisches Konzept entscheidend beeinflusst. Diese biete das Symbol aufgrund seiner Möglichkeit, Wirklichkeit in Berücksichtigung all ihrer enthaltenen Dimensionen darzustellen und zwischen diesen zu vermitteln. So agierten Symbole auch als Vermittlungsinstanz zwischen menschlichen und religiösen Erfahrungswelten.14

Demnach sieht Halbfas das Ziel des Religionsunterrichtes darin, der von ihm festgestellten Symbolunfähigkeit der Kinder durch eine Sensibilisierung für Symbole zu begegnen. Es bestehe nämlich bereits ein emotionaler Bezug und eine kindliche Intuition für diese. Das Entwickeln des „inneren Symbolsinns“15 sei nur durch Einüben möglich, weshalb der Religionsunterricht als Schule für das „Dritte Auge“16 anzusehen sei.17

Um dieses Ziel zu realisieren hält Halbfas es für notwendig, symbolisches Interesse in den Lehrplan zu integrieren und das Material auf dieses neu auszurichten.18

Als geeignete Methode, um mit SuS den Umgang mit Symbolen zu üben, bietet Halbfas die mittelalterliche Bibel- und Bildinterpretation dar, die Deutungselemente enthalte, die der Erschließung von Symbolen zuträglicher seien als diejenigen moderner Ansätze. Es handelt sich bei der genannten Methode um die ‚Vierfache Einsicht‘.19

Diese verortet die Interpretation auf vier aufeinander aufbauenden Ebenen. Auf der ersten Ebene, der Dimension des Faktischen, finden geschichtliche und sachliche Gesichtspunkte Berücksichtigung, die zum Verständnis des Kontextes beitragen. Die Ebene des doppelten Sinns verbindet anschließend das theologische Wissen mit einem inneren Sinn und geht somit auf die heilsgeschichtliche Bedeutung ein. Im dritten Schritt geschieht eine existentielle Auseinandersetzung, deren Schlüssel bereits gemachte Erfahrungen sind. Um diese Ebene zu erreichen, ist eine Einwirkung auf das Individuum, die ungeplant geschieht und eine Veränderung und die Erkenntnis einer Relevanz für das eigene Leben auslöst, Vorraussetzung. Die sogenannte Hinaufführung (Anagogia) ist die vierte und letzte Ebene, durch die es gelingen soll, die tiefere transzendente Wirklichkeit im Symbol zu erkennen. Halbfas räumt jedoch ein, dass dieser Schritt als Ideal anzusehen und nur unter bestimmten Voraussetzungen überhaupt möglich sei.20

4) Kritische Betrachtung der bildlichen Darstellung biblischer Inhalte auf der Basis der Überlegungen Hubertus Halbfas’

In Anlehnung an sein didaktisches Konzept der Symboldidaktik untersuchte Halbfas den Einsatz von Bildern im Religionsbuch. Dabei stellte er verschiedene Tendenzen fest.

Im Rahmen des Themas der vorliegenden Arbeit erscheinen vor allem die Betrachtungen derjenigen Bilder mit Bezug zur Bibel bedeutsam. Hier unterschied Halbfas eine historische, stilisierende und kindertümelnde Tendenz voneinander. Erstere, für die er das Beispiel von Bibelcomics wie die Heftserie Die Bibel im Bild21 anführte, machten der Form nach den Anschein, einen historischen Bericht abzubilden und verfehlten somit die theologische Botschaft.

[...]


1 Biehl, Peter: Bibeldidaktik als Symboldidaktik. Sprung Spurensuche Wahrnehmung. In: Bibeldidaktik. Eine Lese- und Studienbuch.

2 Im Folgenden wird der Ausdruck Schülerinnen und Schüler durch SuS abgekürzt.

3 Vgl. Halbfas: Das dritte Auge, 51-53.

4 Halbfas spricht in diesem Zusammenhang davon, den inneren Bildsinn anzusprechen; vgl. dazu Halbfas, Hubertus: Das dritte Auge, 52.

5 Vgl. Theißen: Zur Bibel motivieren, 16.

6 Vgl. Berg.: Ein Wort wie Feuer, 16-18.

7 Vgl. Theißen: Zur Bibel motivieren, 47-53.

8 Vgl. Theißen: Zur Bibel motivieren, 111f.

9 Vgl. http://www.kmk.org/fileadmin/Dateien/veroeffentlichungen_beschluesse/2002/2002_12_13-Situation- Kathol-Religionsunterr.pdf, 18. (abgerufen am 04.08.2016 um 17:30 Uhr)

10 Vgl. Theißen: Zur Bibel motivieren.

11 Vgl. Halbfas: Das dritte Auge, 19f.

12 Halbfas: Das dritte Auge, 15.

13 Vgl. Halbfas: Das dritte Auge, 15-18.

14 Vgl. Halbfas: Das dritte Auge, 119-123.

15 Halbfas: Das dritte Auge, 86.

16 Halbfas: Das dritte Auge, 128.

17 Vgl. Halbfas: Das dritte Auge, 128.

18 Vgl. Halbfas: Das dritte Auge, 130.

19 Vgl. Halbfas: Das dritte Auge, 125.

20 Vgl. Halbfas: Das dritte Auge, 125-127.

21 Die Bibel im Bild. Deutsche Bibelstiftung Stuttgart/von Cansteinsche Bibelanstalt Bielcfeld, 1976.

Ende der Leseprobe aus 18 Seiten

Details

Titel
Chancen und Probleme einer bildlichen Bibeldidaktik. Hubertus Halbfas Überlegungen zu bildlichen Darstellungen biblischer Inhalte
Hochschule
Justus-Liebig-Universität Gießen
Note
14 Punkte
Autor
Jahr
2016
Seiten
18
Katalognummer
V384256
ISBN (eBook)
9783668594463
ISBN (Buch)
9783668594470
Dateigröße
427 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
chancen, probleme, bibeldidaktik, hubertus, halbfas, überlegungen, darstellungen, inhalte
Arbeit zitieren
Anna Leckel (Autor), 2016, Chancen und Probleme einer bildlichen Bibeldidaktik. Hubertus Halbfas Überlegungen zu bildlichen Darstellungen biblischer Inhalte, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/384256

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