Zu Beginn der Arbeit werden die Begriffe „Modalität“, „Grammatikalisierung“ und „Deixis“ aufgrund der besonderen Relation zwischen den Phänomenen erläutert, wobei besonders auf das Verhältnis von Grundmodalität und epistemischer Modalität eingegangen wird. Anschließend erfolgt eine Beschreibung der Gebrauchsweisen der Modalverben und der Oppositionen des Modussystems. Des Weiteren werden die grundlegenden Inhalte des Grammatikalisierungsprozesses, und zwar seine Parameter und Phasen beschrieben. Danach wird die Theorie zur Grammatikalisierung in Hinblick auf die Modalverben müssen und sollen konkretisiert. Abschließend folgt eine Zusammenfassung der vorliegenden Arbeit mit einem knappen Ausblick.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. „Modalität“, „Grammatikalisierung“ und Deixis – Begriffsbestimmung
3. Die Modalverben als Klasse der modalen Ausdrucksmittel
3.1 Die Gebrauchsweisen
3.2 Oppositionen des erweiterten Modussystems im Deutschen
4. Entwicklung des deiktischen Gebrauchs von Modalverben
4.1 Parameter der Grammatikalisierung
4.2 Ablaufphasen der Grammatikalisierung
4.3 Grammatikalisierung von müssen und sollen
4.3.1 müssen
4.3.2 sollen
5. Zusammenfassung
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht den Grammatikalisierungsprozess der Modalverben im Deutschen, um Klarheit über deren aktuelle Gebrauchsweisen zu schaffen und den Verlauf dieses Wandels, insbesondere bei den Verben müssen und sollen, nachzuvollziehen.
- Phänomen der Grammatikalisierung und Sprachwandel
- Differenzierung zwischen Grundmodalität und epistemischer Modalität
- Deiktisches Potenzial und Modussystem im Deutschen
- Parameter und Phasen des Grammatikalisierungsprozesses
- Historische Entwicklung des Gebrauchs von müssen und sollen
Auszug aus dem Buch
3. Die Modalverben als Klasse der modalen Ausdrucksmittel
Die Modalverben können ganz unterschiedliche Gebrauchsweisen haben. In der vorliegenden Arbeit wird vor allem auf die epistemischen und die nicht-epistemischen Modalverbvarianten eingegangen. Dazu wurde im vorigen Kapitel schon einiges gesagt, jetzt werden diese präziser erläutert. Nach Diewald (1993: 219f.) sind diese durch zwei folgende Gruppen von Beispielsätzen erkennbar:
(1) a. Sie darf ins Kino gehen b. Sie kann Auto fahren c. Sie mag nicht tanzen d. Sie muß zu Hause bleiben e. Sie soll den Abwasch machen f. Sie will surfen lernen
(2) a. Sie dürfte inzwischen fertig sein b. Sie kann mit dem Auto gefahren sein c. Sie mag recht haben d. Sie muß in der Stadt sein e. Sie soll Sängerin gewesen sein f. Sie will geschlafen haben
Unter (1) sind die nicht-epistemischen, anders auch „nichtmodal“, „deontisch“ oder „objektiv“ genannten, Sätze illustriert. Das grundlegende Konzept dieser Gebrauchsweise liegt in der „syntaktische[n] und semantische[n] Relation zwischen dem Subjekt des Satzes und dem Modalverb, das zusammen mit dem Hauptverb eine komplexe Prädikation über das Subjekt bildet“ (ebd.: 220). In einigen Fällen besteht kein semantischer Zusammenhang zwischen dem Subjekt und dem Modalverb, wie etwa in subjektlosen Sätzen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in das Thema Sprachwandel und Grammatikalisierung ein und legt das Ziel fest, den Grammatikalisierungsprozess der Modalverben zu untersuchen.
2. „Modalität“, „Grammatikalisierung“ und Deixis – Begriffsbestimmung: Hier werden die zentralen theoretischen Begriffe definiert und die Abgrenzung zwischen Grundmodalität und epistemischer Modalität anhand von Beispielen verdeutlicht.
3. Die Modalverben als Klasse der modalen Ausdrucksmittel: Dieses Kapitel erläutert die verschiedenen Gebrauchsweisen der Modalverben und beschreibt das erweiterte Modussystem im Deutschen.
4. Entwicklung des deiktischen Gebrauchs von Modalverben: Dieses Kapitel analysiert die theoretischen Parameter und Phasen der Grammatikalisierung und wendet diese auf die historische Entwicklung der Modalverben müssen und sollen an.
5. Zusammenfassung: Die Zusammenfassung rekapituliert die zentralen Erkenntnisse über den Grammatikalisierungsprozess und die Rolle der Deixis bei der Entwicklung des Modalverbsystems.
Schlüsselwörter
Sprachwandel, Grammatikalisierung, Modalverben, Modalität, Deixis, Grundmodalität, epistemische Modalität, müssen, sollen, Modussystem, Sprachwissenschaft, Diachronie, Semantik, Syntax, Faktizität
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit im Kern?
Die Arbeit befasst sich mit dem Sprachwandel im Bereich der Modalverben und untersucht deren Grammatikalisierungsprozess.
Welche zentralen Themenfelder werden abgedeckt?
Die zentralen Themen sind Modalität, Grammatikalisierung, das Modussystem des Deutschen sowie die historische Entwicklung der Modalverben müssen und sollen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, Einblick in den allgemeinen Grammatikalisierungsprozess zu gewinnen und speziell die Entwicklung des deiktischen Gebrauchs von müssen und sollen zu erhellen.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Es handelt sich um eine theoretisch-linguistische Analyse, die auf bestehender Fachliteratur basiert, um Grammatikalisierungsparameter auf Modalverben anzuwenden.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Begriffsbestimmung, die Darstellung der modalen Gebrauchsweisen, die theoretischen Kriterien des Wandels sowie die spezifische Entwicklungsgeschichte von müssen und sollen.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit lässt sich durch Fachbegriffe wie Grammatikalisierung, Modalität, Deixis und Faktizitätsbewertung charakterisieren.
Was unterscheidet epistemische Modalität von der Grundmodalität?
Die epistemische Modalität ist sprecherorientiert und bewertet die Gültigkeit der Proposition, während die Grundmodalität den Situationsinhalt modifiziert und meist subjektorientiert ist.
Welche Rolle spielt die Deixis bei der Grammatikalisierung?
Die Deixis dient als wesentliches Instrument für den Prozess der Verbindung einer Aussage mit der Sprecherorigo, was für die Herausbildung grammatischer Funktionen fundamental ist.
- Arbeit zitieren
- Dariya Smirnova (Autor:in), 2016, Modalität im Sprachwandel. Grammatikalisierung der Modalverben im Deutschen unter besonderer Berücksichtigung des Verbpaares "müssen/sollen", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/384262